Gegen das Basalzellkarzinom
der Haut: Aldara®
Die kommende warme Jahreszeit bringt die Haut nicht nur zum Schwitzen, sondern sie wird auch mit energetischer Strahlung bombardiert. Intermittierende Sonnenbestrahlung führt zu Veränderung der DNS im Zellkern, kontinuierliche UVB-Exposition schwächt das Immunsystem, lässt es zusammenbrechen und beide lassen über die Zeit Hautkrebs entstehen.
Vom auffallenderen »dunklen Hautkrebs«, dem malignen Melanom, ist der »helle Hautkrebs« als Plattenepithelkarzinom (Stachelzellenkrebs) und als Basalzellkarzinom abzugrenzen.
In Australien sind wegen des Ozonlochs schon 40% der weißen Bevölkerung von der aktinischen Keratose, der rauen Lichtschwiele, betroffen, die in etwa 16% der Fälle ins Spinaliom übergehen kann. Das Plattenzellkarzinom tritt in der Regel erst ab dem 60. Lebensjahr und vorwiegend bei hellen Hauttypen mit starker Sonnenbelastung im Lebensverlauf auf.
Basalzellkarzinom
Diese Form des Hautkrebses zählt in Mitteleuropa zu den häufigsten malignen Tumoren und kommt zu 80% im Kopf-Hals-Bereich vor. Oft macht sich das Basaliom nur als dünne und verfärbte Hautstelle bemerkbar, wächst über Jahre und wird kaum bemerkt. Daher kommen viele Patienten erst dann zum Arzt, wenn eine schlecht heilende Wunde entstanden ist. Trotz seiner geringen Letalität sollte eine konsequente Behandlung erfolgen, weil es in die Tiefe wächst und dabei das darunter liegende Gewebe und sogar die Knochen zerstört. Neue Basaliome entstehen nach Ersterkrankung immer wieder und erschweren bei mehrfachem Auftreten die Behandlung.
Bisherige Therapie: Unschöne Narbenbildung an gut sichtbaren Körperstellen begleiten verschiedene Operationstechniken und sprechen für eine Lokaltherapie.
Bessere Ergebnisse erzielt die mikrografische Chirurgie mit umfassender histologischer Kontrolle der Wundränder, um den Tumor möglichst vollständig, aber trotzdem schonend zu entfernen.
Mehr Rezidive sind mit »blinden« Methoden wie Strahlen-, CO2-Laser-, Kryo- und lokaler Chemotherapie oder der konventionellen Chirurgie mit bloß stichprobenartiger Histologie zu erwarten.
»5-Fluorourazil« 1% bis 5% als Creme oder Salbe kann täglich 4 bis 6 Wochen lang angewendet werden.
Kurzprofil Aldara®
Der Basalzellkrebs ist die häufigste Form des »weißen Hautkrebs«.
Seit Ende des Vorjahres ist nun Aldara® EU-weit auch für diese Indikation zugelassen. Es enthält »Imiquimod«, einen Immunmodulator, der in der Haut die zellvermittelte Immunantwort hochfährt und damit eine Heilreaktion provoziert.
Die Lokalbehandlung umfasst das abendliche Auftragen von Aldara® an 5 Tagen, gefolgt von 2 Tagen Pause. Am Morgen wäscht man die Behandlungsstelle ab. Dauer sechs Wochen; Heilungsrate 81%.
Lokale Hautreaktionen sind während der Behandlung häufig, können aber durch Pausen zum Abklingen gebracht werden. Sie lassen im Behandlungsverlauf nach und verschwinden nach Beendigung. Pigmentstörungen können jedoch bleiben. Lichtschutz während der Behandlung wird empfohlen. |
»Imiquimod« (Aldara®-Creme)
Schon seit 1998 steht dieses Medikament zur Behandlung von Feigwarzen im Genital- und Perianalbereich zur Verfügung. Im Herbst 2004 wurde nun die Indikation EU-weit auf das Basalzellkarzinom erweitert. Aldara®-Creme ist bei inoperativen Fällen nach chefärztlicher Genehmigung IND kassenfrei. (RE1 im gelben Bereich). 12 Cremebeutel á 250mg kosten 84,– Euro (KKP).
