|
|
 |
| Graz das Resowi-Zentrum der Universität war Veranstaltungsort eines der interessantesten, qualitativ hochwertigen und zukunftsweisenden Kongresse der Homöopathie. Jene wunderschöne Stadt, voll von Kunst- und Kulturaktivitäten, inspiriert durch Dynamik, und animiert doch zum Verweilen und Besinnen. |
Mag. pharm. Ilse Muchitsch
Ligakongress Graz 2003
Homeopathy bridging the Gap
Meilenstein. In Graz, der Kulturhauptstadt Europas, trafen Menschen einander, die sich mit einem der spektakulärsten und umstrittensten Themen der Medizin und Pharmazie auseinander setzten, mit Homöopathie. Zweihundert Jahre Geschichte einer traditionellen Therapieform standen der Herausforderung moderner Medizin und Pharmazie gegenüber. Kann Homöopathie halten, was sie verspricht? Was wissen wir über ihre verschiedenen internationalen Therapieformen, Denkansätze, Einsatzgebiete und Schulen? Welche neuen naturwissenschaftlichen Erklärungsmodelle gibt es? Welchen Stellenwert haben Apotheker und Pharmazie in dieser Disziplin?

 |
|
Mag. pharm. Ilse Muchitsch
|
"Let homeopathy be our bridge!" Mit diesen Einleitungsworten von Gloria Kozel, der Organisatorin des 58th Congress Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis, stellte sie sich selbst, das Team der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin und alle Teilnehmer vor eine große Aufgabe. Homöopathie mit der Symbolik des Brückenbauens zu skizzieren bedeutet Ufer zu kennen, Strömungsparameter des Flusses zu berücksichtigen und den Mut zu besitzen, sich auch Erschütterungen auszusetzen, aber auch auf die Gewissheit zu vertrauen, starke Partner an der Seite zu haben. Die moderne und beeindruckende Architektur der Murinsel, von Vito Acconci erbaut, als einem der architektonischen Höhepunkte der Kulturhauptstadt Graz, stellt ein Symbol dar, das hervorragend mit der Situation der Homöopathie in der Gegenwart in Verbindung gebracht werden kann. Die künstliche Insel ist eine Verbindung zur Grazer Altstadt, trägt aber die Architektur der Gegenwart; sie verbindet stabiles Festland mit fließendem Gewässer auf moderne, belebende Art. Homöopathie, in ihren Grundzügen auf der Hahnemannschen Lehre basierend, hat den Schritt in die Zukunft souverän gemeistert und ist aus unserem Gesundheitsalltag nicht mehr wegzudenken. Die »Brücke Homöopathie«, an einem Ufer in den historischen Traditionen Hahnemanns verankert, hat das Ufer der »state of the art« von Medizin und Pharmazie des neuen Jahrtausends erreicht.
Klischees, wie die generalisierte Placebodarstellung oder die Harmlosigkeit einer Phytotherapie sollten gerade von uns Pharmazeuten widerlegt werden.
 |
|
Univ.-Prof. Dr. Maximillian Gottschlich
|
Homöopathie wird von Millionen Menschen weltweit in Anspruch genommen. Homöopathie ist eine der innovativsten Therapierichtungen, wobei wir erst am Anfang der Forschung bezüglich Wirkmechanismen und neuen Therapieeinsätzen stehen. In Graz wurden Meilensteine für die Zukunft gelegt jetzt heißt es bewusst und zielgerichtet diesen Weg zu gehen.
Brücken bauen zwischen ca. 600 Teilnehmern aus 5 Kontinenten, aus 36 Nationen bedeutet eine gewaltige Herausforderung. Brücken bauen im verbalen Sinn bedarf auch der Diplomatie und der perfekten Kommunikation, wie Maximillian Gottschlich in seiner beeindruckenden »Ceremonial Address« dem internationalen Publikum verdeutlichte.
»Ähnlichkeit als Kommunikationsprinzip«
Die moderne Medizin ist zwar reich an wissenschaftlichen und technischen Leistungen, aber arm an menschlichen, kommunikativen Beziehungen. Immer mehr Patienten klagen über ein gefühlloses, inhumanes Medizinsystem, das auf die subjektiven seelischen und kommunikativen Bedürfnisse keine Rücksicht nimmt und dem die Sprache des Leids fremd geworden ist. Aber auch immer mehr Ärzte leiden unter dem krank machenden Kommunikationsverlust eines oft anonymen, lediglich an ökonomischer Effizienz orientierten Medizinbetriebs. Die empirischen Befunde zum wachsenden Vertrauensverlust in der Medizin signalisieren: Die technisch hochgerüstete und hochbürokratisierte Schulmedizin ist den Menschen fremd geworden und sie ist damit sich selbst fremd geworden.
Im Zustand der Entfremdung vom Patienten aber verkommt die ärztliche Funktion zur bloßen Inszenierung oder zur austauschbaren rhetorischen Figur und verliert damit ihr eigentliches heilendes Potenzial.
Heilen ist ein Vorgang existenzieller Kommunikation.
Heilen aber ist ein Vorgang existenzieller Kommunikation einer Kommunikation, die jenseits von Worten das ganze Sein des Arztes und das ganze Sein des Patienten umfasst und zum Ausdruck und Medium der schöpferischen Beziehung zwischen beiden wird. Dieser Heil stiftende Vorgang existenzieller Kommunikation beruht nicht auf dem Prinzip einer wie immer gearteten Rollendifferenz zwischen Arzt und Patient, sondern auf dem Prinzip der Ähnlichkeit und dem Bewusstsein dieser Ähnlichkeit. Der Arzt muss sich im Patienten wiederfinden, die Ähnlichkeit im Patienten entdecken. Die tiefste Form der Ähnlichkeit liegt im Erkennen der gemeinsamen Verwundung, im Erkennen also des Umstandes, dass auch der Arzt existenziell bedürftig ist. In diesem Bewusstsein entsteht eine Solidarität, ohne die wahrhafte Heilung nicht möglich ist. Und erst aus dieser Solidarität strömt jenes aktive Mitleid, das beide, Arzt und Patient, in die gemeinsame Verantwortung für Heil und Heilung einbindet. Nur so wird auch Empathie und empathische Kommunikation, die Anteil nimmt am Leid des anderen, möglich nur so verbindet sich auch die heilsame Kraft der Arzneien mit der heilsamen Kraft des Wortes
Die zwischenmenschliche Begegnung ist für uns Apotheker Schlüsselstelle für unsere Tätigkeit in Apotheken, Krankenanstalten und Industrie. Ohne das richtige Wort, ohne verstehendes Zuhören, ohne empathische Geste finden wir den Zugang zu unseren Patienten und Kunden nicht.
 |
|
Mag. pharm. Robert Müntz
|
Homöopathie als Drehscheibe des Verstehens?
