ÖAZ Aktuell (Ausgabe 9/2005)

Hauptartikel 9/2005

HAUPTARTIKEL

38. Wissenschaftliche Fortbildungswoche in Saalfelden
Nebenwirkungen an der Haut
Soviel Apotheke wie noch nie
Hauptmietzins-Anhebung bei Apothekenvermietung

38. Wissenschaftliche Fortbildungswoche in

Saalfelden

Auftanken! ... Wissen, Wohlfühlen,

Informationen

Rund. »Frischeste« Informationen, komprimiertes Wissen, »geliefert« von national und international renommierten Vortragenden – mit der diesjährigen Wissenschaftlichen Fortbildungswoche in Saalfelden, sicherlich eine der Highlights innerhalb der Fortbildungsveranstaltungen, bewies Mag. Franz Biba, dass »seine« Tagung auch beim 25. Mal nicht zur Routine geworden ist. Darüber hinaus wurde – zumindest auf dem Papier – das neue Kongresszentrum vorgestellt, ... und Schwester Adelma feierte einen runden Geburtstag.

„Eine phantastische Dermawoche“, „Tolle Vortragende“, „...selten eine Vortragsveranstaltung, die so gut organisiert war...“ – Tagungsbesucher und Vortragende der diesjährigen, 38. Wissenschaftlichen Fortbildungswoche in Saalfelden waren sich einig: Zuhörer und Referenten fühlten sich wohl und bestens betreut, die Tagung klappte wie am Schnürchen, selbst das Wetter spielte mit. Die Veranstaltung, die »Dermatologie und Venerologie« zum Thema hatte, »strotzte« vor hochkarätigen Vortragenden, die – bis auf einen Beitrag, der zu klinisch angelegt war und die Therapie mit Arzneimitteln einfach ausklammerte – dem anwesenden Apotheker punktgenau, verständlich, aktuell und praxisbezogen jene Informationen lieferten, die er sowohl als Hintergrund als auch im Alltag an der Tara braucht.
Und damit machte sich Mag. Franz Biba, Organisator der Fortbildungsveranstaltungen der Österreichischen Apothekerkammer, wohl selbst – und uns – das schönste Geschenk zum 25. Jahrestag der Betreuung »seiner« Tagung durch ihn.
Auch Prof. Eckhard Beubler, wissenschaftlicher Leiter und somit für den »Inhalt« verantwortlich, zeigte sich zufrieden.
Das Rahmenprogramm geriet wie jedes Jahr zur familiären Unterhaltung, bei der man gerne vorbeischaute – nicht zuletzt dank der veranstaltenden Firmen, die sich – vom Schleudertraining, Abfahrtslauf über einen Hubschrauberflug und Kegelbewerb bis zum geselligen Bingo-Abend – für jeden etwas einfallen ließen. Auch die Aussteller warteten mit kompetenten Informationen und interessanten Neuerungen auf.

„Wenn ich als Medizinstudent
gerade für die Derma lernte,
würde ich hierher kommen.“
Ein Vortragender

