Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Gerhard Buchbauer
Statistik: Pharmaziestudenten an der Universität Wien
"
trefflich über Zahlen streiten!"
Akademisch. Das mit WS 2002/03 startende neue Curriculum für die Studienrichtung Pharmazie an der Universität Wien und somit das Ende des alten Studienplanes und dann auch verschiedene Meldungen über im Vergleich zu früheren Jahren z.T. dramatisch gesunkene Studentenzahlen* bilden den Anlass, einige Zahlen zu berichtigen und zu diskutieren. Dem Autor dieser Zeilen ist jedoch klar, dass "es sich trefflich über Zahlen streiten lässt!"
Dem Autor liegen einerseits in seiner ehemaligen Funktion als Präses der Prüfungskommission Pharmazie nunmehr als Prüfungskoordinator bezeichnet authentische Zahlen über die Absolventen dieses Studiums vor und andererseits als Leiter der Abteilung für Pharmazeutisch-chemische Diagnostik und somit verantwortlich für die »Übungen in anorganisch-qualitativer Analyse für Pharmazeuten« die ersten Laborübungen im Rahmen des Pharmaziestudiums ebensolche Zahlen über jene »echten« Beginner des Pharmaziestudiums, die die Hürde der ersten Prüfungen aus dem Prüfungsfach Chemie genommen haben. Echt deshalb, da diejenigen Studierenden, die das erste Chemiepraktikum absolvierten, auch früher oder später tatsächlich ihr Studium beenden konnten.
Übrigens: War früher die Sponsion, also die akademische Feier, der feierliche Abschluss des Pharmaziestudiums, so ist dies laut UniSTG 1997 (BGBl I 1997/98, §66 (1)), das am 1.8.1997 in Kraft trat, nunmehr die "
positive Beurteilung aller im jeweiligen Studienplan vorgeschriebenen Prüfungen und die Ablieferung der positiv beurteilten wissenschaftlichen Arbeit unbeschadet der Abhaltung akademischer Feiern
". D.h. also nach Approbation der Diplomarbeit und nach bestandener kommissioneller II. Diplomprüfung die letzte im Studienplan vorgeschriebene Prüfung hat der/die Studiendekan/in den Absolventen/innen des Diplomstudiums Pharmazie durch schriftlichen Bescheid den akademischen Grad »Mag. pharm.« zu verleihen.
 |
|
Univ.-Prof. Mag. pharm. Dr. Gerhard Buchbauer
|
Dieser Unterschied zu früher ist insofern von Bedeutung, als es hier leicht zu unterschiedlichen Berechnungen der Absolventenzahlen kommen kann, da sich nicht alle Absolventen zu einer Sponsion anmelden. Somit spiegelt ausschließlich die Anzahl der Absolventen der letzten Prüfung die Zahl der Studienabgänger wider. Aber auch die Zeitspanne, die für die Berechnung zugrunde gelegt wird, könnte ein Grund für manche unterschiedlichen Zahlen sein. Ab wann bis wann gezählt wird, ist vielleicht nicht ganz klar, z.B. Schuljahr also 1.9. bis 30.6. des folgenden Jahres , oder Studienjahr also 1.10. = Beginn des Studienjahres mit dem WS bis 30.9. des folgenden Jahres, = Ende des Sommersemesters. Der Autor dieser Zeilen bezieht sich auf die zuletzt genannte »akademische Zählweise«, die das universitäre Studienjahr umfasst, also 1.10. bis 30.9. des jeweils folgenden Jahres.
Jährliche Neuinskribenten
Die Zahlen ab 1997/98 stammen von der Studienabteilung der Universität Wien, übermittelt von ADir. A. G. Müller, Leiter dieser Abteilung, bzw. von Frau H. Pappenberger. Die letzten Daten stammen aus dem Internet: http://www.univie.ac.at/AUV/statistik.html
|
(Zahlen: jeweils über das gesamte Studienjahr, also SS + WS) |
| 1992/93: |
218 |
| 1993/94: |
225 |
| 1994/95: |
258 |
| 1995/96: |
271 |
| 1996/97: |
330 |
| 1997/98: |
282 |
| 1998/99: |
252 |
| 1999/2000: |
506 *) |
| 2000/01: |
365 |
| 2001/02: |
238 **) |
| 2002/03: |
263 |
*) siehe weiter untenstehende Erklärung
**) WS 2001: Einführung der Studiengebühr: WS 178 Neuinskribenten von Beginn der Inskriptionsfrist bis zum Inskriptionsende 30.11.2001 (60 Neuzulassungen aus dem SS 01 wurden noch dazugerechnet = Summe 238).
