
Mag. pharm. Dr. Alfred Klement
18. Südtiroler Herbstgespräche
Wieder unbehindert atmen können
Phytos. Bei vielen Erkrankungen des Respirationstraktes steht der Patientenwunsch nach einer Erleichterung der Atmung und somit nach mehr Lebensqualität wie auch als therapeutisches Ziel für den behandelnden Arzt im Vordergrund.
Die diesjährigen Südtiroler Herbstgespräche standen unter dem Motto »Atemwegserkrankungen«, ein für diese Jahreszeit besonders aktuelles Thema, zu dem der wissenschaftliche Leiter Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kubelka wieder namhafte Experten nach Sand in Taufers eingeladen hatte. Der Bogen der Vorträge reichte von den akuten und chronischen Atemwegserkrankungen, über deren asthmatische und allergische Komponenten, bis zur Phytotherapie banaler Infekte und magistralen Zubereitungen. Am Sonntag gab es zum Finale ein exzellentes Referat zum Bedrohungsszenario durch alte und neue Viren. Am Ende seiner Einleitung dankte Kubelka den Sponsoren für ihr finanzielles Engagement, die eine Veranstaltung dieser Größe überhaupt erst möglich gemacht hat: Apothekerbank, ACM-HandelsgesmbH, Austroplant, Gebro Pharma und Madaus.
Das Rahmenprogramm umfasste eine botanische Exkursion in ein wunderschönes Hochmoor, wo Univ.-Prof. Dr. Johannes Saukel und Univ.-Prof. Dr. Reinhard Länger ihre fachliche und rhetorische Kompetenz unter Beweis stellten, ein abendliches Knödelfestival mit den verschiedensten Varianten Südtiroler Kochkunst und einen Jägerball sowie einen Ausflug zum Barockschloss Wolfsthurn in der Nähe von Sterzing, das ein Jagd- und Fischereimuseum beherbergt. Bis auf kurzfristige Wetterkapriolen hatte Mag. pharm. Herwig Schmack als Organisator alles im Griff und sorgte in bewährter Weise für einen pannenfreien Ablauf und angenehmen Aufenthalt.
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Univ.-Prof. Dr. Heinz Schilcher
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Zu Phytos bei Atemwegserkrankungen
Wenn jemand wie Univ.-Prof. Dr. Heinz Schilcher zu Phytos Stellung nimmt, dann macht er dies sowohl mit pharmazeutischem als auch medizinischem Hintergrund, denn der Pharmazeut wurde kürzlich zum Ehrenpräsidenten des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren gewählt und ist der einzige »Nichtarzt« der Gesellschaft mit dieser Auszeichnung.
Folgende allgemeine Behandlungsziele nannte Schilcher:
die Wiederherstellung der mukozilliären Clearence sie ist Voraussetzung für die Keimabwehr auf den Schleimhäuten der Atemwege und erfordert neben einer ausreichenden Sekretmenge auch ihre entsprechende Dünnflüssigkeit, damit sie wie ein Transportband vom Flimmerepithel weiterbefördert werden kann
eine Entzündungshemmung, um den Leidensdruck z.B. bei akuten Bronchitis zu lindern
die Bekämpfung von Krankheitserregern insbesondere bakterieller Natur
eine Bronchospasmolyse
die Linderung von Begleiterscheinungen der Atemwegserkrankung, wie Schnupfen und Husten
die Steigerung der Körperabwehr durch unspezifische Maßnahmen
Kritisches
Mit Phytopharmaka können nicht alle, jedoch mehrere der genannten Behandlungsziele erreicht werden, vorausgesetzt die Indikationsstellung trifft zu. Als Negativbeispiel erwähnte Schilcher die Anwendung von mentholhältigen Salben in der Nase, oder in Mundnähe bei Kleinkindern und Säuglingen. Die Auslösung des so genannten Kratschmer-Holmgren-Reflex wäre die Folge. Die beiden Mediziner waren die ersten, die über den reflektorischen Atemstillstand beim Einatmen von schleimhautreizenden Stoffen berichteten, bei dem es zur krampfartigen Konstriktion der Kehlkopfmuskulatur kommt. "Eine absolute Überforderung von Phytopharmaka wäre ihr antibakterieller oder antiviraler Einsatz", bemerkte Schilcher abschließend.
