ÖAZ Aktuell (Ausgabe 16/2005)

Hauptartikel 16/2005

HAUPTARTIKEL

Hauttumoren-Melanom

Salbengrundlagen

Wegbereiter

Am wichtigsten: Prävention und Vorsorgeuntersuchungen

Hauttumoren – Melanom

Vorsicht. Die Schädigung der Haut durch UV-Licht ist neben einer genetischen Disposition der wichtigste Faktor für die Entwicklung von bösartigen Hauttumoren, die durch das geänderte Freizeitverhalten und das Ansteigen des Lebensalters dramatisch an Zahl zunehmen. Gutartige Hauttumoren sind relativ häufig, sollten aber unbedingt von einem Experten begutachtet werden, um sie sicher von bösartigen zu unterscheiden*.

Univ.-Prof. Dr. Rainer Hofmann-Wellenhof

Univ.-Prof. Dr. Rainer Hofmann-Wellenhof

Hauttumoren sind sehr häufig Neoplasien. Nach ihrem biologischen Verhalten kann man gutartige, bösartige und semimaligne Tumoren unterscheiden. Außerdem können die Hauttumoren nach den Zellen, aus denen sie entstehen, in epitheliale, mesenchymale und melanozytäre Läsionen eingeteilt werden. Epitheliale Tumoren gehen von den Hornzellen der Haut aus. Eine Vermehrung oder Entartung der Melanozyten, der Pigment-bildenden Zellen der Haut, ist die Grundvoraussetzung für die Bildung melanozytärer Tumoren. Mesenchymale Tumoren gehen von den Bindegewebszellen – wie zum Beispiel den Fibroblasten oder den Gefäßzellen – aus. Weiters gibt es noch eine Vielzahl seltener Hauttumoren, die von den Nervenzellen, den Hautanhangsgebilden oder Leukozyten gebildet werden.

Häufige gutartige Hauttumoren

Dermatofibrom
Das Dermatofibrom (hartes Fibrom, His–tiozytom) ist ein Tumor der Fibroblasten, der in der Unterhaut (Dermis) liegt. Oft tritt er einige Monate nach einem Insektenstich auf. Bevorzugte Lokalisationen sind die Beine und Arme. Das Dermatofibrom ist meist ein hellbraunes, in die Haut eingelassenes hartes Knötchen mit einem helleren Zentrum. Eine Therapie ist nicht nötig.

Fibrom
Fibrome (weiches Fibrom, Firboma molle, Fibroma pendulans) entstehen ebenfalls aus Fibroblasten. Am häufigsten treten sie in Hals- und Achselfalten bei adipösen Personen auf. Ein Fibrom imponiert als eine hautfarbene, mehrere Millimeter große gestielte Papel. Eine Therapie ist nicht nötig. Besonders störende Tumoren können mit einem Scherenschlag einfach entfernt werden. Multiple weiche Fibrome können das erste Anzeichen eines beginnenden Diabetes melitus sein.

Lipom
Das Lipom ist eine knotige Fettgewebsansammlung, die meist nur als weicher gut verschieblicher Knoten in der tieferen Haut zu tasten ist. Gelegentlich können Lipome in großer Zahl auftreten. Eine Behandlung ist nicht notwendig. Störende Tumoren können totalexzidiert werden.

Hämangiom
Das Hämangiom ist ein von den Gefäßzellen ausgehender rot-blauer Tumor, der bei der Geburt oder im ersten Lebensjahr auftreten kann. Die Größe variiert von einigen Millimetern bis zu mehreren Zentimeter.
Kleine nur einige Millimeter große Angiome entstehen sehr häufig im Erwachsenenalter. Diese Hautveränderungen werden als senile Hämangiome bezeichnet. Bei Therapiewunsch ist meist eine Laserbehandlung erfolgreich.

Verruca seborrhoica
Diese bei älteren Personen sehr häufigen epithelialen Hauttumoren treten meist am Stamm und im Gesicht auf. Das Farbspektrum dieser auch seborrhoische Warzen, seborrhoische Keratosen, Alters- oder Fettwarzen genannten Hautveränderungen reicht von hellbraun bis tief schwarz. Meist sind Verrucae seborrhoicae flache Plaques mit einer gepunzten oder verrukösen Oberfläche. Oft sind auch weiß-gelbe Hornzysten als gelbe Pünktchen zu sehen. Eine Behandlung ist nicht notwendig. Bei störenden Tumoren ist eine Entfernung mit dem scharfen Löffel zu empfehlen.

