ÖAZ Aktuell (Ausgabe 19/2005)

Serien 19/2005

SERIEN

Tara-News: Bessert den Dopamin-Haushalt bei M. Parkinson: Azilect®
Neue Wirkstoffe: Deferasirox


In dieser Rubrik werden innovative Wirkstoffe vorgestellt, die sich noch in der Pipeline befinden, aber in absehbarer Zeit bei uns auf den Markt kommen werden.

Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. H. Spreitzer


Deferasirox

ICL 670, Exjade®

Anwendung: Eisenchelatbildner, chronische Eisenüberladung

Nomenklatur:4-[3,5-Bis(2-hydroxyphenyl)-1H-1,2,4-triazol-1-yl]benzoesäure

Eine chronische Eisenüberladung ist die Folge von häufig verabreichten Bluttransfusionen, die bei der Behandlung von gewissen Anämieformen und anderen Erkrankungen lebensnotwendig sind. Dazu gehören Thalassämie, Sichelzellenanämie, andere seltene Anämien und myelodysplastische Syndrome. Da der menschliche Organismus das durch die Erythrozyten eingebrachte Eisen nicht auf natürlichem Weg eliminieren kann, führen die wiederholten Bluttransfusionen zu einer Eisenakkumulation, die im Laufe der Zeit toxische Spiegel erreicht. Dadurch können Herz, Leber und andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden und schwere Schäden erleiden. Bislang erfolgt die Beseitigung der überhöhten Eisenmengen durch intravenöse Gaben von Deferoxamin. Auf Grund der Unannehmlichkeiten und Schmerzen, die mit der täglichen Deferoxamin-Infusion verbunden sein können, ist diese therapeutische Maßnahme für die Patienten sehr belastend. Dies gilt nicht nur für Kinder, auch für Erwachsene sind diese Infusionen, die bis zu 12 Stunden am Tag dauern können, massiv lebenseinschränkend. Als Folge werden die Therapievorschriften oftmals nur ungenügend eingehalten, obwohl die Risiken der chronischen Eisenüberladung unmittelbar bekannt sind. Mit Deferasirox gelang die Entwicklung einer lang erhofften Alternative. Der neue Wirkstoff wird zu einer großen Erleichterung der Behandlung führen, da eine einmal tägliche orale Einnahme nach Auflösung der Tabletten in einem Glas Wasser ausreicht. Die bislang weltweit größte Studie mit einem Eisenchelatbildner umfasste mehr als 1.000 Patienten. Eingeschlossen ist eine direkte Vergleichsuntersuchung mit Deferoxamin, die zeigte, dass die orale Applikation von Deferasirox signifikant und zuverlässig sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen die Lebereisenkonzentrationen zu senken vermag. Dieser Wert ist ein anerkannter Indikator für den Eisengehalt des menschlichen Organismus bei Patienten, die regelmäßig Bluttransfusionen erhalten. Beim »10th Congress of the European Hematology Association in Stockholm« am 2. Juni 2005 wurden die Daten einer Reihe von Studien präsentiert, die die Wirksamkeit eindrucksvoll belegen. Deferasirox zeigte bei Kindern bereits ab einem Alter von zwei Jahren und bei Erwachsenen in der Regel eine gute Verträglichkeit. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Hautausschlag und ein leichter, stabiler Anstieg der Serumkreatinin-Werte, gewöhnlich im Normbereich. Sowohl in der EU als auch in den USA hat Deferasirox bereits 2002 den Orphan Drug-Status erhalten. Mit diesem Programm soll die Erforschung, Entwicklung und Zulassung von Medikamenten zur Behandlung seltener Krankheiten gefördert werden. In der EU bezieht man sich damit auf schwere oder lebensbedrohliche Erkrankungen, die mit einer Prävalenz von weniger als 5 Fällen pro 10.000 Einwohner auftreten.
Hersteller: Novartis (CH).
Quellen: http://www.prous.com/molecules/default.asp?ID=138;

Molecule of the Month August 2005;
http://dominoext.novartis.com/NC/NCPRRE01.nsf/0/
af2d14d9f140a86dc1256ff500625169/$FILE
/Final%20Exjade_G.pdf

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