Fehlanwendungen bei Verordnungen gehen zu Lasten der Ärzte, für mangelnde pharmazeutische Qualität sind die ApothekerInnen verantwortlich zu machen, wie Schilcher an Hand der ätherischen Öle demonstrierte: Bakterielle Infekte sind keine Indikation für ätherische Öle, und ungeeignete Lagerung führt zur Peroxidation und erhöht das allergene Potenzial.
| Ätherische Öle und ihre Anwendung |
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| Wasserdampf |
Teeaufguss |
Ganzkörperbad |
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Es werden wirksame Konzentrationen nur in den oberen Atemwege erreicht. Achtung bei Mischungen von äther. Ölen: Cineol geht bei 80°C zu 35% Koniferol zu 93% in die Dampfphase!
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Achtung vor zu starkem und zu langem Erhitzen wegen der volatilen Eigenschaften von ätherischem Öl in Drogenmaterial |
Vorteil der gleichzeitigen inhalativen und perkutanen Resorption. |
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Auch die Datenlage lässt bei vielen Phytos zu wünschen übrig. Es gibt zu wenige klinische Studien. Nur 15 Pflanzen mit entsprechend dokumentierten Fertigpräparaten erfüllen die heutigen Ansprüche nach Wirksamkeitsbelegen auch für Jugendliche und Kinder!
An der Aromatherapie bei Katarrhen der Atemwege entzündete sich ebenfalls seine Kritik, weil die eingeatmeten Dämpfe nur etwa 109 g/Duftstoffe pro cm³ Luft enthalten. Bei dieser Gelegenheit erinnerte Schilcher auch daran, Phytopharmaka auf der Basis von Dosis-Wirkungsbeziehungen ausreichend zu dosieren und forderte die Verwendung von Extrakten, die auf wirksamkeits(mit)bestimmende Bestandteile standardisiert sind.
Rhinitis und Sinusitis
Auch wenn die Gruppe der Phytopharmaka zur Erleichterung der Nasenatmung und Verhinderung einer bakteriellen Superinfektion vielleicht mit Ausnahme von Ephedra-Zubereitungen wenig zu bieten hat, möchte Schilcher nicht auf sie verzichten. Menthol, Kampher, Minzöl und Eukalyptusöl verbessern subjektiv die Nasenatmung, ohne die Schleimhaut abzuschwellen, und haben daher auch nicht die Nachteile der alpha-Sympathomimetika.
Bessere Inhalatoren sind isoliert und erlauben die notwendige 5- bis 10-minütige ununterbrochene Inhalationsdauer. Sie sollten auch einen Gummiball als Luftpumpe zur Unterstützung des Inhalationsvorganges besitzen. 3 bis 7 Tropfen Öl reichen als Dosis aus. Als Alternative eignen sich ölhältige Erkältungssalben, oder Balsame von denen ein etwa 10 cm langer Salbenstrang ins heiße Wasser gegeben werden kann. Ultraschallvernebler haben den Vorteil, auch tiefere Atemwege zu erreichen, und können außerdem ohne ätherischen Ölzusatz als Raumbefeuchter eingesetzt werden.
Eine fraktioniert verdampfende Eigenrezeptur von Schilcher gegen Rhinitis und Bronchitis lautet
Ätherol. Menthae piperitum: 1,0
Ätherol. Pini pumilionis: 4,5
Ätherol. Eucalyptii: 4,5
3 bis 5 Tropfen pro Liter Wasser reichen davon aus. Es ist auch auch als Saunaöl verwendbar.
Als Lösung für Nasenspülungen empfahl er hingegen
Tinct. Calendulae: 20,0
Tinct. Echinaceae: 1,0
0,9% NaCl: ad 100,0
Zur speziellen Therapie der chronischen Sinusitis empfahl Prof. Schilcher die täglich wechselnde Anwendung von Gelomyrtol® 2x1 Kps., gefolgt von Solvopret® forte 3x1. Übrigens kann man mit Gelomyrtol® (3 Kapseln) wunderbar inhalieren.