Besondere Dienstleistung!
Dr. Herbert Cabana, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, brachte in seiner Eröffnungsrede ein brisantes berufspolitisches Thema zur Sprache: die EU-Dienstleistungsrichtlinie, mit der die EU alle in Europa erbrachten Dienstleistungen ohne Rücksicht auf die Besonderheiten der einzelnen Länder und vor allem der einzelnen Berufe freigeben möchte – trotz der EU-Apotheker-Richtlinie. Wozu eine solche grenzenlose Deregulierung der Dienstleistungen – v.a. der freien Berufe – führt, zeigen etliche warnende Beispiele: So war vor drei Jahren das norwegische Apothekensystem noch mit jenem in Österreich vergleichbar. Heute dominieren Apothekenketten, Arzneimittel werden in Tankstellen und Supermärkten abgegeben, und die Apotheker sind Angestellte in den Supermärkten. Auch das bewährte Apothekensystem in Irland hat sich binnen kürzester Zeit »aufgelöst«. Ein Blick nach Deutschland zeigt die prekäre wirtschaftliche Situation vieler Apotheken nach der Einräumung der Möglichkeit kleiner Kettenbildung sowie Versandhandel und Internetapotheken, die für die Bevölkerung massive Verschlechterungen in der Versorgung nach sich zieht. Leistungen wie Beratung, Nahversorgung, Nachtdienste etc. würden – so Dr. Cabana – drastisch eingeschränkt werden müssen. Als Folge wäre die soziale Absicherung durch die pharmazeutische Gehaltskasse und die Sicherheit der Arbeitsplätze in Frage gestellt.
Bleibt zu hinterfragen, ob die EU eine solche negative Entwicklung auch in Österreich anstrebt, nur um der freien Marktwirtschaft weiter zu »huldigen« – die beiseite gesagt nicht nur von Experten massivst angezweifelt wird – und so befürchteten Vorwürfen einer »Regulierung von oben» vorauseilend den Wind aus den Segeln zu nehmen, oder ob sie auf diesem Auge einfach blind ist und eine – vorübergehende bzw. erhoffte – Kostenreduktion mit einer bei weitem kostspieligeren Verschlechterung der Versorgungssituation erkaufen will.
Dr. Cabana wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass dieses Match in Brüssel gewonnen werden müsse, wobei die Apotheker dort vom Gesundheits- und federführend vom Wirtschaftsministerium vertreten werden. Dieses – sowie der ÖGB und die AK – unterstützten die Position der Apotheker gegenüber Brüssel.
Auch die österreichische Bevölkerung weiß die Leistungen des Apothekers zu schätzen: Auf www.kurier.at konnten die Leser darüber abstimmen, ob sie ihre Medikamente aus der Apotheke oder lieber aus dem Drogeriemarkt bekommen. Von 12.000 Personen entschieden sich über 90% für die Apotheke.

In medias res
Im Bereich »Hautprobleme – Kosmetik – Dermatologie« – dem Thema dieser Tagung – ist die Kompetenz des Apothekers besonders gefragt, sei es als erster Ansprechpartner in Sachen Haut oder als Experte in der Zubereitung magistraler Rezepturen, die in der Dermatologie immerhin 40% der Verschreibungen ausmachen. Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, ging in ihrer Einführung zum Thema kurz auf die dermatologischen Aspekte, mit denen der Apotheker tagtäglich zu tun hat, ein, betonte den Stellenwert der Haut, der sich in den vielen Redewendungen niederschlägt wie »dicke Haut haben«, »unter die Haut gehen«, »seine Haut retten« und leitete anschließend zum ersten Vortragenden Prof. Smolle über, der einen prägnanten Übersichtsvortrag zu Aufbau und Funktion der Haut hielt.

Über dieses Referat sowie die Veranstaltungen von Fujisawa etc. lesen Sie demnächst in der ÖAZ.

Das neue Kongresszentrum besticht nicht nur durch seine durchdachte Architektur sondern bringt auch einen Ausbau des direkt anschließenden Hotels Hindenburg mit sich.


Phoenix Karikaturen

Neben den üblichen leiblichen Stärkungen zu den Beratungsgesprächen gab es am Stand der Phoenix heuer neue Akzente: Zur Präsentation der Phoenix Marketing Services werkte der Salzburger Karikaturist Thomas Ploner die ersten beiden Tage mit scharf gespitztem Bleistift und fertigte mit genial und leichthin gesetzten Strichen treffende – doch absolut nicht verletzende – Portraits, nicht nur der Geschäftsfreunde, sondern auch des Phoenix-Außendienstes an. Seine mit Augenzwinkern gestalteten Portraits prangten für Tage an der Stehwand und sorgten für Erheiterung.

Mag. pharm. Wolfgang Petrik, Grinzinger-Apotheke, Wien 19 Mag. pharm. Robert Lillie, Aeskulap-Apotheke, Wien 3
Mag. pharm. Erich Zöchling, Apotheke Traisenpark, St. Pölten Wolfgang Baumann,
Phoenix-Außendienst

PharmXplorer: Die Welt der Pharmazie auf einen Klick

Bei der heurigen Fortbildungsveranstaltung stellten Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Klaus Schweiger von der Universität Graz und sein Team die Internet-Datenbank PharmXplorer erneut der anwesenden Apothekerschaft vor, die sie auch gleich auf Herz und Nieren prüfte. Die Neuerungen und die rasche Erweiterung der Datenbank wurde von selbstständigen wie angestellten Apothekern sehr positiv bewertet.
Zu den neuen Tools zählen beispielsweise die Suchmöglichkeit nach Indikationsgebieten; die darin angebotenen Therapieempfehlungen sind in klassische Arzneistoffe, Phytopharmaka und Homöopathika unterteilt. Dadurch wird es dem Apotheker ermöglicht, rasch auf die Wünsche des Kunden einzugehen. Somit wird die individuelle Beratung erleichtert.

