ÖAZ Aktuell (Ausgabe 16/2005)

Serien 16/2005

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Tara-News: Gegen schleichende Knochenverformung: Aclasta®

Neue Wirkstoffe: Asoprisnil

Homöopathische Komplexmittel an der Tara:»Verdauungstrakt«

Gegen schleichende Knochenverformung: Aclasta®

Für dieses verunstaltende Knochenleiden existieren Bezeichnungen wie »Osteiitis deformans«, »Osteodystrophia deformans« oder »Morbus Paget«, benannt nach einem englischen Chirurgen, der es im Jahr 1877 als erster beschrieb und eine entzündliche Komponente vermutete. Heute weiß man, dass ein überschießender Knochenumbau auslösend ist. Ein krankhaft beschleunigter Abbau wird von einem gesteigerten Aufbau kompensiert, der allerdings mehr oder weniger irregulär erfolgt. Somit ist der neu gebildete Knochen qualitativ schlechter und mechanisch weniger belastbar, als der alte.
Die Erkrankung beginnt meist in der vierten Dekade, und betrifft mehr Männer als Frauen. Bei rund einem Drittel verläuft M. Paget symptomlos, die anderen Patienten quälen ausgeprägte Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates, wobei lokale Rückenschmerzen an der Spitze stehen. Neben der Wirbelsäule sind noch die langen Röhrenknochen, das Becken und der Schädel Manifestationsorte des pathologisch beschleunigten Knochenumbaues.
In Österreich dürften weniger als 10.000 Personen an Morbus Paget leiden. Diese Zahl erscheint gering. Man muss jedoch annehmen, dass die Dunkelziffer symptomatischer Fälle wegen der schwierigen Diagnostik deutlich höher ist. Vielfach erfolgt die Erkennung der Krankheit zufällig, z.B. anlässlich einer Fraktur oder einer Röntgenuntersuchung, weil die typischen Anzeichen – Verkrümmung und Verdickung einzelner Röhrenknochen – erst im Spätstadium auftreten. Bezeichnend für die schwierige Diagnostik ist ein Beispiel: Welchem Patienten fällt auf, dass ihm die Hüte zu klein werden, wird er diese Beobachtung mit dem Arzt besprechen? Welcher Arzt würde an ein übermäßiges Wachstum der Schädelkalotte als Folge von M. Paget denken?

Behandlungsformen
Das erste Ziel der Therapie ist die symptomatische Linderung der Beschwerden, gefolgt von der Vermeidung von Skelettdeformationen und der Erhaltung der Bewegungs- und Belastungsfähigkeit. An dritter Stelle steht die Verhinderung einer neurologischen Komplikation.
Neben analgetisch wirkender Substanzen kamen bisher »Calcitonin« und Bisphosphonate zum Einsatz. Mit der täglichen Gabe von 100 mg »Calcitonin« (bzw. 3x wöchentlich je 50 mg) kann man den osteoklastären Knochenabbau hemmen. Effizienter sind jedoch die Bisphosphonate der zweiten und dritten Generation.

Stellenwert der Bisphosphonate in der Osteologie
Die Bisphosphonate haben inzwischen eine mehr als dreißigjährige Anwendungsgeschichte hinter sich. Sie reicht vom Einsatz als Diagnostikum über die Osteoporosebehandlung bis zur Verwendung bei Knochenmetastasen und bei M. Paget. Bisphosphonate mit N-hältiger Seitenkette haben sich besonders bewährt und kommen heute standardmäßig zum Einsatz. Zu den beiden für die Indikation M. Paget zugelassenen Bisphosphonaten der »Pamidronsäure« (Aredia®-Tr.Subst. zur Inf.) und »Risedronat« (Actonel® 30 mg-Filmtabletten), kam nun ein interessantes weiteres Präparat auf den Markt.

»Zoledronsäure«(Aclasta® – Inf. Lösung)

»Zoledronsäure« war schon bisher in den erwähnten onkologischen Indikationen am Markt (Zometa®). Für die Zulassung in der neuen Indikation M. Paget wurde eine neue Marke benutzt, damit die unterschiedlichen Anwendungen und Dosierungen nicht zu Irrtümern führen. Eine Inf.-Flasche mit 5mg »Zoledronsäure« in 100ml kostet 468,60 Euro (KKP). Aclasta® ist in der No-Box, obwohl es als Einmalanwendung wirtschaftlich ist!

