|
11. Sommerakademie 2007 in Pörtschach
Fern:weh –
Reisemedizin für die Apothekenpraxis

Der große Vortragssaal im Congress Center Wörthersee war
zum Bersten voll, gezählte 510 Apothekerinnen und Apotheker
sind der Einladung zur Fortbildungstagung nach Pörtschach gefolgt.
Eine Teilnehmerzahl, die einen Rekord innerhalb der Sommerakademien
der Österreichischen Apothekerkammer, die jährlich im Juni
am Wörthersee abgehalten werden, bedeutet. Ein so großes
Interesse mag wohl auch mit dem besonderen Thema zusammenhängen.
Von 22. bis 24. Juni 2007 stand »Fern:weh – Reisemedizin
für die Apothekenpraxis« auf dem Programm.

Mag. pharm. Franz Biba
Nach der kurzen Begrüßung
und Verlautbarung organisatorischer Details durch Apothekerkammer-Vizepräsidentin
Dr. Christiane Körner und den Grußworten des »Hausherrn« Mag. pharm.
Paul Hauser begann die Veranstaltung mit einer Eröffnungsrede
des Präsidenten der Österreichischen Apothekerkammer. Mag.
pharm. Heinrich Burggasser wies auf den hohen Stellenwert der Reiseberatung
in der Apotheke hin. Über 4 Millionen Auslandsreisen werden
jedes Jahr von Österreich aus unternommen, aber nur wenige Reisende
sind sich der Gesundheitsrisiken an ihren Reisezielen bewusst.*
Malaria-Prophylaxe
Der nachfolgende Beitrag von Dr. Hermann Laferl, leitender Oberarzt
der Ambulanz für Infektions- und Tropenkrankheiten der 4. Medizinischen
Abteilung Kaiser Franz-Josef-Spital in Wien, widmete sich dem Thema
Malaria. Schätzungsweise 5% der Weltbevölkerung sind infiziert.
Mit ca. 1 bis 2 Millionen Todesfällen per anno ist Malaria neben
der HIV-Infektion und Tuberkulose weltweit einer der »großen
Killer« in der Reihe der Infektionskrankheiten. Wichtig sei
die prophylaktische Einnahme von Malaria-Medikamenten auf der Reise.
Diese können zwar nicht die Infektion, wohl aber den Ausbruch
der Krankheit verhindern. Die Entscheidung über das richtige
Malariamedikament müsse individuell für den Reisenden durch
sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung getroffen werden. Dabei
spielen sowohl Reiseziel, Reisezeit und -dauer als auch der Reisestil
und die persönlichen Umstände des Reisenden – z.B.
Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten, Medikamenteneinnahme,
u.s.w. – eine wesentliche Rolle. Die Chemoprophylaxe müsse,
um zu wirken, genau nach Vorschrift eingenommen werden.
Fernreisende importieren übrigens jährlich etwa 60 bis 90
Malariaerkrankungen nach Österreich und alle Jahre sterben bis
zu drei Österreicher in ihrem Heimatland an Malaria – weil
sie die Symptome verkannt oder verharmlost haben.
|
Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr.
Eckhard Beubler |
Tierische Gifte
Auf besondere Gefahren wies der wissenschaftliche Leiter der Veranstaltung,
Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Eckhard Beubler, Institut für experimentelle
und Klinische Pharmakologie an der Universität Graz, in seinem
anschließenden Vortrag hin. Er zeigte eindrucksvolle Bilder,
u.a. von Spinnen, Skorpionen, Schlangen und Meerestieren, deren Toxine
teilweise zehn- bis hunderttausendfach giftiger sind als der gefährlichste,
von Menschenhand synthetisierte Stoff, das Dioxin (TCDD).
Schlangengifte sind Aggressivgifte, die in erster Linie dem Beutefang
dienen. Als besonders gefährlich gilt die »Portugiesische
Galeere«. Es handelt sich um eine »schwimmende Kolonie«,
die aus spezialisierten quallenähnlichen Individuen besteht. Dieses
Lebewesen, das man als »schön« bezeichnen kann, ist
für den Menschen außerordentlich gefährlich. Das sehr
schnell wirkende Gift verursacht unerträgliche Schmerzen, Schwellung,
Lähmung des berührten Körperteils, Blaufärbung
der Haut, stechende Magenschmerzen, Erstickungsanfälle, Bewusstlosigkeit
und den Tod. Drachenfische (Petermännchen) verfügen über
5 bis 7 giftige Strahlen an den Brustflossen. Das Gift wirkt ähnlich
wie Schlangengift. Warzenfische graben sich im Sand seichter Küstengewässer
ein. Ihr Gift, das sich in den Strahlen der Rückenflossen befindet,
tötet die roten Blutkörperchen ab.