Für’s Labor
Für die tägliche pharmazeutische Laborpraxis erweisen sich Anwendungen wie das Mischungskreuz oder die Verfügbarkeit der Arzneistoffmonographien als äußerst sinnvoll.
Auch das »DermoLab«, eine einfache Datenbank, die Auskunft über die Kompatibilität von magistralen Rezepturen gibt, ist in der Praxis leicht und schnell einsetzbar. Je nach Fragestellung kann zuerst eine Grundlage ausgewählt werden, und dazu werden alle kompatiblen Arzneistoffe gesucht, oder aber es wird zuerst ein Arzneistoff ausgewählt und dazu sucht man alle kompatiblen Grundlagen. Die Daten werden tabellarisch angezeigt und können auch mit Infos zu den Grundlagen ausgedruckt werden.

Für die Eingangsüberprüfung
Weiters wird es in naher Zukunft online verfügbare, hochauflösende Photos von Schnittdrogen geben, wodurch die Eingangsüberprüfung in der Apotheke erleichtert wird.
PharmXplorer bietet also die Möglichkeit, auch an der Tara Zugriff auf wissenschaftlich fundierte Informationen zu haben. Die Tatsache, dass das angebotene Wissen aus dem universitären Bereich stammt, garantiert Richtigkeit und dank der ständigen Revision eine außerordentlich hohe Aktualität. Für den Apothekenbereich von großer Relevanz ist die sinnvolle Verlinkung, die rasch Antwort auf allgemeine Fragen gibt und bei Wunsch auch in die Tiefe zu komplexen Sachverhalten führt, welche durch mediendidaktische Aufbereitung – wie Animationen – leicht verständlich sind.
PharmXplorer stellt somit ein probates Hilfsmittel dar, um rasch Arzneimittelinformationen aufzufinden, und bietet weiters die Möglichkeit, Gelerntes wieder aufzufrischen und auf einen aktuellen Stand zu bringen. Die Online-Verfügbarkeit birgt den Vorteil, dass keine lokale Installation notwendig ist und somit vom Benutzer keine lästigen Updates durchzuführen sind.
PharmXplorer wird sich – wie Prof. Schweiger ausführte – in Zukunft noch mehr den Bedürfnissen aller in pharmazeutischen Bereichen tätigen Personen anpassen und somit zu einem Standardtool sowohl für schnelle Informationssuche als auch für inner- und außeruniversitäre Fortbildung werden (s. auch ÖAZ 26/2004).

Hans Schindler, derpharmazeut@lycos.at


Apocon-Kreuzfahrt

Die Firma Apocon Gesundheitsmanagement GmbH – ebenfalls mit einem Stand in Saalfelden vertreten – verloste in Form eines Gewinnspiels eine Kreuzfahrt für zwei Personen in das westliche Mittelmeer. Gewinner dieser Kreuzfahrt war die Apotheke Schöndorf, Mag. pharm. Elfriede und Mag. pharm. Christoph Vigl, Vöcklabruck.

Thomas Soukop von Apocon übergibt den Preis an
Mag. pharm. Elfriede Vigl


Apothekerbank

Dank einer Initiative der Apothekerbank gab es an ihrem Begrüßungsabend bei der Saalfeldener Fortbildungstagung 2005 zwei Höhepunkte: Der eine war das Ergebnis des Losverkaufes zu Gunsten des St. Anna Kinderspitals in Wien, der andere ein Freiflug über Österreich:
+ zuerst wurde die 1.000,– Euro Marke mit 1.063 Euro überschritten
+ und dann freute sich Mag. pharm. Veronika Spindler als Gewinnerin des Freifluges, bei dem sie mit dem Innsbrucker Piloten Mag. pharm. Markus Breuer einen Alpenflug absolvierte, der die 1000er Marke um einiges überschritt.
PS.: Aus den Gesichtern von Markus Breuer (li.), des Fluggastes und Dir. Othmar Schmid geht leider nicht hervor, ob das Foto vor oder nach dem Flug mit dem Sportflugzeug geschossen wurde.