Pflanzliche Immunstimulantien
Unter den pflanzlichen Immunstimulantien nimmt wohl Echinacin-Madaus® eine führende Rolle ein, wenn man es richtig anwendet. Das bedeutet nach Schilcher
zur Prophylaxe eine Intervalltherapie von ca. 5 Tagen mit jeweils 25 bis 30 Tropfen. Danach folgt eine 4-tägige Pause. Die Prophylaxe sollte nicht länger als 4 bis 6 Wochen durchgeführt werden.
als Therapeutikum die sofortige Anwendung bei ersten Erkrankungszeichen. Es soll in hoher Initialdosierung mit 50 bis 80 Tropfen auf die Zunge appliziert und eine zeitlang im Mund behalten werden um die Wechselwirkung mit dem Immunsystem im Rachenraum zu ermöglichen. Am zweiten und dritten Tag nimmt man 3x50 Tropfen und anschließend eine Dosierung von 3x30 Tropfen.
Weitere Tipps betrafen noch das Gurgeln mit Salbeitee dalmatinische, nicht griechische Salbeiblätter! und Zubereitungen mit Spitzwegerich, bei dem dunkel verfärbte Droge auf Polymerisationserscheinungen in den Blättern hinweist, die mit Verlust der antiphlogistischen Wirkung verbunden sind.
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A.o. Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Claudia Valenta
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Eigenherstellung in der Apotheke immer noch aktuell
Unter den in Sand in Taufers präsentierten Vorträgen fand einer das besondere Interesse des Publikums, nämlich die »Eigenherstellung in der Apotheke«.
A.o. Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Claudia Valenta vom Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der Universität Wien stellte dazu ein 12 Punkte-Programm vor und empfahl wärmstens, dieses im pharmazeutischen Alltag auch zu beachten.
Das 12 Punkte-Programm
Die Leitlinie »Dermatologische Magistralrezepturen 2003« beinhalten laut Valenta zwölf verschiedene Punkte:
Das therapeutische Konzept, das hinter der Verschreibung steht (oder stehen sollte).
Die Selbstbeschränkung auf eine oder wenige Arzneistoffe. Bei Unklarheiten bleibt es Aufgabe des Apothekers, mit dem Arzt Rücksprache zu halten.
Für die pharmazeutische Qualität ist der Apotheker zuständig. Aus heutiger Sicht sollten pharmakologisch/toxikologisch umstrittene Rezepturhilfsstoffe nicht mehr verwendet werden.
Rezepturangaben sollen rational nachvollziehbar sein und zwei oder mehrere Wirkstoffe nur im Ausnahmefall beinhalten.
Der Stellenwert der Verpackung für die pharmazeutische Qualität ist hoch. Damit wird nicht nur das Produkt geschützt, sondern auch ein bestimmungsgemäßer Gebrauch ermöglicht. Negativbeispiel ist die Abfüllung eines Hydrogels in Tiegeln statt Tuben, in denen sie unter alltäglichen Bedingungen bald austrocknen.
In der Praxis passieren mit Konservantien immer wieder Fehler. Valenta erinnerte in diesem Zusammenhang an die Notwendigkeit, das Konservierungsmittel beim Verdünnen konservierter Grundlagen zu ergänzen und in der Kennzeichnung entsprechend anzuführen. Unkonservierte Externa müssen als solche erkennbar sein. Bei den Alkoholen ist die konservierende Wirkung von Ethanol ab ca. 15% (z.B. in Hydrogelen), bei Isopropylalkohol ab ca. 15%, bei Propylenglykol ab ca. 20% gegeben.
Die Haltbarkeit von individuell gefertigten Arzneimitteln orientiert sich ausschließlich an der vorgesehenen Anwendungsdauer, weil ja der Lagerungszeitraum eines Fertigarzneimittels entfallen kann. Die Richtwerte für Zubereitungen (Abb. 1) sind vom Wassergehalt und der Verpackung abhängig. Für konservierte Augentropfen gilt z.B.: 4 Wochen ab Anbruch haltbar.
Zur Vermeidung einer Inkompatibilität empfiehlt Valenta die Verwendung von Standardrezepturen und bat um kritische Beobachtung bei der Herstellung.
Eine eindeutige Kennzeichnung soll die Patienten informieren und wie schon angeführt die Konservierungsstoffe und ihre Konzentration transparent machen.
