Neue Studie

Bedeutung der Blutplättchenfunktion bei Leberzirrhose: Neue Erkenntnisse und Therapieansätze

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Leber © Shutterstock
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Nun haben Forscherinnen und Forscher der Medizinischen Universität Wien erstmals den Zusammenhang zwischen der Blutplättchenfunktion und dem Risiko für Blutungen, Thrombosen oder das Fortschreiten der Grunderkrankung Leberzirrhose genau beleuchtet und geklärt. Die kürzlich im Fachjournal "Hepatology" publizierten Studienergebnisse können das Verständnis des Risikoprofils von Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose verbessern und neue Möglichkeiten für personalisierte Therapieansätze aufzeigen.

Über 100 Teilnehmer

Im Rahmen der Studie analysierte das Forschungsteam um Benedikt Hofer, Thomas Reiberger und Thomas Gremmel von MedUni Wien und AKH Wien die Blutplättchenfunktion bei 107 Patientinnen und Patienten, die zwischen Juli 2019 und Dezember 2020 aufgrund von Leberzirrhose am AKH Wien behandelt wurden. Das Bestehen einer Leberzirrhose, also einer ausgeprägten Vernarbung der Leber, kann zu vielen Komplikationen führen und verändert unter anderem die Blutgerinnung. Die weit verbreitete Meinung, dass die Erkrankung deswegen per se mit einer erhöhten Blutungsneigung einhergehe, hält den aktuellen Erkenntnissen der Forschung jedoch nicht stand.

"Wir wissen mittlerweile, dass bei Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Lebererkrankung sowohl gerinnungshemmende als auch gerinnungsfördernde Faktoren reduziert sind. Somit entsteht bei Leberzirrhose ein sehr instabiles Gleichgewicht der Blutgerinnung, und Patientinnen und Patienten haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für Blutungen, sondern auch für Thrombosen", erklärt Studienautor Thomas Reiberger.

Um die Blutplättchenaktivierung zu analysieren, wandten die Forscherinnen und Forscher in ihrer Studie die sogenannte Durchflusszytometrie an. "Für das Verständnis der veränderten Blutgerinnung bei Leberzirrhose ist es essenziell, alle relevanten Teilaspekte, insbesondere auch die Blutplättchenfunktion, zu verstehen", unterstreichen Erstautor Benedikt Hofer und Studienleiter Thomas Gremmel.

Durchflusszytometrie liefert valide Ergebnisse

Viele Patientinnen und Patienten mit Lebererkrankung weisen eine verringerte Zahl an Blutplättchen auf, was die Aussagekraft der meisten gängigen Messmethoden der Blutplättchenfunktion beeinträchtigen kann. Im Gegensatz zu anderen Methoden liefert die Durchflusszytometrie jedoch selbst bei sehr geringen Blutplättchenzahlen valide Ergebnisse.

Mit Hilfe dieser optimalen Messmethode offenbarte die Studie, dass die Fähigkeit der Blutplättchen, adäquat auf Stimuli zu reagieren, mit fortschreitender Erkrankungsschwere deutlich abnimmt. In einer weiteren Analyse zeigten die Forscherinnen und Forscher, dass die reduzierte Blutplättchenaktivierung mit einem signifikant höheren Risiko für Komplikationen der Leberzirrhose und einem kürzeren Überleben einhergeht.

"Unsere Ergebnisse zeigen eindeutig, dass eine eingeschränkte Funktion der Blutplättchen mit einer deutlich schlechteren Prognose in Verbindung steht – und zwar unabhängig von der Erkrankungsschwere", so die Studienautoren. Umgekehrt zeigte sich jedoch auch ein Zusammenhang zwischen ausgeprägter Blutplättchenaktivierung und einem erhöhten Thromboserisiko im untersuchten Kollektiv.

Eine Verbindung zwischen einer veränderten Blutplättchenaktivierung und einem erhöhten Blutungsrisiko konnten die Forscherinnen und Forscher hingegen nicht nachweisen. Die Ergebnisse dieser Studie werfen nicht nur neues Licht auf die Bedeutung der Blutplättchenfunktion bei Leberzirrhose, sondern bieten auch die Möglichkeit für personalisierte Therapieansätze und ein besseres Verständnis des Risikoprofils von Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose.

OTS/RED

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