Gebro-Pharma

Am Tag des Firmenbesuches bei der Firma Gebro herrschte herrliches Winterwetter. Die Teilnehmer wurden vom Tagungszentrum in Saalfelden abgeholt und mit dem Autobus über Hochfilzen in den tief verschneiten Ort Fieberbrunn gebracht. Dort begrüßte Mag. Pascal Broschek, der seit Jänner 2005 die Geschäftsführung des Familienbetriebes inne hat, die rund 40 Teilnehmer. Er stellte das Unternehmen mit seinen Auslandstöchtern vor und nannte die zahlreichen Lizenzländer für den Vertrieb von Seractil®. Anschließend fand die Generalprobe für eine Veranstaltung statt, die in dieser Form am 19. Mai in Salzburg »Premiere« haben wird und sich den praktischen Seiten des Apothekerberufes widmet.

Fortbildung
Am Beispiel so genannter »trivialer« Bauchbeschwerden – was in der Apotheke immer zu hinterfragen ist – wurde das Spektrum der Symptome und die Zulässigkeit einer Selbstmedikation erörtert. Dazu gab es Fallbeispiele, an Hand derer eine Apothekerin auf dem Podium ihre persönliche Vorgangsweise vorstellte, die dann mit dem Publikum diskutiert wurde. Der gleichzeitig anwesende Mediziner stellte den jeweiligen anatomischen und diagnostischen Bezug her und erläuterte z.B. die Risiken und Fehlbehandlungen bei chronischer Obstipation, wobei der interaktive Ablauf für einen lebhaften Gedankenaustausch sorgte.


Abb. 1


Abb. 2. Durchmischungsvorgang

Die »Ein–Topf–Technologie«
Eine der Grundvoraussetzungen für die Verarbeitung pulverförmiger Wirkstoffe ist die Herstellung eines Granulates. Es kommt durch drei Arbeitsschritte – nämlich
+ Mischen,
+ Granulieren und
+ Trocknen –
zustande, was in Einzelschritten aufwändig und zusätzlich mit Staubbelastung verbunden ist. Für die Validierung der notwendigen Arbeitsschritte ist die Aufrechterhaltung konstanter Feuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse erforderlich, ein mühseliges Unterfangen. In Fieberbrunn existiert nun eine Anlage, die in einem einzigen Schritt alle drei Abläufe ermöglicht. An Hand eines vollwertigen Laborgerätes stellte Mag. pharm. Dr. Gerhard Pirkner die Anlage vor (siehe Abb. 1). Im linken Teil befinden sich die Steuereinheit und die notwendigen Aggregate, während rechts davon das speziell geformte Rührwerk angebracht ist. Die runde Bodenform des dazugehörigen Topfes ermöglicht homogene Durchmischung ohne Nestbildung und erleichtert die Reinigung (Abb. 2). Dieser Granuliertopf lässt sich außerdem beheizen und evakuieren, was bei thermolabilen Wirkstoffen die Trocknung erleichtert. Temperaturfühler, Videokamera und Düsen für das Einsprühen von Granulierlösungen komplettieren die Ausstattung. Zum anschließenden Betriebs-Rundgang wurden alle Besucher vorschriftsmäßig eingekleidet (Abb. 3), und dann konnte man das Gerät in seinem gesamten Umfang bewundern.
Solche Anlagen gehören heute zu der kostspieligen, aber notwendigen Grundausstattung moderner Arzneimittelproduzenten. Dr. Pirkner ist der Ansicht, dass das technologische Wissen – zusammen mit der technischen Ausrüstung – die Produktionsstandorte in Europa absichert. Weil Umwelt- und Herstellstandards zunehmend auch von den Schwellenländern eingehalten werden müssen, sieht er langfristig Sicherheitsvorteile für die Produktion in Europa.


