Ein neues Malariamittel: Riamet®
Was mit einem erfolgreichen Kreuzzug gegen die Anopheles-Mücke begann, endete mit der Erkenntnis, dass die Schlacht nicht zu gewinnen war. Ständig vergrößern sich die malariaverseuchten Gebiete auf der Erde, jährlich erkranken 300 bis 500 Millionen Menschen neu, und die Malaria fordert sogar in Europa ihren Tribut, denn von rund 1.000 malariakrank heimgekehrten Urlaubern sterben trotz aller Bemühungen immerhin 20. Eine erträumte Erlebnisreise kann als Horror enden.

Zur Prophylaxe raten?
Die Expositionsprophylaxe mittels Repellentien und Pyrethrin hat hohe Effektivität. Kombiniert man sie mit hautbedeckender Kleidung und schläft unter einem Moskitonetz, so wird die Infektionswahrscheinlichkeit um satte 90% reduziert. Differenzierter, weil folgenschwerer, soll die Chemoprophylaxe empfohlen werden, denn die betreffenden Medikamente besitzen ein beachtliches Nebenwirkungspotenzial und sind in vielen Malariagebieten resistenzbedingt gar nicht mehr wirksam. Die »Stand by«-Variante erfordert wiederum gute Patientenaufklärung. Siehe dazu auch: www.reisemedizin.at.
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»Lumefantrin«
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Medikamente gegen Malaria
Neue Malariamittel würden wegen der zunehmenden Resistenz alle fünf Jahre benötigt werden. Eine Kombinationstherapie gegen die Resistenzproblematik stellt eine Alternative dar.
Resochin® ist wegen der verbreiteten Resistenz nur mehr zweite Wahl. Der neue Chininabkömmling Lariam® (»Mefloquin«) kann zur Prophylaxe, zur Therapie und als »Stand by« eingesetzt werden. Die erfolgreiche Anwendung wird außer in Indochina nirgendwo durch Resistenzerscheinungen eingeschränkt. Mit Malarone® (»Atovaquon + Proguanil«) verfügt die Tropenmedizin über ein klassisches Chemotherapeutikum zur Prophylaxe mit alternativer »Stand by«-Anwendung beim Auftreten klinischer Symptome. Die Nachbehandlungsphase beträgt bei den anderen vier Wochen, bei Malarone® patientenfreundlich nur eine Woche. Als nachteilig mag der hohe Preis empfunden werden, doch bei kurzen Aufenthalten oder in Zonen hoher Resistenzen relativiert er sich. »Doxycyclin« und »Tetrazyklin« richten sich gegen den Malariaparasiten selbst. Bis auf die Beeinträchtigung der Darmflora und der für Reisende in den Süden nicht gerade vorteilhaften Lichtsensibilisierung erfüllt z.B. Vibramycin® als Reservemedikament bei Nichteignung der vorher erwähnten Mittel und in Hochrisikogebieten durchaus seinen Zweck.
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Kurzprofil Riamet®
synergistisch wirkende Kombination von »Artemether« und »Lumefantrin« zur Behandlung des Akutstadiums einer unkomplizierten Malariainfektion durch Plasmodium falcipare
äußerst rasche Parasitenelimination und Fiebersenkung
3 Tagesbehandlung ausreichend
Riamet® wird als gute Alternative zu Malarone®, auch in der »Stand by«-Variante, eingestuft
wirksam auch gegen multiresistente Malaria tropica-Stämme
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»Artemether« & »Lumefantrin«
(Riamet®-Tabletten)
Dieses neue Kombinationspräparat zur Malariabehandlung stammt von Novartis und ist in Packungen zu 16 und 24 Tabletten seit 1.1.2002 im Handel.
Chemie und Wirkweise
Beide Wirkstoffe sind im Verhältnis von 1:6 in der Tablette enthalten, d.h. 20 mg »Artemether« und 120 mg »Lumefantrin«. Ersteres ist ein Sesqiterpenlakton und steht strukturell dem »Artemisin« nahe, zweiteres zählt wie »Chinin«, »Mefloquin« und »Halofantrin« zur Familie der Arylaminoalkohole.
Die antiparasitäre Wirkung beider Bestandteile verstärkt sich synergistisch. Beide greifen an der Nahrungsvakuole des Malariaparasiten an. Dort hemmen sie die Detoxifikation von Hämin ins ungiftige kristalline Malariapigment Hämozoin. Darüber hinaus unterbinden sie die Nukleinsäure- und Proteinsynthese im Parasiten. Diese Effekte bewirken sein rasches Absterben, auch bei Chloroquinresistenz.
Pharmakokinetik und Dosierung
»Artemether« wird rasch aus dem Darm aufgenommen und gipfelt im Plasma nach ca. 2 Std. Das wesentlich lipophilere »Lumefantrin« erreicht die maximale Plasmakonzentration erst 68 Std. später. Bei »Artemether« erfolgt die Elimination zügig mit einer Plasmahalbwertszeit von etwa 2 Stunden. Bei »Lumefantrin« müssen dafür 46 Tage abgewartet werden.
Dosierung: Sie gilt für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren resp. > 35 kg KG.
Man beginnt nach Diagnosestellung mit 4 Tabletten als Einzeldosis, gefolgt von jeweils weiteren 4 Tabletten nach 8, 24, 32 und 60 Stunden. Eine Packung zu 24 Tabletten reicht also für einen Behandlungszyklus. Gleichzeitige, möglichst fettreiche Nahrung fördert die Resorption, besonders von »Lumefantrin«. Sonst besteht die Gefahr, dass nur 10% der möglichen Menge aufgenommen werden! Erbrechen bei Malaria ist häufig. Passiert dies innerhalb 1 Std. nach Einnahme, sollte diese wiederholt werden.
Riamet® ist das derzeit am schnellsten wirksame Malariamittel. Fieber und Parasitenbefall wurden innerhalb von 3072 Stunden beseitigt, und innerhalb von 28 Tagen Heilungsraten von bis zu 96% erzielt. In der Monotherapie lag die Heilungsrate mit »Artemether« bei nur 55%, mit »Lumefantrin« bei 92%. Gegen die Hypnozoiten fehlt allerdings der pharmakologische Angriffspunkt. Daher kann eine sequenzielle Therapie mit »Primaquin« zu deren Vernichtung notwendig werden.
Sicherheit
Unter den Nebenwirkungen führen Kopfschmerz (16,4%), Schwindel (11,3%), gastrointestinale Störungen (11,4%), Schlafstörungen (9,6%) und Anorexie (11,9%). Aus grundsätzlichen Erwägungen sollte Riamet® nicht gleichzeitig mit »Halofantrin« und »Chinin«, insbesonders bei Herzrhythmusstörungen, gegeben werden.
Verwendete Grundlagen:
Austria-Codex Fachinformation Riamet®
Homepage des Tropeninstitutes www.reisemedizin.at.
»Malariaprophylaxe bei Reisenden« Mediz. Monatschr. f. Pharmazeuten 1; 30 (2002)
DAZ Nr. 27; 44 (2001)
»Treatment Guidelines in endemic falciparum malaria; a consensus publication« XV. Congress für Tropical Med. and Malaria; Cartagene Columbien (2000); adapted by Novartis
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