Chemie und Wirkweise
In den Freinamen »Imidazoquinolinamin« ist die chemische Klassenbezeichnung dieser Gruppe zum Teil eingeflossen.
»Imiquimod« triggert die Immunantwort Antigen tragender Zellen wie Monozyten, Makrophagen und dendritischer Zellen und bewirkt auf diese Weise eine gesteigerte Produktion der beiden TH1-Zytokine Interferon-alpha (IFN-a) und Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-a) in der Dermis. Die zellvermittelte Immunantwort in der Haut wird dabei hochreguliert. Der Immunmodulator »Imiquimod« wirkt übrigens auf virusinfizierte Zellen, Tumorzellen und Lymphome. Pharmakokinetik und Dosierung
»Imiquimod«-Serumspiegel waren nach mehrwöchiger Behandlung niedrig und lagen unter der Nachweisgrenze von 5 ng/ml. Nach einer radioaktiv markierten Einzeldosis gelangten nur 0,9% in die Blutbahn und wurden von dort über Harn und Stuhl im Verhältnis 3 : 1 ausgeschieden. Es kommt aber als Reaktion auf die Wirkstoffapplikation zu einem nahezu 10-fachen Anstieg von Interleukin 1-Antagonisten und Interferon-a, die für einige systemische Nebenwirkungen verantwortlich gemacht werden.
Dosierung: eine 6-wöchige Anwendungsdauer mit jeweils 5 Tagen Therapie und zwei Tagen Pause (z.B. Montag bis Freitag Behandlung, Sa und So Pause) zeigte das beste Wirkungs-/Nebenwirkungsverhältnis. Vor der abendlichen Anwendung ist die Haut mit milder Seife und Wasser zu waschen, sorgfältig abzutrocknen und dann einzucremen. Die behandelte Fläche sollte um ca. 1 cm größer als der Hauttumor sein. Vor und nach dem Auftragen sind die Hände gut zu waschen. Die behandelte Stelle wird nicht abgedeckt und nach acht Stunden (also am nächsten Morgen) mit milder Seife und Wasser gewaschen. Sie sollte nicht der Sonne ausgesetzt werden. Einmal geöffnete Beutel dürfen nicht weiterverwendet werden.
Indikation: kleines, oberflächliches Basalzellkarzinom beim Erwachsenen.
 Die histologischen Heilungsraten sind beeindruckend:
bei 7-maliger Anwendung pro Woche 79%
bei 5-maliger 81%, aber
bei 3-maliger nur 52%.
Wegen der deutlich schlechteren Verträglichkeit der 7-maligen Anwendung wurde der 5-maligen der Vorzug gegeben. Bisherige Zwischenergebnisse einer offenen Langzeitstudie weisen auf eine geschätzte Erscheinungsfreiheit von 92% hin.

Sicherheit
Systemische Nebenwirkungen dürften mit erhöhten Plasma-Interferonspiegeln in Verbindung stehen und betreffen z.B. grippeähnliche Symptome (0,5%). Lokale Hautreaktionen sind mit 28% wesentlich häufiger und umfassen Juckreiz, Brennen, Rötung, Ausschlag, Papeln, Blutung und Empfindungsstörungen. Ihre Intensität korreliert mit der Abheilrate und könnte auf die lokale Stimulation des Immunsystems zurückzuführen sein. Eine mehrtägige Behandlungspause bringt sie zum Abklingen.
Verwendete Grundlagen
Austria-Codex Fachinformation Aldara®
Scientific Discussion Aldara® vom 14. 7. 2004 EMEA www.emea.eu.int
Leitlinie »Basalzellkarzinom der Haut« Arbeitsgemeinschaft wissensch. Med. Fachgesellschaften (AWMF) www.uni-duesseldorf.de/AWMF/
Vorgestellte Präparate 2005:
Abilify® – Aripiprazol ÖAZ 6
Dukoral® – Cholera-Vibrionen Toxin B ÖAZ 5
Ezetrol® – Ezetimib ÖAZ 2
Inspra® – Eplerenon ÖAZ 8
Lyrica® – Pregabalin ÖAZ 1
Mimpara® – Cinacalcet ÖAZ 4
Raptiva® – Efalizumab ÖAZ 3
Ranelat ÖAZ 7 |