Abb. 3

Dr. A. Klement


Nycomed und Pharmonta

Hüttenabend
Auch heuer fand der schon legendäre Hüttenabend der Firmen Nycomed und Pharmonta auf der Riederalm in Leogang statt. Verwöhnt wurden die geladenen Gäste mit herrlich mundender, deftiger Hausmannskost. Wie jedes Jahr wurden Montana Haustropfen als Digestiv gereicht, um für angenehmes Wohlbefinden selbst bei reichhaltiger Kost zu sorgen. Dadurch fand man selbst für den Topfenstrudel noch Platz.
Begrüßt wurden die Gäste von einer übergroßen »Biomont Maus«. Einige Gäste erkannten den Apothekenberater Herrn Amesmann trotz der perfekten Verkleidung.
Für die musikalische Untermalung sorgte, in altbewährter Manier, Herr Fadenberger.
Die beiden Töchter von Dr. Gernot Fischer (Pharmonta), Dr. Ulla Kassegger und Mag. Edda Triebl, führten zusammen mit Mag. Peter Haferl (Nycomed) durch den Abend.
Als Höhepunkt des geselligen Teils heizte Dr. Hartwig Schreiber die Stimmung beim traditionellen »Bingo-Spiel« an. Wie immer konnte er die Gäste bestens unterhalten, und es gab jede Menge attraktiver Preise zu gewinnen: So sponserte die Firma Herba Chemosan AG eine Reise auf einer österreichischen Hochsee-Rennyacht in Mallorca, die Firmen Kwizda und Flora stellten Reisegutscheine für Wellness-Wochenenden zur Verfügung. Die Firmen Pharmonta und Nycomed sponserten 90 weitere Preise, wie Riesen-Mannerschnitten und Casino- & Dinner-Gutscheine.

Durch den überaus regen Kauf von Bingokarten konnte ein beachtlicher Betrag gesammelt werden. Dieser wird von den beiden veranstaltenden Firmen verdoppelt und dem St. Anna Kinderspital in Wien für die Kinderkrebsforschung zur Verfügung gestellt.

Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, Präsident der steirischen
Apothekerkammer
Mag. Peter Haferl (li.), Fa. Nycomed, bei der Überreichung eines
Hauptpreises an Mag. pharm. Jochen Göckel, Richard Wagner
Apotheke in Wien

Altana Pharma-Stammtisch

Über 50 Gäste nutzten den Abend des 1. März 2005 zum geselligen Beisammensein beim Altana Pharma-Stammtisch in der Gutshofstube des Hotels Brandlhof in Saalfelden.
Danach kämpften bei einem Kegelturnier 24 von ihnen um die flüssigen Trophäen (Sekt von Doppelmagnum bis Piccolo) bis ca. Mitternacht. In souveräner Manier siegte Dr. iur. Helmut Szongott, Direktor des Österreichischen Apothekerverbandes, vor cand. pharm. Bernd Schmudermaier, Wien, und der Vorjahressiegerin Mag. pharm. Elisabeth Gollowitzer, Wien. Mag. pharm. Andreas Hoyer, St. Valentin, wurde knapper Vierter der Finalrunde. Mag. pharm. Christa-Marina Jakesz, Wien, erkämpfte den Trostpreis mit Gesundheitswert (Sekt + Buerlecithin) und trainierte danach bis weit nach Mitternacht schon für das Finale 2006. An der nur wenige Schritte entfernten Bar klang der Abend gemütlich aus.


H+H System, immer ein Gewinn

Im Zuge der Ausstellung bei den Apothekertagen 2005 in Saalfelden präsentierte sich H+H System jeden Tag mit einem anderen Themenschwerpunkt:
Alles in Plexi – Pastillen – Tee – Verpackung – Organisation
Am Ende der Tagung wurden von H+H System eine Geldzählwaage inkl. Drucker im Wert von € 2.400,– sowie ein Wochenende in Bad Ischl verlost.
Mag. pharm. Heimo Hrovat jun. übergab die Preise den Gewinnerinnen, Mag. pharm. Laura Lebada (s. Foto 1) in der Rosen-Apotheke, Wien 21, und Mag. pharm. Hilde Habian (s. Foto 2) in der Mohren-Apotheke, Wien 1.


Hautprobleme durch Kosmetika



Chronische Lichthaut. Deutliche Zeichen der extrinsischen Hautalterung an lichtexponierten Arealen.