"Die heilsame Kraft der Worte"
diese Aufforderung gilt auch uns Apothekern, da wir als Drehscheibe zwischen Arzt und Patienten fungieren und oft Ansprechpartner Nummer 1 auch in Anliegen der Homöopathie sind.
Die Eröffnungsfeier sollte einen Qualitätsanspruch vermitteln, der über den gesamten Kongress beibehalten wurde. Die Eindrücke internationaler Begegnungen der Eröffnungsreden wurden über die liebevoll arrangierten Rahmenbedingungen verstärkt.
Die wunderschöne Musik unseres Kollegen Robert Müntz mit seinen selbstgebauten Instrumenten begeisterte das internationale Publikum.
Kulinarische »high lights« gaben dem Kongress eine österreichische Note der Gastfreundschaft. Nach den freundlichen Eröffnungsreden des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl, der die wunderschöne Kulturstadt auch als »Gesundheitsstadt« bezeichnete, nach Susanne Stoeckl-Gibs' Wunsch, die Liga Tagung als Tage der Freude und Anerkennung zu erleben, riefen sowohl Carlos Amengual (Spanien) als auch Xiaorui Zhang (WHO, Genf) zur Bewusstwerdung der Gesundheit für alle Menschen auf. Aids, Krebs, SARS, um nur einige der großen medizinischen Sorgen zu nennen, sind Herausforderungen an die Homöopathie, denen es sich zu stellen gilt. Qualitätskontrollen, Sicherheit und Wirksamkeit von Therapien und Arzneimitteln sind Schwerpunkte im WHO-Programm.
Der internationale homöopathische Handel expandiert, die EU-Erweiterung erschließt neue Märkte, die Nachfrage nach komplementären Zusatztherapien seitens der Patienten steigt rapide. In den letzten Jahren ist ein bedeutender Verständniswandel bezüglich der Wirkmechanismen eingetreten. Das Klischee, Homöopathie als »Blümchenkugerln« nach dem Motto »hilft's nichts, so schad's nichts« einzuordnen, ist längst obsolet.
Homöopathische Erklärungsmodelle zielen in Richtung höchst moderner »high-tech«-Informationen in Bereiche der Quantenphysik und Informationsübertragung. Homöopathie stellt eine Herausforderung interdisziplinären Denkens dar, die in ihren Grundfesten die Ausbildungsschwerpunkte eines Pharmazie- und Medizinstudiums einfordert.
Doch alle Internationalität der Homöopathie begann mit einem historischen Ereignis, wie Leopold Drexler erzählte:
"Die Geschichte der Homöopathie in Österreich beginnt mit Hahnemann selbst, der 1777 für neun Monate zum Studium nach Wien geht und bei dem damals schon weit bekannten Hofarzt Quarin (17331814) im »Krankenhaus der Barmherzigen Brüder« und in Quarins Privatpraxis erstmals die Behandlung kranker Menschen miterleben darf. 'Dem großen praktischen Genie, dem Leibarzt Quarin, verdanke ich, was Arzt an mir genannt werden kann', schreibt später Hahnemann."
Theorie des Dr. Hahnemann
(
) Dieser lehret nämlich: dass der millionste Teil einer angedeuteten kräftigen Arzenei gerade die vollkommenste Wirkung hervorbringe und jeden Menschen zur höchsten Gesundheit sogleich wieder herstelle. (
) und ich glaube jetzt eifriger denn je an die Lehre des wundersamen Arztes, seitdem ich die Wirkung einer allerkleinsten Gabe so lebhaft gefühlt und immer wieder empfinde.*
Goethe an Marianne v. Willemer,
2. September 1820
* Herzlichen Dank an Dr. iur. Hans Steindl, der uns diese Zeilen »zur allfälligen Verwendung« zur Verfügung gestellt hat.
|
Als Hauptthemen des Kongresses wurden »Familien homöopathischer Arzneien«, »Der homöopathische Hausarzt«, »Vorträge für Pharmazeuten und Veterinärmediziner«, »Integration der Homöopathie in das öffentliche Gesundheitssystem«, sowie »Forschung« und »Arzneimittelprüfungen« genannt.
In ca. 70 Vorträgen wurde eine umfangreiche Palette an Information vermittelt. 17 Posterpräsentationen und Buchpräsentationen gaben die Möglichkeit des persönlichen Gespräches und der regen Diskussion.
Auch das Abendprogramm gestaltete sich abwechslungsreich: Willkommensveranstaltung, Kerzenlichtbuffet mit Musik, steirisches Buffet, Weinverkostung und als ganz besonderer Höhepunkt: ein zauberhafter Ball, ganz nach österreichischer Tradition, der von allen, besonders den ausländischen Gästen, als unvergessliche Erinnerung an Graz gelobt wurde.
Um die umfangreichen Informationen zu straffen, werde ich jene Vorträge oder statements kurz beschreiben, die den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen haben.
 |
Die Acconci-Insel als Symbol für den gegenwärtigen Status der Homöopathie.
Foto: Elvira Klamminger |
Die Wiener Schule
Mira Dorcsi-Ulrich/Kinderheilkunde sprach über Vision und Realität Integration der Homöopathie in die Universitätskinderklinik in München.
Historisch betrachtet war das Dr. von Haunersche Kinderspital die erste Kinderklinik in Bayern und eine der ersten in ganz Deutschland. Sie wurde von Dr. von Hauner im Jahre 1846 zur Versorgung armer und kranker Kinder gegründet. Das Dr. von Haunersche Kinderspital hat in vielen Bereichen eine Schrittmacherfunktion für die Pädiatrie übernommen. Das gilt auch für die neuere Zeit:
So wurde im Dr. von Haunerschen Kinderspital die erste Bronchoskopie beim Kind in Deutschland durchgeführt, ebenso fand hier die erste Knochenmarktransplantation beim Kind statt. Hier wurde das moderne Neugeborenen-Screening entwickelt, das seit dem Jahr 2000 bei jedem Neugeborenen in Deutschland durchgeführt wird. In wenigen Tropfen Kapillarblut wird das Baby auf über 25 Stoffwechselerkrankungen untersucht.
 |
| Der gesellschaftliche Höhepunkt des Grazer Kongresses: Ein Ball nach österreichischer Tradition |
Modellprojekt »Homöopathie in der Pädiatrie«
Unter der Supervision von Mathias Dorcsi und Mira Dorcsi-Ulrich erklärte sich die Karl und Veronica Carstens-Stiftung in Essen bereit, dieses Projekt zu finanzieren. Das Modellprojekt »Homöopathie in der Pädiatrie« konnte also am 1. April 1995 im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Universität München beginnen.
