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Bewährte und neue
Formen*
Salbengrundlagen
Eine Übersicht über die verschiedenen
Salbengrundlagen ist in der Abb. 2 aufgelistet. Bei den hydrophoben
Salben nimmt zweifellos die Vaseline einen wichtigen Platz ein. Kolloidchemisch
handelt es sich um ein dreidimensionales Gelgerüst von so genannten
»Fransenmizellen« im Verband. Die Vaseline übt eine
okklusive Wirkung auf die Haut aus und wird hauptsächlich als Fettbestandteil
und Konsistenzgeber verwendet.
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| Univ.-Prof. Dr. Claudia Valenta |
Hydrophile Salben
Gänzlich andere Systeme stellen die Macrogolsalben oder hydrophilen
Salben dar.Es sind hydrophile wasserfreie Grundlagen, die noch zusätzlich
ca. 15 bis 20% Wasser aufnehmen können.Wenn mehr Wasser zugesetzt
wird, tritt Verflüssigung ein. Kolloidchemisch handelt es sich
um einphasige Systeme. Sie trocknen die Haut aus und sind osmotisch
aktiv. Diese Eigenschaften können ausgenützt werden, z.B.
gibt es eine Juckreizsalbe im »Formularium Helveticum«1
auf Basis von Macrogolen (Abb. 3).Mit dieser Zubereitung hat man eine
nichtfettende abwaschbare Salbe mit juckreizstillenden und entzündungshemmenden
Bestandteilen, die bei Juckreiz, der nicht nervlich oder durch ein lokale
Infektion bedingt ist, zur Verfügung. Allerdings sollte diese Macrogolsalbe
nicht auf Schleimhäute, Augen und offene Wunden aufgetragen werden.

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Abb. 5: Struktur einer hydrophilen Crème anionisch nach
(3) •
a) hydrophiles Gelgerüst Mischkristallisat aus Cetylstearylsulfat
und Cetylstearylalkohol
b) interlamellar eingelagertes Wasser
c) Bulk-Wasser
d) Cetylstearylalkohol-semihydratgelgerüst
e) lipophile disperse Phase |

Wasseraufnehmende Salben
Die nächste Gruppe von Salben stellen die Cremes dar, die bereits
Wasser enthalten. Wie in Abb. 1 gezeigt, unterteilt man sie in lipophile
(hydrophobe), hydrophile und ambiphile Cremes. Eine Reihe von Grundlagen
entsprechen dem lipophilen Cremetyp, wobei Ung. Leniens aus dem ÖAB
eine gewisse Sonderstellung einnimmt. In dieser Kühlsalbe ist der
geringe Wasseranteil mechanisch fixiert. Wenn sie auf die Haut aufgebracht
wird, dann tritt Wasser aus und dadurch entsteht ein gewisser Kühleffekt.
Bei der Nomenklatur gibt es bezüglich der lipophilen Cremes die
größten Auffassungsunterschiede zwischen Ärzten und
Apothekern. Für Ärzte handelt es sich bei diesen fetteren
Zubereitungen um Salben. Es gibt kolloidchemische Untersuchungen an
cholesterolhaltigen lipophilen Cremes2. Darin wurden komplex aufgebaute
Vierphasensysteme nachgewiesen. Man kann daher annehmen, dass die anderen
Vertreter dieser Gruppe ähnliche Kolloidstrukturen besitzen. Die
am häufigsten eingesetzten Grundlagen stellen Ultrabas und Diprobas
dar. Die qualitative Zusammensetzung ist in Abb. 4 angegeben. Daraus
ist ersichtlich, dass unterschiedliche nichtionogene Emulgatoren enthalten
sind. Der
Einsatz von lipophilen Cremes ist bei eher chronischen Hautkrankheiten
angesiedelt. Die hydrophilen Cremes stellen im Gegensatz dazu ziemlich
wasserreiche Systeme dar. Aufgrund des Emulgatortyps kann man eigentlich
zwei Gruppen unterscheiden: nämlich jene Systeme mit anionischen
Tensiden wie Doritin und Ung. emulsificans aquosum und die anderen Vertreter.
Von kolloidchemischer Seite wurde wasserhaltige hydrophile Salbe, die
eine sehr ähnliche Zusammensetzung wie Ung. emulsificans aquosum
(ÖAB) aufweist, bereits 1984 charakterisiert3,4. Dabei zeigte sich
ein komplexes Vierphasensystem mit zwei unterschiedlich gebundenen Wassertypen,
nämlich interlamellar fixiertes und so genanntes Bulk-Wasser (Abb.
