ÖAZ Aktuell (Ausgabe 14/2007)

Hauptartikel 14/2007

HAUPTARTIKEL

Ein Buchenwald als Öko-Labor: CO2 von Mikroorganismen

Antibiotika-Säfte
Würmer und Reisen – Würmer auf Reisen
Bilanz 2006
Österreichische Apothekerbank

11. Sommerakademie in Pörtschach: »Fern:weh«

Würmer und Reisen – Würmer auf Reisen


Granulom um enystierte Larve von Toxocara im Auge

Insgesamt sind beim Menschen rund 350 Helminthen-Spezies nachgewiesen worden. Dass der Mensch mit Abstand jene Spezies ist, die für die größte Zahl von Helminthen als Wirt fungieren kann, hängt mit der Tatsache zusammen, dass diese euryöke, außerordentlich erfolgreiche Spezies Homo sapiens in geradezu alle Ökosysteme der Erde massiv eingedrungen und daher mit Parasiten zahlreicher anderer Metazoen in Kontakt gekommen ist.

Univ.-Prof. Dr. Horst Aspöck

Vorweg eine Begriffsbestimmung: Das Wort »Würmer« ist im Grunde genommen ein antiquierter, völlig obsoleter – und dennoch nach wie vor im biologischen und besonders medizinischen Jargon verwendeter Begriff, mit dem die Helminthen, die »Eingeweidewürmer«, gemeint sind. Diese Helminthen – ein rein ökologischer Begriff ohne jede systematische Aussage – umfasst (fast) alle endoparasitischen Metazoen, also Nematoden (Fadenwürmer), Trematoden (Saugwürmer, Egel), Zestoden (Bandwürmer), Akanthozephalen (Kratzer) und sogar die Pentastomiden (Zungenwürmer). Tatsächlich ist ein Spulwurm mit einem Bandwurm weitaus weniger nahe verwandt als der Mensch mit einem Frosch. Nur die endoparasitischen Fliegenmaden stehen außerhalb – obwohl gerade sie von Nichtparasitologen fast immer als »Würmer« bezeichnet werden.
Von den 350 im Menschen nachgewiesenen Helminthen-Arten ist nur ein sehr kleiner Teil davon (knapp 20 Arten) auf den Wirt Homo sapiens angewiesen (diese sind zum größten Teil lange Begleiter der Evolution der ­Hominini), für die anderen ist der Mensch nur ein Nebenwirt (allenfalls, in wenigen Fällen, ein Hauptwirt) oder gar Fehlwirt. Zudem handelt es sich in nicht wenigen Fällen um Pseudoparasiten und Zufallsbefunde.


Zerkarien: Das relativ dicke Männchen hält mit seinen bauchwärts eingerollten Körperrändern das fadenförmige Weibchen permanent umklammert (Pärchenegel), mittels Saugnäpfen verankern und ­bewegen sie sich im Lumen der Gefäße des Endwirtes Mensch, wo sie viele Jahre leben, sich durch Blut ernähren und je nach Art täglich zwischen 100 und 3.500 Eier legen.

Infestation statt Infektion
Eine weitere Begriffsbestimmung ist nötig: Im Jargon spricht man häufig von Helminthen-Infektionen; man darf es durchaus, wenn man nur weiß und bedenkt, dass es eigentlich nicht richtig ist. Eine Infektion ist u.a. durch Eindringen und Vermehrung des Erregers gekennzeichnet. Zwar dringen alle Würmer (aktiv oder passiv) ein – sonst wären sie ja nicht Endoparasiten –, aber nur sehr wenige vermehren sich im Menschen; diese Situation ist korrekt als Infestation oder Befall zu bezeichnen. Für die meisten Würmer, für die der Mensch einen funktionell geeigneten Wirt (Hauptwirt oder Nebenwirt) darstellt, fungiert er als Endwirt. Das heißt, in ihm erreicht der Wurm die Geschlechtsreife und produziert Nachkommen (zumeist Eier) – aber er vermehrt sich nicht in ihm. Immerhin, es gibt auch einige Helminthen-Infestationen im strengen Sinn (Echinococcus spp., Strongyloides stercoralis), und dies hat besondere medizinische Bedeutung.

