ÖAZ Aktuell (Ausgabe 16/2007)

Serien 16/2007

SERIEN

Tara-News: Sebivo®
»Arzneimittel« Kultur
Neue Wirkstoffe: Lestaurtinib
Steuer-Service für Apotheken

Ziel unserer neuen Serie ist, dem Apotheker Informationen über »Gustostückerln« in seiner Region zu bieten. Nicht nur eine kleine Auswahl an Konzerten, Theaterstücken und Opernaufführungen werden hier vorgestellt, sondern auch Studienreisen in kleinen Gruppen mit kulturellem oder naturwissenschaftlichem Hintergrund. Um Urlaub, Vertretungen etc. zeitgerecht planen zu können, erfolgen die Ankündigungen der Veranstaltungen entsprechend frühzeitig.

Wolfgang Engelmann


»Arzneimittel« Kultur

Musik

Wien – einerseits noch behaftet mit nachmonarchistischem Flair, andererseits bestrebt, mit den modernsten Metropolen Schritt zu halten – beherbergt zwar den ewig grantigen Wiener mit dem »goldenen Herzen«, ist aber auch stolz, einer bunten Palette verschiedenster Nationen eine neue Heimat zu bieten, womit sich der Kreis zum Völkergemisch der Monarchie wieder schließt.

Viele Hauptstädte sind stolz auf ihre berühmten Töchter und Söhne; Wien ist zusätzlich auch noch weltweit bekannt für seine vielen Sehenswürdigkeiten. Alle aufzuzählen, würde Bücher füllen – aber ein Bauwerk, das nicht so oft zitiert wird, soll – pars pro toto – hervorgehoben werden:

Das Theater an der Wien
Der Textdichter der Zauberflöte, Emanuel Schikaneder, war durch den ungeheuren Erfolg von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper, die 1791 im Vorgängerbau, dem Theater im Freihaus auf der Wieden, uraufgeführt worden war, begütert genug, um 1798 einen neuen, großen Theaterbau nach Plänen von Franz Jäger zu beginnen. Der 1801 im Empirestil vollendete Bau ist außen heute nur noch in der Millöcker­gasse erhalten, wo das Papageno-Tor den Erbauer als Papageno mit seinen Kindern als »Drei Knaben« in der Zauberflöte zeigt.

In diesem Theater, das im Jahre 2006 zum 3. Wiener Opernhaus umstrukturiert wurde, gelangt am 20. und 22. Oktober »Der Spieler«, Oper von Sergej Prokofjew (Libretto) nach der gleichnamigen Erzählung von Fjodor M. Dostojewski zur Aufführung.

Orchester des Mariinsky Theaters, musikalische Leitung: Valery Gergiev, Chor des Mariinsky Theaters (Ltg. Andreï Petrenko); Inszenierung: Temur Tcheidze

Spielen, der Reiz des schnellen Geldes, das große Glück: eine Leidenschaft, die Autoren wie Alexander Puschkin, Arthur Schnitzler oder Stefan Zweig zu liter­arischen Werken inspiriert hat. Die fatale Auswirkung von Misserfolgen beim Glücksspiel ist auch Inhalt von Sergej Prokofjews Oper »Der Spieler« nach Fjodor M. Dostojewski.


Papageno-Tor des Theaters an der Wien (Foto: Theater an der Wien© Michael Pasdzior/White Star)

Mit seinem autobiographisch gefärbten Roman beleuchtete der russische Autor die Schattenseiten der Existenz eines ehrgeizigen Bourgeois, der in die degenerierte Adelsgesellschaft eindringt und mit allen Mitteln nach Erfolg strebt. Prokofjews sarkastisch-ironische Oper, entstanden am Vorabend der Oktoberrevolution, kann als Höhepunkt seiner frühen experimentellen Phase angesehen werden. Mit seinen ungewohnten Rhythmen und verfremdenden Klangfärbungen bildet das Werk eine vollkommene Entsprechung der Besessenheitsstudie ­Dostojewskis. Das verhängnisvolle Kreisen der Roulette-Kugel – als Symbol unerwarteten Reichtums oder Ruins – tritt im Schlussakt mit irrwitzigen Klangfarbenwirbeln als ­eigentliches Hauptthema hervor.

