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Die Kreisapotheke »Zum Adler« Franz Joh. Kwizda in Korneuburg im Jahre 1910
re. oben: Werk Wien 16; re. unten: Pharmahandel Wien 20 |
Mag. Monika Heinrich
150 Jahre Kwizda
Der »Schwarze Adler« hob ab
Leistung. Die Firma Kwizda feiert heuer ihr 150-jähriges Bestehen. Sie liegt unter den Top 100 der umsatzstärksten österreichischen Betriebe, ist aus einer Apotheke hervorgegangen und wird in der 4. Generation von einer Apothekerdynastie geführt. Gründe genug, Kwizda einmal näher zu betrachten.
Der Name »Kwizda« ist jedem Apotheker geläufig. Hochwertige Arzneimittel inklusive Generika, Nahrungsergänzungsmittel, Phytos, Pflegeprodukte und Veterinaria gehören ebenso zum Produktportfolio, ergänzt durch eine breite Internet-Plattform, Beratungsmaterialien u.v.m. Kwizda betreut als Pharmagroßhändler die österreichischen Apotheker, stellt bei Umbauten Container-Apotheken zur Verfügung und bietet Apoview, Bildschirme zur Kundeninformation in der Offizin, sowie EDV-Betreuung, etc. an. Darüber hinaus gehören zur Firmengruppe noch weitere Sparten und Kooperationen (siehe unten).
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Apotheker Mag. pharm. Franz Johann von Kwizda im Jahre 1871
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»Durch's Pferd auf's Pferd«
Entstanden ist diese sowohl innovative wie auch breit engagierte Firma aus einer einzelnen Apotheke, nämlich aus der Kreis-Apotheke »Zum Schwarzen Adler« in Korneuburg, die 1853 von Mag. pharm. Franz Johann Kwizda damals 26 Jahre alt und in der Wiener Hofapotheke ausgebildet übernommen worden war. Übrigens: Dieser Gründer des Unternehmens, später auch Bürgermeister der Stadt Korneuburg, war eng mit dem Pferdesport verbunden. Sein Wahlspruch lautete: »Durch's Pferd auf's Pferd«. Die vom Unternehmen entwickelten Veterinärpräparate, insbesondere das k.k. privilegierte Restitutionsfluid für Pferde, waren weit über die Grenzen der österreichisch-ungarischen Monarchie bekannt. Dieses Restitutionsfluid hilft heute auch so manchem verspannten »Autofahrer-Rücken«. Ein Zeichen für seine Verbindung zum Pferd ist auch eine der ältesten Marken des Unternehmens, die so genannte »Rösselmarke«, die seit dem Jahre 1853 von F. Joh. Kwizda verwendet wird.
Kwizda's Korneuburger Viehpulver und Schweinepulver hatten als diätetische Präparate seinerzeit vielfach im Inland Verwendung gefunden und wurden mit Erfolg exportiert.
Die pharmazeutische Erzeugung, das Herz des Unternehmens, war von Beginn an mit der noch heute im Familienbesitz befindlichen Kreisapotheke »Zum Adler« auf dem Korneuburger Hauptplatz verbunden, die schon im Jahre 1628 urkundlich Erwähnung fand, wenn auch ihre Geschichte weiter zurückreichen dürfte.
Während der Amtstätigkeit von Mag. Kwizda als Bürgermeister wurden in Korneuburg von der Stadtgemeinde ein großes Krankenhaus, eine Kinderbewahr- und eine Erziehungsanstalt sowie ein Militärspital errichtet. Durch viele Jahre hatte er weiters das Ehrenamt als Gremialvorsteher des Apothekergremiums »Viertel unter dem Manhartsberg« inne.
Die Erzeugnisse des Unternehmens fanden schon zur Zeit des Apothekers Franz Johann Kwizda über die Grenzen der österreichisch-ungarischen Monarchie hinaus Verbreitung. Im Jahr 1877 wurde er zum »k.k. Hoflieferanten für Veterinär-Produkte« ernannt. Aus dieser Erzeugung entwickelte sich später die Sparte der Human-Pharmazeutika.
