Etwas Gutes gegen die Erkältung bitte!“ Ein Satz, der in der Apotheke ständig fällt. Es gilt, das individuell beste Präparat zu ermitteln, denn rezeptfrei, pflanzlich oder natürlich bedeutet nicht automatisch sicher. Die folgende Übersicht zeigt Einschränkungen häufig verwendeter Arzneimittel in der Erkältungssaison, erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Schmerzen und Fieber
Paracetamol1–4
Paracetamol kann grundsätzlich vom Säugling bis ins hohe Alter verwendet werden. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit gehört es zu den Mitteln der Wahl und ist im 3. Trimenon der einzig verfügbare OTC-Wirkstoff gegen Schmerzen und Fieber.
Wechselwirkungen entstehen vor allem mit potenziell hepatotoxischen oder leberenzyminduzierenden Arzneimitteln und Einschränkungen bestehen bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Unterernährung und Alkoholkonsum.
NSAR2,5–10
Ibuprofen kann ab einem Alter von drei Monaten verwendet werden. Acetylsalicylsäure (ASS) darf hingegen bei Kindern nicht zur Anwendung kommen und sollte als Analgetikum auch bei älteren Menschen aufgrund des Risikos für Blutungen, Ulzerationen und Perforationen vermieden werden. In der Schwangerschaft sind NSAR als Analgetika/Antipyretika im 3. Trimenon wegen der Gefahr des vorzeitigen Ductusverschlusses kontraindiziert.
Dehydratation stellt ein Risiko für nierenschädliche Wirkungen unter Anwendung von NSAR dar. Besondere Gefahr für akutes Nierenversagen bestehtbei der gleichzeitigen Einnahme von NSAR mit ACE-Hemmern/AT2-Blockern und Diuretika – diese Kombination führt zu einem als „Triple Whammy“ bezeichneten 3-fachen Angriff auf die glomeruläre Filtrationsrate (siehe Abbildung 1, unten).
Weitere Risikofaktoren dafür sind Alter, Vorerkrankungen wie chronische Nieren- oder Herzinsuffizienz, Diabetes oder auch verminderte Flüssigkeitszufuhr.
Schnupfen
Topische Wirkstoffe11–15
Lokale Wirkstoffe wie z. B. Xylometazolin oder Oxymetazolin können, abhängig von der Dosierung, teils ohne Alterseinschränkung und auch in der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden. Die Anwendung sollte auf maximal 5 bis 7 Tage beschränkt bleiben, da es bei längerem Gebrauch zu einer Gewöhnung mit reaktiver Schleimhautschwellung (Rhinitis medicamentosa) kommen kann.
Einschränkungen ergeben sich aus der möglichen systemischen Aufnahme der Wirkstoffe. Daher ist die korrekte Dosierung vor allem bei vulnerablen Personen, wie Schwangeren und Stillenden, einzuhalten. Hier kann es bei Überdosierung zur Beeinträchtigung der Blutversorgung des ungeborenen Kindes oder auch der Milchproduktion kommen.
Systemische Sympathomimetika16–20
Ephedrin, Pseudoephedrin u. a. kommen in Kombinationspräparaten zur Abschwellung der Nasenschleimhäute vor. Die Arzneistoffe unterliegen vielen Einschränkungen. „Gibt es bei Ihnen sonst noch etwas zu beachten?“ sollte jedenfalls gefragt und die Antwort kritisch beurteilt werden.
Für vulnerable Personengruppen wie junge Kinder, Schwangere, Stillende und ältere Menschen sind die Wirkstoffe potenziell ungeeignet. Einschränkungen gibt es auch z. B. bei Hypertonie, hämorrhagischem Schlaganfall oder Krampfanfall in der Vergangenheit und Glaukom. Die parallele Einnahme von MAO-Hemmern, weiteren Vasokonstriktoren, aber auch topisch wirksamen Sympathomimetika ist kontraindiziert.
Systemische Antihistaminika der 1. Generation2,21–23
Systemische Antihistaminika der 1. Generation in Kombinationspräparaten dienen der Linderung von Fließschnupfen. Außerdem haben sie sedierende und anticholinerge Effekte, die die Basis der unerwünschten Wirkungen und Warnhinweise bilden.
Die Substanzen sind für vulnerable Gruppen möglicherweise ungeeignet, für ältere Personen gelten sie aufgrund der anticholinergen Effekte, potenziellen EKG-Veränderungen und Schwindel als potenziell inadäquates Medikament (PIM).
Besondere Vorsicht gilt bei Vorerkrankungen wie Asthma, Glaukom, neurologischen Erkrankungen oder Prostata-Hyperplasie.
Eine Kombination mit MAO-Hemmern, anticholinergen, sedierenden oder QT-verlängernden Arzneimitteln soll nicht erfolgen.