Nävuszellnävus
Die Nävuszellnävi (melanozytäre Nävi, Leberflecken, Muttermale) bestehen aus einer Ansammlung von gutartigen Pigmentzellen (Melanozyten), die angeboren oder erworben sein kann. Bei Menschen mit weißer Hautfarbe sind melanozytäre Nävi sehr häufig.
Kongenitaler Nävuszellnävus
Der kongenitale Nävuszellnävus ist bereits bei der Geburt vorhanden oder tritt im ersten Lebensjahr in Erscheinung. Er ist in der Regel größer als 1 cm im Durchmesser und kann gelegentlich ganze Extremitäten oder einen Großteil der Haut einnehmen. Kongenitale Nävi können sehr unterschiedlich aussehen. Meistens sind sie dunkelbraun bis schwarz, leicht erhaben und oft behaart. Kongenitale Nävi haben ein gewisses Risiko, zu entarten. Sie sollten daher regelmäßig kontrolliert und eventuell auch exzidiert werden.
»Gewöhnlicher« erworbener Nävus
Ein »gewöhnlicher« erworbener Nävus tritt ab der Kindheit auf. Meist sind es gleichmäßig braun pigmentierte symmetrische Flecke, die nicht größer als 5 mm werden. Papillomatöse Nävi sind eine andere Form erworbener »gewöhnlicher« Nävi. Diese braunen Knötchen, die meist eine zerklüftete Oberfläche besitzen, werden oft als kosmetisch störend empfunden. Eine Behandlung der »gewöhnlichen« erworbenen Nävi ist nicht notwendig.
Atypischer (dysplastischer) Nävus
Diese Nävusform ist oft nur schwierig von einem Melanom zu unterscheiden und sollte daher besonders beachtet werden. Die atypischen Nävi treten ebenfalls ab der Kindheit auf. Sie sind größer als 5 mm, oft mehrfärbig und unregelmäßig begrenzt. Meistens ist der zentrale Anteil etwas erhaben. Treten sehr viele atypische Nävuszellnävi auf, spricht man vom dysplastischen Nävuszellnävussyndrom. Menschen mit atypischen Nävuszellnävi haben ein höheres Risiko, ein Melanom zu entwickeln, als die Normalbevölkerung. Es entsteht jedoch nur ein kleiner Anteil der Melanome direkt aus einem atypischen Nävuszellnävus. Regelmäßige Kontrollen beim Facharzt sind die sinnvollste Maßnahme bei atypischen Nävi. Sollte ein atypischer Nävus nicht sicher von einem Melanom abgegrenzt werden können, muss er exzidiert werden.

Aktinische Hautschädigung und Präkanzerosen
Sowohl UVB als auch das langwelligere UVA führen zu massiven Schäden der Haut. UVB ist nicht nur für den Sonnenbrand verantwortlich, sondern schädigt auch die DNS und kann zu Mutationen führen. Diese werden in der Regel durch Reparaturenzyme wieder beseitig. Bei Personen mit erblichen Defekten dieser Enzyme (Xeroderma pigmentosum) kommt es zu einer Unzahl von bösartigen Hauttumoren. UVA führt zu einer Hemmung des Immunsystems der Haut und kann so die Entstehung von Hautkrebs fördern. Neben der genetischen Prädisposition sind die durchgemachten Sonnenbrände und die lebenslange kumulative Gesamtdosis an UV-Strahlung entscheidende Faktoren für die Entwicklung von bösartigen Hauttumoren.

Aktinische Keratose
Aktinische Keratosen sind epitheliale Neoplasien und Vorläufer des Plattenepithelkarzinoms der Haut. Die aktinische Keratose tritt besonders bei älteren Personen an den lichtexponierten Hautarealen (Gesicht, Handrücken) auf. Anfangs ist die aktinische Keratose nur ein unscheinbarer rauer weißlicher Fleck, der jedoch nicht abheilt. Er wird unbehandelt aber immer größer und erhabener. Im weiteren Verlauf kann sich nach Jahren ein Plattenepithelkarzinom entwickeln. Aktinische Keratosen können abgetragen werden oder mit anderen oberflächlichen Therapiemaßnahmen wie Kryotherapie, Lasertherapie, photodynamischer Therapie und chemischem Peeling behandelt werden. Auch das lokal applizierbare Immunstimulans Imiquimod stellt eine gute Therapiealternative dar.

