ÖAZ Aktuell (Ausgabe 07/2007)

Hauptartikel 07/2007

HAUPTARTIKEL

Der neue Apothekerausweis

40. Fortbildungswoche Saalfelden
Qualitätssicherung
Aromatase-Inhibitoren
Ein Besuch in Srebrenica, elf Jahre nach dem Völkermord:
Allahs vergessene Kinder

40. Fortbildungswoche Saalfelden

Die Apotheke – DIE Gesundheitsdrehscheibe der Zukunft

Qualitätssicherung und Kommunikation der ­Leistungen des Apothekers kristallisierten sich erneut als Voraussetzung des Fortbestandes des Apothekerberufes heraus – auch auf der diesjährigen 40. Fortbildungswoche in Saalfelden, die unter dem Thema »Hormone« stand.

Mag. Monika Heinrich

Die einzelnen Seminare im Rahmen der Tagung waren
praxisbezogen und zahlreich besucht.

Männer haben die Fettdepots um den Bauch, weil Fett an den Oberschenkeln die
Schnelligkeit bei der Jagd behindert. (Bierbauch)
Männer sitzen gerne vor dem Fernseher, weil er dem Flackern des Lagerfeuers ähnlich ist.

Männer haben …

…eine durchschnittlich 7 Jahre kürzere Lebenserwartung
zw. 25.-65. Lebensjahr versterben Männer 4 x häufiger an Infarkten
Männer verlieren zwischen dem 20.und 70. Lebensjahr 7-9 Kilo Muskel-
masse und der Fettanteil steigt in dieser Zeit um 20-30%
Hormontherapien werden den Männern als der JUNGBRUNNEN angepriesen!

… weshalb Testosteron ?

hohe Testosteronspiegel verstärken die Attraktivität und das Durchsetzungsvermögen.
Bosse quer durch alle Branchen haben tatsächlich höhere Testosteronspiegel
Der Anblick einer schönen Frau lässt das Testosteron in die Höhe schnellen
Ehemänner haben niedrigere Testosteronwerte als Singles oder geschiedene Männer
Priester haben gewöhnlich sehr niedrige Testosteronwerte


Die Kästen mit Zitaten zu Frauen und Männern stammen aus dem Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Andreas Jungwirth (vgl. Referat in ÖAZ Nr. 5 vom 26.2.)


Mag. Heinrich Burggasser

Der Apotheker und die Apotheke sind unersetzbar!
„Wir werden in Zukunft DIE Gesundheitsdrehscheibe sein, – das erwarten sowohl die Bevölkerung als auch die Politik von uns.“ Mit diesen Worten brachte der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Mag. pharm. Heinrich Burggasser, in seiner Eröffnungsrede der Saalfeldener Fortbildungswoche auf den Punkt, wie er die Zukunft der österreichischen Apotheker sieht.
Zuvor war er kurz und pointiert auf die Herausforderungen und Problemstellungen eingegangen, mit denen der Apotheker jetzt und in Zukunft konfrontiert ist.

Zurück zum Konzessionssystem
So erwähnte Präsident Burggasser Polen, das vor wenigen Wochen den Versandhandel sowohl mit rezeptpflichtigen als auch mit rezeptfreien Arzneimitteln aus Gründen der Sicherheit verboten hat. Auch das Konzessionssystem soll – nach Jahren der völligen Niederlassungsfreiheit – wieder eingeführt werden, wobei festgelegt wird, dass zwischen den einzelnen Apotheken ein Abstand von 3.000 m einzuhalten ist und sie 4.000 zu versorgende Personen aufweisen müssen. Grund für diese Gesetzes­änderung war die massive Verschlechterung der Versorgungssituation der Bevölkerung mit Arzneimitteln und die Entwicklung der einzelnen Apotheken zu »Schmalspurvarianten« mit nur mehr statistisch 1,2 angestellten Apothekern bei einer täglichen Offenhaltezeit von 12 Stunden. Dass hier Medikamente in erster Linie nur mehr von unqualifiziertem Personal abgegeben werden, liege auf der Hand, so Präsident Burggasser.

Power Shopping bei Frauen erklärt sich durch die Vergangenheit
als Pilze- und Beerensammlerin.
Naschsucht in der Aufgabe, den Reifegrad der Früchte zu testen!

