GLP-1 Rezeptoren befinden sich größtenteils in den Betazellen des Pankreas und steuern die glukoseabhängige Insulinfreisetzung, sind aber auch in anderen Zielorganen wie Gehirn, Herz, Niere, Lunge und Magen-Darm-Trakt zu finden.
80er-Jahre
GLP-1 rückt in den Fokus der Forschung
Untersuchungen zeigen, dass die biologisch aktive Form von GLP-1 die glukoseabhängige Insulinsekretion stimuliert und den Blutzuckerspiegel senken kann. Damit rückt GLP-1 als möglicher Ansatz zur Behandlung des Typ-2-Diabetes in den Fokus.
90er-Jahre
Kurze Halbwertszeit als Herausforderung
Natürliches, biologisch aktives GLP-1 hat eine Plasmahalbwertszeit von weniger als zwei Minuten, da es rasch insbesondere durch das Enzym Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4) inaktiviert wird. Für eine therapeutische Anwendung musste seine Wirkdauer daher deutlich verlängert werden.
2000er-Jahre
Entwicklung der täglichen Anwendung
Durch die Anbindung einer Fettsäure wurde unter anderem die Bindung an Albumin verstärkt und die Wirkdauer verlängert. Dadurch wurde eine einmal tägliche subkutane Anwendung von Liraglutid möglich.
2015
Entwicklung der wöchentlichen Anwendung
Weitere Veränderungen an der Peptidstruktur und der Fettsäureseitenkette erhöhten die Stabilität gegenüber enzymatischem Abbau und verstärkten die Albuminbindung. Damit wurde eine einmal wöchentliche subkutane Anwendung von Semaglutid möglich.
Orale Darreichungsform
SNAC macht es möglich
SNAC ist ein Resorptionsverstärker. Peptide lassen sich normalerweise nur schwer oral verabreichen: Sie werden durch Verdauungsenzyme abgebaut und passieren die Schleimhaut nur schlecht. Nach Auflösung der Tablette wirkt SNAC lokal in unmittelbarer Nähe der Tablette:
• Es puffert den pH-Wert und schützt das Peptid dadurch vor enzymatischem Abbau.
• Es erleichtert vorübergehend den transzellulären Übertritt durch die Magenschleimhaut.
• Die Aufnahme erfolgt überwiegend im Magen und nicht wie bei vielen kleinen Molekülen im Darm.
• Es gibt keine Hinweise darauf, dass dafür die Tight Junctions zwischen den Zellen geöffnet werden.
Das SNAC-Prinzip wurde bereits für die 2020 zugelassene Diabetes-Indikation verwendet. Die Technologie stammt ursprünglich von Emisphere. 2020 übernahm Novo Nordisk das Unternehmen und damit die Technologieplattform vollständig.
Fazit
Eine Wirkstoffklasse entwickelt sich weiter
Die Entwicklung von GLP-1-Rezeptoragonisten zeigt, wie aus einem körpereigenen, nur wenige Minuten
wirksamen Hormon schrittweise eine lang wirksame Therapie wurde. Zunächst stand dabei die Behandlung des Typ-2-Diabetes im Vordergrund. Erst später rückte mit der nachgewiesenen Wirkung auf das Körpergewicht auch die Adipositastherapie als eigene Indikation in den Fokus.
Parallel wurden die Darreichungsformen weiterentwickelt: von der täglichen über die wöchentliche subkutane Anwendung bis hin zur oralen Gabe dank der SNAC-Technologie. Semaglutid steht damit beispielhaft für die Entwicklung einer Wirkstoffklasse, deren therapeutisches Einsatzgebiet und Anwendungsmöglichkeiten sich über die Jahre deutlich weiterentwickelt haben.
und Darreichungsformen
Liraglutid als einmal tägliche subkutane Injektion
2009: EU-Zulassung zur Behandlung des Typ-2-Diabetes
2015: EU-Zulassung für das Gewichtsmanagement
Semaglutid als einmal wöchentliche subkutane Injektion
2018: EU-Zulassung für Typ-2-Diabetes
2022: EU-Zulassung für das Gewichtsmanagement
Semaglutid als einmal täglich einzunehmende Tablette mit Resorptionsverstärker SNAC
2020: Erste EU-Zulassung eines oral verabreichten GLP-1-Rezeptoragonisten für Typ-2-Diabetes
2026: EU-Zulassung des oral verabreichten GLP-1-Rezeptoragonisten für das Gewichtsmanagement
Quelle
Fachmedien Round-Table: Semaglutid und seine breite Wirksamkeit, 3.9.2026