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| Altbundeskanzler, Landeshauptmann DDDr. h. c. Dipl.-Ing. Leopold Figl im Hause Kwizda anlässlich der Verleihung des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich an Generalkonsul Kom.-Rat Dr. et Mag. pharm. Richard Kwizda (v.li.: Dr. Kwizda, Hilde Figl, Kom.-Rat Risa Kwizda, Dr. Figl) |
Entwicklung
Die Nachfolge in der Firma F. Joh. Kwizda, Chem. Fabrik, übernahm der dritte Sohn, Mag. pharm. Dipl.-Tierarzt Julius Kwizda, im Jahre 1888. Er hatte an der Universität Wien Pharmazie und am damaligen k. k. Militär-Tierarznei-Institut in Wien Tierheilkunde studiert. Vor der Übernahme des väterlichen Unternehmens übte Mag. Julius Kwizda den Apothekerberuf durch mehrere Jahre in den Hofapotheken in Rom und Baden-Baden aus und sammelte dort Erfahrungen. Dann trat er in das väterliche Geschäft als Provisor der Apotheke ein und wurde gleichzeitig mit seinem Bruder Dr. iur. Franz Kwizda im Jahre 1886 Gesellschafter der Firma.
Durch weitblickende Geschäftsführung und Erweiterung der Erzeugnispalette durch Julius Kwizda expandierte in den darauf folgenden Jahren das Unternehmen. Die schon von seinem Vater aufgenommenen Exportverbindungen weitete er aus. Die Zuerkennung des Grand Prix auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 war ein Höhepunkt in der Firmengeschichte.
In Verbindung mit dem Tierarzt Johann Friedl der Freiwilligen Feuerwehr Wien entwickelte Julius Kwizda die »Kwizda-Patentfesselstreifbänder für Pferde« sowie weitere Formen von Pferdefesselschützern. Darüber hinaus gründete er den »Volksbildungsverein« und eine »Volksbibliothek«.
Dann folgten die harten Jahre des Ersten Weltkrieges 1914 bis 1918 mit dem Zusammenbruch der Monarchie, der das allgemeine Wirtschaftsleben und auch die Firma Kwizda aufs schwerste erschütterte. Mag. pharm. Julius Kwizda überlebte diesen Tiefpunkt der Firma nur um wenige Jahre.
Kwizdas Restitutionsfluid & Adolorin®
Seinem Sohn und Nachfolger Richard Kwizda hinterließ er wohl einen nach wie vor klingenden Namen, aber das Unternehmen befand sich in einer Situation, wie sie der wirtschaftlichen Lage des Staates nach der Auflösung der Monarchie entsprach.
Richard Kwizda studierte an der Montanistischen Hochschule in Leoben. Als jedoch sein Bruder Julius sich der juristischen Laufbahn zuwandte er hatte an der Universität Wien zum Magister der Pharmazie spondiert und wurde an dieser Universität zum Doktor der Philosophie sowie zum Doktor der Rechte promoviert , nachdem schon vorher sein ältester Bruder Franz Julius die Verwaltungslaufbahn eingeschlagen hatte, war nun Richard Kwizda die Aufgabe zugefallen, das väterliche Unternehmen weiterzuführen. Dies erforderte zwangsläufig, das technische Studium aufzugeben. Er studierte an der Universität Wien Pharmazie und Chemie und wurde später an der Universität Innsbruck zum Doktor der Philosophie promoviert.
In den nächsten Jahrzehnten gelang es der Firma, als reines Familienunternehmen den Umsatz des Betriebes indexbereinigt um das rund 600-Fache zu steigern. Die erste wichtige Entscheidung, die Mag. pharm. Richard Kwizda im Einvernehmen mit dem Österreichischen Apothekerverein im Jahre 1924 traf, war auf dem pharmazeutischen Sektor die Schaffung der Spezialität »Rheumafluid Kwizda« (Linimentum Caps. comp.). Das alte, noch aus der Zeit Julius' stammende, frei verkäufliche Präparat »Kwizda's Fluid Marke Schlange« (Touristenfluid) blieb unverändert.
Ein weiterer Meilenstein war das Analgetikum und Antipyretikum Adolorin®; ihm liegt eine in Österreich vom Neurologen Univ.-Prof. Dr. Otto Marburg, Vorstand des Neurologischen Instituts der Universität Wien, viel verwendete Arzneikombination zugrunde, die sich schon vor 1930 in medizinischen Fachkreisen eingebürgert hatte, und die mit einem von Univ.-Prof. Dr. Ernst Philippi, Vorstand des Chemischen Instituts der Universität Innsbruck, neu für die Großerzeugung synthetisierten Sedativum kombiniert wurde.