Die Geschlechter und der Verkehr
Männer Frauen
Jagdblick = Tunnelblick gut für den Straßenverkehr Breitband - Nahblick 90% sehen
räumlich schlecht
82 % der Männer, aber nur 22 % der Frauen parken aufs erste Mal richtig ein
Parklückentest: 71 % der Männer : 23% der Frauen richtige Einschätzung
Frauen verursachen weniger Unfälle, weil sie einfach weniger fahren
Kartenlesen verbessert sich bei Frauen nach der Periode, wenn
der Östrogenspiegel sinkt und Testosteron relativ erhöht ist

Geschlechter und verbale Fähigkeiten
Männer – im Urberuf Jäger und Problemlöser – reden zielgerichtet, sachbezogen und oft derb = Berichtsprache
Frauen – soziale Stellung in der Familie haben eine konsensbereitere »Beziehungssprache«
Frauen haben 5 Zuhörlaute, Männer nur 3
Frauen können 2 Gesprächen gleichzeitig folgen, Männer oft nicht einmal einem!
Frauen erleben ein Gespräch mit ihrer Mimik mit, Männer behalten ihr Pokergesicht.

»… in der Apotheke – in die Hand des ­Apothekers«
Mit Sorge ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung in Ungarn zu beobachten, wo eine totale Liberalisierung beschlossen wurde, sowie in Italien, wo Apotheker in Supermärkten angestellt sind. Mag. Burggasser dazu: „Apotheker ohne Apotheken sind inakzeptabel. Das Arzneimittel gehört in die Apotheke, in die Hand des Apothekers. Nur so kann die Arzneimittelsicherheit für die Bevölkerung gewährleistet bleiben und der Apotheker jene Leistung erbringen, die er als Arzneimittelfachmann und Nahversorger zu leisten imstande ist.“

Auch Dr. Andrea Kdolsky, neue Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend, versicherte, so Mag. Burggasser weiter, diesen von ihrer Vorgängerin Maria Rauch-Kallat beschrittenen Weg weiter gehen zu wollen; auch sie lehnt Arzneimittel – rezeptfreie wie rezeptpflichtige – aus dem Drogeriemarkt vehement ab. „Dafür“ so Mag. Burggasser „und für die breite und gute Gesprächsbasis bedanken wir uns.“ (siehe auch Seite 308.)

Eines der Highlights war der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Max Friedrich zum Thema »Aggression«.

4-Augen-Prinzip und Baccalaureat
Weiters forderte Mag. Burggasser eindringlich das Beibehalten des 4-Augen-Prinzips, ohne das und die Beratung des Apothekers eine verantwortungsvolle und optimale Arzneimittelversorgung der Bevölkerung nicht möglich ist. Denn nur der Apotheker ist aufgrund seiner Ausbildung der Arzneimittelfachmann, der direkt und unmittelbar mit dem Kunden bzw. Patienten in Kontakt steht.

In diesem Zusammenhang lehnte er auch das Baccalaureat für die Pharmazie erneut ab und bat dessen Befürworter, diese Forderung noch einmal zu überdenken, da in der Pharmazie kein Platz für Schmalspurpharmazeuten sei. Darüber hinaus erwähnte er die Rolle des neuen »Arzneimittel­sicherheitsgurtes« als Werkzeug der Com­pliance-Sicherung, wobei aber sehr auf die Freiwilligkeit und Datensicherheit zu achten sei.

Qualitätssicherung und Nahversorgung
„Eine der wichtigsten Fragen für die Zukunft unseres Berufsstandes ist die Qualitätssicherung, auch in unserer Rolle als Nahversorger,“ stellte Präsident Burggasser fest und betonte sowohl die erforderliche Beratungskompetenz, die magistrale Zubereitung, Eigenherstellungen als auch die soziale Rolle des Apothekers. „Wir sind die letzten Sicherer der Nahversorgung und eine der letzten Berufsgruppen, die noch wissen, wo die Menschen der Schuh drückt. Wir müssen und sollen das Poten­zial, das wir im Laufe unseres Studiums und unserer Ausbildung erwerben, bei jedem Kundenkontakt ausschöpfen. Nur so können wir die Unersetzbarkeit des Apothekers und der Apotheke immer wieder unter Beweis stellen.“
Anlässlich dieses 40. Jubiläums der Fortbildungswoche in Saalfelden vom 25. Februar bis 2. März begrüßte Präsident Burggasser auch Altpräsident Mag. pharm. Franz Winkler (siehe Bild), der im Gespräch die stete Pflege von Kontakten zu Politikern und Entscheidungsträgern über Anlässe hinaus als essenziell für den Apothekerstand anführte.