Tierische Gifte bieten dem jeweiligen
Lebewesen, das sie produziert, aufgrund ihrer Warn- und Verteidigungsfunktion
einen Selektionsvorteil. Ein Bienenstich dient beispielsweise als Abschreckungsmittel
und ist nur für Allergiker lebensgefährlich. Übrigens
wird auch die Gefährlichkeit der Hornissen in aller Regel übertrieben.
Ihr Gift ist vergleichbar mit jenem von Bienen und anderen Wespen,
allerdings nicht identisch – es weist sogar eine geringere Toxizität
auf. Der Hornissenstich wird aber einerseits durch den sehr hohen Anteil
an Acetylcholin, andererseits durch den größeren Stachel,
der in tiefere, empfindlichere Hautschichten eindringen kann, etwas
schmerzhafter empfunden.
|
Univ.
Prof. Dr. Horst Aspöck |
Helminthen im Menschen
Von ganz anderen, für den Reisenden unter Umständen aber
nicht minder verhängnisvollen Tierkontakten referierte anschließend
der bekannte Parasitologe Univ. Prof. Dr. Horst Aspöck, Abteilung
für medizinische Parasitologie Klinisches Institut für Hygiene
und Medizinische Mikrobiologie Medizinische Universität Wien.
Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist von Würmern
befallen. Viele dieser Infestationen – so der Fachausdruck – führen
nur zu geringen klinischen Erscheinungen, und das oft erst längere
Zeit nach der Rückkehr von der Reise. Manche Arten können
jedoch schwerwiegende Krankheiten hervorrufen, wie etwa der Spulwurm
und Hakenwurm. Rund 1,5 Milliarden Menschen sind von Spulwürmern
befallen, 1,3 Milliarden von Hakenwürmern, die gemeinsam vermutlich
mehr als 200.000 Todesfälle pro Jahr verursachen. Derzeit sind
der Wissenschaft 342 in Menschen vorkommende parasitische Würmer
bekannt, etwa 30 davon verursachen 99,9 Prozent aller Erkrankungen.
Jeder, der sich längere Zeit in den Tropen aufgehalten hat, sollte
auch bei völligem Wohlbefinden unbedingt einige Wochen nach der
Rückkehr nach Mitteleuropa zumindest eine Stuhluntersuchung auf
Eier intestinaler Helminthen durchführen lassen. Bei Auftreten
von Krankheitssymptomen nach Aufenthalten in den Tropen oder Subtropen
ist grundsätzlich immer auch an eine Helminthose zu denken.
Den Reisenden ist folgender Ratschlag mitzugeben: „Man isst keinen
rohen Fisch und kein ungenügend erhitztes Fleisch!“ (Sie
finden die Publikation des Vortrags von Prof. Aspöck in extenso
in ÖAZ Nr. 14, ; Anm. d. Red.)
Sommernachtszauber
Pünktlich um 19.00 Uhr ging das wissenschaftliche Programm des
ersten Tages zu Ende, und die Teilnehmer machten sich auf den Weg zur
nahe gelegenen Werzer-Promenade, wo der Abend auf Einladung der Firma
Astellas bei einem herrlichen Buffet unter dem Motto »Zauber
einer Sommernacht« ausklang.
|
Univ.-Prof.
Dr. Rudolf Stauber |
Reisehepatitis
Samstag vormittags begann die 2. Session unter dem Vorsitz von Mag.
pharm. Gabriele Schrammel, Vizepräsidentin der Landesgeschäftsstelle
Niederösterreich der Österreichischen Apothekerkammer,
mit einem Übersichtsreferat von Univ.-Prof. Dr. Rudolf Stauber,
Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Meduni
Graz, über Virushepatitiden. Das Hepatitis-A-Virus wird über
den Darm ausgeschieden und meist durch Nahrungsmittel übertragen.