Eines der Anliegen war es, eine klare didaktische Schule der Homöopathie zu vermitteln, die einsehbar und nachvollziehbar war für andere Ärzte, die mit der homöopathischen Heilmethode bisher keinen Kontakt hatten. Diese Ärzte konnten bei konkreten Problemen am Krankenbett die homöopathische Therapie beobachten, kritisch beurteilen und neugierig verfolgen.
Was ist das Besondere an der »Wiener Schule der Homöopathie nach Mathias Dorcsi«?
Konstitution und Diathese sind zentrale Gedanken in der Wiener Schule nach Mathias Dorcsi, um den Patienten in seiner Ganzheit als Individuum zu erfassen.
Die Wiener Schule sieht im phänomenologischen Zugang zum Patienten ihren synthetischen Weg zur homöopathischen Arzneimittelfindung mit der Konstitution und Diathese.
Was ist die Phänomenologie?
Die Phänomenologie ist ein anderer Zugang zum kranken Menschen. Sie ist neben der naturwissenschaftlichen Erklärungsmedizin als Erfahrungsmedizin eine legitime wissenschaftliche Methode.
Was sind Phänomene?
Phänomene sind das Sich-Zeigende, Sich-Offenbarende, Ans-Lichtgebrachte. Man kann sie wahrnehmen, unvoreingenommen beobachten, kritisch bestätigen oder verwerfen. Aus der vorläufigen Erfahrung kann man Gesetzmäßigkeiten ableiten, die so lange Gültigkeit haben, als sie nicht durch andere Beobachtungen widerlegt werden. Jeder klinisch tätige Arzt kann diesen Zugang zum Patienten, besonders in der Kinderheilkunde, sehr gut verstehen und nachvollziehen.
Der synthetische Weg bei der Arzneifindung in der Homöopathie stellt die Einsicht in die Phänomene von Gesundheit und Krankheit des Menschen dar. Hier erkennen wir mit unseren fünf Sinnen und mit der Intuition das Leben und Leiden des kranken Menschen. Die ärztliche Intuition ist unser höchster Erfahrungsschatz in der Medizin. Sie ist die Summe aller bewussten und unbewussten Erfahrungen in uns.
Die Wiener Schule der Homöopathie nach Mathias Dorcsi wurde als Basis für das Vorhaben der Integration der Homöopathie in der Münchner Universitätskinderklinik eingesetzt.
Ein wichtiger Weg bei der homöopathischen Arzneimittelfindung ist der Ihnen allen bekannte analytische Weg mit dem Repertorium. Dabei steht die Summe der Symptome, deren Addition und Wertung im Mittelpunkt. Zentral zwischen den beiden Vorgehen, dem synthetischen und dem analytischen Weg, liegt das Arzneimittelbild.
Das Lernen der Arzneimittelbilder und das Erfassen des Wesens der Arzneien stehen im Mittelpunkt der Homöopathie. Hier im Arzneimittelbild ist das Eigentliche, die Zentrale mit der menschengerechten Arznei, die Krankheit regulieren und heilen kann. Für uns sehen wir hier bei der Arbeit in der Kinderklinik eine besondere »Dreieinigkeit«.
Wir erleben den analytischen Weg über das Repertorium.
Wir erleben den synthetischen Weg über die Phänomenologie.
Wir erleben den Zugang zum homöopathischen Arzneimittel mit dem Erkennen und Verstehen des passenden homöopathischen Arzneimittelbildes.
 |
|
v.li.: Dr. Gloria Kozel, Dr. Christa Kastinger-Mayr
|
Erfahrungen mit der Homöopathie in der Kinderheilkunde
Die Erfahrung mit der Homöopathie zeigt uns, dass sie auch in einer Klinik oft eine zuverlässige und hilfreiche Methode ist. Sie ist voraussagbar, beobachtbar und hat sich immer wieder bestätigt. Die Homöopathie muss für die schulmedizinisch arbeitenden Kollegen vor allen Dingen klinisch verantwortbar und nachvollziehbar sein.
Die Homöopathie muss also für den neugierigen und noch nicht homöopathisch arbeitenden Arzt erlernbar sein.
Die Integration der Homöopathie in die Universitätskinderklinik ist nach acht Jahren gelungen.
Die begleitende homöopathische Therapie ist ein fester Bestandteil der Therapiemöglichkeiten im Dr. von Haunerschen Kinderspital geworden. Das wird auch deutlich an der Verleihung des Förderpreises der Karl und Veronica Carstens-Stiftung, die im Jahre 2002 wegen der gelungenen Integration der Homöopathie ins Dr. von Haunersche Kinderspital an Dr. Sigrid Kruse erfolgt ist.
Dieser Vortrag von Dr. Mira Dorcsi-Ulrich hat verdeutlicht, dass es durchaus möglich und sinnvoll ist, Homöopathie in der Klinikbetreuung einzusetzen. Zahlreiche Fallbeispiele dokumentierten den beeindruckenden Erfolg.
 |
| (v.l.n.r.): Univ.-Prof. Dr. Michael Frass, Dr. Christoph Abermann, Univ.-Prof. Dr. Otto Schlappack |
Sigrid Kruse, München, Dr. von Haunersches Kinderspital, dokumentierte die Begleitende homöopathische Therapie in der Neonatologie und auf den Intensivstationen der Universitätskinderklinik in München.
Modellprojekt »Homöopathie in der Pädiatrie«
Homöopathie auf den Intensivstationen
Pädiatrie PIPS
Kinderchirurgie CIPS
Neonatologie NIPS
Hirnblutung bei Frühgeborenen Beobachtungsstudie
Drogenentzugssyndrom Beobachtungsstudie
Um die Größenordnung des Projektes zu dokumentieren, sind ein paar Statistikzahlen aufschlussreich:
Dr. von Haunersches Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München
Bettenzahl: insgesamt 180 Betten
Stationen im Haupthaus:
6 Normalstationen
3 Intensivstationen
Pädiatrie PIPS
Kinderchirurgie CIPS
Neonatologie NIPS
Stationen außerhalb:
2 Normalstationen
3 Intensivstationen
2 Neonatologie
Kinderkardiologie
Vorgehen bei chronischen Krankheiten
Diagnosestellung
Indikationsstellung
Homöopathische Anamnese (1 bis 2 Stunden)
Körperliche Untersuchung
Videoaufnahme des Kindes
Arzneimittelfindung in Supervision
Vorgehen bei akuten Krankheiten
Diagnosestellung
Indikationserstellung
Erfragen der Lokalsymptome, Modalitäten und aktuelle Stimmung des Kindes
Körperliche Untersuchung
Verordnung nach bewährter Indikation
Kinder in den verschiedenen Ambulanzen
ausführliche Anamnese: 102 Kinder
Notfallambulanz: 345 Kinder
Hirnblutung III. Grades in der Neonatologie. Bei Kindern mit Hirnblutung 3. Grades ist ein homöopathischer Therapieversuch sinnvoll angesichts der alternativ abwartenden Haltung und der schlechten Prognose für die Entwicklung des Kindes.