Chemie und Wirkweise
Bisphosphonate sind bekanntlich Analoga der Pyrophosphate. Die »Zoledronsäure« zählt zu den N-hältigen Vertretern dieser Gruppe und besitzt den Stickstoff in einem Heterozyklus.
»Zoledronat« hemmt wie alle Bisphosphonate spezifisch die knochenabbauenden Osteoklasten, ohne den Knochenaufbau durch die Osteoblasten und den nachfolgenden Mineralisationsschritt zu behindern. Die Anlagerung erfolgt vorzugsweise an Stellen mit Knochenresorption. Es kommt zur Zerstörung (Apoptose) der Osteoklasten, was die Langfristigkeit des Behandlungseffektes erklärt.

Pharmakokinetik und Dosierung
Schon am Ende der Infusion werden die maximalen Plasmaspiegel erreicht, die dann rasch im Rahmen eines dreiphasigen Prozesses abfallen. Aus dem großen Kreislauf verschwindet »Zoledronat« in mehreren Phasen: in einem raschen ersten Schritt (T1/2avon 24 Min. und T1/2b von 1,87 Std.) und in einem zweiten langsamen Schritt (T1/2g von 146 Stunden). Diese Verläufe beruhen auf der hohe Knochenaffinität und die sofort beginnende renale Ausscheidung. In den ersten 24 Std. werden rund 40% renal eliminiert, der Rest bleibt im Knochen, von wo der Wirkstoff zum Teil in den Blutkreislauf zurückkehrt und über die Nieren ausgeschieden wird.
Dosierung: Der Inhalt einer Flasche Aclasta® mit 5mg »Zoledronsäure« wird über mindestens 15 Minuten infundiert. Die Anwendung darf nur bei ausreichender Hydratation des Patienten erfolgen, weil sonst die Ausscheidungskapazität der Niere herabgesetzt ist. Dies gilt besonders bei Diuretikagabe. Wegen des raschen Wirkeintrittes von Aclasta® kann sich ggf. eine vorübergehende Hypokalziämie entwickeln. Für eine entsprechende Gabe von Vitamin D ist daher begleitend zu sorgen. Man sollte dem Patienten deshalb auch raten, während der ersten 10 Tage nach der Infusion 2 x 500 mg Kalzium / Tag einzunehmen.
Indikation: Behandlung von Morbus Paget des Knochens
Eine Studie prüfte Aclasta® als einmalige Infusion mit einer zwei Monate dauernden Gabe einer täglichen Einzeldosis von 30 mg »Risedronat«.
Nach 2 Monaten lag die Ansprechquote bei Aclasta® bei 90%, bei »Risedronat« nur bei 47% (gemessen an den biochemischen Markern der Knochenbildung). Nach 6 Monaten betrugen die Werte 96% für Aclasta® und 74 % für »Risedronat«! Ähnliche Verhältnisse gab es bei der Reduktion der Schmerzintensität.
Die Respondergruppen wurden über 18 Monate nachbeobachtet. In der Aclasta®-Gruppe blieb der Therapieeffekt bei 98,6% der Patienten erhalten, bei der »Risedronat«-Gruppe bei 66,4%.

Sicherheit
Es traten keine anderen Nebenwirkungen als die von Bisphosphonaten bzw. »Zoledronsäure« bekannten auf. Mehrheitlich klagten die Patienten über grippeähnliche Beschwerden, die innerhalb der ersten 3 Tage auftraten und für gewöhnlich nach 4 Tagen wieder verschwunden waren.

Verwendete Grundlagen:
Austria-Codex Fachinformation Aclasta®
EMEA: Scientific Report zu Aclasta® http://www.emea.eu.int
K. Nemec, M. Schubert-Zsilavecz »Bisphosphonate zur Therapie von Knochenerkrankungen« Pharmazie in unserer Zeit. Nr. 6 505-510 (2001)

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