Magnetresonanz schlägt Mammographie
Brustkrebs-Vorsorge
Bei der Brustkrebs-Früherkennung von Risikopatientinnen ist die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) das mit Abstand beste und sicherste Verfahren.
Mithilfe der MRT entdeckten Mediziner an der Universität Bonn nach eigenen Angaben 96 Prozent aller Brusttumoren. Bei der Mammographie betrug die Trefferquote dagegen lediglich 42 Prozent, beim Ultraschall 47 Prozent. Als Konsequenz aus diesem überraschend klaren Ergebnis fordern die Wissenschafter, die MRT an Stelle der Mammographie künftig als Standard-Untersuchungsmethode bei Frauen mit familiär gehäuftem Brustkrebs einzusetzen.
In Deutschland wie auch in Österreich ist das Mammakarzinom die häufigste Krebserkrankung von Frauen. Für knapp ein Drittel der Patientinnen endet das Leiden tödlich obwohl dieser Tumor bei rechtzeitiger Diagnose geheilt werden kann. Etwa vier bis neun Prozent aller Brustkrebsfälle haben genetische Ursachen.
Auslöser sind meist Schäden in Erbanlagen, die normalerweise verhindern, dass sich eine krankhaft veränderte Zelle zu einem Tumor entwickelt. Als besonders gefährdet gelten daher Frauen mit nahen Verwandten, die schon in jungen Jahren Brustkrebs bekamen oder in deren Familien die Krankheit gehäuft auftritt. Ärzte empfehlen für diese Frauen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen spätestens ab einem Alter von 30 Jahren.
Die Mediziner der Bonner Uniklinik hatten zwischen 1996 und 2001 462 solcher Risikopatientinnen mit Hilfe von MRT, Mammographie und Ultraschall untersucht. Insgesamt entdeckten sie 51 Brusttumore, von denen lediglich jeder vierte tastbar war. Die Magnetresonanz-Tomographie war nach Angaben der Experten nicht nur mit weitem Abstand am empfindlichsten, sondern lieferte auch die wenigsten falschen Befunde:
In mehr als 54 Prozent aller Verdachtsfälle fanden die Ärzte bei der Gewebeentnahme tatsächlich einen Tumor. Bei der Mammographie betrug der Vorhersagewert nur 26 Prozent, und beim Ultraschall lag nur bei 16 Prozent der Verdachtsfälle tatsächlich ein Karzinom vor.
"Beim Screening von Patienten mit familiär gehäuftem Brustkrebs sollte die MRT die Mammographie ablösen", empfiehlt daher die Leiterin der Studie, Christiane Kuhl. Und dies nicht nur wegen der höheren Empfindlichkeit: Die Mammographie mache Tumore mit niedrig dosierter Röntgenstrahlung sichtbar. Für Risikopatientinnen mit Genmutationen seien auch diese geringen Strahlendosen nicht ohne Gefahr, betont die Medizinerin: "Da sich diese Frauen zudem schon sehr früh einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung unterziehen, sind sie im Laufe ihres Lebens einer höheren Röntgendosis ausgesetzt und das, obwohl man gerade ihnen so wenig Strahlung wie möglich zumuten sollte."
Brustkrebs ist nicht nur Frauensache
Doch Brustkrebs ist nicht nur eine reine Frauensache. Auch Männer verfügen über eine kleine Brustdrüse, in der sich ein Tumor entwickeln kann. "Jährlich wird bundesweit bei bis zu 400 Männern Brustkrebs festgestellt", sagt Manfred Kaufmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Uniklinikum Frankfurt/Main.
Auch wenn die Krankheitsursachen bei beiden Geschlechtern gleich seien, gebe es einen wichtigen Unterschied: "Die Diagnose wird bei Männern eher noch verschleppt", betont Kaufmann.
Denn nicht nur das vermeintlich starke Geschlecht, sondern auch viele Ärzte dächten bei Auffälligkeiten an der Brust zu selten an einen Tumor. Die Folge sei, dass die bösartige Krankheit oft spät entdeckt werde und sich damit die Heilungschancen verringerten.
Knoten in der Brust, farbliche Veränderungen an der Brust, Blutungen an der Warze, ein Ekzem oder auch eine eingefallene Brustwarze können Kaufmann zufolge Hinweise auf eine Tumorerkrankung sein. Oft bestehe ein Knoten aber nur aus harmlosem Fett. Um die Diagnose zu untermauern, können daher eine Mammographie und eine Gewebeprobe angebracht sein.
"Das Behandlungsspektrum umfasst neben der Operation und der Lymphknotenentfernung auch die Strahlenbehandlung, die Chemotherapie und die Gabe von Antiöstrogenen", sagt Kaufmann. Jede Therapie habe dabei unterschiedliche Nebenwirkungen. Die Antiöstrogene können zu typischen Wechseljahrebeschwerden mit plötzlichen Schweißausbrüchen führen.
Die Ursachen für eine Brustkrebserkrankung sind bei Männern und Frauen gleich. "Mit zunehmenden Alter ab 50 erhöht sich bei beiden Geschlechtern das Tumorrisiko", sagt Kaufmann. Außerdem könnten hormonelle Veränderung und Erbfaktoren bei der Entstehung einer Brustkrebserkrankung eine Rolle spielen. In fünf bis zehn Prozent aller Fälle sind nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg die Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 für die Erkrankung wesentlich mitverantwortlich. Die Genmutationen führten beim Mann auch zu einem leicht erhöhten Prostatakrebsrisiko.