Deferasirox
ICL 670, Exjade®
Anwendung: Eisenchelatbildner, chronische Eisenüberladung
Nomenklatur:4-[3,5-Bis(2-hydroxyphenyl)-1H-1,2,4-triazol-1-yl]benzoesäure
 Eine
chronische Eisenüberladung ist die Folge von häufig
verabreichten Bluttransfusionen, die bei der Behandlung von gewissen
Anämieformen und anderen Erkrankungen lebensnotwendig sind.
Dazu gehören Thalassämie, Sichelzellenanämie, andere
seltene Anämien und myelodysplastische Syndrome. Da der menschliche
Organismus das durch die Erythrozyten eingebrachte Eisen nicht
auf natürlichem Weg eliminieren kann, führen die wiederholten
Bluttransfusionen zu einer Eisenakkumulation, die im Laufe der
Zeit toxische Spiegel erreicht. Dadurch können Herz, Leber
und andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden und schwere
Schäden erleiden. Bislang erfolgt die Beseitigung der überhöhten
Eisenmengen durch intravenöse Gaben von Deferoxamin. Auf
Grund der Unannehmlichkeiten und Schmerzen, die mit der täglichen
Deferoxamin-Infusion verbunden sein können, ist diese therapeutische
Maßnahme für die Patienten sehr belastend. Dies gilt
nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene sind diese
Infusionen, die bis zu 12 Stunden am Tag dauern können, massiv
lebenseinschränkend. Als Folge werden die Therapievorschriften
oftmals nur ungenügend eingehalten, obwohl die Risiken der
chronischen Eisenüberladung unmittelbar bekannt sind. Mit
Deferasirox gelang die Entwicklung einer lang erhofften Alternative.
Der neue Wirkstoff wird zu einer großen Erleichterung der
Behandlung führen, da eine einmal tägliche orale Einnahme
nach Auflösung der Tabletten in einem Glas Wasser ausreicht.
Die bislang weltweit größte Studie mit einem Eisenchelatbildner
umfasste mehr als 1.000 Patienten. Eingeschlossen ist eine direkte
Vergleichsuntersuchung mit Deferoxamin, die zeigte, dass die orale
Applikation von Deferasirox signifikant und zuverlässig sowohl
bei Kindern als auch Erwachsenen die Lebereisenkonzentrationen
zu senken vermag. Dieser Wert ist ein anerkannter Indikator für
den Eisengehalt des menschlichen Organismus bei Patienten, die
regelmäßig Bluttransfusionen erhalten. Beim »10th
Congress of the European Hematology Association in Stockholm«
am 2. Juni 2005 wurden die Daten einer Reihe von Studien präsentiert,
die die Wirksamkeit eindrucksvoll belegen. Deferasirox zeigte
bei Kindern bereits ab einem Alter von zwei Jahren und bei Erwachsenen
in der Regel eine gute Verträglichkeit. Die häufigsten
Nebenwirkungen waren Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen,
Hautausschlag und ein leichter, stabiler Anstieg der Serumkreatinin-Werte,
gewöhnlich im Normbereich. Sowohl in der EU als auch in den
USA hat Deferasirox bereits 2002 den Orphan Drug-Status erhalten.
Mit diesem Programm soll die Erforschung, Entwicklung und Zulassung
von Medikamenten zur Behandlung seltener Krankheiten gefördert
werden. In der EU bezieht man sich damit auf schwere oder lebensbedrohliche
Erkrankungen, die mit einer Prävalenz von weniger als 5 Fällen
pro 10.000 Einwohner auftreten.
Hersteller: Novartis (CH).
Quellen: http://www.prous.com/molecules/default.asp?ID=138;

Molecule of the Month August 2005;
http://dominoext.novartis.com/NC/NCPRRE01.nsf/0/
af2d14d9f140a86dc1256ff500625169/$FILE
/Final%20Exjade_G.pdf
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