
Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. H. Spreitzer
Lestaurtinib
CEP-701, KT-701
Anwendung:
Zytostatikum, Antipsoriatikum
Nomenklatur:
9(S),12(R)-Epoxy-10(S)-hydroxy-10-(hydroxymethyl)-9-methyl-2,3,9,10,11,12-hexahydrodiindolo[1,2,3,-fg:3',2',1'-kl]pyrrolo[3,4-i][1,6]benzodiazocin-1-on

Wachstumsfaktoren stimulieren
Proliferation, Migration, Differenzierung von Zellen und bewirken
letztlich deren Überleben, wobei
sie durch Interaktion mit spezifischen Rezeptoren ihre Wirkung
entfalten. Eingriffe in dieses System bieten sich konsequenterweise
zur Bekämpfung von Krebs an. Die Rezeptor-Tyrosin-Kinasen
sind eine Untergruppe von Wachstumsfaktor-Rezeptoren, die
bekanntlich bereits erfolgreich als Ziel zur Krebstherapie blockiert
wurden. Zum Beispiel beruht der Wirkungsmechanismus von Trastuzumab
(Herceptin®) auf Hemmung der Tyrosinkinase HER-2 und wird
daher bei Brustkrebs mit HER-2-Überexpression eingesetzt.
Ein anderes Beispiel für einen erfolgreichen Tyrosinkinase-Hemmer
ist Imatinib (Glivec®), eingesetzt zur Therapie von chronisch
myeloischer Leukämie (CML). Die Rezeptor-Tyrosin-Kinasen
sind an die Zellmembran gebundene Rezeptoren, die extrazellulär
eine ligandenbindende Domäne und intrazellulär eine
katalytische Domäne mit Tyrosinkinase-Aktivität aufweisen.
In nicht proliferierenden Zellen liegen die Rezeptoren in nicht
phosphorylierter, monomerer Form vor. Nach Bindung eines Liganden
erfolgt eine Aktivierung via Dimerisierung oder Oligomerisierung
und anschließender Autophosphorylierung. Liegt eine entartete
Zelle vor, kommt es zum Zusammenbruch regulierender Effekte und
es resultiert eine hoch gesteigerte Rezeptoraktivität und
somit Tumorigenese.
Dies passiert auch bei FLT3-abhängiger
akuter myeloider Leukämie (AML). FLT3 (Fms-like tyrosine
kinase 3) wird besonders in hämatopoetischen Stammzellen
exprimiert und unter normalen Umständen werden durch dessen
Liganden (freigesetzt durch bestimmte Knochenmarkszellen) Myeloblasten
anregt zu differenzieren und weiße Blutkörperchen
zu bilden. Bei AML ist genau diese Differenzierung blockiert
und die Zellen proliferieren unkontrolliert. Interessanterweise
wird das bereits erwähnte FLT3 Enzym in 90 Prozent
der Fälle exprimiert und in nahezu allen Fällen werden
auch FLT3-Liganden produziert. Lestaurtinib ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor
mit FLT3-Selektivität. Aktuell werden Patienten für
drei klinische Studien rekrutiert. Derzeit laufen noch eine Phase
I Studie am National Cancer Institute (NCI) mit dem Ziel Sicherheit,
Pharmakokinetik und Pharmakodynamik bei Kindern mit wiederkehrenden
oder refraktären Neuroblastomen zu ermitteln. Weiters
laufen noch zwei Phase II-Studien bei AML-Patienten und bei Patienten
mit besonders schwerer Psoriasis. Die US-Gesundheitsbehörde
FDA hat jedenfalls Lestaurtinib zur Behandlung von akuter Leukämie »Orphan
Drug Status« verliehen. Durch den »Orphan Drug Status« zur
Behandlung seltener Krankheiten mit weniger als jährlich
200.000 auftretenden Fällen in den USA, wird dem Unternehmen
im Fall der Zulassung des Medikaments für eine Periode von
sieben Jahren eine diesbezügliche Marktexklusivität
gewährt.
Hersteller: Cephalon, Inc. (US); in Lizenz von Kyowa Hakko Kogyo,
Ltd.
Quellen: Drugs of the Future 2007, 32(3), 215-222; www.medscape.com/viewarticle/
529597.
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