Orale Krebstherapie: Navelbine®
Brustkrebs
Brustkrebs zählt bekanntlich zu den häufigsten Krebserkrankungen der Frau. Die dagegen ergriffenen Behandlungsmaßnahmen umfassen in der Regel Operation, Bestrahlung, systemische Chemotherapie und bei den 2/3 hormonsensitiven Tumoren auch eine Hormonbehandlung. Heute versteht man das Mammakarzinom nicht als lokale, sondern als systemische Erkrankung mit lokaler Komponente. Die Chemotherapie erfolgt kombiniert entweder mit
»Cyclophosphamid«, »Methotrexat« und »Fluorouracil« (CMF-Schema),
oder mit »Doxorubicin« und »Cyclophosphamid« (Anthracyclin-Schema).
Lungenkrebs
Beim Mann gilt der Lungenkrebs als zweithäufigste Krebsart mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen 50 und 60 Jahren. Lungenkrebs kann u.a. als »nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom« auftreten und hat meist eine schlechte Prognose, weil es schon in beschwerdearmen Stadien zur Metastasierung kommt. Anfängliche Symptome umfassen Reizhusten und manchmal Blutspuren im Sputum. Jeder Husten, der länger als 3 Wochen dauert, ist grundsätzlich Bronchialkarzinom-verdächtig!
Frühe Stadien werden kurativ operiert (25 bis 30% der Fälle), späte Stadien erhalten zusätzlich eine Chemo- und/oder Radiotherapie. Mehrere Standardtherapien stehen zur Verfügung, wobei einer der Kombinationspartner immer »Cisplatin« oder »Carboplatin« sein sollte. Damit kann die Lebenszeit um etwa 8 bis 9 Monate verlängert werden. Die Einjahres-Überlebensrate beträgt 40%.
»Vinorelbin«
(Navelbine®-Kapseln)
Seit November des Vorjahres steht »Vinorelbin« in oraler Form zur Verfügung. Statt der Infusion genügt die einmalige orale Einnahme pro Woche.
Navelbine® ist in Stärken zu 20mg bzw. 30mg im Handel. Sie kosten pro 1 Stück Euro 84,50 bzw. pro 4 Stück Euro 275,75 (KKP). Für die stärkere Form zu 30 mg beträgt der korrespondierende KKP Euro 121,60 bzw. Euro 413,65. Eine Monatsbehandlung kostet etwa Euro 1.100,.
Wirkstoff und Wirkweise
»Vinorelbin« wird partialsynthetisch aus den Blättern von Cantharantus roseus, dem Madagaskar Immergrün, gewonnen. 4 Tonnen Immergrün liefern nach partialsynthetischer Modifikation nur 1 kg »Vinorelbin«. Im Glashaus des Wiener Universitäts-Institutes für Pharmakognosie ist übrigens der Madagaskar Immergrün zu sehen.
Alle Vinca-Alkaloide wirken hauptsächlich als mitotisches Spindelgift durch Anbindung an das Tubulin in den Mikrotubuli. Die Zellteilung wird in der Metaphase unterbrochen. Von der Beobachtung, dass »Vinorelbin« eher an den mitotischen als an den axonalen Mikrotubuli angreift, leitet man die geringere Neurotoxizität im Vergleich zu den anderen Vinca-Alkaloiden ab.
Pharmakokinetik und Dosierung
Nach oraler Gabe wird »Vinorelbin« rasch absorbiert und erreicht nach 1,5 bis 3 Stunden die maximalen Blutspiegel. Die absolute orale Bioverfügbarkeit beträgt 40% und wird durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme nicht beeinflusst. »Vinorelbin« wird im Körper großräumig verteilt und erreicht z.B. in der Lunge 300-fach höhere Konzentrationen als im Plasma. Die Bindung an Plasmaproteine ist mit nur 13,5% gering. Als Eliminationshalbwertszeit sind 35 bis 40 Stunden angegeben. Die Ausscheidung erfolgt primär über die Galle.
Vergleich: 25 mg (30 mg) der bisherigen i.v.-Gabe entsprechen 60 mg (80 mg) einer oralen Gabe (jeweils bezogen auf mg/m2).
Dosierung: Sie wird auf die Körperoberfläche in m2 bezogen und beträgt für die ersten drei Wochen 60 mg/m2 und ab der 4.Woche (sofern es das Blutbild erlaubt) 80 mg/m2 jeweils einmal pro Woche. Die Einnahme erfolgt mit einem Glas Wasser, wobei danach ein leichtes Mahl gegessen werden soll. In der Regel sind einmal wöchentlich 4 bis 5 Kapseln einzunehmen.
Indikation: Navelbine® kommt beim fortgeschrittenen Mammakarzinom sowie beim inoperablen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom als Monotherapie oder gemeinsam mit Cisplatin zur Anwendung.
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2 HOOC-CH (OH) -CH (OH) COOH
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»Vinorelbin«
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Sicherheit
Im Vordergrund der Nebenwirkungen steht die Neutropenie. Bei Vorstudien, die mit 80mg/m2 Körperfläche begonnen wurden, entwickelten 25% der Patienten eine ausgeprägte Neutropenie, die zum Teil tödlich verlief. Nur wenn es das Blutbild zulässt, darf die Dosis auf 80 mg/m2 gesteigert werden. Anämie und Thrombozytopenie sind weniger dosislimitierende Nebenwirkungen.
Verwendete Grundlagen:
Austria-Codex Fachinformation Navelbine®
Navelbine »oral«; Produktmonographie Boehringer Ingelheim
AWMF-Leitlinien Onkologie »Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms« (Arbeitsgem. der Wissenschaftl. Med. Fachgesellschaften) www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF
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