Es ist in warmen Ländern sehr verbreitet – daher auch
der Begriff »Reisehepatitis«. Sie ist häufig im
Mittelmeergebiet, im Orient, in Asien und Lateinamerika anzutreffen.
Hepatitis A heilt fast immer von selbst.
Hepatitis B
Hepatitis B tritt extrem häufig in Ostasien auf. Anstecken kann
man sich über Körperflüssigkeiten, also beim ungeschützten
Sex, oder durch unsterile Instrumente und Bestecke. Von besonderer
Bedeutung ist die Prävention von Hepatitis A und B mittels aktiver
Immunisierung. Seit 1997 wird im Österreichischen Impfplan die
generelle Hepatitis B-Impfung aller Kinder empfohlen. Diese kann nicht
nur lebensbedrohliche fulminante Verläufe sondern auch Folgeerkrankungen
wie Leberzirrhose oder ein hepatocelluläres Carcinom verhindern.
Die chronische Hepatitis C betrifft ca. 200 Mio. Träger weltweit
und ist besonders in hochentwickelten Ländern vertreten. Die wichtigsten
Infektionsquellen sind Bluttransfusionen (vor 1990) und intravenöser
Drogenabusus. Die Chronizitätsrate beträgt 50 bis 80%, eine
Leberzirrhose tritt in ca. 20% nach jahrzehntelangem Verlauf auf. Weil
es gegen Hepatitis C keine Impfung gibt, kann man sich nur vor der
Infektion schützen, indem man die Ansteckungsquellen meidet.
Das bedeutet: nur Einmal-Spritzen verwenden, Rasierzeug, Nagelschere,
Zahnbürste usw. von Virusträgern nicht mitbenutzen.
|
Univ.-Prof.
DDr. Egon Marth |
Keine Panik vor exotischen Viruserkrankungen
In anderen Weltregionen vorkommende »exotische« Viruserkrankungen
sorgen immer wieder für Aufregung. Für Panik ist aber kein
Platz. Diese Auffassung vertrat Univ.-Prof. DDr. Egon Marth, Institut
für Hygiene, Meduni Graz, und erläuterte das in seinem Vortrag
anhand mehrerer Beispiele. Bei SARS etwa sprachen die Medien bereits
von der Seuche des Jahrhunderts. In bestimmten Regionen kam der Tourismus
zum Erliegen, Fluglinien erlitten hohe Einbußen. Insgesamt starben
an SARS weltweit ca. 900 Menschen. Bedenkt man, dass in Österreich
die Influenza jährlich bis zu 1.500 Todesopfer fordert, so sieht
man, dass die Öffentlichkeit »banale« Viren nicht
ernst nimmt, nur die »exotischen« Viren erfahren besondere
Beachtung. Das West-Nile-Fieber-Virus (WNFV) finden wir allerdings
auch bei uns am Neusiedlersee. Hier sind es vor allem Vögel,
die dieses Virus aus Nordafrika importieren. In Tschechien wurde vereinzelt über
kleine Ausbrüche berichtet. Es ist nicht ausgeschlossen, dass
es auch bei uns zu einer Verbreitung des »exotischen« WNFV
kommen kann. Die Veränderung des Klimas kann diese Tendenz bestärken.
Vor einer Verbreitung von Ebola-, Lassa- oder Marburg-Virus-Infektionen
in Europa braucht man jedoch bei entsprechenden Hygiene-Maßnahmen
keine Angst zu haben.
 
|
Univ.-Prof.
Dr. Angelika Stary |
Sexually Transmitted Infections
In den vergangenen Jahren ist weltweit wieder ein Anstieg der Sexually
Transmitted Infections (STI), der Geschlechtskrankheiten, festzustellen – und
die kann man sich natürlich auch im Urlaub holen. Davor warnte
die Wiener Dermatologin und Venerologin Univ.-Prof. Dr. Angelika
Stary. Gründe für die neuerliche Zunahme der sexuell übertragbaren
Infektionen liegen neben der geänderten politischen Situation
in Europa (Sextourismus nach Osteuropa) vor allem in der Abnahme
der Angst vor der lebensbedrohlichen HIV-Infektion, was eine zunehmende
Sorglosigkeit bei der Partnerwahl und unkontrollierte Promiskuität
zur Folge hat. Ein besonders hoher Anstieg der STI wurde bei der
Gruppe der MSM (men having sex with men) festgestellt.
|
Univ.-Prof.