Prävalenz
Die Prävalenz der einzelnen Helminthen-Spezies in der Spezies Homo sapiens ist extrem unterschiedlich. Man kann davon ausgehen, dass mehr als 99,9% aller Helminthen-Infektionen und -Infestationen durch weniger als 30 Helminthen-Arten hervorgerufen werden.

Die Weltbevölkerung beträgt gegenwärtig (Mai 2007) etwa 6,6 Milliarden Menschen. Nach vorsichtiger Schätzung beträgt die Wurmlast der Menschheit – das ist die Zahl der Infestationen bzw. Infektionen mit ­einer bestimmten Helminthen-Spezies – derzeit 5.050 Millionen. Daraus ergibt sich auch ein Helminthen-Index von ca. 77; zu bedenken ist aber, dass es enorme regionale Unterschiede gibt. In den einzelnen Ländern der Nordhemisphäre haben jedenfalls weniger als 5% der Bevölkerung, in vielen Bevölkerungsgruppen weniger als 1%, in vielen Gebieten der Tropen hingegen fast 100% der Bevölkerung »Würmer« – und zwar nicht nur eine, sondern mehrere – nicht selten 5 und mehr – Helminthen-Spezies. Die häufigsten Helminthen sind (in dieser Reihenfolge): Ascaris lumbricoides (ca. 1.500 Mio. Menschen befallen), Ancylostoma duodenale, Necator americanus (ca. 1.300 Mio.), Trichuris trichiura (ca. 1.050 Mio.), Enterobius vermicularis (>400 Mio.), Schistosoma haematobium (ca. 115 Mio.), Wuchereria bancrofti (ca. 110 Mio.), Schistosoma mansoni (ca. 85 Mio.), Taenia saginata (ca. 80 Mio.), Hymenolepsis nana (ca. 75 Mio.), Strongyloides stercoralis (ca. 70 Mio.), Paragonimus westermani und verwandte Arten (ca. 20 Mio). Daraus ergibt sich ein geradezu ungeheurer medizinischer Stellenwert. Mit der Annahme, dass etwa 1 Milliarde Menschen an ­einer Helminthose leiden, also klinische Beschwerden durch den Wurmbefall zeigen, kommt man der Realität vermutlich sehr nahe. Wahrscheinlich sterben ca. 300.000 Menschen pro Jahr direkt an den Folgen ­eines Helminthen-Befalls. Nicht abschätzbar ist der indirekte Einfluss von Helmin­thosen auf den Gesundheitszustand von Hunderten Millionen von Menschen, die dem Circulus vitiosus »Armut – mangelhafte Hygiene – Krankheit« ausgesetzt sind. Immerhin darf man in diesem Zusammenhang mit Erleichterung darauf hinweisen, dass Helminthosen bei HIV-Infizierten in der Regel nicht exazerbieren – mit Ausnahme jener wenigen Spezies, die sich im Menschen vermehren und als opportunistische Erreger zu einer entscheidenden Verschlechterung des Zustandes eines AIDS-Patienten führen können; die Strongyloidose ist ein bekanntes Beispiel.

Die Zahl der Individuen einer Helminthen-Spezies, die der Mensch beherbergen kann, ist übrigens sehr unterschiedlich. Taenia-Arten (Taenia saginata, Taenia solium), und auch Diphyllobothrium latum treten meist nur einzeln auf. Hingegen kann ein Mensch mehrere 100 (angeblich sogar über 1.000!) Spulwürmer beherbergen. Andere bei einzelnen Menschen gefundene Spitzenwerte: Opisthorchis viverrini: 12.000 Adulte, Fasciolopsis buski: >3.200 Adulte!

