Pharmazie in Österreich, Teil 7*
Muss der »Mag. pharm.« sterben?
Lassen Sie mich zum Schluss der Artikelserie auf die Auswirkungen einer möglichen Einführung des Bakkalaureatsstudiums auf unseren Apothekerberuf eingehen.
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| Dr. Herbert Cabana |
Das Pharmaziestudium und unser Apothekerberuf
In den letzten Monaten habe ich mit vielen Persönlichkeiten – Befürwortern und Gegnern einer Studienänderung – über den Sinn der Einführung eines Bakkalaureus in der Pharmazie gesprochen.
Bakkalaureat – kein Vorteil für
Studenten
Zunächst mit den Studierenden.
Unsere Pharmaziestudenten wissen, dass durch die diskutierte Änderung der Studienarchitektur nur die formale Dauer des Pharmaziestudiums von 9 auf 10 Semester verlängert wird.
Darüber hinaus lehrt sie die Erfahrung, dass auch die reale Studiendauer nicht wie erwünscht gesenkt, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter erhöht werden wird. Dies unter anderem durch eine neue Bakkalaureatsarbeit, die zwei Drittel des 6. Semesters ausfüllen soll.
Das ist unseren jungen Kollegen nicht zuzumuten.
Im Gespräch mit Meinungsbildnern war meine Frage immer gleich: „Welche Aufgaben soll ein Bakkalaureus in Österreich übernehmen?“ Die Antwort war auch immer gleich: „Ja, das wird sich dann zeigen. Derzeit haben wir noch kein Berufsbild. Aber man muss auch bedenken, dass nicht alle Absolventen der Pharmazie in die Apotheke gehen.“ (Immerhin aber 95%, Anmerkung des Autors.)
Das Bakkalaureat für Pharmazie erfüllt nicht den Auftrag des Universitätsgesetzes (UG) 2002
Wenn es also in Österreich kein Berufsbild für den Bakkalaureus der Pharmazie gibt, dann ist sinngemäß der Auftrag des Universitätsgesetzes 2002 nicht erfüllt. Dieses setzt nämlich für die Einführung eines neuen Studienabschlusses den Bedarf am Markt voraus.
Bakkalaureat – kein Vorteil für Apothekerberuf
Wird der Bakkalaureus dennoch durch Beschluss der Universitäten (Senat, Rat, Rektor) eingeführt, würde es zwar formal keine Hürde geben, ihn in Apotheken einzustellen.
Die EU-Richtlinie und die Österreichischen Gesetze erlauben es jedoch nicht, diese Personen als Apotheker einzusetzen.
Also könnten sie allenfalls die Aufgaben der PKAs in der Apotheke übernehmen. Allerdings fehlt ihnen im Gegensatz zu PKAs die praktische, apothekenorientierte Ausbildung. Daher wäre der Arbeitsplatz Apotheke für Bakkalaurei sicher nicht erstrebenswert. Darüber hinaus wäre er für die Apotheke mit höheren Kosten verbunden. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere PKA- oder Lehrlingsarbeitsplatz gefährdet wäre.
Mit der Einführung des Bakkalaureus kann ich daher im Bereich der Apotheken für niemanden einen Vorteil erkennen.
Das Bakkalaureat für Pharmazie erfüllt
nicht den Auftrag des
Universitätsgesetzes 2002.
Bakkalaureat – kein Vorteil für die Industrie
Und die Industrie? Ich habe mit hochrangigen Vertretern der Industrie gesprochen. Für die Forschung wünschen sie sich wissenschaftlich bestausgebildete Pharmazeuten mit Dissertation. Und für die Produktion setzen sie auf praxisorientiert geschulte Laboranten. Für einen Bakkalaureus der Pharmazie sahen meine Gesprächspartner in der Industrie keine Zukunft.
Daher mein Credo:
Das zukunftsorientierte Diplomstudium der Pharmazie muss weiterentwickelt und der Mag.pharm. in Österreich erhalten werden.
Dr. Herbert Cabana
Der Autor ist Apotheker, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Präsident des Bundeskomitees der Freien Berufe in Österreich, Mitglied des Obersten Sanitätsrates, Präsident des EuroPharm Forums bei der WHO in Kopenhagen, Vizepräsident des Europäischen Zusammenschlusses der Apotheker (ZAEU) in Brüssel und Council member der Apotheker Weltorganisation FIP
*Teil 1: ÖAZ Nr. 2, Teil 2: ÖAZ Nr. 3, Teil 3: ÖAZ Nr. 4, Teil 4: ÖAZ Nr. 5 , Teil 5: ÖAZ Nr. 6, Teil 6: ÖAZ Nr. 8 |