Dr.Thomas Hinterleitner |
Reisediarrhoe
Nach einer Mittagspause – etwas kürzer als geplant, da die
Session am Vormittag um etwa 40 Minuten länger dauerte – begrüßte
um 15.00 Uhr der Doyen des Fortbildungsbeirates, Univ.-Prof. Mag. pharm.
Dr. Wilhelm Fleischhacker, als nächsten Redner den Gastroenterologen
Univ.-Prof. Dr. Thomas Hinterleitner, Klinische Abteilung für
Gastroenterologie und Hepatologie, Meduni Graz, der zum Thema Durchfallerkrankungen
referierte.
Die Reisediarrhoe beginnt typischerweise zwischen dem 5. und 15. Tag
nach der Ankunft. Wenngleich der Patient die »Diagnose« in
der Regel selbst stellt, sollte doch Einiges abgeklärt werden.
Von Durchfall spricht man nur, wenn die Stuhlfrequenz (mehr als dreimal
täglich) und/oder die Stuhlmenge (über 250 g täglich)
zunehmen und bei einem Wassergehalt über 85 Prozent. Ursachen
sind in 50% enterotoxische E. coli (ETEC), gefolgt von Rotavirus und
Norwalk-Virus in 18%, weniger häufig Salmonellen (14%), Campylobacter
(11%) oder Shigellen (5%). Abzugrenzen von den infektiösen Durchfallerkrankungen,
zu denen auch Typhus zählt, ist die klassische Lebensmittelvergiftung,
die bereits 8 Stunden nach dem Essen beginnt.
Ernsthafte Diarrhoe, alles andere als »nur« eine reine
Befindlichkeitsstörung, wird bei folgenden Merkmalen angenommen:
Dauer über eine Woche, Fieber über 38,5°C, schwere Allgemeinsymptome
wie Apathie, Dehydratation, Schmerzen vor und nach dem Stuhlgang und
Blutbeimengungen. Als Therapieempfehlung nannte Prof. Hinterleitner
an erster Stelle Flüssigkeit peroral. Das »einfache Rezept«:
1 Liter Wasser, 1 Teelöffel Salz, 8 Teelöffel Zucker und
ein Glas Orangen- bzw. Apfelsaft oder eine zerdrückte Banane.
Nur bei Erbrechen ist 12 bis 24 Stunden eine vollständige Nahrungskarenz
angezeigt. Kurzzeitig kann Loperamid empfohlen werden, Gyrasehemmer
werden bei Fieber und/oder blutigen Durchfällen eingesetzt. Rifaximin,
ein neues und kaum resorbierbares Rifampicin-Derivat, hat eine ausgezeichnete
Wirksamkeit. Nach einer von Prof. Hinterleitner präsentierten
Studie schützt Alkohol nicht vor Reisediarrhoe. Ganz wichtig die
altbekannte, und doch immer wieder vernachlässigte Weisheit: „Cook
it, peel it, or forget it!“
|
Univ.-Prof.
Dr. Robert Krause |
Reise-Infektionserkrankungen
Der folgende Vortrag behandelte Anamnese und Klinik der reisemedizinisch
bedeutenden Infektionskrankheiten. Univ.-Prof. Dr. Robert Krause,
Infektiologe und Pneumologe, Klinische Abteilung Pulmonologie, Meduni
Graz, zitierte Zahlen aus »GeoSentinel«, einem internationalen
Netzwerk von Reise- und Tropenmedizinern, wonach rund die Hälfte
aller Touristen nach einer Reise in »Entwicklungsländer« gesundheitliche
Probleme, vor allem den Respirationstrakt, die Haut oder den Gastrointestinaltrakt
betreffend, haben. Diese Infektionen sind oft selbstlimitierend oder
durch laienmedizinische Behandlung therapierbar, sodass diese Reisenden
keine spezielle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen müssen.
Rund 8% aller Reisenden haben jedoch nach einer solchen Reise gesundheitliche
Probleme, die aufgrund des klinisch schwereren Verlaufs medizinische
Hilfe erfordern und somit im »GeoSentinel« erfasst sind.
