ÖAZ Aktuell (Ausgabe 9/2005)

Hauptartikel 9/2005

HAUPTARTIKEL

38. Wissenschaftliche Fortbildungswoche in Saalfelden
Nebenwirkungen an der Haut
Soviel Apotheke wie noch nie
Hauptmietzins-Anhebung bei Apothekenvermietung

»Die österreichische Apotheke in Zahlen« 2005

Soviel Apotheke wie noch nie

Fakt. Der Gesundheitsberuf Apotheker leistet in Österreich einen maßgeblichen Beitrag zur Sicherheit und hohen Kosteneffizienz im Gesundheitswesen. Die Apothekenleistung rangiert im europäischen Spitzenfeld, und der Medikamentenverbrauch je Einwohner ist im EU-Vergleich niedrig. Die Arzneimittelpreise liegen in Österreich deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Apotheken sind unverzichtbare Nahversorger für die Bevölkerung. Doch die betriebswirtschaftliche Situation der österreichischen Apotheken ist aufgrund massiver Spannenkürzungen angespannt wie nie zuvor.

Mag. Martin Traxler

Mag. Martin Traxler

Das Jahr 2004 stand für die österreichischen Apotheker im Zeichen hoher Serviceleistung: Mehr ausgebildete Arzneimittelfachleute als je zuvor haben die Kunden in Österreich betreut und beraten. Die gesamte Mitarbeiterzahl der 1.172 öffentlichen Apotheken ist auf rd. 13.000 gestiegen. Damit hat die österreichische Apothekerschaft ihren höchsten Beschäftigtenstand erreicht und erweist sich einmal mehr als verlässlicher Arbeitgeber. Auch die Lehrlingsausbildung hat in österreichischen Apotheken inzwischen einen hohen Stellenwert erlangt. Über 1.000 Lehrlinge werden in Österreichs Apotheken zu Pharmazeutisch-kaufmännischen AssistentInnen ausgebildet.
Weniger erfreulich hat sich die wirtschaftliche Situation der Apotheken entwickelt. Um das österreichische Gesundheitssystem zu stützen, mussten die Apotheker im Vorjahr empfindliche Kür-zungen ihrer Spannen hinnehmen. Damit die vielfältigen Leistungen der Apotheken trotz der wirtschaftlichen Einbußen flächendeckend in ganz Österreich erhalten bleiben können, gewährt der eigene Berufsstand nun beinahe jeder 7. Apotheke finanzielle Zuschüsse. Ihrer Verantwortung als Gesundheitsnahversorger für die Bevölkerung sind die österreichischen Apotheken dennoch gerecht geworden: In den letzten 10 Jahren haben 173 öffentliche Apotheken neu eröffnet; mehr als ein Drittel davon in Orten, die bisher keine Apotheke hatten.

Medikamentenverbrauch
Die Österreicherinnen und Österreicher nehmen weniger Medikamente als viele andere Europäer. Im europaweiten Vergleich liegt Österreich gemessen an verkauften Medikamentenpackungen deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Das besagt eine brandaktuelle Studie, die das Institut für Medizinische Statistik (IMS Health) im Jänner 2005 herausgegeben hat. Demnach liegt der Pro-Kopf-Verbrauch der Österreicher bei 21,8 Medikamentenpackungen pro Jahr, während der Verbrauch in Frankreich mit 49,2 Packungen mehr als doppelt so hoch ist. Die Griechen verbrauchen 32,9 Medikamentenpackungen pro Jahr, die Italiener 27,6, die Spanier 26,7, die Portugiesen 23,7 und die Belgier 22,9.

Arzneimittelpreise: durchschnittlich 12,24 Euro pro Packung

Eine Preisvergleichsstudie, erhoben vom Industriewissenschaftlichen Institut der Wirtschaftsuniversität Wien (IWI), bestätigt eindrucksvoll, dass die österreichischen Arzneimittelpreise, die in allen Handelsstufen einer gesetzlichen Regelung unterliegen, im europäischen Vergleich als »billig« einzustufen sind. Die Apothekenverkaufspreise pro Packung betragen im Durchschnitt 12,24 Euro. Damit sind Medikamente in Österreich günstiger als in den Niederlanden (18,90 Euro), Deutschland (16,33 Euro), der Schweiz (16,14 Euro), Portugal (14,62 Euro), Belgien (14,19 Euro), Finnland (13,77 Euro) und Irland (13,49 Euro).
Auf die über 12.500 zugelassenen Arzneispezialitäten findet in Österreich der hohe Normalsteuersatz (20% Mehrwertsteuer) Anwendung. Für Arzneimittel gibt es in vielen Ländern begünstigte Steuersätze oder gar gesetzliche Befreiungen. Auch in Österreich gibt es einen begünstigten Steuersatz (10% Mehrwertsteuer), der z.B. auf Lebensmittel, nicht aber auf Arzneimittel angewendet wird.