Zusammenfassend ist zu betonen, dass die Integration der Homöopathie in die Universitätskinderklinik gelungen ist und gute Einsatzmöglichkeiten der begleitenden homöopathischen Therapie auf allen Stationen der Kinderklinik, besonders in der Neonatologie und den Intensivstationen, als zukunftsweisend zu betrachten sind.
 |
|
Dr. Menachem Oberbaum
|
Homöopathie in der Ersten Hilfe
Dr. Menachem Oberbaum, Ramat Hasharon, Israel, hielt einen besonders eindrucksvollen Vortrag über den Einsatz von Homöopathika als Erste Hilfe-Maßnahme in Katastrophenfällen wie Attentaten und Hauseinstürzen.
Nach der Erstversorgung mit Arnica C200 und unter klassischer Versorgung der Verletzten in den speziellen Notaufnahmen wurden primär Angst- und Paniksymptome registriert und behandelt. Nach der Notversorgung wurden die Patienten einer Anamnese unterzogen und klassisch repertorisiert. Neben deutlichen Verbesserungen der psychischen Situationen gab es auch Sekundärverbesserungen lang bestehender Leiden wie Diabetes und Tinnitus. 68% der Patienten gaben an, dass Homöopathie in der Erstversorgung nützlich gewesen sei. Dr. Oberbaum betonte auch die Notwendigkeit von homöopathischen Therapierichtlinien in der Notfallmedizin, der Schulung des Pflegepersonals und der richtigen und ausreichenden Bevorratung mit homöopathischen Arzneimitteln.
Homöopathie in Krisensituationen eine sicherlich sinnvolle, innovative Zukunftsperspektive!
Homöopathie bei epileptischen Anfällen
Olaf Richter, Butzbach, Deutschland, gab in seinem Referat einen Überblick über die homöopathische Behandlung epileptischer Anfälle.
Nach neurologischer, neuropädiatrischer Abklärung, EEG, konventioneller Diagnose, Klassifikation der Anfälle etc. und nach ausführlicher Patienteninformation wurden klassische Anamnesen durchgeführt. Ein großes Anliegen war es, das Verständnis der mitbehandelnden Ärzte, des Pflegepersonals und der Angehörigen zu erlangen. In mehr als 20 Jahren in der neuro-pädiatrischen Abteilung der Universitäten Freiburg und Heidelberg, aber auch in der eigenen Praxis, wurden hunderte Kinder, die an epileptischen Anfällen litten, mit Anticonvulsiva behandelt. Was tun, wenn der gewünschte Erfolg ausbleibt? Welche Alternativen können seriöserweise angeboten werden?
Österreich zählt zu den traditionellen »Stammländern« der Homöopathie.
Unter Abschirmung mit allopathischen konventionellen Arzneimitteln wurde parallel sorgfältig eine individuelle homöopathische Therapie begonnen. Da Epilepsie eine erbliche Komponente aufweist, war es naheliegend, die miasmatische Belastung mit der passenden Nosode zu überwinden. Die konstitutionelle Arznei wurde meist in Form einer Q-Potenz gegeben. Oftmalig waren Zwischengaben erforderlich, um sich schließlich in der passenden Hochpotenz dem Simile anzunähern. Trotzdem musste die Besonderheit der einzelnen Symptome des Falles mit in Betracht gezogen werden. Unter umfassender homöopathischer Behandlung und kontinuierlicher neurologischer und/oder neuropädiatrischer Kontrolle konnte die antiepileptische Therapie stufenweise reduziert und in der Zeitspanne von einigen Monaten schlussendlich abgesetzt werden. Die Erfolgsquoten liegen erstaunlich hoch und machen Mut, gerade bei schwierigsten Erkrankungen nach seriösen Alternativen unter Einbeziehung klassischer Diagnosen und Therapieformen zu suchen.
Soziale Krisen
Liliana Szabo, Martinez, Argentinien, hielt einen Vortrag über den Einfluss von sozialen Veränderungen, von traumatischen Ereignissen und Lebensumstellungen auf die Gesundheit einer Familie. Argentinien ging in den letzten Jahren durch eine schreckliche sozialökonomische Krise. Unter diesen Umständen wurden sich häufende Erkrankungen von Kindern bemerkt. Sie beobachtete, unter welchen Bedingungen Kinder erkranken sowie die Art der Krankheitsentwicklung. Da Homöopathie sowohl die Akutsituation als auch die Begleitumstände berücksichtigt, ist es gelungen, effizient zu therapieren. Liliana Szabo betonte, dass Homöopathie die ersten psychischen Probleme stabilisieren kann und so einer körperlichen Manifestation auf somatischer Ebene entgegen wirkt. Der Präventivcharakter dieser sehr kostengünstigen Therapie ist von großem Wert für die Weltbevölkerung und beinhaltet so einen sozioökonomischen Faktor.
International interessante Vorträge hielten:
Alf Geukens, Onkologie
Wolfgang Springer, akute, myeloische Leukämie
Milos Popovic, Cholecystectomie und perioperative hom. Therapie
Pilaka Krishnamurty, Krebs und Aids-Therapie
Heger, outcome Studien
Ronko Itamura/Japan, chronische Hauterkrankungen
Trajan Staciulescu/Rumänien, Biophotonen
Es tut sich viel in Österreich:
Max Haidvogl, klinische Studien
Christa Kastinger-Mayr, Autoimmunerkrankungen
Anton Rohrer, integrative Psychiatrie
Dietmar Payrhuber, maligne Erkrankungen
Sieghart Wilhelmer, Onkologie
Homöopathie in der Notfallmedizin
Michael Frass, Wien, Leiter des Ludwig Boltzmann-Institutes für Homöopathie gemeinsam mit Doz. Dr. Max Haidvogl, bewies in einem eindrucksvollen Vortrag, dass Homöopathie in der Notfallmedizin ihren mehr als berechtigten und bewiesenen Einsatz findet. Unter Ausschöpfung aller »State of the art«-Behandlungsmethoden ist es möglich, eine individuell angepasste homöopathische Zusatztherapie anzubieten. Michael Frass berichtete von lebensbedrohlichen Zustandsbildern, in denen homöopathische Arzneimittel als Zusatztherapie schnell, deutlich und sichtbar den Verlauf schwerster Krankheitszustände dramatisch gebessert oder zur Heilung geführt haben. Die Fallbeschreibungen umfassten ein weites Spektrum lebensbedrohlicher Zustände. In vielen Fällen ist das Überleben ohne die angesprochene Zusatztherapie nicht möglich; die Kombination ermöglicht aber einen schnelleren Therapieverlauf und die Einsparung von Arzneimitteln. Hier kommt die Kunst eines gut ausgebildeten Homöopathen zum Tragen, in extremen Notsituationen und scheinbar aussichtlosen Situationen eine homöopathische Zusatztherapie anbieten zu können. Internationalen Trends zufolge werden an Kliniken vermehrt Homöopathieforschung und -therapie angeboten. Österreich zählt zu den traditionellen »Stammländern« der Homöopathie, und es sollte uns bewusst werden, dass es dem Einsatz einzelner bedeutender Ärzte zu verdanken ist, dass Homöopathie ihren weltweiten Siegeszug antritt.
