Bei resistenter chronisch
myeloischer Leukämie: Sprycel®

Mag. pharm. Dr. Alfred Klement
Die senile oder besser gesagt altersbedingte
Makuladegeneration (AMD) tritt mit steigender Häufigkeit ab dem 50. Lebensjahr
auf und schränkt die Sehleistung bis zur Blindheit ein (s.
Abb.).
Die Makula im Zentrum der Sehleistung
Das fokussierte Sehen verdanken wir der Makula oder zentralen
Netzhaut. Sie erlaubt uns zu lesen, Auto zu fahren, Gegenstände
wie Münzen zu erkennen usw. Diese Fähigkeiten leiden
unter der fortschreitenden AMD und führen letztlich zur
Unmöglichkeit, den Alltag ohne Hilfe zu bewältigen.
Es gibt zwei Verlaufsformen der AMD, von denen die »feuchte« neovaskulare
zwar nur in 10% der Fälle auftritt, dafür aber progredient
verlauft und das zentrale Gesichtsfeld bis zur Unkenntlichkeit
einschränkt. (Abb.)

Veränderung des Sehvermögens bei AMD
Die bisherigen Therapiemethoden der neovaskulär bedingten,
exsudativen (feuchten) Makuladegeneration zielten auf die Gefäßneubildung
ab, hatten aber gewichtige Nachteile: Siehe auch Visudyne®, ÖAZ
Nr. 23, 1009 (2000) bzw. Macugen®, ÖAZ Nr. 18, 853 (2006)
Sie waren entweder nur für bestimmte Patienten geeignet,
bzw.
sie führten technisch (Chirurgie, Laserphotokoagulation)
zu iatrogen bedingtem Sehverlust,
oder sie konnten zwar das Fortschreiten der Degeneration bremsen
oder zum Stillstand bringen (Visudyne®‚ Macugen®),
den Zustand aber nie bessern.
Umso mehr Hoffnung setzte die Fachwelt auf das Fragment eines
monoklonalen Antikörpers, das den Wachstumsfaktor VEGF (Vacular
Endothelial Growth Factor) hemmt.
»Ranibizumab«
(Lucentis® – Inj. Lösung)
Seit März 2007 ist Lucentis® von Novartis im Handel
erhältlich. Eine Durchstichflasche mit 0,3ml Lösung
(1ml enthält 10mg »Ranibizumab«) kostet 1.907,30
Euro (AVP). Die Packung enthält auch 1 Filterkanüle,
1 Injektionskanüle und 1 Spritze.
Das Fragment des humanisierten rekombinanten
monoklonalen Antikörpers
ist ausschließlich gegen die Form A des Wachstumsfaktors
gerichtet. Sie hat von den fünf Subtypen (A, B, C, D und
E) für die Gefäßneubildung in der Aderhaut die
größte Bedeutung. VEGF-A kommt in mehreren Isoformen
vor, die sich hinsichtlich ihrer Aminosäurezahl unterscheiden.
Sie alle bewirken über die Bindung an den entsprechenden
Rezeptor sowohl eine erhöhte Gefäßdurchlässigkeit
(Transsudation) als auch eine Gefäßsprossung. »Ranibizumab« neutralisiert
mit hoher Affinität alle VEGF-A–Isoformen und
verhindert dadurch ihre Anlagerung an die VEGF-Rezeptoren am
Gefäßendothel. Der Vorgänger »Pegaptanib« (Macugen®)
konnte hingegen nur eine A-Isoform hemmen.
Kurzprofil Lucentis®
»Ranibizumab« ist das Fragment eines humanisierten
monoklonalen Antikörpers, der mittels rekombinanter DNA-Technologie
in Escheria coli hergestellt wird.
Er
richtet sich gegen den »Vasculare Endothelial Growth
Factor-A« (VEGF-A), der bei altersbedingter Makuladegeneration
Gefäßneubildung und Verlust des fokusierten Sehens
verursacht.
Lucentis® wird in den Glaskörper des Auges injiziert
und neutralisiert dort den Wachstumsfaktor. Es kommt nicht nur
zur Verhinderung von weiteren Sehschärfeverlusten, sondern – bisher
einzigartig – zu einem Zugewinn!
Die Manipulationsfolgen am Auge (innere Entzündungen,
Netzhautschäden, erhöhter Augeninnendruck) lagen bei
Spezialabteilungen unter 1% der Behandlungen. Derzeit ist eine
Behandlung in Österreich nur an der Augenabteilung am Wiener
AKH möglich.
Pharmakokinetik und Dosierung
Nach der intravitrealen Injektion ist mit einer Eliminationshalbwertszeit
aus dem Glaskörper von etwa 9 Tagen zu rechnen. Man hat
kalkuliert, dass die Konzentration von »Ranibizumab« im
Serum etwa 90.000 mal niedriger liegt als im Glaskörper!
Dosierung: Drei Tage vor und drei Tage
nach der Injektion soll der Patient zur Infektprophylaxe antimikrobielle
Augentropfen anwenden. Die Injektion in den Glaskörper wird unter aseptischen
Bedingungen durchgeführt. Sie erfolgt in den ersten drei
Monaten alle 4 Wochen, danach wird das Ergebnis monatlich kontrolliert
und bei einem Sehverlust von > 3 Buchstaben neuerlich mit
den Injektionen begonnen.
Indikation: zur Behandlung der neovaskulären (feuchten)
altersabhängigen Makuladegeneration (AMD).
Die Besonderheit von Lucentis® liegt in der Verbesserung
der Sehschärfe, denn alle bisherigen Behandlungsverfahren,
einschließlich von Visudyne® und Macugen® konnten
bestenfalls den Sehschärfeverlust stoppen! In einer zweijährigen
Vergleichsstudie wurde die Behandlung von »Ranibizumab« (0,3mg/0,5mg)
mit »Verteporfin« geprüft (ANCHOR–Study;
David M. Brown).
Die entsprechenden Ergebnisse
nach den ersten 12 Monaten sind in der Tabelle wiedergegeben.
Veränderung
der Sehschärfe
in Buchstaben |
V i s u d y n e ®
(photodynamisch) |
Lucentis®
0,5mg |
Verlust <15
Buchstaben |
64% |
96% |
Gewinn ≥ 15
Buchstaben |
6% |
40% |
Durchschn. Veränderung
der Sehschärfe |
-9,5% (16,4) |
+11,3%(14,6) |
| 12-Monatsdaten aus der ANCHOR-Studie |
Die Grafik gibt die mittlere Änderung
der Sehschärfe
in den ersten 12 Monate an und zeigt, dass sich die Werte der »Ranibizumab«-Gruppen
zu jedem Zeitpunkt signifikant von der Visudyne®-Gruppe (»Verteporfin«)
unterschieden.

