Eine rezidivierende Harnwegsinfektion wird angenommen, wenn eine Rezidivrate von ≥ 2 symptomatischen Episoden innerhalb von 6 Monaten oder ≥ 3 symptomatischen Episoden innerhalb von 12 Monaten vorliegt. Studien belegen, dass E. coli in 70–90 % der Fälle der Hauptverursacher der (rezidivierenden) unkomplizierten Zystitis ist. E. coli kann sich nach einer Blasenentzündung im Darm oder sogar in Zellen der Blasenschleimhaut ansiedeln. Aus solchen Reservoirs können die Bakterien später erneut die Harnwege besiedeln – ein möglicher Grund, warum manche Infektionen trotz zunächst erfolgreicher Behandlung rasch wiederkehren.
Neuer Behandlungsansatz
Eine 2026 veröffentlichte Studie mit einem neuen Therapieansatz aus dem Jahr 2023 zeigte bei nur drei Studienteilnehmerinnen eine deutliche Symptomverbesserung. Die Patientinnen sprachen zuvor weder auf Antibiotika noch auf gängige nicht-antibiotische Behandlungsstrategien an. Alle drei Frauen erhielten eine Phagentherapie (PT) oral und intravesikal (über einen Katheter in die Blase). Zwei Patientinnen erhielten zusätzlich einen fäkalen Mikrobiomtransfer (FMT). Bei der PT soll die bakterielle Infektion mit Bakteriophagen, also speziellen Viren, die krankmachende Bakterien befallen, bekämpft werden. Unterstützend soll mittels FMT das Darmreservoir saniert werden, da sich hier häufig multiresistente E.coli-Kolonien befinden. Durch den Transfer wird die Vielfalt der Darmflora wiederhergestellt und unerwünschte Bakterien werden durch Verdrängung oder Nahrungskonkurrenz eliminiert. Die Behandlungen wurden von den Patientinnen gut vertragen und führten zu keinen spürbaren Nebenwirkungen. Bei den beiden Patientinnen unter Kombinationstherapie gingen die Harnwegsinfekte über zwei Jahre langfristig zurück. Unter alleiniger PT traten weitere Episoden auf, jedoch mit schwächeren Symptomen. Insgesamt verbesserte sich die Lebensqualität deutlich und der Bedarf an Antibiotika nahm ab.
Die Ergebnisse bilden nun die Grundlage für eine groß angelegte Studie, die im Juni 2027 im Rahmen des Projekts REPhRAME beginnen soll. Aktuell handelt es sich noch um einen experimentellen Ansatz, jedoch ist der Bedarf nach einem innovativen Therapiegebiet von großer Bedeutung. Jede zweite Frau erleidet im Laufe ihres Lebens eine HWI. Bei jeder vierten bis fünften Frau kommt es zu wiederkehrenden Infektionen.
Quelle
McCallin S, et al. Nat Microbiol 2026;11:2112–2118. DOI: 10.1038/s41564-026-02409-0