5). Auch die hydrophilen Cremes – mit nur nichtionischen Tensiden
– und die so genannten ambiphilen Cremes wurden untersucht und
komplexe Strukturen gefunden5. Unter ambiphiler Creme versteht man ein
System, das man sowohl mit Wasser als auch mit lipophilen Komponenten
verdünnen kann (Vertreter siehe Abb. 2). Auch hier wurden erfolgreich
kolloidchemische Strukturen bewiesen. Aus all dem bis jetzt Besprochenen
geht hervor, dass es sich bei diversen halbfesten Systemen immer um
komplexe Strukturen handelt, trotzdem kommt der Apotheker meistens mit
der stark vereinfachten Modellvorstellung von O/W- und W/O-Cremes aus.
Er sollte aber immer daran denken, dass es sich um mehrphasige Zubereitungen
aus kolloid–chemischer Sicht handelt.
Hydrophobe
und hydrophile Gele
Bei den Gelen kann man je nach Quellmittel zwischen hydrophoben und
hydrophilen Gelen unterscheiden. Ölige Phasen werden mit hochdispersem
Siliciumdioxid (Aerosil) verdickt. Ein klassisches Beispiel ist ein
Brustgel mit dem eingebauten Spreitungsförderer Isopropylmyristat
(Abb. 6). Es entsteht ein transparentes Produkt. Dabei könnte man
mit Aerosil auch wässerige Gele herstellen, allerdings wären
diese milchig weiß. Als Gelbildner für hydrophile Flüssigkeiten
besser geeignet sind Carbomere oder auch Zelluloseether, wobei man Carbomere
noch mit geeigneten Basen neutralisieren muss6. Als flüssige wässerige
alkoholische Lösungen für die Rezeptur werden von der Industrie
z.B. Liquibas oder Cordes Basis angeboten (Abb. 7). In
beiden Zubereitungen sind bereits Gelbildner und Lösungsvermittler
enthalten, sodass bestimmte Arzneistoffe darin gelöst werden können.
Eine weitere Erleichterung kann man in den industriell vorgefertigten
Wirkstoff-Salbenkonzentraten sehen (Abb.8). Wie
ersichtlich, handelt es sich dabei um Konzentrate mit hochpotenten Arzneistoffen,
deren Gleichmäßigkeit und optimale Teilchengröße
gewährleistet sind. Der Apotheker braucht bei Bedarf nur mehr mit
der Salbengrundlage zu verdünnen.
Die unterschiedlichen Systeme an der Haut von hydrophil bis lipophil
für ein und denselben Arzneistoff ergeben sich aufgrund des Therapieschemas.
Je nach Krankheitsstadium von akut bis chronisch werden unterschiedliche
Vehikel eingesetzt. Als Faustregel gilt dabei »feucht auf feucht«,
d.h. akute Krankheiten werden mit hydrophilen Systemen und chronische
mit lipophilen Systemen behandelt (Abb. 9).

Daraus
ergeben sich für Dermatologen die oftmals gewünschten Mischungen,
die aber meist aus technologischen Gründen nicht herstellbar sind.
Die größten Probleme gibt es bei Einarbeitung von Wasser,
Äthylalkohol oder ionogenen Substanzen. Da es die Zubereitung Omniderm
Oleocreme nicht mehr gibt, kann man diese durch Kombination von bekannten
Grundlagen nachempfinden (Abb. 10).
Neuere
Formen
Als letzten Punkt möchte ich noch einige neuere Formen, die unter
anderem auf der Haut angewendet werden, erwähnen. Dazu gehören
Liposomen, Nanoemulsionen, Nano- und Mikropartikel (siehe Abb. 11) sowie
Cyclodextrine und Mikroemulsionsgele. Die größten Probleme
von Liposomen sind ihre Instabilität. Sie passieren die Haut wahrscheinlich
nicht als Vesikel. Eine wesentliche Rolle spielen die Phospholipide,
die positive Eigenschaften auf die Diffusion ausüben. Bei den Nano-
und Mikropartikeln handelt es sich um kolloidale Feststoffsysteme, die
in der Regel aus Polymer und Wirkstoff bestehen. Ein Beispiel stellen
die Thalaspheres von Estée Lauder dar. In dieser Form wird Retinol
verkapselt und sowohl stabilisiert als auch langsamer an die Haut abgegeben.
Während die Thalaspheres rein kosmetische Produkte sind, kann man
die Derma Membrane Structure (DMS) Cremes sowohl für dermatologische
Produkte als auch für kosmetische Produkte verwenden. Es handelt
sich um technologisch
zwischen Nanoemulsionen und Liposomen angesiedelte Formen7. In Abb.
12 sind verschiedene Bezugsquellen und Namen von DMS Cremes angeführt.
Cyclodextrine (CD) sind seit langem auch in der Kosmetik im Einsatz.
Es handelt sich um 1-4-alfa-glykosidisch verknüpfte ringförmige
Oligosaccharide mit hydrophobem Hohlraum, in den sie Wirkstoffe aufnehmen
können. Es gibt z.B. einen gamma-CD-Komplex für Retinol, der
die chemische Stabilität verbessert.