In dieser Statistik führen die fieberhaften Systemerkrankungen
(wie Malaria, Dengue, Rickettsiosen und Typhus), gefolgt von bakteriellen
und parsitären Durchfallserkrankungen und Hauterkrankungen
(Abszesse, Larva migrans).
Besonders tragisch verlaufen Tollwutinfektionen.
Noch allen in Erinnerung: Im August 2004 wurde ein 23-jähriger Österreicher
an einem Strand in Marokko von einem streunenden Hundewelpen gebissen.
Der Mann erkrankte noch im Ausland an Tollwut und verstarb etwa ein
Monat später im Landeskrankenhaus in Graz. Weltweit erkranken
bis 70.000 Menschen jährlich an Tollwut. Es gibt fünf oder
sechs Fallbeschreibungen, aber keinen gesicherten Bericht, wonach
ein Patient eine einmal ausgebrochene Tollwuterkrankung überlebt
hätte.
 |
 |
Werbeslogan von Ankerbrot aus der Vorkriegszeit. |
Wertvolles Wasser
Mit einem Werbeslogan aus der Vorkriegszeit kündigte Prof. Fleischhacker
das nächste Thema an: „Worauf freut sich der Wiener, wenn
er vom Urlaub kommt?“ Zumindest ältere Semester erinnerten
sich sofort, wie die Antwort auf dieses Werbe-Postulat lautete: „Auf
Hochquellwasser und Ankerbrot.“ Ein Slogan, der die hohe Relevanz
einwandfreier Wasserversorgung – ob auf Reisen oder zu Hause – dokumentiert.
|
Univ.-Prof.
Dipl.-Ing. Dr. Regina Sommer |
Nach dieser Einleitung begann Univ.-Prof.
Dipl.-Ing. Dr. Regina Sommer, Leiterin der Abteilung für Wasserhygiene am Klinischen Institut
für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität
Wien, ihren Vortrag zum Thema »Wasser und Reisen – eine
Reise durch die spannende Welt der Wasserhygiene«. Wasser für
den menschlichen Gebrauch kann aus Grundwasser, Oberflächenwasser
(Flüsse, Seen, Meer), Niederschlagswasser und auch direkt aus
Abwasser gewonnen werden. Daten der Weltgesundheitsorganisation belegen,
dass kontaminiertes Trinkwasser für fünf Millionen Todesfälle
jährlich verantwortlich ist.
Dass sich diese Problematik bei weitem
nicht nur auf Entwicklungsländer beschränkt, zeigt die Statistik:
allein im Zeitraum von 1991 bis 1998 wurden 35 Epidemien in Großbritannien
und 113 in den Vereinigten Staaten dokumentiert, die klar Trinkwasserassoziiert
waren. Die Dunkelziffer von nicht erkannten Krankheitsfällen liegt
wesentlich höher.
Im Gegensatz zu wasserübertragbaren Krankheitserregern bewirken
chemische Schadstoffe keine akute, wohl aber eine chronische Toxizität.
Als Beispiel nannte Prof. Sommer Bangladesh, dort trinken etwa 21 Millionen
Menschen Trinkwasser mit mehr als 50 µg Arsen pro Liter. Und
dieses Wasser kommt aus Millionen von Rammbrunnen mit Handschwengelpumpen
aus Bohrtiefen zwischen 50 bis 100 Meter, die im Rahmen eines von der
UNICEF finanzierten Projekts angelegt wurden. Durch komplexe Umwandlungsprozesse
im Grundwasser, die noch nicht ganz aufgeklärt sind, hat sich
natürlich vorkommendes Arsen aus dem Gestein gelöst. Die
WHO schätzt, dass in den am stärksten betroffenen Regionen
jeder hundertste Erwachsene an einer arsenbedingten Krebserkrankungen
und jeder zehnte an anderen Folgen einer Arsenvergiftung sterben wird.
