ÖAZ Aktuell (Ausgabe 18/2003)

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Großer Markt: 2004: inhalierbares Insulin? Neue Therapie: Morbus Bechterew AstraZeneca: Möglicher Blockbuster

Großer Markt

2004: inhalierbares Insulin?

Mehr als 2 Milliarden Euro groß war 2001 der europäische Antidiabetika-Markt. Davon entfielen 62,1 Prozent auf Insulin. Bis 2009 wird das Gesamtvolumen auf rund 3,8 Milliarden Euro ansteigen. Für diesen großen Markt lohnt sich die Suche nach Alternativen zur Injektion. Bereits Ende 2004 soll das erste Inhalationsinsulin auf den Markt kommen. Als erstes wird gegenwärtig das Produkt Exubera bei Aventis und Pfizer getestet. Falls die Ergebnisse negativ sind, wäre das ein Rückschlag für inhalierbares Insulin insgesamt.
Novo Nordisk und Aradigm wollen Anfang 2006 unter der Bezeichnung AERx insulin Diabetes Management System (iDMS) mit einem elektronischen System für inhalierbares Insulin auf den Markt kommen. Ein drittes Inhalationsverabreichungssystem ist von Eli Lilly. Weitere Produkte sind noch in der Testphase.
Eine Umsatzprognose für inhalierbares Insulin ist noch schwierig, da auch andere nichtinvasive Verabreichungstechnologien entwickelt werden: Orales Insulin könnte die Inhalationsverabreichung überflüssig machen.

Auch die Typ-II-Therapie entwickelt sich weiter
Ebenfalls von Bedeutung ist die weitere Entwicklung der Therapie von Typ II-Diabetes. Hier kommen die oralen Antidiabetika zur Anwendung, die die übrigen 37,9 Prozent des Gesamtmarktes 2001 ausmachen. Eine Ausweitung der Insulintherapie für Typ II-Diabetiker würde zusätzliche Chancen für inhalierbares Insulin schaffen, neue Therapien jenseits von Insulin wie GLP-1 sein Potenzial schmälern. Den Insulinmarkt haben Novo Nordisk und Eli Lilly mit zusammen 77,7 Prozent Marktanteil fest im Griff. Die Einführung neuer Analoga und eine größere Verbreitung der vorhandenen Produkte werden den Insulinabsatz weiter steigen lassen.
Inhalierbares Insulin wird in Europa wahrscheinlich nicht zur Methode der Wahl werden, weil Preis, Probleme mit Wirksamkeit, Sicherheit und genauer Dosierung und die fehlende Möglichkeit, Basalinsulin zu verabreichen, der breiteren Einführung entgegenstehen, sagt eine aktuelle Studie. Auf Patientenseite dürfte das Interesse jedoch groß sein: Ein Teil der Patienten könnte sogar bereit sein, zusätzliche Kosten selbst zu übernehmen.

Europamarkt für inhalierbares Insulin
Umsatzprognose bis 2009
Angaben in Millionen US-Dollar
Jahr Umsätze Jahr Umsätze
2004 28,5 2007 222,7
2005 86,2 2008 296,4
2006 150,6 2009 378,7
Quelle: Frost & Sullivan Report 3724 (11/02)

Neue Therapie

Morbus Bechterew

Mit einer neuen Therapie von Morbus Bechterew werden erstmals nicht nur die Symptome, sondern auch die Krankheitsursachen bekämpft.
"Die Zulassung von Remicade® (Wirkstoff: Infliximab) von Aesca stellt einen großen Fortschritt in der Behandlung des Morbus Bechterew dar", sagt Univ.-Prof. Dr. Josef Smolen, Leiter der klinischen Abteilung für Rheumatologie am Wiener AKH. 50.000 Menschen leiden in Österreich an dieser entzündlichen rheumatischen Erkrankung, bei der es im schlimmsten Fall zu einer Versteifung der Wirbelsäule kommt. Eine Heilung dieser Krankheit war bisher nicht möglich: Mit physikalischer Therapie, nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Schmerzmitteln konnten nur die Symptome behandelt werden. "Erstmals steht nun den Patienten eine Therapie zur Verfügung, die gezielt in den Krankheitsverlauf eingreift, den Patienten zu einer schnellen und lange andauernden Schmerzfreiheit verhilft und die entzündliche Krankheitsaktivität anhaltend kontrolliert", erklärt Prof. Smolen die Vorteile der neuen Therapie.
Das neue Präparat bindet gezielt den Stoff (Zytokin TNF-alpha), der die schmerzhaften Entzündungen auslöst. Eine erste Studie vor drei Jahren hat auch tatsächlich bewiesen, dass Infliximab bei Morbus Bechterew hochwirksam ist. Nach drei Behandlungsmonaten kommt es bei über 50 % der behandelten Patienten zu einer Verbesserung der Symptome und Beschwerden um über 50%. Dabei bessern sich vor allem Rückenschmerzen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule.

Junge Patienten
"Die ersten Symptome treten am häufigsten zwischen dem 20. und dem 35. Lebensjahr auf, das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 26 Jahren", so Prim. Univ.-Prof. Dr. Hans Bröll, Vorstand der Abteilung für Rheumatologie und Osteologie am Kaiser Franz Josef-Spital und Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Rheumatologie und Balneologie.
Ein typisches Symptom des Morbus ist der sogenannte Nachtschmerz: die Patienten wachen mitten in der Nacht aufgrund sehr starker Rückenschmerzen auf, die sich nur durch Aufstehen und Bewegung bessern.
Prof. Bröll: "Eine frühe Diagnose und eine individuelle Therapie sind ganz besonders wichtig, nur so kann jungen Menschen geholfen werden."

AstraZeneca

Möglicher Blockbuster

Der britisch-schwedische Pharma-Konzern AstraZeneca hat nach Angaben der Behörden die Zulassung für sein Cholesterin senkendes Medikament »Crestor« erhalten. Das Medikament gilt als künftiger »Blockbuster« mit Milliarden-Umsatz. An die Markteinführung von »Crestor« knüpft AstraZeneca große Erwartungen. Die vor kurzem von der US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte Genehmigung war erwartet worden, nachdem sich zuvor ein Beraterausschuss für die Zulassung des Präparats ausgesprochen hatte.
Damit kann AstraZeneca mit dem Verkauf in wenigen Wochen beginnen. In Branchenkreisen wird dem Blockbuster-Medikament ein Verkaufsvolumen von 3 Milliarden Dollar im Jahr vorausgesagt. Crestor wird bereits in Kanada und einigen europäischen Ländern angeboten.

(Näheres: demnächst in der ÖAZ.)

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