Bessert den Dopamin-Haushalt bei M. Parkinson: Azilect®

»Rasagilin«
Wenn die dopaminergen Ganglien in der Substantia nigra degenerieren, gerät der gesamte dopaminerge, cholinerge und glutamaterge Überträgerhaushalt in den Basalganglien ins Ungleichgewicht.
Medikamente (siehe Tab. 1) beheben entweder den Dopaminmangel oder schwächen die cholinerge bzw. glutamaterge Dominanz ab.
»Levodopa« verzögert beispielsweise die Progression und normalisiert die Lebenserwartung, verliert aber seine dopaminerge Wirkung nach 3 bis 5 Jahren. Es kommt dann zu motorischen Fluktuationen, die dosisabhängig bzw. -unabhängig sein können:
dosisabhängig Fluktuationen
End of Dose-Akinesien (Starre): die Wirkdauer einer einzelnen
Dosis verkürzt sich im Laufe der Jahre.
Peak-Dose-Dyskinesien (bizarre Bewegungen): während des Anflutens
von »Levodopa« treten schmerzhaft gesteigerte Beweglichkeit
und abnorme Kau- und Zungenbewegungen auf.
dosisunabhängige Fluktuationen
»Freezing«: plötzliches minutenlanges »Einfrieren«
von Bewegungungen ohne Bezug zur Medikation.
»On-Off«-Phänomen: Wechsel von guter Beweglichkeit
mit plötzlicher Unfähigkeit, sich zu bewegen.
Daher setzt man heute zu Beginn vorwiegend auf Dopaminagonisten
und reserviert »Levodopa« für spätere Phasen
der Erkrankung.
Bisher war aus der Gruppe der Monoamino-Oxidase (MAO)-Hemmer nur
das »Selegilin« verfügbar, das verschiedene Nachteile
hatte. Ein neuer potenterer MAO-Hemmer wurde nun von Lundbeck-Austria
angeboten.
»Rasagilin« (Azilect®-Tabletten)
Mit 1. August 2005 erschien Azilect® nach einem zentralen Zulassungsverfahren erstmals in der Warenliste. Die Packungen kosten zu 10 Tabl./57,60 € und zu 30 Tabl. 140,80 € (KKP) und haben als »No Box«-Präparat vorerst keinen Kassenstatus.
Chemie und Wirkweise
Das Aminoindan-Derivat »Rasagilin« besitzt ein asymmetrisches
Kohlenstoffatom. Therapeutische Verwendung findet das »R«-Enantiomere,
das im menschlichen Körper nachweislich nicht zum »S«-Antipoden
konvertiert.
Die beiden Monoamino-Oxidase (MAO)-Isoenzyme inaktivieren biogene
und mit Nahrung aufgenommene Amine sowohl im ZNS als auch in peripheren
Geweben und Neuronen.
MAO-Typ A findet sich hauptsächlich im Gastrointestinaltrakt,
wo es Tyramin abbaut. Daneben sorgt es für die Oxidation
von Serotonin und Noradrenalin. Im Gehirn ist Dopamin sowohl Substrat
für MAO-A als auch MAO-B.
MAO-Typ B dominiert im Gehirn wo 80% seiner Aktivität lokalisiert
sind.
»Rasagilin« hemmt nun selektiv und irreversibel die
MAO-B und zwar in viel potenterem Ausmaß als »Selegilin«.
Es kommt zu einem deutlichen extrazellulären Dopamin-Anstieg
im Striatum.
Pharmakokinetik
maximale Plasmaspiegel schon nach 30 Min.
absolute Bioverfügbarkeit ca. 36%
Plasmaproteinbildung rund 60 bis 70% Nach einem fast vollständigen
First pass-Metabolisierungsschritt in der Leber erfolgt die Ausscheidung
zu rund 60% renal und zu 20% über den Stuhl. Trotz der kurzen
terminalen Halbwertszeit von »Rasagilin« zwischen
0,6 – 2 Std., ermöglicht die anhaltende, irreversible
MAO B-Hemmung im Gewebe einen 24-stündigen Dosierungsabstand.
Dosierung: Eine Tablette
Azilect® täglich mit oder ohne »Levodopa«
mit etwas Flüssigkeit einnehmen. Die Einnahme kann nahrungsunabhängig
erfolgen.