Mit diesen beiden Großerfolgen leitete Dr. et Mag. pharm. Richard Kwizda einen steilen Aufstieg des Unternehmens ein. Der Apothekertradition seines Hauses entsprechend, galt das Aufbauwerk zunächst dem pharmazeutischen Sektor. Ein besonderer Erfolg in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war die Schaffung des Organo-Heparinoids Hirudoid®. Darüber hinaus sicherte sich Richard Kwizda aber auch die Zusammenarbeit mit pharmazeutischen Weltfirmen wie Eli Lilly und Comp., John Wyeth & Brother Ltd. u.a.
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Richard P. Kwizda (li.) und Johann F. Kwizda
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Neu im Pflanzenschutz
Ein neuer Erzeugungszweig für das Unternehmen wurde mit der Schaffung einer Pflanzenschutzabteilung im Jahre 1926 erschlossen. Die Erweiterung fällt in eine Zeit, in der weltweit die Ganzheitsforschung in der Pflanzenpathologie die spezialisierte Parasitenforschung verdrängt hatte und weniger Wert auf Einzelerkenntnisse als vielmehr auf die Betrachtung des ganzen Lebenskreises der Pflanzen gelegt wurde. Nicht allein die Pflanzenparasiten als solche bildeten den Gegenstand der Forschung, sondern auch die ökologischen Zusammenhänge zwischen Pflanze und Umwelt. Diese Forschungsrichtung, die den Pflanzenschutz zu einer selbstständigen Wissenschaft gestaltete, gab diesem einen gewaltigen Auftrieb und führte zur Entwicklung vieler neuer Methoden in der Bekämpfung von Pflanzenschädlingen.
Das Stammhaus der Firma F. Joh. Kwizda liegt in einem landwirtschaftlichen Produktionsgebiet, das als »Kornkammer Österreichs« bezeichnet wird. Es überrascht daher nicht, dass es die Bekämpfung einer Getreidekrankheit war, die Richard Kwizda als erstes Pflanzenschutzproblem interessierte, und die die erste österreichische Erzeugung eines Saatgutbeizmittels, nämlich Abavit®, mit sich brachte. Es folgten viele weitere Produkte oft in enger Zusammenarbeit mit Firmen wie Geigy, Schering etc.
Holzschutz
Die Arbeiten des Unternehmens auf dem Gebiet des Pflanzenschutzes und der Schädlingsbekämpfung fanden ihre Ergänzung durch die Ausweitung auf den Holzschutzsektor. Es erfolgte die Gründung der Österreichischen Holzschutzgesellschaft m.b.H. im Jahre 1954 als Organschaftsunternehmen der Firma F. Joh. Kwizda, wobei in allen Fragen des Holzschutzes, insbesondere der Bekämpfung des Hausschwammes, eng mit dem Institut für Biochemie an der Technischen Hochschule in Graz zusammen gearbeitet wurde.
Die Lignal®-Holzschutzmittel wurden etwa auch zur Rettung des Hochaltars des Gurker Domes, eines der schönsten Barockdenkmäler Österreichs, eingesetzt, der von Anobien bereits so stark angegriffen war, dass er einzustürzen drohte.
Die erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Nach 1945 wurde der Neuaufbau der durch Kriegseinwirkungen zerstörten Forschungs-, Erzeugungs-, Lager- und Verwaltungsgebäude vorgenommen. Die Versuchswirtschaft »Gut Sonnhof« in St. Veit an der Gölsen diente zur Erprobung von Agrarchemikalien. In den Achtzigerjahren wurde in Wien ein Werk für die Pharmaproduktion (RX, OTX, OTC) und Kosmetik sowie ein Pharmagroßhandelszentrum neu errichtet.
Modernisierung
Die Unternehmensgruppe Kwizda wird seit 1978 also seit 25 Jahren von Generalkonsul Dr. Johann F. Kwizda und Generalkonsul Mag. pharm. Richard P. Kwizda als geschäftsführenden Gesellschaftern geleitet.