Tickets & Info: Theater an der Wien, Linke Wienzeile 6, 1060 Wien, oder bei Wien Ticket, Pavillon neben der Staatsoper: täglich von 10 bis 19 Uhr.
Preis: 15,– bis 130,– €, Tel: +43-01/588 85.

Mit den Augen hören oder mit den Ohren sehen, diese Möglichkeit bietet sich bei freiem Eintritt bis zum 2. September beim Musikfilm-Festival am Rathausplatz in Wien. Mit Einbruch der Dunkelheit (im August ca. 20.30 Uhr) kann man täglich – außer bei Schlechtwetter – ein breites Spektrum aus Konzerten und Opernaufführungen »aus der Dose« genießen. Um auch auf das leibliche Wohl einzugehen, wurde von der Gastronomie eine Auswahl an internationaler Küche vorbereitet.

Hintergrund und sozusagen Aufhänger einer 20 x 11,5 Meter großen Leinwand bildet das Neue Rathaus. 1.200 Personen können auf 6 Ebenen den Abend unter freiem Himmel optisch, akustisch und eben auch kulinarisch »auskosten«.

Das Neue Rathaus
Unter Bürgermeister Cajetan Felder wurden namhafte Baumeister zur Entwurfeinreichung für das neue Rathaus eingeladen. 1868 gewann Friedrich Schmidt den Wettbewerb. 1883 wurde das Bauwerk gegenüber dem Burgtheater errichtet, wobei die ursprüngliche Idee für einen Bau gegenüber dem Wiener Stadtpark ausgelegt war.

Die Grundfläche des Rathauses beträgt 19.592 m, die verbaute Fläche 113.000 m2.
Die Kosten beliefen sich seinerzeit auf 14 Millionen Gulden, was nach heutigem Wert ca. 123,5 Millionen € entspricht. Im Gebäude befinden sich 1.575 Räume. 2.035 Fenster erhellen das Innenleben. Während der Wiener Festwochen erstrahlt das Gebäude durch 4.000 Lampen. Begrenzt wird der Bau durch jeweils einen Turm, der mittlere Turm ist fast 100 Meter hoch und wird gekrönt durch den 3,40 Meter hohen Rathausmann, der ca. 2 Tonnen wiegt.

Das tägliche Programm ist entweder der Tageszeitung zu entnehmen oder unter www.wien-event.at abzufragen.

Stellvertretend für das reichhaltige Programm sollen zwei Highlights erwähnt werden:
Sonntag, 19. August:
Max Raabe & das Palast Orchester
Freitag, 31. August: Nederlands Dans Theater: Bella Figura, Sleepless, Birth-Day – Giovanni B. Pergolesi, Alessandro Marcello, Antonio Vivaldi, Giuseppe Torelli, Dirk Haubrich, W. A. Mozart.

Führungen

Kultur ergehen – so könnte man eine Gelegenheit bezeichnen, um im Rahmen der Wiener Stadtführungen eine unbekannte Seite Wiens zu entdecken.
Bader, Ärzte, Scharlatane – Auf den Spuren der Heilkunst:
Die Führung handelt von Gesundheit und Lebensangst, Krankheit und Hoffnung auf Heilung, Heiler und Heilmethoden, vom Glauben an Gott und die Folgen der Aufklärung, von der Volksheilkunde, Scharlanterie und Schulmedizin.

DDr. Anna Ehrlich

Noch bis ins 19. Jahrhundert waren die Menschen ihren Krankheiten und Verletzungen hilflos ausgeliefert, ebenso hilflos standen die Heiler – ob promoviert oder nicht – am Krankenbett. Das änderte sich erst mit den modernen Errungenschaften Antibiotika, Narkose und Asepsis. Sie ­haben im Rahmen dieser Führung Gelegenheit, eine bisher vernachlässigte Seite der Wiener Geschichte kennen zulernen. Nicht ausgespart bleibt, was nachher kam: der verbrecherische Missbrauch der Medizin und dessen langsame Aufarbeitung.
DDr. Anna Ehrlich hat den Hintergrund dieser Führung selbst recherchiert und ist Autorin speziell historischer Bücher über die Bundeshauptstadt. Jeden Freitag, ab 16.30 Uhr.