Globale Morbidität und Mortalität durch Helminthosen
Helminthose / befallen (in Mio.) / krank (in Mio.) / Mortalität (in 1000) / Jahr
Spulwurm-Befall / 1472 / 335 / 60 (100–200)
Hakenwurm-Befall / 1298 / 159 / 65
Lymph. Filariose / 120 / 44 / niedrig
Onchozerkose / 18 / 0,27 / 45
Bilharziosen / 200 / 20 / 20
Peitschenwurm-Befall / 1049 / 220 / 21 / 10
Helminthosen insg. / ca. 5050 / ca. 1000 / ca. 300

(nach Crompton 1999)

Unterschiedliche Lebensdauer
Die Lebensdauer der Helminthen ist verständlicher Weise ebenfalls sehr unterschiedlich: Adulte von Trichinen leben nur wenige Wochen, ebenso Enterobius vermicularis, und auch die Darmegel leben nur wenige Wochen. Trichinenlarven (wie überhaupt in der Regel Stadien, für die der Mensch als falscher Zwischenwirt fungiert, z.B. Echinococcus, Toxocara, …) können hingegen Jahrzehnte am Leben bleiben. Adultwürmer mit langer Lebensdauer sind Schistosoma japonicum (47 Jahre), Diphyllobothrium latum (30 bis 50 Jahre), Clonorchis sinensis (25 Jahre), Brugia malayi (20 Jahre), Necator americanus (18 Jahre).

Nord-Süd-Gefälle
Wer auf Reisen geht – egal wo – erhöht das Risiko eines Wurmbefalls, weil er in fremder Umgebung anderen und fast immer mehr Infektionsquellen ausgesetzt ist als zu Hause. Aber es besteht natürlich ein gewaltiger Unterschied, ob man z.B. als Österreicher zu einem Kuraufenthalt in den Schwarzwald reist, irgendwo in Südeuropa zwei Wochen Urlaub macht oder sich einige Zeit in einem tropischen Land unter mangelhaften hygienischen Verhältnissen aufhält. Damit ist das Nord-Süd-Gefälle nochmals plakativ aufgezeigt.

Wege der Infektion und Infestation von Helminthen – oral
oral durch verunreinigtes Wasser; Beispiele: Taenia solium (Ei), Echinococcus granulosus und E. multilocularis (Ei), Ascaris lumbricoides (embryoniertes Ei), Toxocara canis (embryoniertes Ei), Trichuris trichura (embryoniertes Ei)

oral durch Schmutz- und Schmierinfektion (z.B. durch oralen Kontakt mit Erde); wie durch verunreinigtes Wasser

oral durch mit Parasiten kontaminierte Vegetabilien; wie durch verunreinigtes Wasser

Fäko-oral: direkt oder indirekt von Mensch zu Mensch; Beispiel: Taenia solium (Ei), Enterobius vermicularis (embryoniertes Ei)

Fäko-oral durch direkten oder indirekten Kontakt mit Hunden; Beispiele: Echinococcus granulosus und E. multilocularis (Ei), Toxocara canis (embryoniertes Ei)

Fäko-oral durch direkten oder indirekten Kontakt mit Katzen; Beispiele: Toxocara cati (embryoniertes Ei), Echinococcus multilocularis (Ei)

oral/aerogen: Mit der Atemluft; Beispiele: Enterobius vermicularis (embryoniertes Ei)

oral durch ungenügend erhitztes Fleisch von infizierten (infestierten) Säugetieren oder Vögeln (Zwischenwirten); Beispiele: Taenia solium (Metazestode = Cysticercus cellulosae), T. saginata (Metazestode = Cysticercus bovis), Trichinella spiralis (Muskeltrichine = Larve I)

oral durch ungenügend erhitztes Fleisch von infestierten Süßwasserfischen; Beispiele: Clonorchis sinensis (Metazerkarie), Diphyllobothrium latum (Metazestode = Plerozerkoid)

oral durch ungenügend erhitztes Fleisch von infestierten marinen Fischen; Beispiel: Anisakis

oral durch unbeabsichtigtes (selten beabsichtigtes) Essen von infestierten Arthropoden (Zwischenwirten); Beispiele: Dicrocoelium dendriticum (Metazerkarien in Ameisen), Paragonimus spp. (Metazerkarien in Süßwasserkrabben), Vampirolepis nana (Metazestoden = Zystizerkoid in Käfern oder Flöhen), Moniliformis moniliformis (Larven in Maikäfern), Dracunculus medinensis (Larve in Kleinkrebsen [Copepoden], mit Trinkwasser)

oral durch Vegetabilien mit anhaftenden enzystierten Parasiten; Beispiele: Fasciola hepatica (Metazerkarie), Fasciolopsis busci (Metazerkarie)
Tabelle 1: (in Klammern: infektiöses Stadium)