Abb. 1. multiple Verrucae seborrhoicae

Abb. 2. multiple atypische und gewöhnliche erworbene Nävi

Abb. 3. Aktinische Keratose

Häufige bösartige Hauttumoren

Basalzellkarzinom
Das Basalzellkarzinom (Basaliom) ist besonders oft im Gesicht älterer Personen zu finden. Es ist meist ein kleines hautfarbenes oder rotes Knötchen, das zentral exulzeriert ist und daher oft eine Kruste zeigt. Prominente Gefäße ziehen meist über die Oberfläche des Basalzellkarzinoms. Es zeigt zwar ein invasives, die umgebenden Strukturen zerstörendes Wachstum, besitzt jedoch nicht die Fähigkeit, Metastasen zu bilden. Daher wird es den semimalignen Tumoren zugeordnet. Die Therapie der Wahl ist die operative Entfernung. Sehr häufig entwickeln Personen mit einem Basalzellkarzinom im Lauf der Jahre weitere Tumoren.

Plattenepithelkarzinom
Die UV-exponierten Hautstellen sind für das Plattenepithelkarzinom (spinozelluläres Karzinom, Spinaliom) die Prädeliktionsstellen. Auch bei der Entstehung des Plattenepithelkarzinoms spielt die kumulative lebenslange UV-Dosis eine entscheidende Rolle. Platten–epithelkarzinome sind Knoten mit einer hyperkeratotischen, warzenähnlichen, zerklüfteten Oberfläche. Oft finden sich aktinische Keratosen in der Umgebung von Platten–epithelkarzinomen. Plattenepthelkarzinome können Metastasen bilden, wobei besonders Lymphknoten betroffen sind. Mit der Größe des Primärtumors nimmt die Wahrscheinlichkeit für diese Absiedelungen zu. Auch Plattenepithelkarzinome an den Grenzflächen zu Schleimhäuten, wie zum Beispiel an der Unterlippe, haben ein höheres Potenzial, Metastasen zu entwickeln. Plattenepithelkarzinome müssen operativ entfernt werden.

Abb. 4. Basalzellkarzinom (Basaliom) Abb. 5. Plattenepithelkarzinom
Abb. 6. Melanom Abb. 7. Auflicht-
mikroskopisches Bild eines Melanoms

Melanom
Die Häufigkeit des Melanoms (schwarzer Hautkrebs, bösartiges Muttermal) nimmt laufend zu. In Österreich liegt die Inzidenz (neue Erkrankungsfälle pro Jahr pro 100.000 Einwohner) zwischen 10 und 15. Der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem fünfzigsten und sechzigsten Lebensjahr, allerdings erkranken auch zu einem beträchtlichen Anteil jüngere Patienten an einem Melanom.
In Hinsicht auf die Lokalisation lassen sich bemerkenswerte Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern nachweisen. So findet man bei Männern Melanome häufiger am Stamm, während Melanome bei Frauen häufiger an den unteren Extremitäten vorkommen. Prinzipiell kann jedoch ein Melanom an jeder Körperstelle auftreten.

Risikofaktoren
Wichtige Risikofaktoren sind eine Eigenanamnese und/oder Familienanamnese in Hinsicht auf ein Melanom (Verwandte 1. Grades), die Anzahl gewöhnlicher und atypischer Nävi, der Hauttyp (rote und/oder blonde Haarfarbe, blaue und/oder grüne Augen, geringe Fähigkeit der Haut, zu bräunen).
Intermittierende, intensive Sonnenexposition (z.B. im Urlaub) und die Anzahl der blasenbildenden Sonnenbrände sind weitere wichtige Risikofaktoren.
Personen, die einen oder mehrere dieser Risikofaktoren aufweisen, sollten daher als solche erkannt und über das erhöhte Risiko aufgeklärt werden. Außerdem sollte diese Personengruppe zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen angeregt werden.