Gefährliches Rohrsystem
Aber auch Trinkwasser von einwandfreier Beschaffenheit kann durch das
Rohrsystem innerhalb von Gebäuden qualitativ beeinträchtigt
werden (Blei-, Kupfer-, Nickelrohre). In nicht durchflossenen Rohrleitungsteilen
oder Behältern mit geringem Wasserwechsel, z.B. überdimensionierte
Warmwasserspeicher und Stichleitungen, die nur selten leer werden,
kann es zu einer massiven Vermehrung der wassereigenen natürlichen
Mikroorganismen kommen, von denen einige Vertreter in hohen Konzentrationen
fakultativ pathogen sind. Zu diesen gehören unter anderen Legionella
pneumophila (speziell in Warmwassersystemen), Pseudomonas aeruginosa,
atypische Mycobakterien und Amöben, welche Biofilme in den Leitungen
bilden. Bei inhalativer Aufnahme der Legionellen über Wasseraerosole
(z.B. Duschen, Klimaanlagen, Whirlpool) kann es zum Ausbruch einer
Legionellose kommen. Das Krankheitsbild reicht von grippeähnlichen
Symptomen bis zu einer oft tödlich verlaufenden Lungenentzündung.
Der letzte epidemieartige Ausbruch
dieser Krankheit in Europa war 1999 in Nordholland. Auf einer Blumenschau
steckten sich mehr als 200 Besucher mit dem Erreger an, 28 starben
damals. Der Infektionsherd, wie man später herausfand, war ein
Whirlpool, an dem die Besucher vorbeigegangen waren.
Mit einfachen Mitteln kann die Gefahr einer Legionellen-Infektion vermindert
werden: Vorsorglich sollten etwa Warmwasserbehälter auf 80 Grad
Celsius erhitzt und dann gründlich gespült werden. Auf der
Reise empfiehlt es sich, vor dem Duschen das Wasser sicherheitshalber
ohne Versprühen solange rinnen zu lassen, bis sehr warmes Wasser
aus dem Duschkopf kommt - erst dann regulieren und duschen.
Kontaminiertes Trink- und
Badewasser
Bei Reisen in Länder oder Regionen, in denen keine entsprechende
Trinkwasserversorgung vorhanden ist, kann neben dem Abkochen (Faustregel:
1 Minute plus 1 Minute pro 1.000 Höhenmetern wallen lassen), eine
chemische Desinfektion mit einem Chlorpräparat (Einwirkzeit
30 bis 120 Minuten) empfohlen werden. Trübes Wasser muss vor der
chemischen Desinfektion unbedingt über geeignete Filter vorbehandelt
werden. Präparate auf Basis von Silber können lediglich zur
Konservierung von einwandfreiem Wasser eingesetzt werden.
Wasser in Badebecken muss einer kontinuierlichen Aufbereitung und Desinfektion
unterzogen werden, denn hier sind es die Badenden selbst, die die Hauptkontaminationsquelle
darstellen. Das Badewasser muss daher immer Chlor als Desinfektionsmittel
enthalten.
Die Verwendung von Kupfersulfat in Badeteichen bezeichnet Prof. Sommer
als kritisch, denn es unterbindet nur die Photosynthese der Algen,
hat aber keine desinfizierende Wirkung.
Nicht immer ist das Badewasser an den Infektionen schuld. Nach dem
gehäuften Auftreten von Otitis externa bei Schwimmern und Tauchern
auf einer Tropeninsel, gab der Reiseveranstalter den Touristen den
Rat, nach dem Schwimmen den äußeren Gehörgang unter
der Dusche kräftig zu reinigen. In diesem Fall war das ein schlechter
Tipp: Die Erreger fanden sich nämlich nicht im Meerwasser, sondern
im Warmwasser in der Hotelanlage. Hier wären Isopropanol-Essigsäure-Panthenol
Ohrentropfen zur Pflege der äußeren Gehörgänge
effektiver gewesen.
Sorbetto ...
Mit diesem Vortrag ging auch die dritte Session der Tagung um 19.00
Uhr zu Ende. Der Pharmahandel Kwizda, als Partner der Apotheken schon
seit einigen Jahren bei der Sommerakademie vertreten, hatte auch
heuer wieder anschließend zum angenehm erfrischenden Kwizda-Sorbetto
im Foyer und am Monte-Carlo-Platzl vor dem Congress-Center eingeladen.