Wege der Infektion und Infestation von Helminthen – perkutan
perkutan, aktiv, im Wasser; Beispiele: Schistosoma spp. (Zerkarien), »Vogelbilharzien« (Zerkarien)

perkutan, aktiv, durch Kontakt mit Erde; Beispiele: Hakenwürmer (Ancylostoma spp., Necator americanus), Strongyloides stercoralis (filariforme Larven)

perkutan, aktiv, während des Saugaktes blutsaugender Insekten (Stechmücken, Kriebelmücken, Gnitzen, Bremsen); Beispiele: Filarien (Wuchereria, Brugia, Onchocerca u.a.) (Larve III) (wandert durch Mundwerkzeuge der Blutsauger aktiv in den Stichkanal)
Tabelle 2: (in Klammern: infektiöses Stadium)

Infektionswege
Die Tabellen 1 und 2 zeigen – durch einige Beispiele ergänzt – die Vielfalt der Infektionswege. Dass dem oralen Weg die größte Bedeutung zukommt, verwundert nicht, immerhin sind einige Helminthosen – und unter ihnen solche, die die Gesundheit ­erheblich bedrohen – auf perkutanes Eindringen von Larven zurückzuführen.

Übrigens können – abgesehen von Enterobius vermicularis – nur ganz wenige Helminthen-Spezies (durch Schmutz- und Schmierinfektion unter mangelhaften ­hygienischen Verhältnissen) von Mensch zu Mensch übertragen werden. Diese ­Gefahr ist also grundsätzlich sehr gering, doch sollte nicht vergessen werden, dass ein Schweinebandwurm-Träger, der Eier von Taenia solium ausscheidet, eine erhebliche Gefahr für seine Umgebung und nicht zuletzt für sich selbst (Autoinfektion!) darstellen kann. Die orale Aufnahme von Eiern von T. solium kann zu einer lebensgefährlichen Zystozerkose führen.

Basis-Parameter bei Verdacht auf Parasitosen
geographische Anamnese (Exposition?)
Fieber?
Diarrhoe (blutig-schleimig?)
Diarrhoe/Obstipation?
Nausea?
Inappetenz/Heißhunger?
Müdigkeit, Leistungsabfall?
Gewichtsverlust?
Hämaturie? Miktionsbeschwerden?
Exantheme? Pruritus?
Vesikuläre Hautveränderungen?
BSR beschleunigt?
Differentialblutbild:
Anämie?
Leukozytose?
Eosinophilie?
Immunglobuline:
IgE-Erhöhung?
Hepatosplenomegalie?
Ikterus?
Neurologische Symptomatik?
Augenveränderungen?
Muskelschmerzen?
Lymphadenopathie?
Röntgenologische, szintigraphische, sonographische u.a. Befunde? (Zysten?)
Immunschwäche? Immunsuppression? Transplantationspatient?
HIV-positiv?
Antiparasitäre Chemoprophylaxe oder Chemotherapie?
Tabelle 3

Therapie von Helminthosen
wichtige Antihelminthika: Praziquantel, Niclosamid, Albendazol, Mebendazol, Thiabendazol, Triclabendazol, Levamisol, Piperazin, Pyrantelpamoat, Pyrviniumebonat, Ivermectin, Diethylcarbamazin

in manchen Fällen (Zystizerkose, Trichinellose) zusätzlich Kortikosteroide
bei wenigen Helminthosen chirurgische Therapie (Echinokokkosen, Dioktophymose, Anisakidose …)

PAIR (Punktion-Aspiration-Instillation-Reaspiration) – Technik unter Alben-
dazol-Schutz (Zystische Echinokokkose)
Tabelle 4