Homöopathie und Strahlentherapie
Mit großer Freude hörte ich auch den exzellenten Vortrag von Otto Schlappack, Univ.-Klinik für Strahlentherapie und Strahlenbiologie.* Es war für mich die Aufbruchstimmung eines »new-comers« zu hören, der mit Unterstützung seines Institutsvorstandes Univ.-Prof. Dr. Pötter seine homöopathische Karriere begann. Er hielt sein Referat, den internationalen Kongressstandards entsprechend, in präziser Dokumentation seiner Patientenanamnesen. Obwohl die moderne Technik es erlaubt, die Strahlendosis immer gezielter zu applizieren, kann es doch bei einem Teil der Patienten zu starken Reaktionen kommen. Patientinnen, vorwiegend mit Mammakarzinom, wurden wegen Akutsymptomen, wie z.B. Juckreiz der Haut im bestrahlten Areal, Schmerzen, Schwitzen, Übelkeit, chronischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Ängsten und anderen Gemütssymptomen homöopathisch behandelt.
Die Besserungsquote ist beachtlich und der Umstand, stärkste Schmerzmittel unter homöopathischer Therapie einsparen und sogar absetzen zu können, zeigt, dass die Kombination der Therapieverfahren interessante Therapieerfolge erzielen kann.
Kinderonkologie
Erfried Pichler, Klagenfurt, referierte über Homöopathie in der Kinderonkologie. Unter der Schirmherrschaft von Prof. Kaulfersch und Mag. Petritsch, (Kärntner Kinderkrebshilfe) ist es möglich, am Landeskrankenhaus Klagenfurt pädiatrischen onkologischen Patienten eine homöopathische Zusatzbehandlung anzubieten. 80% aller Krebspatienten nehmen in irgendeiner Form Alternativbehandlungen in Anspruch. Information und Zusammenarbeit mit Eltern und Pflegepersonal sind von großer Bedeutung. Die homöopathische Behandlung bei onkologischen Patienten ist nicht immer auf rasch therapierbare Beschwerden ausgerichtet, sondern erfordert eine intensive Langzeitbegleitung.
Stationäre Phase
Die Intervallphase, in der noch intermittierende stationäre Chemotherapie verabreicht wird, und
Krisenphasen, in denen in entwicklungs- oder umweltbedingten schwierigen Situationen eine homöopathische Therapie unbedingt notwendig ist. Vor allem die jugendlichen Entwicklungsstationen bergen immer wieder Gefahren einer Exazerbation der Grundkrankheit oder auch das Auftreten von Zweitkarzinomen in sich.
Die Arzneigaben sollten eher im Mittelpotenzbereich liegen, um bei Bedarf rasch mit einer Folgearznei oder höheren Potenzen reagieren zu können.
Dieser Überblick über den Synergismus von konventioneller Therapie und Homöopathie berechtigt zum Weiterführen dieser onkologischen Behandlungsstrategie an der Kinderabteilung zum Wohle der Patienten.
»Homöopathische Chirurgie«
Klaus Payrhuber, Linz, ist Präsident der Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie, die vor 12 Jahren gegründet wurde, um die Homöopathie wieder verstärkt den Grundlagen folgend durchzuführen. Dabei wird in der Ausbildung weniger auf bewährte Indikationen Wert gelegt, sondern versucht, die Leiden des Patienten von ihrer Wurzel her zu erfassen und entsprechend zu therapieren. Die Behandlung des Patienten und nicht so sehr der Teilerfolg stehen im Mittelpunkt des Interesses. In seinem ausgezeichneten Referat gab Dr. Payrhuber einen Überblick über ein spektakuläres Thema: »Homöopathische Chirurgie«, vier Fälle von Abszessarten: Peritonsillar-, Brust-, Nieren- und Tuboovarialabszess. Dies nicht, ohne davor mahnende Worte der Seriosität und der Abschätzung des Therapieverlaufes mitzugeben. Da bei solch dramatischen Erkrankungen die Mittelwahl von großer Bedeutung ist, gilt es mit besonderer Sorgfalt zu repertorisieren. Klaus Payrhuber zitierte Aristoteles: "Wissenschaft und Geschicklichkeit entstehen für Männer mit Erfahrung, Mangel an Erfahrung setzt das Leben dem Zufall aus." Vor allem bei Patienten mit schwerer Pathologie sollten Zufall und Experiment vermieden werden.
Infolge einer homöopathischen Behandlung ist es möglich, bestimmte Formen von Entzündungen und Abszessen zu therapieren. Natürlich ist eine engmaschige klinische Kontrolle unumgänglich. Homöopathie kann die Kosten für Arzneimittel, Chirurgie und Spitalsaufenthalt signifikant reduzieren. Das Teuerste dieser Therapieform ist die Zeit der Anamnese und der Arzneimittelfindung.
Therapiekonzepte: Wie finde ich die richtige Arznei?
Therapiekonzepte sind für Pharmazeuten theoretisch von untergeordneter Bedeutung, da es sich um klassische medizinische Themen handelt, doch die Zuordnungen der Grundsubstanzen nach verschiedensten Kriterien sind auch von naturwissenschaftlichem Interesse. Die Klassifizierung von Pflanzen nach botanischen Gesichtspunkten hat uns schon seit Linné beschäftigt. Die Anordnung des Periodensystems als Qualifizierungssystem ist uns bestens vertraut und auch mit Naturstoffgruppen und verwandten Inhaltsstoffen kann man Pharmazeuten nicht sehr erschrecken. Also galt mein großes Interesse einer Reihe von Vorträgen, bei denen Homöopathika bestimmten Kriterien untergeordnet wurden.
