Chronische Wunden

Heilung durch Kaltplasma

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Wunden versorgen © shutterstock
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Im besten Fall sind die körper­eigenen Heilungsmechanismen in der Lage, Wunden komplikationsfrei zu schließen. Durch Grunderkrankungen können jedoch chronische Wunden entstehen, welche die ­Lebensqualität aufgrund ihrer Schmerzhaftigkeit massiv einschränken und dauerhafte Infektionspforten darstellen.

Ist eine Wunde auch nach acht Wochen noch nicht ­verschlossen oder epithelisiert, gilt sie als chronisch. Unabhängig von dieser zeitlich orientierten Definition gibt es Wunden, die von Beginn an als chronisch bezeichnet werden: Dazu gehören neben dem Dekubitus der diabetische Fußulcus, Ulcus cruris venosum sowie durch Durchblutungsstörungen bedingte Wunden, wie sie bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit auftreten.

Ionisierende Strahlung gegen Bakterien

Laut aktueller Leitlinie zur Behandlung chronischer Wunden soll zunächst abgestorbenes Gewebe chirurgisch entfernt werden (Debridement) und nach antiseptischer Reinigung der Wunde sollen geeignete Verbände angelegt werden. Die multizentrische POWER-Studie (Plasma On Chronic Wounds for Epidermal Regeneration) u. a. der Ruhr-Universität Bochum vergleicht nun diesen Goldstandard mit einer Therapie mit Kaltplasma. Das Wirkprinzip: Durch Auflegen einer Plasmafolie auf die Wunde wird die Luft zwischen Folie und Wunde ionisiert, was einen antibakteriellen, antiviralen und entzündungshemmenden Effekt hat. Zudem führt die Plasmabehandlung zur Bildung neuer Blutgefäße.

48 Patient:innen mit chronischen Wunden nahmen an der POWER-Studie teil und wurden auf zwei Gruppen randomisiert: Eine Gruppe wurde nach der Standardtherapie versorgt, die andere erhielt zusätzlich vier Wochen lang dreimal wöchentlich für zwei Minuten Kaltplasma-Behandlungen. Nach vier Wochen sowie nach drei und sechs Monaten wurde die Größe der Wunden, deren Schmerzhaftigkeit und bakterielle Besiedlung beurteilt.

Einen Monat nach Behandlungsbeginn hatten sich 16 % der Wunden in der Plasmagruppe zumindest zu 90 % geschlossen und 28 % der Wunden um mindestens 60 % verkleinert. Unter Standardtherapie traf dies nicht zu. Auch die Wundfläche verringerte sich deutlicher als in der Standardgruppe. Zudem benötigten Patient:innen der Plasmagruppe deutlich weniger Antibiotika (4 vs. 23 %). Die Patient:innen berichteten außerdem von einer signifikanten Verringerung der Wundschmerzen.

VK

Quellen

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