Gefährlichkeit
Die Lokalisation und dieser entsprechend die klinische Symptomatik sind bei den verschiedenen Helminthosen sehr unterschiedlich. Mit Recht werden Helminthen besonders mit dem Darmtrakt assoziiert. Tatsächlich sind bisher rund 200 Helminthen-Spezies beim Menschen im ­Gastrointestinaltrakt gefunden worden. Immerhin hat man mehr als 100 Helminthen-Arten in anderen Körperhöhlen, Organen und in Geweben festgestellt. Etwa 20 Helminthen-Arten parasitieren im Blutgefäßsystem und über 50 in der Haut. Viele der im Darmtrakt parasitierenden Helminthen führen – zumal, wenn die Zahl der Würmer gering ist – nur zu geringen klinischen ­Erscheinungen, doch können manche Arten schwerwiegende Krankheiten hervorrufen. Beispiele sind Spulwurm und Hakenwürmer, die vermutlich mindestens 160.000, möglicherweise mehr als 200.000, Todesfälle pro Jahr verursachen. Die gefährlichs­ten Helminthosen sind jene mit extraintestinaler Lokalisation der Erreger: Bilharziosen (Gefäße von Darm und Urogenitaltrakt), Zystizerkose (besonders Gehirn), zysti­sche Echinokokkose (Leber, Lunge und andere Organe), alveoläre Echinokokkose (Leber), Trichinellosen (Muskulatur), Toxokarose (zahlreiche Organe, besonders auch Auge) …

Kein rohes oder ungenügend erhitztes Fleisch von Säugetieren (oder Vögeln) essen!

Keine rohen oder ungenügend erhitzten Meeresfische!

Keine rohen oder ungenügend erhitzten Süßwasserfische!

Keine rohe (wild gewachsene) Brunnenkresse!

Rohe Kräuter gründlich reinigen und auf festgebissene Ameisen kontrollieren!

Orale Aufnahme von mit Erde kontaminierter Nahrung (Salate, Beeren, Pilze) vermeiden!

Nach Kontakt mit Tieren (Katzen, Hunde …) Hände waschen!

Während der Schwärmzeit der Zerkaren der Vogelbilharzien auf Baden in Teichen und ähnlichen Gewässern mit Schnecken-Besatz verzichten! Allenfalls stark eincremen!
Tabelle 5a: Expositionsprophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung von Helminthen-Infektionen bzw. Infestationen in Mitteleuropa

Alle für Mitteleuropa gültigen Maßnahmen beachten!

Außerdem: keine rohen oder ungenügend erhitzten Schnecken, Muscheln, Fleisch von Amphibien oder Reptilien!

Keine rohen oder ungenügend erhitzten Süßwasserkrabben!

Keine getrockneten Insekten!

Keine rohen Salate!

Keine nicht schälbaren rohen Früchte (wenn nicht selbst gepflückt)!

Nur fabriksmäßig abgefülltes Trinkwasser (oder Mineralwasser) trinken!
Baden in freien Süßgewässern ver meiden!

Hautkontakt mit Erde, besonders Barfußgehen, vermeiden!

Stiche blutsaugender Ektoparasiten nicht nur durch Repellentien, sondern – wenn nötig – durch Insektizide (Einsprühen der Kleidung, »Gelsenstecker«) und durch entsprechende Kleidung (Arme und Beine besonders in der Dämmerung und nachts im Freien nicht unbedeckt lassen) vermeiden!

Tabelle 5b: Expositionsprophylaktische Maßnahmen zur Vermeidung von Helminthen-Infektionen bzw. -Infestationen in den Tropen und Subtropen

Bei Verdacht – abklären!
Jeder, der sich längere Zeit in den Tropen aufgehalten hat, sollte, auch bei völligem Wohlbefinden, unbedingt einige Wochen nach der Rückkehr nach Mitteleuropa zumindest eine Stuhluntersuchung auf Eier intestinaler Helminthen durchführen lassen. Bei Auftreten von Krankheitssymptomen nach Aufenthalten in den Tropen oder Subtropen ist grundsätzlich immer auch an eine Helmin­those zu denken. In Tab. 3 sind jene klinischen und hämatologischen Parameter zusammengestellt, die für die ­Abklärung einer möglichen Helminthose von Bedeutung sind.