Univ.-Prof. Mag. ­pharm. Dr. Eckhard Beubler referierte – ganz aktuell – zu Wechselwirkungen von Arzneistoffen«.

Nach herzlichen Glückwünschen zum Geburtstag von Vizepräsidentin Dr. Christiane Körner und Helga Winkler, der Gattin von Altpräsident Winkler, leitete die virtuose Bläsergruppe zu den Vorträgen über. Diese wurden - wie schon »traditionell« – hervorragend organisiert von Mag. pharm. Franz Biba und dem wissenschaftlichen Leiter der Fortbildungskommission, Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Eckhard Beubler, wobei einerseits in den Vorträgen auf ein breites Basiswissen Wert gelegt wurde und in den Seminaren »von ApothekerInnen für ApothekerInnen« der Praxisbezug verstärkt wurde.
Auch das Rahmenprogramm – wieder von den bekannten Firmen tatkräftig unterstützt – konnte sich sehen lassen und wurde von den rund 470 Teilnehmern begeistert angenommen.
Lesen Sie dazu den zweiten Teil dieses Berichtes in der nächsten ÖAZ, Nr. 8, vom 10. April.


Gebro Pharma – auf dem Weg nach »Europa«

Mag. pharm.
Pascal Broschek

Anlässlich der 40. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden besuchten mehr als 40 ApothekerInnen die Tiroler Firma Gebro, um Neues aus dem Firmenbereich zu erfahren. Die größte Neuigkeit ist gerade im Werden, ­nämlich die völlige Umgestaltung und Neuausrüstung der Ampullierung, ein besonders sensitiver Bereich mit hohen ­Anforderungen. Über eine weitere Neuerung wurde schon früher kurz berichtet, denn Mag. Pascal Broschek ­übernahm 2005 die Geschäftsführung des Familienunternehmens. Im folgenden Gespräch skizziert er den Weg der Firma nach »Europa«.
Am Beginn des Interviews stand die Frage, warum die Europäisierung des Pharmageschäftes für ein nationales Familien­unternehmen wie die Gebro Pharma so bedeutsam ist. „Als während der 70er Jahre eine eigene Tochtergesellschaft in der Schweiz gegründet wurde, begann schon dieser Weg, den wir in unserem Denken noch lange Zeit mit »nationalen Schuhen« beschritten“ schilderte Mag. Broschek. Wegweisend waren seither die Kontakte mit internationalen Lizenzpartnern und ihre miterlebte Entwicklung.

Aus der Zyma wurde in Etappen schließlich Novartis und aus der gemeinsamen Tochter Zyma-Gebro die Novartis Consumer Health-Gebro.
Die Schweizer GABA (Elmex®) wurde vor kurzem von Colgate übernommen.
Von Glaxo profitierte Gebro Pharma durch das Doppelmarketing mit Zantac®/ Ulsal®.
Dank des Lizenzvertrages mit der deutschen Schwarz-Pharma erwarb Gebro Pharma mit Isoket® und Monoket® wertvolle Kenntnisse im Herz-Kreislauf-­Bereich.

„Um solche Kooperationen erfolgreich zu bestreiten war es notwendig, sich auf die internationale Denkweise einzustellen, obwohl damals der Heimmarkt aus »patriotischen« Gründen und der vorhandenen Marktpotenziale im Vordergrund stand,“ ergänzte Mag. Broschek. Außerdem gilt die lokale Markstellung eines Unternehmens und seiner Produkte als beste »Visitenkarte« bei Lizenzgesprächen.
Heute betreibt Gebro Pharma ein höchst aktives internationales »In- and out-Licencing« mit kalkuliertem Risiko, denn jedes Projekt erfordert in der Anfangsphase großen finanziellen Aufwand.