... und wenig Platz
Der für 20.00 Uhr im Programm angekündigte Überraschungsabend
auf Einladung der Herba-Chemosan begann gleich für viele Tagungsteilnehmer
mit einer unangenehmen Überraschung. Die Gastgeber haben nämlich
nur mit 180 Gästen gerechnet, das heißt, dass gerade nur
etwas mehr als ein Drittel der Apothekerinnen und Apotheker, die nach
Pörtschach gekommen waren, eine der begehrten Einlasskarten ins
Hausboot, einem architektonisch markanten Lokal am Ufer des Sees, erheischen
konnte. Dann war das Boot voll. Schade, denn dem Vernehmen nach soll
es ein sehr netter Abend gewesen sein.
Dummerweise fing es dann auch noch zu regnen an, so fiel auch der Pörtschacher
Kirchtag mit dem großen Feuerwerk ins Wasser.
Aus der Apothekenpraxis –
für die Apothekenpraxis
Die vierte und letzte Session der Sommerakademie leitete als Vorsitzender
am Sonntag Vormittag der wohl allen Tagungsteilnehmern aufgrund seiner
vielen guten Wortmeldungen und Diskussionsbeiträge an den vorangegangenen
Tagen bereits bestens bekannte Kollege Mag. pharm. Heinz Haberfeld
aus Baden bei Wien. Auch Mag. Haberfeld ist Mitglied des Fortbildungsbeirates
der Österreichischen Apothekerkammer und er war es, wie er eingangs erwähnte,
der »Reisemedizin« als Tagungsthema für Pörtschach
vorschlug.
|
Mag. pharm.
Dr. Gerhard Kobinger |
Als erster Vortrag stand ein Thema »aus
der Apothekenpraxis – für
die Apothekenpraxis« auf dem Programm. Mag. pharm. Dr. Gerhard
Kobinger, Präsident der Landesgeschäftsstelle Steiermark
der Österreichischen Apothekerkammer, Vorstandsmitglied der Österreichischen
Pharmazeutischen Gesellschaft, Präsident des Vereines »wissensdurstiger
Pharmazeuten«, Autor zahlreicher Publikationen in der ÖAZ
und in Kundenmedien, etc., gab Tipps zum Thema Reiseberatung/Reiseapotheke:
Immer mehr wird Urlaub/Reise/Sonne zum Beratungsthema in der Apotheke.
Die Mobilität nimmt zu, der Mensch reagiert aber oftmals
auf ungewohnte Umgebung (Klima, Essen, Aktivitäten etc.) mit kleineren
oder größeren Gesundheitsproblemen. Das ist umso lästiger,
da Urlaub der Erholung und nicht dem Auskurieren von Krankheiten dienen
soll. Dann rasch und unbürokratisch ärztliche Hilfe oder
die gewohnten Medikamente zu bekommen, ist im Ausland deutlich
schwieriger als zu Hause. Das beginnt beim Suchen nach einem Arzt oder
einer Apotheke, der Fremdsprachigkeit des Mediziners, des Apothekers
und des Medikamenten-Beipackzettels und geht bis zur fraglichen Rückverrechnung
mit der heimischen Krankenversicherung. Zudem heißen die Arzneimittel
oft anders, der Standard der medizinischen und pharmazeutischen Versorgung
ist möglicherweise nicht Vertrauen einflößend.
Reiseberatung in der Apotheke
Neben allgemeinen Tipps betreffend Auswahl, Transport und Lagerung
der Arzneimittel ging es in diesem Vortrag vor allem um die Beratungssituation
in der Apotheke. Dabei wird den unverzichtbaren Checklisten
für eine Reiseapotheke die auf die individuelle Situation des
Urlaubers abgestimmte Bedarfsermittlung samt Lösungsvorschlag
gegenüber gestellt. Prophezeiungen für wahrscheinliche
Urlaubserkrankungen gehören zwar nicht zum Standardrepertoire
von Apotheker, doch lässt sich unter Berücksichtigung von
Urlaubsziel, Reisestil und individueller Gesundheitslage des Kunden
sicherlich eine kleine, feine und schlagkräftige Reiseapotheke
zusammen stellen, die nicht gleich einen eigenen Koffer Übergepäck
verursacht.
Dass dabei eine Reihe von Besonderheiten zu berücksichtigen ist,
liegt auf der Hand: Kinder, Diabetiker, Allergiker, Homöopathie-Freaks – jeder
braucht seine persönliche Reiseapotheke.