Husten
Expektorantien
Ambroxol24–27: Die Anwendung von Ambroxol kann mit wenigen Einschränkungen, wie einer Allergie gegen den Wirkstoff, sehr breit und ohne Altersbegrenzung erfolgen.
Acetylcystein (ACC)27–30: Wichtige Wechselwirkungen mit ACC sind potenzielle Verstärkung der Nitroglycerinwirkung, mögliche Inaktivierung von Antibiotika (2 h Abstand beachten) und verringerte Carbamazepin-Wirkung.
Vorsicht gilt bei Neigung zu gastrointestinalen Blutungen.
Antitussiva
Pentoxyverin27,31: Pentoxyverin ist ein zentral wirksames Antitussivum mit anticholinergen Eigenschaften, das möglicherweise die QT-Zeit verlängert und einer CYP3A4- und CYP2D6-Verstoffwechselung unterliegt. Daraus resultieren die Warnungen zur Anwendung bei Ateminsuffizienz, erhöhtem Augeninnendruck und ZNS-Depression. Eine Co-Medikation mit beispielsweise sedierenden Substanzen oder CYP3A4-Inhibitoren soll mit Vorsicht erfolgen. Auch die gleichzeitige Anwendung von stark wirksamen Arzneimitteln bzw. Arzneimitteln mit geringer therapeutischer Breite soll achtsam stattfinden, da der Einfluss von Pentoxyverin auf andere Arzneimittel nicht bekannt ist.
Dextromethorphan27,32,33: Dextromethorphan ist zentral wirksam, hat eine serotonerge Wirkung und unterliegt einer CYP2D6-Metabolisierung. Daher besteht in Kombination mit weiteren serotonergen Arzneistoffen wie SSRI die Gefahr unerwünschter serotonerger Wirkungen inkl. Serotoninsyndrom. Achtung auch bei CYP2D6-Inhibitoren. Weitere Sedativa können zu Sedierung und Atemdepression führen. Kontraindikationen bestehen bei Asthma, COPD, Atemdepression oder gleichzeitiger Anwendung von MAO-Hemmern.
Honig34,35
Aufgrund des Risikos für infantilen Botulismus dürfen Säuglinge keinesfalls Honig oder Honigprodukte zu sich nehmen. Die Verabreichung darf erst ab vollendetem 1. Lebensjahr bei sonst gesunden Kindern erfolgen, da sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein schützendes Darmmikrobiom entwickelt hat.
Phytopharmaka in der Erkältungszeit27,36–45
Die Datenlage zu Phytopharmaka bei Kindern, Schwangeren und Stillenden ist oft unzureichend, weshalb die Monographien der Europäischen Arzneimittel-Agentur sie für diese Gruppen häufig nicht empfehlen (siehe Tabelle 1).
Ätherische Öle27,46–48
Ätherische Öle können Haut und Atemwege reizen, Laryngo- und Bronchospasmen sowie neurologische Probleme bis hin zu Krampfanfällen auslösen. Vorsicht ist besonders bei Kindern, hyperreagiblem Bronchialsystem und anamnestischen Krampfanfällen geboten. Unabhängig von der Anwendungsform sind auch schwere allergische Reaktionen möglich.
Besonders problematisch sind u. a. Eukalyptusöl mit 1,8-Cineol, Pfefferminzöl mit Menthol und Campher. Eukalyptus- und Pfefferminzöl sind bei Kindern unter 2 Jahren gemäß EMA kontraindiziert. Eukalyptusöl ist bei Kindern mit Krampfanfällen in der Anamnese für alle Anwendungsformen kontraindiziert. Unverdünnte ätherische Öle dürfen bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Gesicht oder in Gesichtsnähe aufgetragen werden.
Weitere Hinweise
Neben den aufgelisteten Limitationen gibt es viele weitere Aspekte zu beachten. Allergien, hochdosiertes Vitamin C, das bei Niereninsuffizienz problematisch sein kann, oder auch der Natriumgehalt in Brauseformulierungen, der bei Hypertonie zu beachten ist, können die Anwendung weiter einschränken. Auch Ethanolgehalt und Missbrauchspotenzial mancher Arzneimittel sowie die Adhärenz der Erkrankten erfordern besondere Aufmerksamkeit.
Fazit
Ein großes Sortiment an Arzneimitteln in der Erkältungssaison bietet Spielraum für individuelle Beratungen. Die pharmazeutische Kompetenz in Apotheken soll großen und kleinen Schnupfnasen helfen, sich sicher innerhalb der Grenzen der Selbstmedikation zu bewegen und dabei das beste Produkt zu finden.
Quellen
1 Embryotox - Paracetamol
2 PRISCUS 2.0-Liste. Deutsches Ärzteblatt (2022).
3 Monographie | Paracetamol | Kindermedika.
4 Fachinformation Mexalen 500 mg-Tabletten. Austria-Codex (2025).
5 Fachinformation Aspirin 500 mg Kautabletten. Austria-Codex (2026).
Weitere Literatur auf Anfrage