Das Element in der Pflanze, die Pflanze im Tier auf der Suche nach Verbindungen homöopathischer Arzneien untereinander.
Peter König, Eisenstadt
Faszinierend, wie unterschiedlich, wie von der Persönlichkeit des Homöopathen abhängig und doch wie zentral die immer wiederkehrende Frage nach dem Verständnis der Arznei reflektiert wird. Wie begreift man die Wirkung der Arznei, wie die Persönlichkeit des Patienten, die auffälligsten Eigenschaften der Erkrankung, und wie sind all diese Erkenntnisse in Einklang zu bringen? Wie sind die verschiedensten Repertorisierungstechniken zu interpretieren traditionelle Nachschlagewerke, Karteisysteme oder Computerprogramme und der mühsame Weg der Arzneifindung zu optimieren? Dem äußerst aufwändigen medizinischen Zugang der Arzneimittelfindung steht der pharmazeutische Alltag gegenüber mit einer uns vertrauten Palette an Komplexmitteln und Arzneien der historisch geprägten »bewährten Indikationen«. Hier gilt es meiner Meinung nach, den Rotstift anzusetzen und obsolete Meinungen und Traditionen zu eliminieren, um eine Brücke des gegenseitigen Verständnisses zu bauen.
Der Kongress diente bestimmt auch dazu, Spreu vom Weizen zu trennen, um sich der bedeutenden, weltweit eingeforderten Qualität hinsichtlich der Arzneimittel, der Ausbildung und des expandierenden Einsatzgebietes zu widmen.
»Arzneifamilien«
Die Idee, Arzneimittelgruppen und -familien zu interpretieren, wurde in der letzten Zeit sehr populär. Die möglichen Vorteile und unterschiedlichen Betrachtungsweisen dienen als Diskussionsgrundlage. Was sind der Wert und die klinische Erfahrung im Gegensatz zu den Analysen von Prüfungen? Es ist ein neuer Weg homöopathischen Denkens. Ist es eine Evolution in der homöopathischen Methodologie? Ein neues Programm, Arzneimittel untereinander zu vergleichen? Es besteht die Möglichkeit von einfachen Analogien, d.h. von gleichen Symptomen ausgehend, um tiefere und noch mehr inhaltliche und organisatorische Zusammenhänge zu finden. Wo sind die Zusammenhänge zwischen Substanz, komplexen Substanzen und homöopathischen Arzneibildern zu finden?
Mit dem Thema »Das Element in der Pflanze, die Pflanze im Tier auf der Suche nach Verbindungen homöopathischer Arzneien untereinander« befasste sich Peter König, Eisenstadt.
Mit großem Interesse werden einzelne Inhaltsstoffe betrachtet, die in verschiedensten Pflanzen-, Mineral- und Tierarzneien enthalten sind. Theoretisch erscheint es möglich, von einem Einzelelement auf Charakteristika einer Gruppe zu schließen. Die »Jodsymptome« von Hedera Helix sind bekannt. Cruciferen enthalten Nickel, daraus lässt sich ableiten, dass ein Niccolum-Patient Senf als Vorliebe angibt. Das noch relativ unbekannte Homöopathicum »Chocolate« enthält Kalium, Magnesium, Kupfer, Eisen und auch Milch. Diese einzelnen Inhaltsstoffe sind in der Materia medica gut beschrieben und lassen sich zu einem komplexen Bild zusammensetzen. Aber auch im natürlichen Kontext gibt es Arzneibeziehungen, wie die Symbiose von Pflanzen und Pilzen. Oder von Tieren und Pflanzen, z.B. Katze und Baldrian lac felinum und Valeriana oder Lytta vesicatoria und Sambucus. Oft ist es wichtig, die Beziehungen unserer Arzneien untereinander zu kennen. So sind Komplementär-, Folge- und inkompatible Arzneien sowie Antidote und Kollateralmittel schon seit Hahnemann dokumentiert und ständig erweitert worden.
 |
|
Dr. med. Uta Santos
|
Massimo Mangialavori, Modena, Italien, zählt ebenfalls zu den bedeutenden Homöopathen, die sich mit dem Thema »Arzneimittelfamilien« auseinander setzen. Er stellte die Frage provokant: "Ist diese Methode eine Evolution der Homöopathie? Ist es möglich, von einfachen Analogien ausgehend, tiefere und besser verständliche Beziehungen zwischen den Arzneien zu erforschen?"
Eine Wiener Studiengruppe beschäftigte sich unter der Leitung von M. Mangialavori ebenfalls mit diesem Thema. In ihrem Referat »Never change a winning horse« erzählte Uta Santos, Wien, die spannende Geschichte einer jungen Patientin, einer begeisterten Reiterin, die mit Lac equinum und Castor equi geheilt wurde.
Sie berichtete auch über eine Arzneimittelprüfung einer typisch österreichischen Kulturpflanze, nämlich Leontopodium alpinum, dem Edelweiss.
Auch Jan Scholten, Utrecht, Niederlande, einer der international anerkanntesten Homöopathen, referierte zum Thema »Arzneifamilien«. Er griff auf seine Jahrzehnte lange Erfahrung über chemische, zoologische und botanische Familienzugehörigkeit zurück.
Pharmazie
Unter dem Vorsitz von Gerhard Peithner, Wien, fand sich ein kleiner, feiner Kreis zusammen, der die Situation der homöopathischen Arzneiherstellung in Europa und weltweite Probleme diskutierte. Die Herstellung muss sowohl nach Hahnemannschen Vorschriften als auch unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Landes erfolgen. Gerhard Peithner berichtete über die Schwierigkeiten, seltene Arzneigrundstoffe zu erhalten. Auch die genauen Rezepturen, Ausgangsstoffe oder Rohstoffe zur Zeit Hahnemanns sind manchmal nicht mehr nachvollziehbar. Der Natur und Artenschutz, Pestizid und Herbizid, radioaktive Kontamination, BSE und weitere Kriterien sind bei der Herstellung homöopathischer Arzneien zu berücksichtigen. Die bekannten Differenzen verschiedenster Arzneibücher wurden besprochen.