Zentrum der Pharma-Produktion der Divison Pharma ist das neu errichtete Werk in Wien 16, Effingergasse 21. In dieser Betriebsstätte wird das gesamte Portfolio der im eigenen Haus entwickelten Pharmazeutika hergestellt. Von hier werden auch sämtliche in- und ausländischen Vertriebsaktivitäten gesteuert. Zum Vertrieb der Kwizda Arzneimittel in Deutschland und der Schweiz wurden eigene Gesellschaften gegründet.
Kwizda ist zum Teil seit Jahrzehnten auch Vertriebspartner internationaler Hersteller wie der Sankyo-Luitpold-Gruppe und Biogen. Im Rahmen dieses Geschäftsbereichs haben rund 150 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz; es wird ein Umsatz von über 45 Mio. Euro erwirtschaftet.
Vom selben Standort aus werden auch die Kosmetikvertriebs- und Marketingaktivitäten gesteuert.
Großhandel
Der Kwizda Pharma-Handel verfügt über fünf Niederlassungen in Österreich, und zwar in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck, sowie ein Verkaufsbüro in Villach. Von diesen Niederlassungen aus erfolgt die Belieferung von Apotheken, Hausapotheken führenden Ärzten und Spitälern in ganz Österreich. Im Rahmen dieses Geschäftsbereiches werden rund 275 Mitarbeiter beschäftigt, und es wird ein Umsatz von rund 300 Mio. Euro erwirtschaftet.

Expansion
Im Jahr 1980 wurde zur Produktion von Agro-Sciences-Produkten ein neues Werk in Leobendorf bei Korneuburg in Betrieb genommen und seither laufend erweitert.
Mit Kwizda-eigenem Know-how ist es mit Unterstützung des Forschungsförderungsfonds und in weiterer Folge des Innovations- und Technologiefonds gelungen, die ersten wasserlöslichen Granulate für den Bereich Agro erstmals in Österreich herzustellen. Hier werden nach ökologischen Gesichtspunkten Pflanzenschutzpräparate erzeugt, die den Anforderungen des integrierten Pflanzenbaus entsprechen.
Im Jahr 1994 wurde die Gartenhilfe Linz erworben und im Jahr 1998 die Euflor München.
2000 hat Kwizda von Nestlé Österreich das Unternehmen Sarea in Marchtrenk erworben.
Mit Jahresbeginn 2003 wurde das Unternehmen Mayrhofer Pharmazeutika, Linz, erworben. Mayrhofer ist Pharma-Produzent (Schwerpunkt Infusionen), Pharma-Großhändler (Schwerpunkt Hausapothekenbelieferung), Pharmalogistiker für in- und ausländische Pharma-Unternehmen und erzielt mit 240 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 230 Mio. Euro.
Ein weiterer Bereich der Firma umfasst die Aktivitäten des Unternehmens Büsscher & Hoffmann. Gegründet 1852 in Berlin, produziert die Konzerngesellschaft Büsscher & Hoffmann seit über 75 Jahren in Enns Dach- und Abdichtungsbahnen zum Schutz von Bauwerken gegen Wetter- und Umwelteinflüsse. Weitere Niederlassungen des Unternehmens befinden sich in Wien, Korneuburg und Lannach sowie in Brünn, Prag, Budweis, Krakau, Kulmbach, Budapest und Cluj.
Das Verwaltungszentrum der Firma Kwizda für zentrale Dienste wie Human Resources, Finance, Controlling und IT befindet sich am Stammsitz der Unternehmensgruppe in Wien 1 und beschäftigt über 60 Mitarbeiter.
Mit Oktober 2003 wurde im Geschäftsbereich Pharmahandel Österreich übrigens eine neue Management-Struktur etabliert:
Divisionsleiter: Direktor Alfred Panholzer
Leiter Marketing: Mag. pharm. Andreas Berger
Leiter Logistik: Dkfm. Michael Wippich
Leiter Controlling: Mag. Christiph Mißbichler
2002 hat die Unternehmensgruppe Kwizda mit rund 920 Mitarbeitern einen Umsatz von 453 Mio. Euro erzielt. Im Jahr 2003 wird mit über 1.111 Mitarbeitern ein Umsatz von mehr als 666 Mio. Euro erwirtschaftet werden. Alle drei Geschäftsbereiche sind ISO-zertifiziert.
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