Eine Dokumentation eventuell auftretender Nebenwirkungen oder unerwünschter Reaktionen wäre wünschenswert.
Mit der Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit im Rahmen von Fachgesellschaften und Ausbildungseinrichtungen soll die bestehende Ausbildung für Ärzte und Apotheker durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen laufend ergänzt und auf den neuesten Stand der Wissenschaft gebracht werden.
Beispiel aus der Praxis
Augentropfen:
Borsäure: 0,2
Borax: 0,15
Dexpanthenol: 0,3
Siccaprotect: 7,0
Aqua ad inj.: ad 10,0
Es besteht eine Unverträglichkeit von Borsäure/Borax mit dem in Siccaprotect® enthaltenen Polyvinylalkohol. Ein Ausweg besteht in der alternativen Verwendung von Oculotect® fluid, das auf Polyvinylpyrrolidon als Filmbildner aufbaut. |
Den zweiten Teil ihres Vortrages widmete Prof. Valenta der Auffrischung des technologischen Basiswissens und der Präsentation.
Moderne Arzneistoff-Formulierungen
Dazu zeigte Valenta neue Trends sowohl auf dem Gebiet der modernen Formulierungen als auch der Verwendung von dermatologischen Wirkstoffen auf:
tensidfreie Systeme wie Gele und polymerstabilisierte Emulsionen,
weiters Liposomen, Nanoemulsionen und Nanopartikel
Mikroemulsionen bzw. Mikroemulsionsgele.
Tensidfreie Systeme
Unter den tensidfreien Systemen nehmen die hydrophilen und hydrophoben Gele einen prominenten Platz ein. Bei den hydrophilen Gelen erfolgt die Verdickung mit Polymeren wie Carbomere, Zelluloseether, Chitosan und Carragenan, während bei den hydrophoben Gelen Stoffe wie Siliciumdioxid und Bentonit zum Einsatz kommen.
Carbomere sind Grundlage verschiedener Applikationsformen. Sie reichen von topischen semi-festen Formen (Lotionen, Cremes, Gele) bis zu oralen flüssigen bzw. gelförmigen. Eine etablierte Verwendung finden Carbomere in Ophthalmika wie auch in oralen festen Arzneiformen. Neue Einsatzgebiete tun sich im Bereich der transdermalen und mukoadhäsiven Systeme auf.
Es gelang Valenta, die Zusammenhänge an Abbildungen recht anschaulich darzustellen, wie im Falle der Partikelgröße von Polymeren. Durch Wasserzugabe und pH-Veränderungen steigert sich beispielsweise das Volumen um das 1.000-Fache! (Abb. 2; die Abbildungen wurden freundlicher Weise von der Fa. Novenon zur Verfügung gestellt.)
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| Abb. 2: Quellungsvorgang eines Polymeres |
Am Beispiel des Carbopol-Pulvers demonstrierte Valenta den Entrollungsvorgang während der Hydratisierungsphase. Die im trockenen Zustand eng geknäuelten Ketten (Abb. 3) werden hydratisiert und beginnen sich aufzurollen (Abb. 4). Die Zugabe eines Alkalisierungsmittels bedingt eine Verteilung der negativen Ladung entlang der Polymerenkette und verursacht damit die komplette Entrollung (Abb. 5).
Zum Neutralisieren schlug Prof. Valenta übrigens »Trometamol« (TRIS) vor, weil beim »Triethanolamin« eine Nitrosaminbildung nicht ausgeschlossen werden kann. Gegen den Abbau unter dem Einfluss zweiwertiger Kationen schützt die Zugabe eines Komplexbildners wie Na-ETDA in Konzentrationen zwischen 0,02 bis 0,1. Wird übrigens unter Referenz Standardbedingungen autoklaviert, bleibt die Viskosität weitgehend erhalten. Als Nachteile polymerer Geldbildner gelten ihre mikrobiologische Anfälligkeit und die Empfindlichkeit auf UV-Licht.
Die Zelluloseäther wie Hydroxyethylzellulose, Carmellose-Natrium, Hypromellose (Methylhydroxypropylzellulose), Hydroxypropylzellulose und Methylhydroxyzellulose können beim Autoklavieren ihre Viskosität erniedrigen.