|
*): Eine Erklärung für diese hohen Studentenzahlen des Jahres 1999/00 und möglicherweise auch noch 2000/01 kann durch eine besonders kurios erscheinende Tatsache gegeben werden: (1) In den späteren 90er Jahren ist es möglich geworden, dass Pharmaziestudenten, die die Prüfung aus »Physik für Ernährungswissenschafter« bestanden haben, sich diese Prüfung für das Pharmaziestudium anrechen lassen konnten. (2) Schon etwas länger bestand die Möglichkeit, dass die Studienkommission Medizin bei einem Studienwechsel die Prüfung aus »Physik für Pharmazeuten« ihren nunmehrigen »neuen« Medizinstudenten anrechnete. Eine Anrechnung der Prüfung aus »Physik für Ernährungswissenschafter« wurde seitens der Studienkommission Medizin jedoch nicht vorgenommen. (3) Viele Medizinstudenten wichen daher wegen der anscheinend für sie schwereren Prüfung aus »Physik für Mediziner« per kurzzeitigem Studienwechsel in die Studienrichtung Pharmazie aus, belegten die Vorlesung »Physik für Ernährungswissenschafter«, ließen sich dann diese bestandene Prüfung als (kurzfristige) Pharmaziestudenten anrechnen und wechselten daraufhin wieder in ihr Stammstudium Medizin zurück, um sich schließlich die vermeintliche »Pharmazeutenphysik« durch die Studienkommission Medizin anrechnen zu lassen. De facto sind daher die früheren hohen Zahlen der Neuinskribenten nicht durch wirkliche Pharmaziestudenten zustande gekommen, sondern eben durch Studienwechsler Medizin
Pharmazie
Medizin.
Sieht man von diesem Kuriosum ab, stellt sich natürlich die Frage, wohin denn all die Neuinskribenten »verschwinden«, die in den ersten Vorlesungen als Zuhörer fehlen. Nach übereinstimmender Auskunft der Fachkollegen, die die Lehrveranstaltungen »Botanik und Allgemeine Biologie für Pharmazeuten«, »Grundlagen der Mathematik, Statistik und Biometrie« und »Einführung in die quantitative Analyse« vortragen, sowie den Beobachtungen des Autors »Einführung in die anorgan.-qualitative Analyse für Pharmazeuten« , gab es im WS 2001/02, in dem erstmals Studiengebühren eingehoben wurden, lediglich ca. 150 Zuhörer, im Wintersemester davor etwa 160 bis 170 und wieder ein Studienjahr davor ca. 190 »echte« Studierende und offenbar keine »Scheinstudenten«. Für das heurige WS 2002/03 dürften die Zuhörerzahlen interessanterweise mit der Zahl der Neuinskribenten annähernd übereinstimmen: 241 Neuinskribenten und ca. 214 bis 225 Zuhörer in den Vorlesungen von Prof. Buchbauer und der anderen Kollegen.
In der folgenden kurzen Übersicht werden nochmals die Zahlen der »tatsächlichen« Studierenden und die offiziellen Neuinskribenten gegenübergestellt:
| WS 1999/00 |
190 |
390 |
(ohne Anfänger des vorherigen SS) |
| WS 2000/01 |
170 |
260 |
" |
| WS 2001/02 |
150 |
178 |
" |
| WS 2002/03 |
215 |
241 |
" |
|
Wohin sind also diese »fehlenden« Studierenden der letzten Jahre verschwunden? Gibt oder gab es so viele Scheinstudenten? Oder eben Studierende, die den nötigen Studieneifer vermissen lassen? Da sich dies natürlich nicht exakt quantifizieren lässt man muss hier auch Studienwechsler von anderen Studienrichtungen, die durch Anrechnungen ihrer im früheren Studium abgelegten Prüfungen und Praktika gleich in einem »höheren« Semester das Pharmaziestudium fortsetzen und somit nicht in den besagten ersten Vorlesungen aufscheinen, berücksichtigen , erscheint dem Autor die Zahl der Absolventen des ersten Praktikums am aussagekräftigsten.
»Echte« Anfänger
Die Zahl der Absolventen der »Übungen zur anorganisch-qualitativen Analyse für Pharmazeuten« jedes Jahrganges hier aber jeweils SS und darauffolgendes WS wurde seit 1972/73 aufgezeichnet, und somit liegt dem Autor dieser Zeilen eine mehr als 30jährige Statistik vor (siehe Abbildung), wie sie nicht authentischer sein kann. Diese Übungen werden pro Studienjahr zwei Mal abgehalten: regulär nach Studienplan im 2.Semester für die im vorigen WS startenden Anfänger, die zeitgerecht, d.h. bis Anfang März, die laut Studienplan erforderliche Prüfung über die Einführungsvorlesung bestanden haben. Nachzüglern wird dann im nächsten WS also im 3. Semester die Gelegenheit gegeben, diese Übungen zu absolvieren. Die angeführten Zahlen ergeben sich also aus der Summe der Teilnehmer an diesen Übungen im SS und im darauffolgenden WS. Besonders hervorzuheben ist, dass heuer also Studienbeginn WS 2001/02, in dem erstmals Studiengebühren eingehoben wurden, Praktikumsbeginn entweder im SS 2002 oder im WS 2002/03 keine Abnahme der Studentenzahlen festgestellt werden konnte: Im Gegenteil, es wurden sogar um 4 Absolventen mehr in den Übungen beurteilt als im Jahr vorher.