Wundreinigung und Antiseptik
Aus Gründen des Eigenschutzes und der Hygiene sollten bei der Versorgung von akuten Wunden Einweghandschuhe getragen werden. Akute Wunden sollen gereinigt werden. Schmutz, Keime und Gewebereste werden dadurch entfernt. Wirkstofffreie Spüllösungen wie NaCl 0,9 %, Ringerlösung oder sauberes Leitungswasser (Trinkwasserqualität) sind für viele akute Wunden ausreichend. Gröbere Verschmutzungen können zudem mit einer sterilen Kompresse manuell entfernt werden, kleine Fremdkörper mittels Pinzette.
Antiseptische Spüllösungen sollten gezielt bei erhöhtem Infektionsrisiko eingesetzt werden, etwa bei verschmutzten Wunden oder Biss- und Stichverletzungen. Mittel der ersten Wahl sind Octenidin oder Polyhexanid aufgrund ihres günstigen Verhältnisses zwischen mikrobiozider Wirksamkeit und Zytotoxizität. PVP-Iod soll bei Wunden mit hoher Infektionsgefahr eingesetzt werden (z. B. Bisse). Wasserstoffperoxid wird hingegen aufgrund der hohen Gewebetoxizität und verzögerten Heilung nicht mehr empfohlen.
Wichtig
Wunden im Bereich von Gesicht, Händen, Füßen oder Genitalien sollten wegen erhöhtem Komplikationsrisiko schneller in ärztliche Behandlung weitergeleitet werden.
Schürfwunden
Schürfwunden sind Verletzungen der Epidermis und dadurch oberflächliche Wunden. Charakteristisch sind punktförmige Blutungen und starke Schmerzen. Häufig sind größere Hautareale betroffen.
Die Erstversorgung beginnt mit großzügigem Spülen und der Entfernung von Schmutz und kleinen Fremdkörpern. Große, tiefe oder verschmutzte Wundflächen erfordern in der Regel eine ärztliche Abklärung. In dem Fall ist eine sterile Abdeckung wichtig, hierfür eignen sich metallbeschichtete Wundauflagen, da diese nicht mit der Wunde verkleben. Kleine Abschürfungen können hingegen meist selbst versorgt werden. Für deren Versorgung wird ein feuchtes Wundmilieu empfohlen, beispielsweise durch Hydrokolloide, Wunddistanzgitter oder topische Arzneiformen.
Rissquetschwunden
Rissquetschwunden entstehen durch kombinierte reißende und quetschende Kräfte. Typisch sind unregelmäßige Wundränder und tiefere Gewebeschädigung, womit eine erhöhte Infektionsgefahr einhergeht. Nach Spülung und steriler Abdeckung sollte bei größeren, klaffenden oder längerfristig blutenden Wunden eine ärztliche Versorgung erfolgen. Kleine, oberflächliche Verletzungen mit gut adaptierten Wundrändern können mit Pflasterverbänden oder Pflaster-Strips versorgt werden.
Schnittwunden
Schnittwunden weisen im Gegensatz zu Rissquetschwunden glatte Wundränder auf. Wichtig ist die Beurteilung, ob tieferliegende Strukturen wie Sehnen, Nerven oder Gefäße betroffen sein könnten. Ansonsten kann die Selbstversorgung bzw. Weiterleitung in ärztliche Behandlung nach ähnlichen Gesichtspunkten wie bei den Rissquetschwunden erfolgen.
Stichwunden
Stichwunden können äußerlich subtil wirken, bergen jedoch ein Risiko für tiefe Gewebsverletzungen und eingeschleppte Keime. Besondere Vorsicht ist bei Verletzungen im Bereich von Thorax, Abdomen oder großen Gefäßen geboten. Größere Fremdkörper sollen nicht entfernt werden, da sie einen tamponierenden Effekt auf verletzte Gefäße ausüben können.
Bissverletzungen
Bissverletzungen stellen aufgrund der hohen Keimbelastung eine Sonderform dar. In vielen Fällen ist eine antibiotische Prophylaxe indiziert (i. d. R. Amoxicillin/Clavulansäure), auch eine Tollwut-Postexpositionsprophylaxe soll erwogen werden.
Verbrennungen und Verbrühungen
In der Erstversorgung wird mit handwarmem Wasser für etwa zehn Minuten gekühlt. Eine übermäßige Kühlung größerer Areale sollte vermieden werden, um zusätzlichen Wärmeverlust zu verhindern. Verbrühungen, also thermische Traumata durch Wasser oder Dampf, sind analog zu versorgen.
Bei der Versorgung von Verbrennungen ersten Grades stehen Kühlung, wasserhaltige Gele und im Freien konsequenter Sonnenschutz im Vordergrund. Verbrennungen zweiten Grades benötigen sterile Wundversorgung. Größere zweitgradige Verbrennungen (> 1 % KOF, entspricht ca. einer Handfläche) sowie drittgradige Verbrennungen sollten in ärztliche Versorgung weitergeleitet werden.
Tetanusprophylaxe
Im Rahmen jeder Wundversorgung sollte der Tetanusimpfstatus überprüft werden und gegebenenfalls eine aktive und passive Immunisierung erfolgen.
Starke Blutung
Wunden mit pulsartigem, spritzendem Blutverlust stellen einen schwerwiegenden Notfall dar. Die wichtigste Erstmaßnahme ist der direkte Druck auf die Wunde und die schnelle Alarmierung des Rettungsdienstes. In der weiteren Versorgung kommen Druckverbände oder moderne Blutstillungssysteme wie Tourniquets zum Einsatz.
Fazit
Nicht jede Wunde ist gleich, daher ist es schwer, genaue Red Flags für die Versorgung akuter Wunden zu definieren. Durch Erfahrung und Fachwissen nehmen Apotheker:innen eine zentrale Schnittstellenfunktion zwischen Erster Hilfe, Selbstversorgung und weiterführender medizinischer Behandlung ein.