Auffällig ist der rasche Gewinn an Sehschärfe innerhalb
der ersten drei Behandlungsmonate, der dann in eine Plateauphase übergeht.
Diesen positiven Resultaten stehen jene rund 5% »Non-Responder« gegenüber,
die nicht auf Lucentis® ansprachen und deren Sehschärfe
sich sogar stärker verschlechterten als bei Nichtbehandlung.
Man versucht derzeit, Kriterien für ihre vorzeitige Erkennung
zu finden.
Sicherheit
Schwere unerwünschte Ereignisse standen mit der Applikationsweise
im Zusammenhang: Entzündungen der Augeninnenräume,
Beschädigung der Netzhaut, Linsentrübung und erhöhter
Augeninnendruck. Die Applikation soll daher nur von spezialisierten
Augenabteilungen durchgeführt werden und eine einwöchige
Nachbeobachtung zur raschen Erkennung von Entzündungszeichen
mit einschließen.
Verwendete Grundlagen
Austria-Codex Fachinformation Lucentis®
Europäischer Beurteilungsbericht (EPAR) zu Lucentis®
(http://www.
emea.eu.int )
David M. Brown »Ranibizumab versus Verteporfin for neovascular
age-related macula degeneration« (ANCHOR) N Engl J Med.
2006; 355: 1432 – 44
Novartis Produktmonographie zu Lucentis®
Vorgestellte Präparate 2007:
Avaglim® Rosiglitazon
+ Glimepirid
Baraclude® Entecavir
Champix® Vareniclin
Exjade® Deferasirox
Solaraze® Diclofenac
Sprycel® Dasatinib
Kassenzugehörigkeiten
Stand 1.3.2007:
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Aktueller geänderter Kassenstatus: farblose Zeile |