Wolfgang Süss, Leipzig, verdeutlichte in seinem Referat die Qualitätsanforderungen von Ausgangsmaterialien und Urtinkturen, wobei die Verschiedenheit von Nomenklaturen in einigen Arzneibüchern Schwierigkeiten bereiten können. Die Besonderheiten im HAB 2002 hinsichtlich Nosodenzubereitungen und Arzneien tierischen Ursprungs wurden betont.
 |
|
v.li.: Dr. Ing. Fritz Dellmour, Dr. Jack Hendrickx
|
Mit großem Interesse wurde der Vortrag von Jack Hendrickx, Burcht/Belgien, verfolgt. Er referierte über GMP (Good Manufacturing Practice) Homoeopathic medicinal products, GAPs generally accepted procedures, verschiedene EU-Richtlinien, Produktionsausrüstungen, und last but not least erkärte er an seinem Ausstellungsstand die neuesten großtechnischen Potenzierungs- und Imprägnierungsgeräte. Spätestens nach dieser Vorführung wurde deutlich, welch große Bedeutung auch der internationale Handel mit homöopathischen Arzneimitteln erreicht hat und welche Dimensionen noch erreicht werden könnten.
Stefan Lebeda, Wien, brachte einen sehr ausführlichen und übersichtlichen Bericht über historische Entwicklung, verschiedenste Arzneibücher, deren Unterschiede und Potenzierungsverfahren.
Zu diesem Thema mechanische Potenzierungstechniken und Testmethoden , nur auf großtechnischer Ebene sprach Rommert Wijnsma, Alkmaar/Niederlande.
Robert Müntz, Eisenstadt, präsentierte unter anderem das Herstellungsverfahren nach der Fluxationsmethode, die er bereits in der ÖAZ** beschrieb. Interessant fand ich eine Diskussion über die Intensitätskriterien homöopathischer Arzneien von D,C zu C-Hochpotenzen über LM bzw. Q, Korsakoff und Fluxationspotenzen. Die handelsübliche Arzneiqualität wurde von vielen Teilnehmern als sehr gut bis ausgezeichnet bewertet, wobei bestimmte persönliche Präferenzen im Vordergrund standen. Internationale Aussteller pharmazeutisch-homöopathischer Firmen präsentierten Bewährtes und neue Details, wie z.B. Aluminiumverpackungen von Phiolen und Kartonagen, die die Arzneiqualitäten schützen sollen.
 |
|
v.li.: Mag. pharm. Ilse Muchitsch, Univ.-Prof. Dr. Michael Frass
|
Triturationen
Unter der Leitung von Bernhard Schmid, Großglobnitz, wurde von Susanne Diez und Ulrike Breyha, Wien, die Möglichkeit angeboten, eine Trituration selbst zuzubereiten und anschließend im Rahmen der Gruppe über dabei empfundene Selbstwahrnehmungen zu diskutieren und diese künstlerisch umzusetzen. Wobei gerade für Pharmazeuten das naturwissenschaftliche Beobachten als Absage an esoterische Phantasien von Bedeutung ist. Hahnemann forderte die Rolle des "vorurtheilslosen Beobachters", die "Nichttigkeit übersinnlicher Ergrübelungen erkennend, die sich in der Erfahrung nicht nachweisen lassen", der, "auch wenn er der Schafsinnigste ist, an jeder einzelnen Krankheit nichts als (
) Krankheitszeichen, Zufälle, Symptome wahrnimmt". (Hahnemann, Organon 6. Auflage, § 6).
Manuelle Arzneiherstellung nach homöopathischen Vorschriften bedeutet immer mit Prüfsymptomen konfrontiert zu sein.
Die Tiefendimension einer Arznei
Hans Ziller, Salzburg, stellte in seinem Referat die philosophisch orientierte Frage:
Die Arznei Begleiter »zu dem höheren Zwecke unseres Daseins«?
Er berichtete über die Entdeckung einer charakteristischen Tiefendimension jeder Arznei:
"Diese Begegnungstiefe ist keine »übersinnliche Ergrübelung«, sondern ein sehr reales Geschenk der Arznei an Patient und Arzt.
Martin Stübler hat gesagt: "Arzneien sind Wesen, mit denen wir uns befreunden wollen." Dieser Satz baute plötzlich eine Brücke von der naturwissenschaftlichen, reproduzierbaren Exaktheit der Arzneimittelprüfung Hahnemanns hin zu einem franziskanischen Blick auf Mensch und Schöpfung. Diese trockene mühsame Knochenarbeit, Arzneien am gesunden Menschen zu testen, um kranke Menschen zu heilen, entpuppte sich auch als Versöhnungsarbeit mit der Erde. Hahnemann selber ist ein steter Begleiter auch in dieser Dimension des therapeutischen Tuns. In der Reinen Arzneimittellehre (Teil VI) spricht auch er von den Arzneien als Wesen: "Arzneistoffe
sind nicht todte Substanzen im gewöhnlichen Sinn, vielmehr ist ihr wahres Wesen blos dynamisch geistig, ist pure Kraft." Arzneimittelprüfung ist ein Experiment. Sie ist das Abenteuer, sich fremde Substanzen aus allen Bereichen der Schöpfung einzuverleiben, sie zu assimilieren. Arzneimittelprüfung ist ein Tun. Ich setze mich dem Pathogenen der Schöpfung aus mit Leib, Seele und Geist und die Antwort des gesunden Menschen ist: Pathologie. Nur so ist Realitätserkenntnis der Krankheit möglich. Vorurteilslos und unbefangen ([7b] §§ 6 und 83) stellt der Prüfer an die Arznei die Frage: "Wer bist du, Fremdling?"
Weltweit entdecken die Homöopathen allmählich diese verborgene Wirksamkeit der Arzneien, Whitmont nennt sie Entelechie, Scholten das Talent, Dorcsi das Vermögen, Shankaran das Potenzial."
Die Auseinandersetzung mit dem Begriff Arznei ist nur dann möglich, wenn die Toleranz besteht, ein Kaleidoskopbild an verschiedensten Ausdrucksmöglichkeiten zu akzeptieren. Und dennoch liegt der Ursprung in klar definierten Grundsubstanzen, die wir mit unserem heutigen Wissensstand an Botanik, Phytochemie, spektroskopischen Methoden und Pharmakognosie einordnen können. Das Phänomen der Potenzierung und die empirisch bestätigte Wirkung von Hochpotenzen sind im Begriff, erforscht zu werden.
