ÖAZ Aktuell (Ausgabe 15/2003)

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Vierfach-Impfschutz für Erwachsene: Repevax®

Staatliche Impfprogramme sind im Säuglings-, Vorschul- und Schulalter kostenfrei. Später bleibt es der persönlichen Verantwortung jedes Einzelnen überlassen, für die Aufrechterhaltung des Impfschutzes zu sorgen. Der Bevölkerung fehlt aber meist dazu das epidemiologische und immunologische Verständnis. Deshalb ist eine aktive Beratung in der Apotheke so wichtig, zumal es jetzt einen einfach anzuwendenden Vierfach-Impfstoff für Erwachsene gibt, der als Auffrischungsimpfung nach einer erfolgten Grundimmunisierung im Kindesalter verwendet werden kann.



Tetanus – Diphtherie – Pertussis – Polio

Viele Infektionskrankheiten werden leider noch immer ausschließlich als Kinderkrankheiten verstanden, und die Erwachsenen gehen davon aus, dass sie im Regelfall nicht mehr erkranken können. Untersuchungen des Antikörpertiters gegen verschiedene Kinderkrankheiten belehren uns aber eines Schlechteren, denn zu lange Impfabstände lassen die Erinnerung des Immunsystems an die jeweiligen Erreger »verblassen«.

Tetanus
Bei Tetanus ist bekannt, dass bei älteren Personen der Impfschutz nach 10 Jahren nur noch 80% beträgt und deshalb eine regelmäßige Auffrischungsimpfung alle 10 Jahre notwendig erscheint.

Diphtherie
Infektionen durch Corynebakterien diphtheriae kommen weltweit vor, insbesondere in gemäßigten Zonen und dort vor allem im Herbst und Winter. Europa wird durch Epidemien in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bedroht, wo Diphtherie massiv grassierte und wo im Jahr 1995 an die 50.000 Erkrankungen mit Tausenden Toten zu beklagen waren. Durch Reisende kann diese, in 5–20% der Fälle noch immer tödlich verlaufende, Infektionskrankheit jederzeit nach Österreich verschleppt werden. Ein bestehender Impfschutz ist daher in jedermanns Interesse. Leider wird die empfohlene Auffrischung nach 10 Jahren zumeist vergessen, und es ist daher nicht verwunderlich, dass nur etwa 1/3 der Erwachsenen über einen ausreichenden Antikörpertiter verfügt. Im Inland sorgt zwar die hohe Impffrequenz bei Kindern für einen »Herdenschutz« der Erwachsenen, im Ausland fehlt er aber.
Tipp: Wer länger als 20 Jahre nicht gegen die vier Infektionskrankheiten geimpft wurde, benötigt zur Auffrischung zwei Dosen im Abstand von 1 bis 2 Monaten.

Pertussis
Diese typische Kinderkrankheit tritt heute unter Erwachsenen viel häufiger auf, als allgemein angenommen. Dazu trägt auch der bei Erwachsenen atypische Verlauf ohne die bei erkrankten Kindern üblichen Anzeichen bei: Stakkato-Husten, Krampfanfälle und Enzephalopathien. Längere Zeit hustende Erwachsene erhalten ein Antibiotikum verordnet, sie werden erregerfrei, behalten aber das Pertussistoxin im Körper und husten weiter. Serologische Untersuchungen bei andauerndem Husten über 2 bis 3 Wochen belegen die Beteiligung von Bordetella pertussis in mehr als 20 bis 30% der Fälle!
Bedingt durch die hohe Durchimpfung bei Kindern und den kompletten Verlust der Immunität innerhalb von 10 Jahren hat sich laut Univ.-Prof. W. Popp (Geriatriezentrum Wienerwald) das durchschnittliche Erkrankungsalter von 12 auf 41 Jahre erhöht. Damit werden erkrankte Eltern oder Großeltern zu einer Bedrohung von noch un- oder nur teilgeimpften Säuglingen und Kleinkindern, bei denen der Impfschutz erst aufgebaut wird.
Tipp: Nicht nur Frauen mit Kinderwunsch sollten sich vor dem Eintritt der Schwangerschaft impfen lassen, sondern auch alle im familiären Umfeld, die mit dem Neugeborenen in Kontakt kommen (Vater, Großeltern, Geschwister, Babysitter, etc). Denn Jugendliche und Erwachsene gelten als Hauptinfektionsquelle für Pertussis!

Polio
Dank des Ausrottungsprogrammes der WHO waren 2002 immerhin 90% der Länder poliofrei, und am 21. Juni 2002 konnte die Region Europa als frei von Poliomyelitis deklariert werden. Der ursprünglich für Ende 2002 geplante Termin der weltweiten Ausrottung von Kinderlähmung musste wegen kriegerischer Ereignisse in einzelnen Weltregionen verschoben werden. Zur Weiterimpfung darf auf Grund der Infektionslage von der oralen Polio-Impfung auf Polio-Totimpfstoff ausgewichen werden, welcher zwar weniger virulent ist, dafür aber keine Impfpoliomyelitis hervorrufen kann.



