Prinzipiell kommen Influenza, SARS-CoV-2, RSV und Pneumokokken ganzjährig vor, wobei in der kälteren Jahreszeit die Ansteckungswahrscheinlichkeit erhöht ist. Bestimmte Gruppen wie ältere Personen, Patient:innen nach Organtransplantationen oder Menschen während immunologischer oder onkologischer Behandlungen haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen komplizierteren Verlauf oder wiederkehrende Infektionen. Gerade hier ist die Impfung eine gute Präventionsstrategie.
Zusammenhänge zwischen chronischen Erkrankungen und schweren Verläufen verstehen
• Respiratorische Erkrankungen (COPD, Asthma, Lungenfibrose)
Die Lunge ist bereits vorgeschädigt und in ihrer Funktion eingeschränkt. Eine Infektion verursacht zusätzliche Entzündung, Schleimbildung und eine Einschränkung des Gasaustauschs. Das kann zu Asthmaanfällen, einer akuten Exazerbation und einer verschlechterten Lungenfunktion führen.
• Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinsuffizienz/KHK)
Fieber und Entzündungsprozesse erhöhen die Herzfrequenz und damit den Sauerstoffbedarf. Dieser kann aber durch die eingeschränkte Lungenfunktion nicht ausreichend gedeckt werden. Insbesondere bei Influenza steigt außerdem vorübergehend das Risiko für Herzinfarkt und andere kardiovaskuläre Komplikationen.
• Diabetes mellitus
Ein erhöhter HbA1c-Wert geht mit einer verminderten Immunabwehr einher, wodurch die Gefahr schwerer Verläufe steigt. Gleichzeitig erhöhen Infektionen durch die Ausschüttung von Stresshormonen häufig den Blutzucker. Dadurch kann eine bestehende Diabetes entgleisen – bei schweren Infekten kann das bis hin zu einer diabetischen Ketoazidose führen.
• Chronische Nierenerkrankung
Durch die schlechtere Durchblutung der Nieren kann das Blut weniger gut filtriert werden. Dies hat zur Folge, dass urämische Toxine die Funktion verschiedener Immunzellen beeinträchtigen. Gleichzeitig besteht oft eine Fehlregulation des Immunsystems: Es ist dauerhaft aktiviert und reagiert auf Infektionen teilweise weniger effektiv.
• Adipositas
Viszerales Fettgewebe hat endokrine Eigenschaften und kommuniziert direkt mit Immunzellen. In gesundem Maß erfüllt viszerales Fett wichtige Schutzfunktionen und beherbergt diverse Immunzellen. Bei übermäßigem viszeralem Fett kommt es zu chronischen Entzündungsprozessen (Metaflammation). Übergroße Fettzellen leiden unter Hypoxie und Stress. Sie sterben teilweise ab und schütten vermehrt entzündungsfördernde Botenstoffe wie Adipokine und Zytokine aus. Dies lockt Makrophagen aus dem Blutkreislauf an. Es entsteht eine dauerhafte, unterschwellige Entzündung im gesamten Körper, und die Immunantwort bei Infektionen ist eingeschränkt.