Liposomen
Prof. Valenta betonte den unterschiedlichen Aufbau von Liposomen, Nanoemulsionen und Nanopartikel. Während Liposomen mindestens eine Doppel-Lipidschicht aufweisen, sind Nanoemulsionen und Nanopartikel abweichend aufgebaut und unterscheiden sich durch die eingesetzten Lipide. Eine Zwischenstellung nehmen die so genannten DMS-Cremes ein.
»Derma Membran Structure creme« (DMS) kommt ohne konventionelle Emulgatoren aus und besitzt angepassten Lipidgehalt:
für fette Haut (16% lipids)
für normale Haut (21% lipids)
für trockene Haut (36% lipids)
Ein besonderer Vorteil soll in der strukturellen Ähnlichkeit zwischen der Hautoberfläche und jener von DMS-Cremes bestehen. Solche Produkte werden von der Firma Synopharm (DMS-Cremes) und der Fa. Stiefel (Physiogel®) vertrieben. Eine Zubereitung gleicher Zusammensetzung ist unter Bellaternity® liposomale Creme im Warenverzeichnis zu finden.
Mikroemulsionen
Mikroemulsionen bestehen aus Tensid-Wasser-Ölmischungen, die manchmal noch zusätzlich mit einem Co-Emulgator ausgestattet sind. Sie sind transparent, und in ihnen lösen sich wegen ihres hohen Tensidgehaltes viele Arzneistoffe. Die Bezeichnung »Emulsion« täuscht einen Aggregatzustand vor, der nicht existiert, denn es handelt sich um einphasige kolloide Lösungen. Ihre hohe Penetrationsfähigkeit der Hornhaut macht Mikroemulsionen zu guten Carrier-Systemen. Die Mikroemulsionsgele sind ein Sonderfall, weil sie auch in klarer oder halbfester Form vorliegen können.
PLO-Gele bedeutet »Pluronic Lecithin Organogel«. Pluronics sind Blockpolymere des Polyethylens und Polypropylens. Wenn man Soyalecithingranulat (10 g) und Isopropylpalmitat (10 g) mischt und dann 20%iges Pluronic F-127 hinzufügt, ergibt es ein PLO-Gel mit der Besonderheit, bei Raumtemperatur flüssig und bei Körpertemperatur fest zu sein.
Diverse Rezepturtipps
Zum Abschluss einige Beispiele für Rezepturen, die Prof. Valenta in letzter Zeit untergekommen sind:
»Chloralhydrat« wird als Sedativum in der Pädiatrie in Zäpfchenform verwendet. Gewünscht war wegen der besseren Resorption eine perorale Zubereitung mit 0,5 mg »Chloralhydrat« pro 15 ml statt der üblichen Suppositorien:
Chloralhydrat: 1,67
einfacher Sirup: 25,0
Tct. Aurantii amari: 2,5
ger. Wasser: ad 50,0
Entsprechende Rezepturen sind in diversen Formularien zu finden. In den genannten NL und NRF wird ihre Aufnahme vorbereitet. Es gibt auch für Suppositorien und Klysmen Rezepturen. Wegen der in wässeriger Lösung erfolgenden Zersetzung zu Dichloracetaldehyd, Trichloressigsäure und Salzsäure wird die Stabilität mit 3 Monaten begrenzt.
»Polidocanol« ist ein Oberflächenanästhetikum mit der Struktur eines nichtionogenen Tensides und verursacht beim Einarbeiten in hydrophobe Cremen wie Ultrabas® Schwierigkeiten. Folgende Rezepturen erleichtern den Umgang mit diesem häufig verordneten Wirkstoff:
hydrophile Zubereitung
Polidocanol: 5,0
Propylenglycol: 20,0
Carbomer (Carb. 980): 0,5
Trometamol: 0,3
Ultraphil: 10,0
gereinigtes Wasser: ad 100,0
fette Zubereitung auf Basis von Ung. Leniens
Polidocanol: 5,0
Weißes Wachs: 7,6
gehärtetes Erdnussöl: 20,0
Erdnussöl: 47,0
Rizinusöl: 5,0
gereinigtes Wasser: 15,0
»Metronidazol« ist in Elyzol®-Dentalgel als 25%iges »Metronidazolbenzoat« enthalten. Eine direkte Nachahmung von Elyzol® ist nicht möglich, weil »Metronidazolbenzoat« nicht erhältlich ist. Wenn ein metronidazolhältiges Gel zur Imprägnierung eines Fadens mit Kupferkern hergestellt werden soll, der längere Zeit in der Zahntasche verbleibt, dann muss dazu mikronisiertes »Metronidazol« verwendet werden. Da es ab 0,8% suspendiert vorliegt, wird für die folgende Rezeptur das mikronisierte »Metronidazol« im fertigen Gel bei Zimmertemperatur suspendiert.