Hautreinigung und Hautpflege gehören zu den elementaren Anliegen der Menschheit. Die große Auswahl der unterschiedlichen Kosmetika/Körperpflegeprodukte und das nahezu täglich wachsende Angebot an »Wundermitteln« für Schönheit und Jugend ist auch für Experten schwer überblickbar. An die 8.000 Substanzen stehen dem Kosmetikchemiker für die Herstellung von Pflegeprodukten zur Verfügung. Mit einem – tendenziell weiter steigenden – Jahresumsatz von ca. 50 Milliarden Euro ist der Handel mit Kosmetika in der Europäischen Union ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.
Definitionsgemäß ist ein »kosmetisches Produkt« eine Substanz oder Präparation, dafür vorgesehen, an den unterschiedlichen externen Teilen des menschlichen Körpers (Epidermis, Haare, Nägel, Lippen und externe Genitalorgane) sowie den Zähnen und der Mundschleimhaut zwecks Reinigung, eines verbesserten Aussehens oder Geruchs bzw. als Schutz angewendet zu werden. Es zählen dazu Seifen, Shampoos, Hautreinigungs- und Pflegeprodukte sowie Zahnpasten, Farbkosmetika und Lidschatten, Lippenstifte und Nagellack, Haarfärbe- und Stylingprodukte, Duftprodukte wie Deodorants, Rasierwässer, Parfums sowie (in Europa) auch Sonnenschutzmittel (De Groot 1998).
Grundsätzlich muss zwischen pflegenden und dekorativen Kosmetika unterschieden werden. Die individuelle Auswahl der Körperpflegeprodukte und die entsprechende Beratung des Patienten richtet sich nach Hauttyp, Alter, eventuell bestehenden Allergien, individuellen Empfindlichkeiten u.a.
Die empfindliche Baby- und Kinderhaut sollte durch Pflegeprodukte vor Umwelteinflüssen wie Kälte, Sonne, Nässe etc. geschützt werden. Die Teenagerhaut neigt durch hormonelle Einflüsse zu vermehrter Talgproduktion, zu fettigem Glanz, zu Hautunreinheiten bis zur manifesten Akne. Pflegeprodukte für die Jugendlichen sollten daher eher ölfrei und antikomedogen gewählt werden, eine individuelle Beratung hinsichtlich Pflege und eventueller Therapie ist aber gerade in diesem Alter sehr wichtig.
Durch intrinsische und extrinsische Einflüsse kommt es zu Zeichen der (Haut-)Alterung, wie Trockenheit, Schlaffheit, Faltenbildung, funktionelle Defizite, Elastosis cutis, Teleangiektasien, Pigmentstörungen, Hauttumoren (siehe Foto).
Wichtigste prophylaktische Maßnahme gegen vorzeitige Zeichen der Hautalterung ist der Sonnenschutz. Dazu kommen zahlreiche pflegende Wirkstoffe wie Vitamine, Hyaluronsäure, Retinol, Fruchtsäuren, Kollagen, Elastin..., die in Tages- und Nachtcremes zur Vorbeugung gegen beziehungsweise zur Besserung bereits vorhandener Alterszeichen wirksam sind.
Sind bereits deutliche Zeichen der Hautalterung aufgetreten, können unterschiedliche therapeutische Eingriffe wie oberflächliche, mitteltiefe und tiefe chemische Peelings, ablative und nicht-ablative Lasermethoden, Injektion von Botulinum-Toxin zur Behandlung mimisch bedingter Falten, Gewebe-Augmentation nach Substanzverlust durch unterschiedliche abbaubare und nicht abbaubare Füllsubstanzen etc. durchgeführt werden.

Schlechte Datenlage
Trotz der zahlreichen potenziell problematischen Inhaltsstoffe von kosmetischen Produkten, des enormen Verkaufsvolumens und der Produktvielfalt ist die Datenlage über Inzidenz und Prävalenz von Unverträglichkeitsreaktionen unbefriedigend: Die meisten Betroffenen wechseln schlicht das Produkt, nur selten wird der Produzent informiert, obwohl mehr als 10% der Konsumenten milde Nebenwirkungen erleiden dürften (De Groot 1998). Dabei handelt es sich um überwiegend nicht-allergische Reaktionen wie subjektive (ohne sichtbare oder mikroskopische Veränderungen) oder objektive Irritation, Kontakturticaria, Pigmentstörungen (Hypo- oder Hyperpigmentierungen), Nagel- und Haarveränderungen, Photosensitivität bis hin zum Kosmetika-Intoleranz-Syndrom (»Status cosmeticus«, Fischer 1980), bei dem Patienten über Unverträglichkeit gegenüber allen Kosmetika klagen. 2 bis 3% der Gesamtbevölkerung dürften auf Inhaltsstoffe von Kosmetika allergisch sein. Zu einer dermatologisch-allergologischen Aufarbeitung kommt es meist nur bei schweren und persistierenden Reaktionen. Diese Aufarbeitung wurde seit dem 1.1.1997 mit dem Inkrafttreten des »6th Amendment to the EU Cosmetics Directive 76/768« insofern erleichtert, als seither in der Europäischen Union auf allen Kosmetikprodukten die Inhaltsstoffe in exakt definierter Form und Reihung deklariert werden müssen.