Spitzenleistung
Die Leistungen der österreichischen Apothekerinnen und Apotheker gehen weit über die Abgabe von Arzneimitteln hinaus. In den 100 Millionen Kundengesprächen, die jährlich in den Apotheken geführt werden, beraten die Apotheker ihre Kunden hinsichtlich ärztlicher Verordnungen sowie Auswahl und Anwendung von Arzneimitteln in der Selbstmedikation. Die Beratung ist eine zentrale Leistung der Apotheker. Sie erfolgt individuell und auf fachlich hohem Niveau. Bei 64,6 Prozent aller Beratungsgespräche dauert die Beratungszeit vier bis zehn Minuten. Neben der Beratung zu Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten informieren die Apotheker auch über Raucherentwöhnung, Reisevorsorge, Ernährung, Impfungen und betreuen Suchtgiftkranke während ihrer Therapie. Für viele Patienten werden Medikamente in der Apotheke individuell angefertigt.
Die österreichischen Apotheken versorgen die Bevölkerung auch außerhalb der handelsüblichen Öffnungszeiten mit Medikamenten und kennen keine Urlaubssperre. Von den 1.172 österreichischen Apotheken haben jede Nacht rund 400 Bereitschaftsdienst. Dieses Service wird kaum in einem anderen Land in Europa in vergleichbar hohem Ausmaß geboten.

Der Mehrwertsteuersatz von 20% auf Arzneimittel ist einer
der höchsten in der EU.

Apotheken haben eine niedrigere Spanne als Drogerien
Die Spanne bei österreichischen Apotheken hat in den Jahren 2000 und 2001 durchschnittlich 29,1 Prozent betragen. Das ist deutlich weniger als im gleichen Zeitraum beispielsweise bei Drogerien: Mit 40,1 Prozent rangieren die Drogeriemärkte beinahe gleichauf mit Schmuck und Bekleidung, die Handelsspanne des Fotohandels beträgt 55,1 Prozent.
Die aktuell noch geringere Apothekenspanne (28% im Jahr 2004) ist unter anderem ein Resultat der letztjährigen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Mit einer empfindlichen Kürzung ihrer Spanne in der Höhe von insgesamt 45 Millionen Euro haben die österreichischen Apotheker erheblich zum Stopp der Ausgabensteigerung der Krankenkassen beigetragen. Die Apotheker haben damit als relativ kleiner Berufsstand einen überproportionalen Beitrag zum Weiterbestehen des Gesundheitssystems für Österreich geleistet.

Dramatische wirtschaftliche Situation
Eine durchschnittliche österreichische Apotheke (Medianapotheke) erzielte im Jahr 2004 einen Umsatz von 1,9 Millionen Euro, wovon 71,5 Prozent auf den Kassenbereich und 28,5 Prozent auf den Privatumsatz von Arzneimitteln entfallen sind. Diesen Umsatz erreichte die Apotheke mit durchschnittlich 10 Mitarbeitern.
Die Betriebsergebnisse der Apotheken sind im Geschäftsjahr 2004 durchschnittlich um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Dies resultiert einerseits aus der Kürzung der Handelsspannen für Apotheken und andererseits aus der Tatsache, dass der pharmazeutische Großhandel seine verordnete Spannenkürzung zur Gänze in Form von Rabattkürzungen an die Apotheken weitergegeben hat.

Österreichs Apotheken auf einen Blick
In der Neuausgabe der Broschüre »Die Österreichische Apotheke in Zahlen« (2005) finden Sie neben den oben angesprochenen Themen noch Texte und Grafiken mit nebenstehenden Themen.
Die Broschüre erhalten Sie kostenlos – auch in größerer Stückzahl für interessierte Kunden oder Bekannte – bei der Österreichischen Apothekerkammer (Fr. Strohmayer, Tel. 01 404 14 – 139 DW).

 

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