Der Reisemediziner
Die letzten beiden Vorträge bei der Sommerakademie 2007 in Pörtschach
hielt Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der Arbeitsgruppe
Epidemiologie und Reisemedizin am Institut für Spezifische Prophylaxe
und Tropenmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Seine
beiden Themen waren »Reisen mit Kindern« und »Reisen
im Alter«.
Reisen mit Kindern
Kinder sind durch Infektionskrankheiten stärker gefährdet
als Erwachsene. Daher sollten bei jeder Fernreise in einer sorgfältigen
Nutzen-Risiko-Abwägung die Schutzmaßnahmen für das
Kind besprochen werden. Insbesondere Reisen mit langen Flugzeiten und
kurzen Erholungspausen im Reiseland unter fremden Lebensbedingungen
bedeuten für Kinder eine größere Umstellung als für
Erwachsene. Mit großer Sensibilität können Kinder auf
veränderte Tagesabläufe, ungewohnte Nahrungsmittel, Infektionen
und Flüssigkeitsverluste reagieren. Treten Durchfallerkrankungen
bei Kindern auf, ist besondere Vorsicht geboten.

|
Univ.-Prof.
Dr. Herwig Kollaritsch |
Reisen im Alter
Je älter ein Mensch ist, umso größer ist die Belastung
durch eine Reise, insbesondere eine Fernreise. Vor allem durch die
im Alter häufig existenten chronischen Erkrankungen (wie
z.B. Herz-, Kreislaufbeschwerden, Altersdiabetes, etc.) und die reduzierten
körperlichen Abwehrkräfte, stellen Tropenaufenthalte ein
erhöhtes Gesundheitsrisiko dar.
Wie bei allen Reisenden sollen auch bei Kindern und Senioren am Beginn
der Reisevorbereitungen die Impfungen stehen. Für manche Länder
wird auch eine Malaria-Prophylaxe empfohlen. Ob eine permanente Prophylaxe
oder ein so genanntes Standby-Medikament angewendet werden soll, hängt
vom Individualrisiko ab. Ein besonderes Problem stellt die Malaria-Prophylaxe
bei Kleinkindern dar, manche Medikamente sind für Kinder gar nicht
zugelassen bzw. schwierig zu dosieren.
Tipps für
Reisende
Von den vielen guten Tipps, die Prof. Kollaritsch den Zuhörern
gab, und die in extenso in den Unterlagen nachgelesen werden können,
seien nur einige herausgegriffen: Wer länger als 4 Stunden
unterwegs ist, ganz gleich ob mit dem Auto oder mit dem Flugzeug, der
sollte auch an eine Thrombose-Prophylaxe denken, das gilt ganz besonders
für Risikogruppen. Bei Kindern kann man Probleme bei Start und
Landung verhindern, wenn man Nasen- und Ohrentropfen anwendet,
denn dadurch werden die Schleimhäute elastischer gemacht und der
Druckunterschied ist erträglicher.
Reise-Checkliste
Vor der Reise sollte man anhand einer Checkliste (beim Österreichischen
Apotheker-Verlag erhältlich) die notwendigen Impftermine planen
und sich in der Apotheke eine individuelle Reiseapotheke zusammenstellen
lassen. Dann steht einem Traumurlaub nichts mehr im Weg.
Mit diesem Statement ging die 11. Sommerakademie in Pörtschach
zu Ende. Mag. pharm. Heinz Haberfeld bedankte sich nochmals im Namen
der Österreichischen Apothekerkammer bei allen Referenten und
bei den Teilnehmern, und wünschte allen eine gute Heimfahrt. In
der Hoffnung auf ein Wiedersehen bei der 12. Sommerakademie mit dem
Thema »Pharmakologie«, die vom 20. bis 22. Juni 2008 wieder
am Wörthersee stattfinden wird, schloss Mag. Haberfeld die Tagung
pünktlich um 13.00 Uhr.
Anschrift des Verfassers:
Mag. pharm. Franz Biba,
Österreichische Apothekerkammer,
Leiter der Abteilung für Information Fortbildung;
E-Mail: franz.biba@apotheker.or.at
* Die bestens verlaufende Organisation
der Tagung lag wieder in den bewährten Händen von Mag. pharm.
Franz Biba (Anm. d. Red.). |