Duftstoffe als Ursache
Häufigste Ursache für eine Kosmetika-bedingte Kontaktallergie sind Duftstoffe. Mittels des Duftstoff-Mix, welcher acht häufig verwendete Duftstoffe enthält und als so genannter »Screener« in der Standardserie des Epicutantests enthalten ist, können 70 bis 80% der Duftstoffallergiker ermittelt werden (De Groot und Frosch 1997), wobei die Relevanz hinsichtlich der verwendeten eigenen Produkte nicht immer erhebbar ist. Nachdenklich stimmt, dass zunehmend Kleinkinder und Jugendliche durch Duftstoffe in Kinderkosmetika und »toy-cosmetics« gefährdet und sensibilisiert werden; spezielle Schutzvorschriften für Kinder existieren nicht (Rastogi et al. 1999).

PPD
Aber auch zahlreiche andere Substanzen, die vorzugsweise in Pflegeprodukten enthalten sind, finden sich unter den 20 häufigsten Kontaktallergenen des IVDK (Informationsverbund dermatologischer Kliniken, s. S. 431). So sind Para-Phenylendiamin (PPD) und mit dieser Substanz verwandte Haarfarbstoffe seit den 30er Jahren als potenzielle Kontaktallergene bekannt und wurden deshalb auch in vielen Ländern verboten. Nicht nur Typ-IV-Reaktionen auf PPD, sondern auch anaphylaktische Reaktionen nach Haarfärbung und Sensibilisierungen von Kindern durch Henna-Tattoos sind in der aktuellen Literatur beschrieben.

Zunehmend werden Kleinkinder und Jugendliche durch Duftstoffe
in Kinderkosmetika und »toy-cosmetics« gefährdet.

Auch »Naturkosmetika«
Während sich Anwender von Naturkosmetika oft in falscher Sicherheit wähnen, finden sich auch Inhaltsstoffe von Naturkosmetika auf der Hitliste der häufigsten Kontaktallergene des IVDK, sodass deren Anwendung nicht in jedem Fall zu empfehlen ist.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die Aufarbeitung vermeintlicher Unverträglichkeitsreaktionen auf Körperpflegeprodukte oft schwierig gestaltet, weil das Spektrum vielfältig ist, die potenziellen Auslöser zahlreich sind, die Inhaltsstoffe eines Produktes interagieren können, sodass sich eine klinische Symptomatik zeigt, die die Einzelsubstanzen nicht erwarten lassen. „Gemessen an der weiten Verbreitung der kosmetischen Produkte kann die Zahl der unerwünschten Nebenwirkungen letztlich dennoch als gering bezeichnet werden“ (Schnuch 1995).

Literaturempfehlung:
Fuchs/Aberer: Kontaktekzem, Dustri-Verlag 2002.
Braun-Falco/Gloor/Korting: Nutzen und Risiko von Kosmetika, Springer Verlag 2000.

Faltenbehandlung
mit Botulinum Toxin A
Botox/Vistabel, Dysport
Exotoxin von
Clostridium botulinum
»Entspannung« von Mimikfalten: Glabella
(Zornesfalten), periorbitale Falten (Krähenfüße),
Stirnfalten (Denkerfalten), Kinn (Pflasterstein-
kinn), Hals (Truthahnhals), Decolletee, Nase,
Oberlippe, Unterlid, hängende Mundwinkel u.a.
Hautalterung/Prophylaxe
Sonnenschutz

UV–B (280–320nm): geringere Eindringtiefe, aggressiv-Sonnenbrand, Hauttumoren,
langanhaltende Bräunung (Alterung, Falten)
UV–A (320–400nm): rasche kurz anhaltende Bräune, größere Eindringtiefe ‹ Schädigung der kollagenen und elastischen Fasern ‹ vorzeitige Alterung, Faltenbildung
(UV–C: kurzwellig, Ozonloch, Zellschädigung ‹ Hautkrebs)

