Vitiligo ist eine Pigmentstörung, bei der sich weiße, scharf abgrenzbare Areale auf der Haut zeigen. Der Verlauf ist meist chronisch und fortschreitend. Die genaue Ursache ist nach wie vor nicht geklärt. In den Melanozyten kann an den betroffenen Hautarealen kein Melanin mehr produziert werden, da diese zuvor bereits von CD8-positiven T-Zellen zerstört wurden – deshalb sprechen viele auch von einer Autoimmunerkrankung.
Starke Empfehlung & Indikationserweiterung
Ruxolitinib-Creme (1,5 %) ist seit April 2023 die erste in der EU zugelassene Therapie ab 12 Jahren für nichtsegmentale Vitiligo mit Gesichtsbeteiligung.
Mit der aktualisierten Leitlinie wird sie erstmals mit starkem Konsens und höchster Empfehlungsstärke als Erstlinientherapie empfohlen. Es handelt sich um einen Januskinase-(JAK-)Inhibitor, der die Gamma-Interferon-Signalübertragung und dementsprechend auch die T-Zell-Aktivierung im Rahmen des Autoimmunprozesses unterbindet. Dadurch werden der Entzündungsprozess und die weitere Zerstörung der Melanozyten limitiert. In weiterer Folge kann es auch zu einer Repigmentierung kommen. In den beiden pivotalen Phase-III-Zulassungsstudien TRuE-V1 und TRuE-V2 erreichte nach 24 Wochen rund jede dritte behandelte Person eine mindestens 75 %ige Repigmentierung. Die positive Wirkung nimmt bei längerer Behandlung weiter zu. Seit Ende Juli 2026 ist der JAK-Hemmer jetzt auch zur Behandlung mittelschwerer atopischer Dermatitis bei Patient:innen zugelassen, bei denen topische Corticosteroide (TCS) und topische Calcineurin-Inhibitoren (TCI) unzureichend wirksam oder ungeeignet sind.
Quelle
S1-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Vitiligo.
AWMF Reg.Nr. 013-093, 2026