Treffpunkt: 1, Albertinaplatz Mitte, Mahnmal, ab 3 Personen, bei jedem Wetter, Führungsdauer: 1 1/2 bis 2 Stunden. Preis: € 13,– pro Person, ausgenommen Eintrittsgebühren. Keine Anmeldung erforderlich, nicht geeignet für Kinder unter 14 Jahren!

Info: Tel. +43-676 92 27 773, Fax: +43-1/817 49 55-1834, office@wienfuehrung.at

Lesen & Lesung

Lesen, eines der schönsten Hobbys, fordert den Geist und erweitert das Wissen. Es ist nicht immer möglich, Bücher oder Zeitschriften selbst zu sammeln und eine Bibliothek einzurichten. Die Stadt Wien führt in jedem Bezirk Städtische Büchereien, die Hauptbibliothek wurde 2003 am Urban Loritz-Platz eingerichtet.

345.300 Print-Medien (davon 288.000 Bücher), 57.300 AV-Medien (CD, CD-ROM, DVD etc.) stehen dem Besucher zur Verfügung*. 130 Benutzer-PC bzw. 150 Studien- und Schmökerplätze laden zu ­einem Besuch ein. Für eine Tagesgebühr von € 2,– ist es möglich, das gewünschte Buch zu entlehnen (€ 8,– kostet eine Jahreskarte für beliebig viele Entlehnungen) oder man liest das oder die Bücher etc. gleich hier. Im obersten Stock befindet sich ein hauseigenes Bibliothekscafe, umrahmt von einer 2.000 m2 großen Terrasse. Da Leihbüchereien im Unterschied zu Universitätsbibliotheken keinen Sammelauftrag haben, werden ­jeweils ca. so viele Bücher und Medien ­abgestoßen, wie neu anzukaufen sind – ­bedingt einerseits durch Abnützung und andererseits durch Aktualitätsverlust.**

Adresse: 1070 Wien Urban Loritz Platz 2, Tel. 400 084 500, Öffnungszeiten: Mo bis Fr 11 bis 19 Uhr, Sa 11 bis 17 Uhr.
Info: www.buechereien.wien.at


Die Wiener Hauptbibliothek

*Stand per Ende 2006.

**Im Rahmen eines Bücher-Flohmarktes einmal jährlich kann man (diesmal: Samstag, 15. September) diese „Schätze“ während der Samstag-Öffnungszeit der Hauptbibliothek erwerben.

Kurze Geschichte des Wiener öffentlichen Bibliothekswesens
Die Industrialisierung und der Aufstieg des liberalen Bürgertums führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem Bedeutungsanstieg von Wissen und Bildung. Die gleichzeitig sich verschärfenden sozialen Gegensätze stellten die Frage der Demokratisierung des Zugangs zu den Wissensgütern auf die politische Tagesordnung. Dem Kampf gegen die Illiterarität kam dabei zentrale Bedeutung zu. Nicht nur der Ausweg aus der politischen Unmündigkeit und das Erkennen der eigenen Lage in der Gesellschaft sollte das Bewusstsein schärfen; die Verbesserung des Bildungsniveaus förderte auch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Auf dem Gebiet der Volksbildung trafen sich daher die Interessen von junger Arbeiterbewegung und liberalem Bürgertum.

Tinte und Kaffee – szenische Kaffeehausliteratur
Café Landtmann: Ein literarischer Streifzug durch die Welt der Wiener Kaffeehauskultur vom Biedermeier bis in die Gegenwart. Szenen und Lieder, Berichte und ­Gedichte – gespielt, gelesen, gesungen – von witzig-satirisch bis besinnlich-nostalgisch. Texte von P. Altenberg, J. Nestroy, A. Schnitzler, K. Kraus, H. Qualtinger, H.C. Artmann, E. Jandl, A. Blau und vielen anderen.
Termine:
So, 19. Aug. 2007, 20.00 Uhr
So, 26. Aug. 2007, 20.00 Uhr
So, 2. Sep. 2007, 20.00 Uhr
So, 9. Sep. 2007, 20.00 Uhr

Info: Café Landtmann, Dr.-Karl-Lueger-Ring 4, 1010 Wien,
Tel. +43-676 316 73 02, +43-1-96 0 96,
tinteundkaffee@web.de, Preis: 14,– €

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