Musik
Wien – einerseits noch behaftet mit nachmonarchistischem
Flair, andererseits bestrebt, mit den modernsten Metropolen Schritt
zu halten – beherbergt zwar den ewig grantigen Wiener mit
dem »goldenen Herzen«, ist aber auch stolz, einer
bunten Palette verschiedenster Nationen eine neue Heimat zu bieten,
womit sich der Kreis zum Völkergemisch der Monarchie wieder
schließt.
Viele Hauptstädte sind stolz auf ihre berühmten Töchter
und Söhne; Wien ist zusätzlich auch noch weltweit
bekannt für seine vielen Sehenswürdigkeiten. Alle aufzuzählen,
würde Bücher füllen – aber ein Bauwerk,
das nicht so oft zitiert wird, soll – pars pro toto – hervorgehoben
werden:
Das Theater an der Wien
Der Textdichter der Zauberflöte, Emanuel Schikaneder, war
durch den ungeheuren Erfolg von Wolfgang Amadeus Mozarts
Oper, die 1791 im Vorgängerbau, dem Theater im Freihaus
auf der Wieden, uraufgeführt worden war, begütert genug,
um 1798 einen neuen, großen Theaterbau nach Plänen
von Franz Jäger zu beginnen. Der 1801 im Empirestil vollendete
Bau ist außen heute nur noch in der Millöckergasse
erhalten, wo das Papageno-Tor den Erbauer als Papageno mit
seinen Kindern als »Drei Knaben« in der Zauberflöte
zeigt.
In diesem Theater,
das im Jahre 2006 zum 3. Wiener Opernhaus umstrukturiert wurde,
gelangt am 20. und 22. Oktober »Der
Spieler«, Oper von Sergej Prokofjew (Libretto) nach
der gleichnamigen Erzählung von Fjodor M. Dostojewski zur
Aufführung.
Orchester des
Mariinsky Theaters, musikalische Leitung: Valery Gergiev, Chor
des Mariinsky Theaters (Ltg. Andreï Petrenko);
Inszenierung: Temur Tcheidze
Spielen, der
Reiz des schnellen Geldes, das große Glück:
eine Leidenschaft, die Autoren wie Alexander Puschkin, Arthur
Schnitzler oder Stefan Zweig zu literarischen Werken inspiriert
hat. Die fatale Auswirkung von Misserfolgen beim Glücksspiel
ist auch Inhalt von Sergej Prokofjews Oper »Der Spieler« nach
Fjodor M. Dostojewski.

Papageno-Tor
des Theaters
an der
Wien (Foto: Theater an der Wien© Michael
Pasdzior/White Star)
Mit seinem autobiographisch gefärbten
Roman beleuchtete der russische Autor die Schattenseiten der
Existenz eines ehrgeizigen Bourgeois, der in die degenerierte
Adelsgesellschaft eindringt und mit allen Mitteln nach Erfolg
strebt. Prokofjews sarkastisch-ironische Oper, entstanden am
Vorabend der Oktoberrevolution, kann als Höhepunkt seiner
frühen experimentellen Phase
angesehen werden. Mit seinen ungewohnten Rhythmen und verfremdenden
Klangfärbungen bildet das Werk eine vollkommene Entsprechung
der Besessenheitsstudie Dostojewskis. Das verhängnisvolle
Kreisen der Roulette-Kugel – als Symbol unerwarteten Reichtums
oder Ruins – tritt im Schlussakt mit irrwitzigen Klangfarbenwirbeln
als eigentliches Hauptthema hervor.
Tickets & Info:
Theater an der Wien, Linke Wienzeile 6, 1060 Wien, oder
bei Wien Ticket, Pavillon neben der Staatsoper: täglich
von 10 bis 19 Uhr.
Preis: 15,– bis 130,– €, Tel: +43-01/588 85.
Mit den Augen hören oder
mit den Ohren sehen, diese Möglichkeit
bietet sich bei freiem Eintritt bis zum 2. September beim
Musikfilm-Festival am Rathausplatz in Wien. Mit Einbruch
der Dunkelheit (im August ca. 20.30 Uhr) kann man täglich – außer
bei Schlechtwetter – ein breites Spektrum aus Konzerten
und Opernaufführungen »aus der Dose« genießen.
