ÖAZ Aktuell (Ausgabe 5/2002)

Information 5/2002

INFORMATION

Blutdrucksenker gegen zweiten Schlag-anfall: Progress-Studie zeigt Einfluss

Posttraumatische Belastungsstörung: Verletzte Psyche

»Schrittmacher« gegen Depressionen: Neurochirurgie

Alkoholentzugs-
behandlung: Aktuelle Strategien

Abhilfe bei Stress-
inkontinenz: Minimal-
invasive Operation

Hoffnung für Morbus Crohn-Patienten:
Neue Langzeittherapie im Test

Insulininjektionsgeräte und Diabetes-Medika-
tion: der Europamarkt

Hormonersatz in der Menopause: Optimale Therapie?

Non-Hodgkin-
Lymphom: Neue Therapie – deutlich besser

Handschlagqualität: Mag. pharm. Dr. Wolfgang Ullrich zum 75er

Progress-Studie zeigt Einfluss

Blutdrucksenker gegen zweiten Schlaganfall

Die regelmäßige Einnahme einer prinzipiell blutdrucksenkenden Medikation nach einem ersten Schlaganfall kann einen zweiten verhindern. Die Schutzrate beträgt zwischen 28 und 43 Prozent. Dies geht aus der internationalen Progress-Studie hervor. Univ.-Prof. Dr. Wilfried Lang von der Neurologischen Universitätsklinik am Wiener AKH: "In Wien erleiden im Jahr rund 3.750 Patienten einen Schlaganfall. 8,9 Prozent von ihnen bekommen aber im nächsten Jahr einen zweiten." Zwar überleben rund 70 Prozent der Betroffenen die erste Akuterkrankung durch einen Gefäßverschluss oder eine Blutung im Gehirn ohne bleibende Behinderung. Doch die Gefahr eines zweiten solchen Ereignisses bringt eine ausgesprochen schlechte Langzeitprognose mit sich.
Deshalb sollte – neben der Primärprävention vor dem ersten Schlaganfall mit Nichtrauchen, Blutdruckkontrolle und Überwachung des Cholesterinspiegels – bei Menschen, die schon ein »Schlagerl« erlitten haben, besonders genau auf diese Risikofaktoren geachtet werden. Im Zweifel ist auf jeden Fall eine medikamentöse Behandlung notwendig. In der Progress-Studie, die in zehn Staaten der Erde und mehr als 170 Zentren mit insgesamt rund 6.000 Patienten durchgeführt wurde, erhielten rund 3.000 Menschen nach einem ersten Schlaganfall vier Jahre lang den ACE-Hemmer Perindopril (vier Milligramm pro Tag) und bei Bedarf auch das Diuretikum Indipamid. In einer Vergleichsgruppe mit ebenfalls rund 3.000 Patienten wurden diese »nur« herkömmlich, also z.B. bei erhöhtem Blutdruck mit anderen Medikamenten behandelt. Univ.-Prof. Dr. Martin Wehling, Pharmakologe an der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim (BRD): "Das ist die erste derartige Studie in der Sekundärprävention von Schlaganfällen. Insgesamt kam es zu einer Reduktion der Zahl der erneuten Schlaganfälle im Vergleich zur Placebogruppe um 28 Prozent. Bei den Patienten, die Perindopril und Indipamid erhielten, betrug die Reduktion gar 43 Prozent."

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