ÖAZ Aktuell (Ausgabe 08/2009)

ÖAZtara 08/2009

ÖAZtara

Die optimale
Reiseapotheke
Durchfall:
eine Reaktion –
viele Ursachen
Fallbeispiele aus der Praxis
Der 3D-Zellschutz
aus dem Beiersdorf
Forschungszentrum
Der richtige Sonnenschutz
aus der Apotheke
Gefahren beim Baden
Die Seekrankheit
Reisetipps neu

Gastrointestinale Infektionen im Kindesalter

Kindlicher Durchfall, kindliches Erbrechen

Beim Stichwort Reiseapotheke denkt jeder sofort an Fernreisen und exotische Länder; doch abgestimmt auf das Reiseziel und seine individuellen Bedürfnisse sollte JEDER Urlauber die für ihn optimale Reiseapotheke mitführen. Sprechen Sie Ihre Kunden aktiv darauf an, damit sie mit Ihrer Hilfe gut gerüstet die »schönste Zeit des Jahres« genießen können.

Mag. Monika Heinrich

Oftmals folgt der Vorfreude auf den Urlaub eine herbe Enttäuschung: Vor allem dann, wenn die eigentliche Urlaubszeit von unliebsamen Über­raschungen und Beschwerden geprägt ist – und schlimmstenfalls gar im Krankenbett endet. Grund für viele dieser Probleme ist häufig mangelnde Information bzw. Vorbereitung auf die Reise. Deshalb ist es wichtig, die Apotheken-Kunden aktiv auf die Reisevorbereitung anzusprechen und auf die Notwendigkeit einer sinnvollen Reiseapotheke aufmerksam zu machen, wobei der für den einzelnen Patienten individuelle Bereich – vor allem wenn chronische Leiden bestehen – mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden sollte. Allzu oft wird lediglich bei Fernreisen in exotische Länder an eine spezifische reise­medizinische Vorbereitung gedacht; aber sogar bei solchen Reisen ignorieren 40% der Reisenden die Notwendigkeit einer entsprechenden Vorbereitung. Auch für nähere Destinationen macht eine »kluge« Reiseapotheke Sinn.

Besonders »Risikogruppen« sollten speziell angesprochen werden wie z.B. Eltern mit Kleinkindern, ältere Menschen, Personen mit Stoffwechsel-, Herz-Kreislauferkrankungen oder Störungen der Nierenfunktion. Entsprechende Hinweise, Empfehlungen und weiterführende Adressen finden Sie im neuen Programm des Österreichischen Apotheker-Verlages »Reisetipps«.

Die Krankheitsrisiken rücken näher
Durch den globalen Klimawandel ändern sich auch die Verbreitungsmuster von Infektionen. Bestimmte Tropen- und parasitäre Erkrankungen könnten daher zum Teil weltweit zunehmen und sich auch geografisch anders verteilen, erklären Univ.-Prof. Dr. Horst Aspöck, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Tropenmedizin und Parasitologie (ÖGTP) und Univ.-Prof. Dr. Erich Schmutzhard von der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie. „Malaria, erworben in verschiedenen südeuropäischen Ländern (Kroatien, Italien etc. Anm.d.Red.), durch Sandmücken übertragene Erreger der Orientbeule, durch Moskitos übertragene tropische Viren in der Poebene sind diesbezüglich untrügliche Zeichen“, sagte Prof. Aspöck zu Krankheitsrisiken durch den Klimawandel. „Vor allem Insekten, wie zum Beispiel die Malaria übertragende Anopheles-Mücke oder die Fiebererkrankungen übertragenden Sandmücken, aber auch weitere Gliederfüßer, wie etwa Zecken, können sich bei steigenden Temperaturen schneller und besser vermehren. Das sind potenzielle Krankheitsrisiken, denen wir uns auch hier in Europa wachsam stellen müssen. Es besteht absolut kein Anlass zur Panikmache, aber jeder Einzelne muss hier seine Gesundheitsvorsorge ernst nehmen und beim Auftreten erster Symptome, wie etwa ungeklärt erhöhter Temperatur sofort zum Arzt gehen“, betonte dazu Prof. Schmutzhard.