Um auch auf das leibliche Wohl einzugehen, wurde von der Gastronomie
eine Auswahl an internationaler Küche vorbereitet.
Hintergrund und sozusagen Aufhänger einer 20 x 11,5
Meter großen Leinwand bildet das Neue Rathaus. 1.200 Personen
können auf 6 Ebenen den Abend unter freiem Himmel optisch,
akustisch und eben auch kulinarisch »auskosten«.

Das Neue Rathaus
Unter Bürgermeister Cajetan Felder wurden namhafte Baumeister
zur Entwurfeinreichung für das neue Rathaus eingeladen.
1868 gewann Friedrich Schmidt den Wettbewerb. 1883 wurde das
Bauwerk gegenüber dem Burgtheater errichtet, wobei die ursprüngliche
Idee für einen Bau gegenüber dem Wiener Stadtpark ausgelegt
war.
Die Grundfläche
des Rathauses beträgt 19.592 m,
die verbaute Fläche 113.000 m2.
Die Kosten beliefen sich seinerzeit auf 14 Millionen Gulden,
was nach heutigem Wert ca. 123,5 Millionen € entspricht.
Im Gebäude befinden sich 1.575 Räume. 2.035 Fenster
erhellen das Innenleben. Während der Wiener Festwochen erstrahlt
das Gebäude durch 4.000 Lampen. Begrenzt wird der Bau
durch jeweils einen Turm, der mittlere Turm ist fast 100 Meter
hoch und wird gekrönt durch den 3,40 Meter hohen Rathausmann,
der ca. 2 Tonnen wiegt.
Das tägliche Programm ist entweder der Tageszeitung zu entnehmen
oder unter www.wien-event.at abzufragen.
Stellvertretend für das reichhaltige Programm sollen zwei
Highlights erwähnt werden:
Sonntag, 19. August:
Max Raabe & das Palast Orchester
Freitag, 31. August: Nederlands Dans Theater: Bella Figura,
Sleepless, Birth-Day – Giovanni B. Pergolesi, Alessandro
Marcello, Antonio Vivaldi, Giuseppe Torelli, Dirk Haubrich, W.
A. Mozart.
Führungen
Kultur ergehen – so könnte man eine Gelegenheit bezeichnen,
um im Rahmen der Wiener Stadtführungen eine unbekannte Seite
Wiens zu entdecken.
Bader, Ärzte, Scharlatane – Auf den Spuren der Heilkunst:
Die Führung handelt von Gesundheit und Lebensangst, Krankheit
und Hoffnung auf Heilung, Heiler und Heilmethoden, vom Glauben
an Gott und die Folgen der Aufklärung, von der Volksheilkunde,
Scharlanterie und Schulmedizin.
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| DDr. Anna Ehrlich |
Noch bis ins
19. Jahrhundert waren die Menschen ihren Krankheiten und Verletzungen
hilflos ausgeliefert, ebenso hilflos standen die Heiler – ob
promoviert oder nicht – am Krankenbett.
Das änderte sich erst mit den modernen Errungenschaften
Antibiotika, Narkose und Asepsis. Sie haben im Rahmen dieser
Führung Gelegenheit, eine bisher vernachlässigte Seite
der Wiener Geschichte kennen zulernen. Nicht ausgespart bleibt,
was nachher kam: der verbrecherische Missbrauch der Medizin und
dessen langsame Aufarbeitung.
DDr. Anna Ehrlich hat den Hintergrund dieser Führung selbst
recherchiert und ist Autorin speziell historischer Bücher über
die Bundeshauptstadt. Jeden Freitag, ab 16.30 Uhr.
Treffpunkt: 1,
Albertinaplatz Mitte, Mahnmal, ab 3 Personen,
bei jedem Wetter, Führungsdauer: 1 1/2 bis 2 Stunden.
Preis: € 13,– pro Person, ausgenommen Eintrittsgebühren.
Keine Anmeldung erforderlich, nicht geeignet für Kinder
unter 14 Jahren!