Eine weitere interessante Gruppe stellen die Mikroemulsionsgele dar.
Sie werden in der Regel in einem bestimmten Verhältnis von Öl,
Wasser, Emulgator und Co-Emulgator hergestellt. Sie sind transparent
und zeigen besonders gute Freigabeeigenschaften von Arzneistoffen durch
die Haut8.
In eine ähnliche Gruppe gehören die Poloxamer-Gele. Es handelt
sich um Zubereitungen, die aus Polyoxypropylene-Polyoxyethylene-Blockpolymeren
bestehen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei 3°C flüssig
und bei Körpertemperatur fest sind, und sie bilden in 20- bis 30%-igen
Mischungen mit Wasser transparente Gele. Sie werden als »micellar
cubic phases« qualifiziert. Diese Poloxamer-Zubereitungen sind
ausgezeichnet hautverträglich auch auf Wunden, Augen und Schleimhäuten
und können gut autoklaviert werden. Es gibt in der Arzneitaxe das
Gel Cordes, das ein solches fertiges Poloxamer-Gel darstellt (Abb. 13).
Dieses Gel kann mit Arzneistoffen weiterverarbeitet werden.
Die »Wundercreme«?
Abschließend stellt sich noch die Frage, ob es vielleicht einmal
eine »Wundercreme« geben wird, die optimal für Feuchtigkeits-
und Wirkstoffzufuhr sorgen kann. Dabei ist es Forschern bereits länger
aufgefallen9, dass Neugeborene mit einem Film, dem so genannten »Vernix«,
überzogen sind, der sie optimal schützt. »Vernix«
besteht aus 80% Wasser, 10% Lipiden, 10% Proteinen und Korneozyten.
Interessant dabei ist der hohe Wasseranteil, da ja konventionelle Babycremes
eher fetthältig sind. Möglicherweise wird noch eine Formel
für die Nachahmung von »Vernix« gefunden. Etliche Forscher
beschäftigen sich mit dieser Thematik10,11,12. Zuletzt kann festgestellt
werden, dass ausgehend vom Kosmetiksektor immer wieder neue und innovativere
Vehikel und Abgabesysteme zur Anwendung an der Haut zur Verfügung
stehen werden, die allerdings nur mit ziemlich großem technischen
Aufwand in einer Apotheke hergestellt werden könnten.
Literatur
1 Formularium Helveticum FH; Schweizerischer Apothekerverein, Ausgabe
1991
2 Christel C. Müller-Goymann - Strukturuntersuchungen an 4-Komponenten-Mischungen
als Beitrag zur Aufklärung des W/O Creme-Zustandes, Dissertation
Technische Universität Braunschweig, 1981.
3 H. E. Junginger - Colloidal structures of O/W creams, Pharmaceutisch
Weekblad, Scientific Edition 6, 141-149, 1984.
4 H. E. Junginger, A. A. M. Akkermans, Walter Heering – The ratio
of interlamellarly fixed water to bulk water in o/w creams. J. Soc.
Cosm. Chem. 35, 45-57, 1984.
5 T. De Vringer, J.G.H. Joosten, H. Junginger – Characterization
of the gel structure in a nonionic ointment by small angle x-ray diffraction.
Colloid and Polymer Science 262, 56-60, 1984.
6 C. Valenta – Magistrale Problem-Rezepturen, ÖAZ 59, 233-237,
2005.
7 Hans Lautenschläger – Universelle Basiscremes mit Membran-Struktur,
ÖAZ 56, 679, 2002.
8 R. H. Müller – Mikroemulsionen als neue Wirkstoff-Trägersysteme,
pp 161-168 in Moderne Arzneiformen, Müller, Hildebrand (Hrsg) Wissenschaftliche
Verlagsgesellschaft Stuttgart 1998
9 S. P.Westphal – The best skin cream you ever wore, New Scientist,
17 January 2004, 40-41.
10 H. T. Akinbi, V. Narendran, A.K. Pass, P. Markart, S. B. Hoath –
Host defense proteins in vernix caseosa and amniotic fluid, J. Obst.
Gyn.191, 2090-2096, 2004.
11 W. L. Pickens, R. R. Warner, Y. L. Boissy, R. E. Boissy, S. B. Hoath,
Characterization of vernix caseosa: water content, morphology, and elemental
analysis, J. Invest. Dermatol. 115, 875-881, 2000.
12 R. Moraille, W. L. Pickens, M. O. Visscher, S. B. Hoath – A
novel role for vernix caseosa as a skin cleanser, Biol.Neonate, 87,
8-14, 2005.
Anschrift der Autorin:
a.o.Univ.Prof. Dr. Claudia Valenta,
Department für Pharmazeutische
Technologie und Biopharmazie,
Universität Wien, Althanstrasse 14,
Claudia.Valenta@univie.ac.at |