Repevax® Kurzprofil

Der Vierfachimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Polio erleichtert das Procedere der Auffrischung in 10 Jahresschritten für Erwachsene ab dem 25. Lebensjahr.
Repevax® schützt den Impfling vor nachlassender Immunität bei Tetanus, Diphtherie und Polio und verhindert zusätzlich eine Übertragung auf noch ungeschützte Bevölkerungsgruppen bei Pertussis (Säuglinge und Kleinkinder).
Repevax® ist nach einer entsprechenden Grundimmunisierung ab dem 5. Lebensjahr anwendbar.
Lokalreaktionen an der Einstichstelle und Kopfschmerzen, gefolgt von Fieber, Gliederschmerzen und Energieverlust waren mit mehr als 10% häufig.

»dTaP-IPV« – Vierfachimpfstoff (Repevax®-Fertigspritze)

Mit der Einführung dieses Impfstoffes durch Aventis-Pasteur wird eine Lücke im Erwachsenen-Impfprogramm geschlossen, die bisher die Gabe mehrerer Einzelkomponenten notwendig machte. Eine Fertigspritze zu 0,5 ml kostet im AVP 43,60 Euro und gewährleistet eine 10 Jahre anhaltende Auffrischung einer Grundimmunisierung.

Impfstoffcharakteristik
Repevax® enthält einen
5-Komponenten-Pertussisimpfstoff (Pertussis-Toxoid, filamentöses Hämagglutinin, Fimbrien-Agglutinogene 2 und 3 sowie gereinigtes Pertactin)
gereinigtes Tetanus-Toxoid
gereinigtes Diphtherie-Toxoid (reduziert)
inaktivierte Poliomyelitis-Viren vom Typ 1, 2 und 3
Zur Steigerung der humoralen Immunantwort ist noch Aluminiumphosphat als Adjuvans beigefügt.

Vermittelte Immunität
Vier Wochen nach einer Auffrischungsimpfung (Grundimmunisierung lag länger als 5 Jahre zurück)
hatten 98,1% der Jugendlichen und 83,8% der Erwachsenen schützende Diphtherie-Antitoxin-Serumkonzentrationen,
wiesen 100% der Impflinge schützende Tetanus-Antitoxin-Titer auf,
hatten alle Geimpften gegen die Poliovirengruppen Typ 1 bis 3 schützende Antikörpertiter entwickelt,
war die Pertussis-Antigenmenge 2- bis 5-fach höher als nach einer Pertussis-Kinderschutzimpfung und dürfte daher für den Schutz vor Keuchhusten ausreichen.

Anwendung und Dosierung
Zur Auffrischung einer bestehenden Grundimmunisierung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, wenn der Impfschutz nachzulassen beginnt. Repevax® kann ab dem 5. Lebensjahr verwendet werden. Impfabstand alle 10 Jahre.
Dosierung: 1 s.c.-Injektion zu 0,5 ml für alle Altersgruppen.

Sicherheit
Bei mehr als 10% traten innerhalb von 24 Stunden an der Einstichstelle Schmerzen, Rötung und Schwellung auf. Die Patienten berichteten mit ähnlicher Häufigkeit über Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schüttelfrost und Gelenksbeschwerden.

Verwendete Grundlagen:
Austria-Codex Fachinformation Repevax®
»Impfplan 2003 Österreich« Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates (Sitzung des Impfausschusses vom 3. Dez. 2002)
Übersicht »Diphtherie« Med. Monatsschr. Pharmaz. Heft 5 (2001)

Vorgestellte Präparate 2003:

Avodart® ÖAZ 10, S. 453
Cialis® ÖAZ 6, S. 261
Elidel® ÖAZ 3, S. 101
Fuzeon® ÖAZ 14, S. 645
Lantus® ÖAZ 9, S. 405
Levitra® ÖAZ 8, S. 357
Navelbine® ÖAZ 7, S. 309
Neulasta® ÖAZ 11, S. 501
Omacor® ÖAZ
Testogel® ÖAZ 12, S. 549
Trisenox® ÖAZ 5, S. 213
Valette® ÖAZ 13, S. 597

Vfend®

ÖAZ

5

Xigris® ÖAZ 4, S. 149

Corrigendum

Dienogest

Dank der aufmerksamen Lektüre von Apotheker Mag. pharm. Günter Amann, Fidelis-Apotheke, kann die fehlerhafte Formelschreibweise bei Dienogest (Valette®), die Acetonitril-Gruppe, richtig gestellt werden (siehe ÖAZ 13, S. 597).

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