Tochterunternehmen mit Beteiligung in %
Gebro Pharma AG, Liestal (CH): 100%
Alpinamed AG, Freidorf und Romanshorn (CH): 100%
Laboratorios Gebro Pharma, S. A., Barcelona (E): 93%
Gebro Pharma KfT, Budapest (H): 100%
Novartis Consumer Health – Gebro GmbH, Fieberbrunn (A): 40%
Tabelle 1

Wie wichtig ist die eigene Arzneimittelproduktion?
Bekanntlich bedienen sich heute Arzneimittelunternehmen immer mehr der Mitarbeit von Lohnherstellern, sodass man gar nicht mehr weiß, woher ein Arzneimittel stammt. Aus der Sicht von Mag. Broschek werden die heutigen Konsumenten immer kritischer, was die Umwelt und ihren Körper betrifft. Sie wollen nicht nur wissen, woher die Kuh kommt, deren Fleisch sie essen, sondern auch, mit welchen Sicherheitsansprüchen ihr Medikament produziert wird – die Generika-Debatte hat die Frage nach der Herstellqualität zusätzlich stimuliert. Mag. Broschek erwartet sich ein weiter steigendes Interesse daran. Außerdem gab er zu bedenken, dass die räum­liche Vernetzung von Forschung & Entwicklung, klinischer Prüfung, Produktion, Marketing und Vertrieb Kontaktmöglichkeiten in der Firma schafft, die trotz aller moderner Kommunikationsmittel in dezentralisierten Unternehmen fehlen. „Bei uns kann ein Galeniker, Marketingmitarbeiter oder Mediziner in 3 Minuten in der Produktion sein und sich dort selbst ein Bild vom konkreten Problem machen und umgekehrt,“ so Mag. Broschek.

Lizenznehmer von Lizenzgeber an
Alfa Wassermann Apogepha Medac
BMS Bago Nobel
Gaba / Colgate Biofarm Nordic Drugs
Glaxo Smithkline E&B Norgine
Grünenthal Galenica Orion
Lesvi Genus Rejsi Farma
Medac Grünenthal Strathmann
Vita = Procter Gamble Jaba Sager Pharma
  Lácer Therabel Gienne
  Korean Drug  
   
Tabelle 2

Selbstmedikation oder Verschreibungsbereich?
Auf die Frage, wo mittelfristig Schwerpunkte gesetzt werden, sprach sich Mag. Broschek aus internationaler Sicht klar für den Verschreibungssektor aus und begründete dies mit den unterschiedlichen Anforderungen. Für jedes der beiden Segmente benötigt man nämlich unterschiedliche Organisationsformen und Spezialisten mit verschiedenem Ausbildungsgang. „Viele unserer Partnerfirmen und unsere Töchter haben sich auf den Verschreibungsbereich spezialisiert, was allerdings nicht bedeutet, dass allfällig bestehender Umsatz mit OTC-Produkten nicht erfolgreich betreut wird. Insgesamt betrachtet ist der Markenaufbau im OTC-Geschäft sehr aufwändig, und daher liegt die Schwerpunktsetzung auf dem Verschreibungsbereich. Davon ausgenommen bleibt Österreich, wo es am OTC-Sektor in mehr als 40 Jahren gelungen ist, entsprechende Strukturen und Marktkenntnisse aufzubauen und damit umsatzmäßig Spitzenstellungen mit Präparaten wie ­Vitawund®, Hova®, Halset®, Lemocin®, Otrivin® oder Nicotinell® zu erreichen.

Absicherung der Zukunft
In einer Welt der immer größer werdenden Firmenzusammenschlüsse seinen Platz nicht nur zu verteidigen, sondern auszubauen ist für jedes mittelständische Pharmaunternehmen eine gewaltige Aufgabe. Mag. Broschek baut hier auf die Flexibilität der Mitarbeiter und auf die einfachen Entscheidungshierarchien im Unternehmen. Beide Faktoren zählen nicht zu den Stärken von Konzernen.
„Unsere langfristige Zielsetzung steht unter der Prämisse der Erhaltung der Selb­ständigkeit und Unabhängigkeit und lautet: Als unabhängiges Unternehmen wollen wir in den von uns besetzten Kompetenzfeldern und definierten Märkten zu einem führenden Partner/Key-Player im Gesundheitswesen werden.“

Mag. pharm. Dr. Alfred Klement

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