Info: Tel. +43-676
92 27 773, Fax: +43-1/817 49 55-1834,
office@wienfuehrung.at
Lesen & Lesung
Lesen, eines der schönsten Hobbys, fordert den Geist und
erweitert das Wissen. Es ist nicht immer möglich, Bücher
oder Zeitschriften selbst zu sammeln und eine Bibliothek einzurichten.
Die Stadt Wien führt in jedem Bezirk Städtische Büchereien,
die Hauptbibliothek wurde 2003 am Urban Loritz-Platz eingerichtet.
345.300 Print-Medien
(davon 288.000 Bücher), 57.300 AV-Medien
(CD, CD-ROM, DVD etc.) stehen dem Besucher zur Verfügung*.
130 Benutzer-PC bzw. 150 Studien- und Schmökerplätze
laden zu einem Besuch ein. Für eine Tagesgebühr
von € 2,– ist es möglich, das gewünschte
Buch zu entlehnen (€ 8,– kostet eine Jahreskarte
für beliebig viele Entlehnungen) oder man liest das oder
die Bücher etc. gleich hier. Im obersten Stock befindet
sich ein hauseigenes Bibliothekscafe, umrahmt von einer 2.000 m2
großen Terrasse. Da Leihbüchereien im Unterschied
zu Universitätsbibliotheken keinen Sammelauftrag haben,
werden jeweils ca. so viele Bücher und Medien abgestoßen,
wie neu anzukaufen sind – bedingt einerseits durch
Abnützung und andererseits durch Aktualitätsverlust.**
Adresse: 1070
Wien Urban Loritz Platz 2, Tel. 400 084 500, Öffnungszeiten:
Mo bis Fr 11 bis 19 Uhr, Sa 11 bis 17 Uhr.
Info: www.buechereien.wien.at

Die Wiener
Hauptbibliothek
*Stand per Ende 2006.
**Im Rahmen eines Bücher-Flohmarktes einmal jährlich
kann man (diesmal: Samstag, 15. September) diese „Schätze“ während
der Samstag-Öffnungszeit der Hauptbibliothek erwerben.
Kurze Geschichte
des Wiener öffentlichen Bibliothekswesens
Die Industrialisierung und der Aufstieg des liberalen
Bürgertums
führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
zu einem Bedeutungsanstieg von Wissen und Bildung. Die gleichzeitig
sich verschärfenden sozialen Gegensätze stellten die
Frage der Demokratisierung des Zugangs zu den Wissensgütern
auf die politische Tagesordnung. Dem Kampf gegen die Illiterarität
kam dabei zentrale Bedeutung zu. Nicht nur der Ausweg aus der
politischen Unmündigkeit und das Erkennen der eigenen
Lage in der Gesellschaft sollte das Bewusstsein schärfen;
die Verbesserung des Bildungsniveaus förderte auch die wirtschaftliche
Entwicklung des Landes. Auf dem Gebiet der Volksbildung trafen
sich daher die Interessen von junger Arbeiterbewegung und liberalem
Bürgertum.
Tinte und
Kaffee –
szenische Kaffeehausliteratur
Café Landtmann: Ein literarischer Streifzug durch die
Welt der Wiener Kaffeehauskultur vom Biedermeier bis in die Gegenwart.
Szenen und Lieder, Berichte und Gedichte – gespielt,
gelesen, gesungen – von witzig-satirisch bis besinnlich-nostalgisch.
Texte von P. Altenberg, J. Nestroy, A. Schnitzler, K. Kraus,
H. Qualtinger, H.C. Artmann, E. Jandl, A. Blau und vielen anderen.
Termine:
So, 19. Aug. 2007, 20.00 Uhr
So, 26. Aug. 2007, 20.00 Uhr
So, 2. Sep. 2007, 20.00 Uhr
So, 9. Sep. 2007, 20.00 Uhr
Info: Café Landtmann,
Dr.-Karl-Lueger-Ring 4, 1010 Wien,
Tel. +43-676 316 73 02, +43-1-96 0 96,
tinteundkaffee@web.de,
Preis: 14,– €
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