Prävalenzen der häufigsten Helminthosen in Mio.
Ascaris lumbricoides 1.472,00
Ancylastoma duodenale und Necator americanus 1.298,00
Trichuris trichiura 1.049,00
Schistosoma haematobium 113,88
Wuchereria bancrofti 107,00
Schistosoma mansoni 83,31
Taenia saginata 77,00
Hymenolepsis nana 75,00
Strongyloides stercoralis 70,00
Paragonimus westermani und verwandte Arten 20,68
Onchocerca volvulus 17,66
Brugia malayi und B. timori 13,00
Loa loa 13,00
Opisthorchis viverrini und O. felineus 10,33
Taenia solium 10,00
Diphyllobothrium latum 9,00
Clonorchis sinensis 7,01
Echinococcus granulosus und E. multiocularis 2,70
Fasciola gigantica und F. hepatica 2,40
Schistosoma intercalatum 1,73
Schistosoma japonicum 1,55
Schistosoma mekongi 0,91
Metagonimus yokogawi und verwandte Arten 0,66
Heterophyes heterophyes und verwandte Arten 0,24
Fasciolopsis buski 0,21
Echinostoma ilocanum und verwandte Arten 0,15
Dracunculus medinensis 0,08

(nach Crompton 1999)

Diagnostik
Die Laboratoriumsdiagnostik beruht einerseits auf dem Einsatz des direkten Erregernachweises (dabei handelt es sich zum überwiegenden Teil um Stuhluntersuchungen auf Eier von Helminthen, weiters um Nachweis von Mikrofilarien in Blut oder Haut), andererseits auf serologischen Tests (besonders ELISA-Techniken als hoch­sensitive und Western-Blots als hochspezifische Tests in Kombination), die vor allem bei allen extraintestinalen Helminthosen von größter Bedeutung sind. Molekularbiologische Methoden spielen in der Diagnostik der Helminthosen eine vergleichsweise geringe Rolle, können aber in Einzelfällen von großer Bedeutung sein.

Therapie
Für die Therapie der Helminthosen stehen mehrere ausgezeichnete Antihelminthika gibt es (Tab. 4), bei manchen sind chirurgische Maßnahmen sinnvoll oder ­sogar nötig; in der Therapie der zystischen Echinokokkosen steht zudem die PAIR-Technik zur Verfügung, bei der – unter Abschirmung durch Albendazol! – die Zyste (Hydatide) punktiert und der Zysteninhalt aspiriert wird; sodann wird 95%iges Ethanol in die Zysten-Höhle injiziert und nach etwa 15 Minuten wieder abgesaugt. Keimschicht und Protoscoleces werden durch diese Maßnahme abgetötet.

Vorsicht…
Gegen Helminthosen gibt es weder eine Impfung noch ist irgendeine Chemoprophylaxe gerechtfertigt, daher verbleibt nur die Expositionsprophylaxe. Durch entsprechende Maßnahmen (»Gebote« und »Verbote«) soll – und kann! – Wurmbefall verhindert werden. Was man als Reisender in gemäßigten, vor allem aber in tropischen und subtropischen Gebieten tun und was man lassen soll, ist aus Tab. 5a und 5b ersichtlich. Es lohnt sich, dieses Wissen und die Möglichkeiten der ­Expositionsprophylaxe mit auf die Reise zu nehmen. Auch wenn man die meisten (allerdings nicht alle!) Wurmer­krankungen erfolgreich behandeln kann, bleibt durch spät oder nicht adäquat durchgeführtes diagnostisches Prozedere stets ein Risiko für die Gesundheit, das keinesfalls unterschätzt werden darf.

Literatur beim Verfasser.

Univ.-Prof. Dr. Horst Aspöck, Abteilung für
Medizinische Parasitologie, Klinisches Institut für ­Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, Medizinische Universität Wien (MUW),
Kinderspitalgasse 15, A-1095 Wien,
horst.aspoeck@meduniwien.ac.at

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