Das gehört in die Reiseapotheke
Allgemeine Inhalte

Fieberthermometer, Pinzette, Schere, Fremdkörperhäkchen
Spritzen und Nadeln (Injektionsset)
elastische Binde, Dreiecktuch, Kompressen, Pflaster, Wundklebestreifen
Insekten- und Quallenschutzmittel (siehe S. 468)
Sonnenschutzmittel (siehe S. 464)
Apres-Präparate und gegen Sonnenbrand
Hautdesinfektions-, ev. Wasserdesinfektionsmittel
ev. Verhütungsmittel, Kondome
Ohropax

Arzneimittel und OTC-Präparate
Durchfallmedikamente: (siehe S. 460)
Breitbandantibiotikum: (siehe rechts)
orale Rehydrierungslösung: als fertiges Granulat in der Apotheke, (Notersatz: Orangensaft plus 1 EL Zucker plus 1 TL Salz; kein Coca-Cola, es enthält zuviel Zucker)
Mittel gegen Obstipation (siehe ÖAZ 6/2009, S. 350)
Augen- und Ohrentropfen (ev. mit Antibiotikazusatz)
schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel (siehe ÖAZ 4/2009)
Mittel gegen Erbrechen und Seekrankheit (siehe S. 470)
antiallergische Präparate (Tabletten sowie Salbe bzw. Creme)
Nasentropfen
Hustenmittel (siehe ÖAZ 2/2009)
Lutschtabletten gegen Mund- und ­Rachenentzündung
Wund- und Heilsalbe
Wunddesinfektionslösung
Mittel gegen Juckreiz
zu den einzelnen Indikationsbereichen entsprechende Phytopharmaka, Heilpflanzentees, Homöopathika etc. je nach Wunsch des Kunden

Ratsam ist, Präparate auszuwählen, die bereits einmal gut vertragen wurden und deren Anwendung der Kunde bereits kennt. Rezeptpflichtige und rezeptfreie Arzneimittel sowie OTC-Produkte sollten vor allem bei Fernreisen unbedingt von zu Hause mitgenommen werden, da sonst wertvolle Zeit verstreicht, es das gleiche Arzneimittel in entsprechender Dosierung im Urlaubsland möglicherweise nicht gibt, sprachliche Barrieren bestehen und der Beipacktext nicht gelesen werden kann. Darüber hinaus sind Fälschungen ohne bzw. mit zu geringem Wirkstoffgehalt, bedenklicher pharmazeutischer Qualität oder gar schädlichen Inhaltsstoffen möglich.

Individuell
Jene Medikamente, die man auch zu Hause ständig nimmt, sollten auf jeden Fall einen besonderen Platz in der Reiseapotheke haben, denn oftmals kann das Fehlen eines derartigen Arzneimittels lebensbedrohliche Folgen haben. Der für die Reise nötige Gesamtvorrat dieser Medikamente gehört unbedingt ins Handgepäck und eine kleine Reserve bzw. Ersatzpräparate noch zusätzlich ins Fluggepäck. Weiters sind Malariamedikamente für bestimmte Länder lebenswichtig und unbedingt im Handgepäck mitzuführen.

Breitbandantibiotika: „Wenn man’s braucht, ist man froh, wenn man’s hat!“
Reisemediziner Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch empfiehlt die Mitnahme eines Breitbandantibiotikums auf Reisen. Prof. Kollaritsch dazu: „Ein Breitbandantibiotikum mitzunehmen, hat zwei gute Gründe: Erstens soll der Patient von der lokalen Arzneimittelversorgung im Urlaubsland unabhängig sein. Zweitens kann man bei bestimmten Arten von Infektionen auch als Laie ein Antibiotikum einsetzen. Zum Beispiel bei länger andauerndem, schweren und fieberhaften Durchfall. Oder wenn plötzlich Symptome eines schweren respiratorischen Infektes – mit eitrigem Auswurf – auftreten. In beiden Fällen ist es sinnvoll ein Antibiotikum zu verwenden, also ist es grundsätzlich vernünftig, eines ­mitzunehmen und das auch seinen Patienten zu empfehlen. Ich sag dann immer: Wenn man’s braucht, ist man froh, wenn man’s hat!“ Man sollte nur Medikamente mitgeben, mit denen der Reisende gut vertraut ist. Zu 99%, so Prof. Kollaritsch, haben die Gesundheitsstörungen, die im Ausland auftreten, die gleichen Ursachen, wie wenn sie zuhause auftreten. Der große Unterschied im Zusammenhang bei der Reisemedizin ist, dass die Betroffenen vor Ort nicht so einfach eine fundierte medizinische Versorgung vorfinden. Prof. Kollaritsch: „Deswegen eine »gescheite« Reiseapotheke: Der Umfang muss gar nicht so groß sein, aber der Inhalt sollte gut ausgewählt und effizient sein.“

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