Pflegende Wirkstoffe
AHA-Säuren: Frucht- und Milchsäuren aus Äpfeln, Trauben, Zitronen, Oliven, Milch ‹ beschleunigen die Zellerneuerung, Kollagenfaserbildung
Antioxidantien: Vit C, E, Provitamine/Betacarotin, Spurenelemente (Zink, Selen, Kupfer,…): freie Radikale ‹ zellerhaltende Wirkung
Retinol (Vitamin A): Zellerneuerung, Verbesserung der Gewebestruktur/Falten, freie Radikale
Enzyme/Co-Enzym- Q 10: fördern Zellerneuerung, Abbau von Kollagen und Elastin wird gestoppt, fangen freie Radikale
Kollagen/Elastin: festigen das Bindegewebe ‹ Elastizität, Geschmeidigkeit
Liposome: kleinste Hohlkügelchen, erhöhen Feuchtigkeitsgehalt, polstern Hornschicht auf, können andere Wirkstoffe/Kollagen transportieren
Ceramide: Lipide, im Fett der Hornschicht ‹ Schutzfilm
Panthenol/Pro-Vitamin B5: deckt den erhöhten Bedarf an Lipiden und Feuchtigkeit ab, wirkt beruhigend, reizlindernd (Apres-sun-Lotionen, etc).
Sauerstoff: erhöht Zellaktivität und Zellerneuerung
Hormone: Oestrogen, Progesteron, Testosteron

Kontaktekzem auf Henna-Tattoo
beliebte Urlaubssouvenirs
44 Fälle publiziert: 86% ECT positiv: PPD (zugesetzt
zur Farbintensivierung)
59 % aktive Sensibilisierung
37 % KINDER!
Behandlung mit Füllmaterialien
resorbierbare/abbaubare Materialien: Kollagen, Hyaluronsäure, Polymilchsäure, autologes Fett, Plasmagel,...(Restylane, Hyal System, Matridex, Zyderm, Zyplast, New fill...)
semiresorbierbare Materialien: Acrylate
und Hyaluronsäure, bzw. Kollagen
n nicht resorbierbare Materialien: Silikon, Polytetrafluorethylen, PMMA-Microsphären (=Polymethylmethacrylat), Acrylhydrogelfragmente

Resorbierbare Materialien
Vorteil: Nebenwirkungsarm
Nachteil: Effekt
nur über Monate anhaltend
nicht resorbierbare Materialien
Vorteil: langanhaltender Effekt
Nachteil: höheres Risiko an Nebenwirkungen, z.B. granulomatöse Reaktionen/Fremdkörperreaktionen

Chemical Peels
Oberflächliche Peels:
z.B. AHAs 35 %, 50 %, 70 %/ Glycolsäure, ”Lunch time peel”, ‹ aktinische Schäden, Lentigines, Melasma, Verfeinerung der Hautstruktur; Akne
Mitteltiefe Peels:
Mitteltiefe Peels: z.B.Trichloressigsäure
(20, 35, 50, 60 %) ‹ Hyperpigmentierungen, Falten, Hyperkeratosen, chron. Lichthaut, Narben
Tiefe Peels: z.B. Phenol
Kombinierte Peelings

Nicht-allergische Hautprobleme
subjektive Irritation: Brennen, Stechen, Juckreiz ‹ häufigste Ursache für Unzufriedenheit
objektive Irritation: milde Irritantien (Emulgatoren, Emollientien) ‹ sichtbare Reizung empfindlicher Hautareale
Kontakturticaria: immunologisch und nicht-immunologisch: Alkohol, Zimtaldehyd…
Hypo/ Hyperpigmentierung: Düfte, Farbstoffe/Azofarbstoffe, Bleich-substanzen…
Photosensitivität: phototoxisch ‹ photo-allergisch Berloque-Dermatitis, Chloasma cosmeticum Melanosis peroralis et peribuccalis (Broque) immunologisch: Alkohol, Zimtaldehyd…
Nagel- und Haarstörungen
Akneforme Veränderungen:
Acne cosmetica, Pomadenakne (Fettsäuren,-Ester, Fettalkohole, Benzophenonderivate…)
Kosmetikaintoleranz-Syndrom/ Status cosmeticus

Haarkosmetika
Para-Phenylendiamin/PPD: als potenzielles Kontaktallergen bekannt, in einer Maximalkonzentration von 6% in der EU erlaubt
p-Toluylendiamin, Kuppler (Resorcin, m-Aminophenol), Azofarbstoffe, Henna/Lawson,
Bleichmittel (Ammoniumpersulfat), Dauerwellenwirkstoff (Glycerylmonothioglykolat) ‹ berufliche Problemstoffe ‹ Friseurekzeme, inhalative Beschwerden…

Anschrift der Autorin:
OA Dr. Sigrid Mayr-Kanhäuser, Univ.-Hautklinik Graz, Kosmetische Dermatologie, 8036 Graz, Auenbruggerplatz 8, siegrid.mayr-kanhaeuser@klinikum-graz.at

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