Symposium: Gartentherapie*
Arbeiten mit Pflanzen
Die Arbeit im Garten und der Anblick von natürlicher Umgebung beeinflussen unser Wohlbefinden positiv und rufen Erfahrungen in uns wach. Der »Garten Eden« ist ein Synonym für das Paradies, und Gärten hatten in allen Kulturkreisen und zu allen Zeiten schon immer eine besondere Bedeutung. Gerade heutzutage ist der Garten ein wichtiger Ort, um Ruhe und Aktivität, sowie gleichermaßen Gemeinschaft und Einsamkeit erleben zu können.
Diese grundlegenden Erfahrungen haben einen therapeutischen Effekt. Für Menschen mit besonderen Bedürfnissen ist das Erleben der Natur von großer Bedeutung und hilft mit, die physische und psychische Gesundheit zu verbessern und soziale Fähigkeiten zu erlernen. Die Arbeit mit Pflanzen hilft, innere Barrieren zu überwinden und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben.
Gartentherapie
Diese positiven Auswirkungen der Natur auf den Menschen werden im Rahmen einer Therapieform genutzt. Das Konzept der Gartentherapie ist im angloamerikanischen Raum bereits seit Jahrzehnten fest verankert und wissenschaftlich als eigene Disziplin etabliert. Auch in den Niederlanden und Deutschland existieren schon seit geraumer Zeit Projekte.
Gartentherapie ist eine Therapie, bei der durch zielgerichtete Aktivitäten mit Pflanzen eine physische und psychische Verbesserung des Gesundheitszustandes der Patienten erreicht und die Lebensqualität erhöht wird. Gartentherapie kann mit Patienten aller Altersstufen und diverser Krankheitsbilder praktiziert werden.
Dabei erstellen Ärzte, Therapeuten und Gärtner zusammen ein Programm.
Die Natur selbst ist eines der kräftigsten und besonders nachhaltigen therapeutischen Medien und gehört zu den grundsätzlichen und selbstverständlichen Alltagserfahrungen des Menschen. Menschen in Pflegeeinrichtungen, Krankenanstalten oder mit besonderen Bedürfnissen haben meist nicht die Möglichkeit, diese Erfahrungen zu machen. Die Arbeit mit Pflanzen kann ihnen diese Sinneserfahrungen ermöglichen. Jahreszeiten werden bewusst erlebt, Verantwortung wird übernommen, die eigene Kreativität kann entfaltet werden.
Zu den therapeutischen Zielen gehört es etwa, die Motorik zu verbessern, Beweglichkeit zu erlangen, Muskeln zu stärken, aber auch Funktionserhaltung, soziale Kompetenz zu fördern sowie psychologische Aspekte zu berücksichtigen.
Im Rahmen der gärtnerischen Zielsetzung sollen die gartenbaulichen Tätigkeiten korrekt und mit Erfolg ausgeführt werden. Das Umweltbewusstsein wird gefördert, Pflanzenkenntnisse werden erworben und Pflegemaßnahmen gesetzt.
Therapiegarten
Gartentherapie kann im Freien in einem an die Bedürfnisse der Patienten adaptierten Therapiegarten stattfinden. Hier steht die ganze Palette an gärtnerischen Tätigkeiten rund um das Jahr zur Verfügung.
Durch die Anlage eines Therapiegartens werden Räume für soziale Kontakte geschaffen. Hier kann ein Zusammentreffen zwischen Arzt und Patient, mit den Angehörigen und dem Pflegepersonal ungezwungener stattfinden. Die Aktivitäten im Garten und mit Pflanzen verbessern auch die Sozialkontakte zwischen den Patienten.
Der Garten wird auf die speziellen Anforderungen, festgelegt von Therapeuten (Ergotherapie, Physiotherapie, Psychotherapie), abgestimmt und ermöglicht so ein breiteres Spektrum der Therapien.
Bei dieser Form der aktiven Gartentherapie ist es wichtig, den Garten entsprechend der Fähigkeiten und Anforderungen der Patienten zu gestalten. Ein Garten für blinde Menschen muss andere Kriterien berücksichtigen als ein Garten für Rollstuhlfahrer. Ein Garten für Senioren hat andere Aufgaben zu erfüllen als ein Garten für Kinder. Je mehr sich die Planung der Gartenanlage mit den Bedürfnissen der Nutzer auseinandersetzt, umso mehr therapeutische Ziele können erreicht werden.
Glashaus und Floristik
Im Glashaus kann während des gesamten Jahres gearbeitet werden. Das Glashaus ist eine sinnvolle Ergänzung zum Therapiegarten. Hier kann auch der Bereich der Zimmerpflanzen mit seinen vielfältigen Möglichkeiten zur Gartentherapie herangezogen werden.
Die Floristik bietet viele unterschiedliche Aktivitäten an. Pflanzen aus dem Garten können hier im Winter weiterverarbeitet werden, und viele Arbeiten können sogar im Krankenbett stattfinden.
Ein eigener Raum für die Floristik ist von Vorteil, aber in jedem Aufenthaltsraum kann schnell Platz gefunden werden. So kann man Gartentherapie auch mit geringen Mitteln und ohne Grünflächen praktizieren.
Passive Gartentherapie
Auch wenn Patienten nicht in der Lage sind, aktiv im Garten zu arbeiten, kann ein Garten therapeutische Wirkung haben.
In der Natur werden alle unsere Sinne angeregt, die überfordert oder teilweise vernachlässigt sind. In einer reizüberfluteten Welt strahlt ein Garten Vertrautheit und Ruhe aus, hier können Düfte wahrgenommen werden, hier ist das Rauschen der Blätter zu hören. Ein Garten ist eine Umgebung, die nicht bedrohlich wirkt und in ihrer komplexen Erscheinungsform für jeden Menschen etwas bieten kann. Alle Menschen hatten in der Kindheit Naturerlebnisse, die bestimmte Erinnerungen und Gefühle wachrufen.
Diese Erfahrungen werden Patienten meist vorenthalten, viele befinden sich monatelang in geschlossenen Räumen, aber schon ein paar Sonnenstrahlen und frische Luft heben die Lebensqualität.
Kranken Menschen, Menschen mit Behinderungen oder in Pflegeheimen können Pflanzen helfen, die Lebensqualität und den Gesundheitszustand zu verbessern und tragen damit zu einem optimalen Erfolg herkömmlicher Therapien bei.
DI Birgit Hotwagner
Planung von Therapiegärten, Gartentherapeutin, Seminare; hotwagner.b@gmx.at; Tel: 01/3699492
* Termin s. S. 146, das detaillierte Programm wurde in ÖAZ Nr. 3, S. 99 veröffentlicht.