Indikation: Zur Behandlung
der idiopathischen Parkinson-Krankheit als Monotherapie (ohne
Levodopa) oder als Zusatz zu Levodopa bei Patienten mit End–of–dose–Fluktuationen.
Drei Studien waren für die Zulassung bedeutsam: eine verwendete
»Rasagilin« als Monotherapie im frühen Krankheitsstadium
und zwei andere als Zusatzbehandlung zu »Levodopa«,
um motorische Fluktuationen zu bessern. Bei der Gabe von 1 mg
Azilect® als Zusatz zu »Levodopa« nahm bei rund
der Hälfte der Patienten die OFF-Perioden um 1 Stunde (=
ca. 20%) ab und die ON-Phasen zu, und zwar mehrheitlich ohne begleitende
quälende Dykinesien. Gerade diese wirken sich auf die Lebensqualität
nachteilig aus.
Kurzprofil Azilect®
»Rasagilin« gilt als wesentlich potenterer Monoamino-Oxidasehemmer
als »Selegilin«.
Azilect® kann entweder für sich alleine zu Erkrankungsbeginn
oder bei Spätdyskinesien in Kombination mit »Levodopa«
zum Einsatz kommen, reduziert dabei die OFF-Zeiten und verlängert
die ON-Zeiten, ohne die Frequenz der quälenden Dyskinesien
zu erhöhen.
Als irreversibler und selektiver Hemmer des Isoenzyms Monoamino-Oxidase
B erhöht die Einmalgabe von »Rasagilin« die
Dopaminspiegel über 24 Std. Es wirkt länger als
»Entacapon« und braucht zudem nicht mühsam
einschleichend dosiert zu werden wie »Levodopa«
und die Dopaminagonisten.
Dopaminerge Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Übelkeit
und Beinödeme fehlen. Vor Interaktionen mit Erkältungsmitteln
und Serotoninantagonisten wird gewarnt. |
Sicherheit
Azilect® soll nicht gemeinsam mit anderen MAO–Hemmern, SSRI’s und Sympathomimetika (abschwellende Nasentropfen; ephedrinhaltige Erkältungsmittel!) genommen werden, weil es zu einem Serotoninsyndrom bzw. zu hypertensiven Krisen kommen kann. Tyraminhaltige Speisen (Käse!) lösten bei Tagesdosen von 1 mg »Rasagilin« nachweislich keinen Blutdruckanstieg aus.

Verwendet Grundlagen
Austria-Codex Fachinformation Azilect®
Kirsten Lennecke: »Pharmazeutische Betreuung von Parkinson-Patienten«
Med Monatsschr Pharm; 28 Jhg. Heft 7, 228 – 236 (2005)
EMEA: Scientific Report zu Azilect® http://www.emea.eu.int
O Racol et al »Rasagilin as an adjunct to levodopa in patients
with Parkinson´s disease and motor fluctuations (LARGO–Study):
a randomised, double-blind, parallel-group trial« Lancet;
Vol 365, 947 – 954 (2005)
Vorgestellte Präparate 2005:
Abilify®
– Aripiprazol ÖAZ 6
Aclasta®
– Zoledronsäure ÖAZ 16
Aldara®
– Imiqimod ÖAZ 9
Alimta®
– Pemetrexed ÖAZ 11
Ammonaps®
– Natriumphenylbutyrat ÖAZ 15
Arcoxia®
– Etoricoxib ÖAZ 17
Cystagon®
– Cysteaminbitartat ÖAZ 14
Dukoral®
– Cholera-Vibrionen Toxin B ÖAZ 5
Duodopa
– Levodopa + Carbidopa ÖAZ 14
Ezetrol®
– Ezetimib ÖAZ 2
Inspra®
– Eplerenon ÖAZ 8
Kentera®
– Oxybutynin ÖAZ 13
Kivexa®
- Lamivudin ÖAZ 12
Lyrica®
– Pregabalin ÖAZ 1
Mimpara®
– Cinacalcet ÖAZ 4
Nebido®
– Testosteronundecanoat ÖAZ 10
Protelos®
– Strontium Ranelat ÖAZ 7
Raptiva®
– Efalizumab ÖAZ 3
Vesicare®
– Solifenacin ÖAZ 18
Wilzin®
– Zinkacetat ÖAZ 15
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