Klinische Merkmale des Melanoms
Jedes Muttermal, das sich in Farbe, Form und Größe ändert oder neu auftritt, sollte ärztlich untersucht werden!
Die so genannte ABCDE-Regel stellt eine gute Hilfe für die Beurteilung von Nävi dar:
A = Asymmetrie; je asymmetrischer ein Muttermal, desto eher ist es ein Melanom
B = unregelmäßige Begrenzung; je un regelmäßiger die Begrenzung eines Muttermales ist, desto eher ist es ein Melanom
C = Color; je mehr Farbe ein Muttermal aufweist, desto eher ist es ein Melanom
D = Durchmesser; Muttermale, die größer als 5 mm im Durchmesser sind, sind eher ein Melanom
E = Evolution oder Elevation; Muttermale, die sich ändern oder in denen ein Knötchen entsteht, sind eher ein Melanom

Melanome können prinzipiell sehr unterschiedlich aussehen und an jeder Körperstelle auftreten. Das Farbspektrum reicht von tief schwarz über alle braunen Farbschattierungen bis zu roten Farbtönen. Meist beginnt das Melanom als Fleck, und erst nach längerem Bestehen bilden sich Knötchen oder Knoten.
Die Auflichtmikroskopie (Dermatoskopie) ist eine hervorragende, nicht invasive, in vivo-Untersuchungsmethode von pigmentierten Hauttumoren, mit der Strukturen untersucht werden können, die mit dem freien Auge nicht zu sehen sind. Dabei wird mit dem üblicherweise in der Praxis verwendeten Hand-Dermatoskop eine 10-fache Vergrößerung erreicht. Die dabei sichtbaren Strukturen bieten der geschulten Ärztin, dem geschulten Arzt die Möglichkeit, die diagnostische Treffsicherheit bei pigmentierten Hauttumoren deutlich zu erhöhen.

Prognose und Verlauf
Die Prognose eines Melanoms hängt ganz entscheidend von der vertikalen Eindringtiefe, dem sogenannten Breslow-Index, ab. Ein Melanom, das nur auf die Epidermis beschränkt ist (Melanoma in situ), wird durch eine einfache Operation zu 100 % geheilt. Auch Melanome mit einem Breslow-Index unter 1mm haben eine exzellente Prognose mit Heilungsraten über 90%. Ist die Eindringtiefe bereits über 1 mm, wird die Prognose zunehmend schlechter. Bei einen Breslow-Index über 4 mm kann nur in 30% der Fälle eine vollständige Heilung erreicht werden. Treten bei einem Melanom Fernmetastasen auf, kommt es zu einer weiteren Verschlechterung der Heilungsaussichten.

Therapie
Die chirurgische Entfernung ist zweifelsohne der wichtigste Eckpfeiler in der Therapie des Melanoms. Während in der Vergangenheit weite Sicherheitsabstände von über 5 cm favorisiert wurden, werden jetzt kleinere Sicherheitsabstände gewählt. Dafür ist die Operation des Schildwächterlymphknotens (sentinel node) bei dickeren Melanomen zur Routine geworden. Bei dieser Operation wird der erste Lymphknoten im Lymphabflussgebiet des primären Melanoms entfernt.
Interferon subcutan verabreicht ist eine adjuvante Therapiemöglichkeit bei Melanomen mit einer dickeren Eindringtiefe. Bei Fernmetastasen des Melanoms stehen für die Behandlung Operation, Chemotherapie, Radiatio, Hyperthermie und Therapieschemata im Rahmen von internationalen Studien zur Verfügung.

Prävention von Hautkrebs

Die wichtigsten Maßnahmen zur Verminderung von Hautkrebs sind Prävention und Vorsorgeuntersuchungen. Der vernünftige Umgang mit dem Sonnenlicht und die Vermeidung zusätzlicher Noxen sind die wichtigsten präventiven Maßnahmen, die jede Person für sich selbst einhalten sollte:
Von 11 bis 15 Uhr lieber im Schatten bleiben!
Hut, Hemd und Hose aus dichtgewebten, sonnenundurchlässigen Materialien tragen!
Der persönliche Hauttyp bestimmt das richtige Sonnenschutzmittel!
Nicht rauchen!
Außerdem sollten bestehende Muttermale und andere Hautläsionen aufmerksam beobachtet werden.

Man sollte einen Arzt in folgenden Fällen aufsuchen:
wenn sich eine Hautläsion schnell und merklich in Farbe und/oder Größe verändert,
wenn man zahlreiche, atypische oder angeborene Muttermale hat oder ein Hautkrebs bereits entfernt wurde,
wenn man einen hellen Hauttyp besitzt, man sich vorwiegend im Freien aufhält, oder ein Fall von Hautkrebs in der Familie (Verwandter 1. Grades) vorhanden ist.

Anschrift des Verfassers: Univ.-Prof. Dr. Rainer Hofmann-Wellenhof, Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische Universität Graz, rainer.hofmann@meduni-graz.at

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