mögliche Rezeptur
Metronidazol mikrofein: 25,0
Glyzerin: 2,5
HEC: 6,0
Konservierung: q.s.
ger. Wasser: ad 100,0
»Erythromycin« ist ein ausgezeichnetes Antibiotikum, aber schwer zu verarbeiten, denn sein Wirkoptimum liegt bei pH 8,0 bis pH 8,5. Valenta bot verschiedene Rezepturempfehlungen an:
Erythromycin-Creme NRF 11.77.
Erythromycin: 0,55
wasserfreie Citronensäure: 0,02
Propylenglykol: 5,0
Basiscreme DAC: 25,0
gereinigtes Wasser: 19,43
Basiscreme DAC* ambiphile Creme
Glycerinmonostearat: 4,0
Cetylalkohol: 6,0
Mittelkettige Triglyceride: 7,5
Weißes Vaselin: 25,5
Macrogol-1000-glycerolmonost.: 7,0
Propylenglykol: 10,0
Wasser: 40,0
* Deutscher Arzneimittel-Codex 1999
Zur Verarbeitung mit Ultraphil®, Ung.Cordes® oder Excipial® Liposalbe wird Anreiben mit Propylenglykol und die Kontrolle des pH-Wertes empfohlen.
Erythromycin: 2,0
Cordes Basis oder Liquibas: 98,0
Besondere Vorsicht ist bei Kombination mit Salicylsäure angebracht
Erythromycin: 2,0
Salicylsäure: 2,0
Isopropylalkohol 30%: ad 100,0
Wegen des Wirkoptimums müssen in diesem Fall zwei Präparate hergestellt werden. Es gibt keine Möglichkeit für eine gemeinsamen Zubereitung.
»Vitamin A-Säure« ist insbesondere in Lösung sehr oxidationsempfindlich, deswegen nur begrenzt haltbar und außerdem für ihre Teratogenität bekannt. Ethanolhaltige Tretinoinlösung in Konzentrationen von 0,025/0,05/0,1% sind im NRF enthalten. Mit einer Stammverreibung für eine lipophile Zubereitung von Vitamin A-Säure kann man sich bei der Herstellung helfen:
Aus NRF: zuerst lipophile 20%ige Tretinoinverreibung herstellen
Bestandteile: Butylhydroxytoluol; weißes Vaselin, Tretinoin
danach mit der Grundlage 1:10 verdünnen;
ergibt eine 2%ige Tretinoin Verreibung.
Diese wird dann mit Vaselin zu 0,0250,1% weiterverdünnt.
Als letzte Neuigkeit wies Valenta auf die bei ACM zu beziehende visköse Grundlösung nach NRF S.20 für eine Methadon-Rezeptur hin:
HEC 400: 0,625
Glycerol 85%: 25,0
Saccharose: 19,0
Zitronensäure: 0,08
K-sorbat: 0,14
gereinigtes Wasser: ad 100,0
Die Herstellung bietet den Vorteil einer Zeitersparnis und ermöglicht eine Haltbarkeit über drei Jahre.
Zum Abschluss empfahl Prof. Valenta, sich stets der vorhandenen Unterlagen zu bedienen und nannte namentlich Rezeptursammlungen wie »Deutscher Arzneimittel-Codex« und »Neues Rezeptur-Formularium« (NRF) vom Govi-Verlag/Deutscher Apotheker-Verlag.Vom Großhandel (z.B. Fa. ACM) werden spezielle Fachinformationen für Eigenherstellungen versendet.
Der Beitrag in ausführlicher Form erscheint im nächsten »Marketing & Service« des Österreichischen Apothekerverbandes.
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