Für Pharmazeuten, die durch das naturwissenschaftliche Studium der Pharmazie geprägt sind, ist der Zugang zur Homöopathie, zumindest in den Tiefpotenzen, leicht verständlich. Auch kritischen Stimmen gegenüber gilt die Argumentation, dass die durch das Homöopathische Arzneibuch definierten Substanzen Arzneiwirkung auf Grund ihrer Inhaltsstoffe besitzen. Zweifelnden Stimmen, die sich polemisch zu Konzentrationsgraden äußern, wurden die äußerst geringen Wirkmengen von Hormonen oder Geruchstoffen entgegengehalten. Das wirklich spannende Phänomen der Homöopathie eröffnet sich in Dimensionen jenseits der Avogadro'schen Zahl. Aufgrund zahlreicher Studien (doppelblind, randomisiert) (siehe Haidvogl, Heger) ist das Vorhandensein eines noch unbekannten Wirkungsmechanismus höchst wahrscheinlich. Da sich der weltweite Einsatz von Homöopathika im rasanten Steigflug befindet, die Einsatzmöglichkeiten sich neben der klassischen Medizin und Pharmazie extrem erweitern und die Kostenfrage für viele Länder ein soziales Anliegen darstellt, ist es notwendig, die Seriosität dieser Therapieform zu betonen und einzufordern. Klischees wie die generalisierte Placebodarstellung oder die Harmlosigkeit einer Phytotherapie sollten gerade von uns Pharmazeuten widerlegt werden. Hiezu ist aber eine kritische Auseinandersetzung und ein gewisses Umdenken notwendig.
Es ist mir keine zweite Therapieform bekannt, deren Spektrum an Interpretation, an Darreichungsform, Dosierung und auch an Pluralität der Öffentlichkeitsmeinung so breit gestreut ist. Gerade an der Tara erfährt man hautnah die verschiedensten Kriterien: Zeitungsausschnitte mit Empfehlungen gegen jedes »Wehwehchen« auf Grundlage der »bewährten Indikationen«, in keinem gut sortierten Buchgeschäft fehlt die Alternativ-Gesundheitsecke mit einigen Exemplaren Homöopathie, und last but not least gibt es einen wahren Boom an zum Teil sehr dekorativ gestalteten und gut beworbenen Komplexmitteln. Dem gegenüber stehen weltweit anerkannte Ärzte mit homöopathischen Ausbildungen verschiedenster Schulen, die uns eine ganz andere Perspektive zeigen. Fast mit exponenzieller Auswirkung nimmt ein und das gleiche homöopathische Arzneimittel, oft in anderer Potenz oder Zubereitungsform, den Platz in der Intensivmedizin, der Chirurgie oder Psychiatrie ein. Wenn Nebenwirkungen reduziert, Schmerzmittel sowie Arzneikosten aufgrund einer sorgfältig abgestimmten homöopathischen Zusatztherapie eingespart werden können, wird ein weltweites Umdenken stattfinden. Die Therapie bezieht sich nicht nur auf »harmlose«, leicht behandelbare Erkrankungen, sondern auch auf die wirklich großen medizinischen Probleme unserer Zeit. Ein viel diskutiertes Thema beschäftigte sich mit der »Harmlosigkeit« von homöopathischen Arzneien. Traditionellerweise werden Arzneien in einer C30 Potenz nach einem sorgfältigen Verfahren geprüft und in Repertorien festgehalten. C30 liegt jenseits der Avogadro-Zahl, das heißt, dass theoretisch kein Molekül, sondern nur mehr die Arzneiinformation in der Darreichungsform enthalten ist. Allen Skeptikern zum Trotz Arzneimittelprüfungen nach dieser Methode funktionieren wirklich. Arzneireaktionen finden in unterschiedlicher Stärke statt. Daraus kann man schließen, dass jedes homöopathische Arzneimittel Wirkung hat, aber nicht alle Menschen die gleiche Affinität dazu besitzen. Dies hängt wahrscheinlich vom Gesundheitsgrad und der Konstitution ab. Die beliebte Aussage »Nehmen's was Homöopathisches nützt's nichts, so schad's nichts« widerlegt sich selbst. Prüfsymptome können nach der Einnahme von jedem homöopathischen Arzneimittel entstehen und sind von Laien oft schwer erkennbar. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass Homöopathika in der Schwangerschaft Wirkung auf das Kind haben können! Interessant erschien auch die Diskussion über die Toxizität niedriger Potenzen. Erlischt jene Wirkung in hoher Potenzhöhe, oder impliziert eine Hochpotenz ebenfalls eine Arzneiwirkung gleicher Prüfsymptome?
Das Kaleidoskop der Homöopathie ist scheinbar grenzenlos, da eine riesige Zahl an nicht geprüften Substanzen auf Aufklärung wartet. Internationale Zusammenarbeit ist gerade auf diesem Gebiet nötig, um Prüfungsergebnisse zu koordinieren. Ebenso ist der Ausbau von Datenbanken und Referenzsubstanzbanken sinnvoll. Die verschiedenen Herstellungsverfahren, von handpotenziert über diverse Verschüttelungsverfahren, lässt auch die Frage nach der Arzneiqualität stellen. Sind großtechnisch nach Arzneibuchvorschrift zubereitete Arzneien von gleicher Wirksamkeit wie traditionell verarbeitete oder in ihrer Qualität besser, intensiver oder »anders«?
Ich erlebte auf diesem Liga Kongress viele Fragezeichen. Ich hörte viel persönliches Leid, von großen Ärzten ausgesprochen, die mit Vorurteilen, Ignoranz und Diskriminierung zu leben haben. Für uns Pharmazeuten ist aber Homöopathie anscheinend eine tägliche Selbstverständlichkeit, mit der wir immer besser umzugehen gelernt haben. Ich war persönlich vom Leugnen naturwissenschaftlicher Fakten betroffen, Homöopathie, egal in welcher Konzentration, in den Topf von Scharlatanerie, Esoterik und schlicht »Verrücktheit« eingeordnet serviert zu bekommen. Es ist die Aufgabe der Naturwissenschaft, aufklärend zu wirken und sich den ungeklärten Phänomen der Potenzierung und der Informationsübertragung zuzuwenden.
Offensichtlich wundert sich kein Mensch mehr, wenn das Handy mit seiner persönlichen Frequenz läutet, obwohl nicht sichtbar, nicht fühlbar, für den Laien nicht erklärbar.
Homöopathie scheint eine »Alarmwirkung« für den Organismus zu haben, einen Aufruf, in einem übergeordneten System Heilungsmechanismen in Gang zu setzen.
Dass dies möglich ist, wurde auf diesem Kongress mehr als deutlich gemacht.
Nach vielen persönlichen Gesprächen, emotionalen Diskussionen und so manchen neu gewonnenen Einsichten hat sich der Wunsch, weltweit Brücken zu schlagen, erfüllt.
Dr. Springer, der mit den Vorbereitungen für den Liga Kongress 2005 in Berlin bereits beschäftigt ist, meinte abschließend, dass es schwer sein wird, den österreichischen Vorgaben gerecht zu werden.
Anschrift der Verfasserin:
Mag. pharm. Ilse Muchitsch, Interdisziplinärer Homöopathischer Arbeitskreis, E-mail: ilse.muchitsch@telering.at
|
|
|
Besuchen Sie uns auch unter www.apoverlag.at
|
|