ÖAZ Aktuell (Ausgabe 4/2002)

Hauptartikel 4/2002

HAUPTARTIKEL

Das weite Land

Uncaria tomentosa (Willd.) DC., Katzenkralle

»Apothekenpreise«

Citronen- und Zimtöle

Chronic Obstructive Pulmonary Disease

Chronische Virushepatitiden

Marktübliche Praxis ist das Strecken von Citronenöl mit Citronendestillaten oder mit Terpenen des (billigen) süßen Orangenöls.

Bei den Zimtölen entsprachen von 16 Mustern zwei nicht den Anforderungen.

Dir. Mag. pharm. Dr. Martin Punzengruber

Aus dem Chemisch-Pharmazeutisches Laboratorium
der Österreichischen Apothekerkammer

Citronen- und Zimtöle

Qualitätsniveau. Gerade in der kalten Jahreszeit haben ätherische Öle Saison. In der Nachkontrolle I/01 wurden ätherische Öle, die wir von Christkindlmärkten bezogen, überprüft. Erwartungsgemäß waren erhebliche Qualitätsmängel bei diesen Ölen nachweisbar.* Da Minderqualitäten von Citronenölen nunmehr auch in deutschen Apotheken festgestellt wurden, war das Thema »Nachkontrolle von ätherischen Ölen« wieder brandaktuell!

Aetheroleum Citri/Ph.Eur. 1997

Während die meisten ätherischen Öle mittels Wasserdampfdestillation gewonnen werden, erfolgt die Herstellung des Citronenöls durch Auspressen der frischen Fruchtschalen der Zitrone. Dabei werden für 100g Citronenöl ca. 220 frische Zitronen mittlerer Größe benötigt. Ein durch Wasserdampfdestillation gewonnenes Öl liefert zwar eine höhere Ausbeute an ätherischem Öl, dieses Öl hat aber einen unangenehmen terpentinartigen Geruch und ist daher nicht arzneibuchkonform!

Marktübliche Praxis ist das Strecken von Citronenöl mit Citronendestillaten oder mit Terpenen des (billigen) süßen Orangenöls.

Für den Nachweis der ordnungsgemäßen Herstellung von Citronenöl dient im Ph.Eur. der Prüfpunkt »Absorption«, da infolge des Auspressens der Zitronenschalen charakteristische Cumarin- und Furanocumarinderivate in das Öl gelangen, welche durch das UV-Spektrum zwischen 260nm und 380nm nachgewiesen und durch die Angabe des C/D-Wertes spezifiziert werden können. Der C/D-Wert stellt somit einen wichtigen Parameter für die Beurteilung der Qualität dar!
Marktübliche Praxis ist das Strecken von Citronenöl mit Citronendestillaten oder mit Terpenen des (billigen) süßen Orangenöls.
Letztere Verfälschung lässt sich durch den Nachweis überhöhter Delta3-Carengehalte im Gaschromatogramm feststellen. Im echten kaltgepressten Citronenöl kommt Delta3-Caren nur in sehr geringen Mengen bis max. 0,01% vor.
Wesentlich höhere Anteile dieser Substanz (etwa >0,02%) ermöglichen den Nachweis minderwertiger Öle.
Diese minderwertigen Qualitäten wurden in deutschen Apotheken festgestellt, wie in DAZ 141. Jhgg. Heft 37, S. 4268 f. publiziert wurde.
Aus diesem Anlaß war es daher von besonderem Interesse, die Qualität von Citronenöl in den österreichischen Apotheken zu evaluieren.

Ergebnisse
Österreichweit wurden dem Kammerlabor 18 Muster Citronenöl von 8 verschiedenen Chargen eingesandt.
Schon bei der visuellen Prüfung fällt auf, dass das Muster

Richter – Wels/Charge: 27930B22

eine schwach gelbliche Flüssigkeit ist, während alle anderen Muster eine intensiv gelbgrüne Farbe aufweisen.
Auch die DC-Prüfung nach dem Arzneibuch weist nur sehr schwach ausgeprägte Cumarinzonen auf und die Absorption (C/D-Wert) ist praktisch nicht messbar.

Das Muster
Richter – Wels/Charge: 27930B22 entspricht daher nicht Ph.Eur./1997.

Erfreulicherweise entsprechen alle anderen Muster in den Prüfpunkten der Ph.Eur. Ebenso konnten die Spezifikationen des chromatographischen Profils (publiziert im Pharmeuropa) von diesen Mustern gehalten werden.
Im Gegensatz zu den Mustern aus deutschen Apotheken, waren auch die Werte für Delta3-Caren nicht überhöht, sodass ein Zusatz von Orangenöl ausgeschlossen werden kann.
Für die Charge: PH-036/01 sei lediglich angemerkt, dass auf das Vorhandensein eines Bodensatzes zu achten ist. Durch sorgfältiges Abdekantieren wird aber ein klares, verkehrsfähiges Öl erhalten.



Aetheroleum Cinnamomi/Ph.Eur. – Nachtrag 2001

16 Prüfmuster aus 6 Chargen wurden dem Kammerlabor zur Nachkontrolle übermittelt.

Die Muster
Zimtöl/ÖAB 1990 bezogen von Mayerhofer Pharmazeutika/Linz Kontrollnummer: 904258
Aetheroleum Cinnamomi (keine Qualitätsangabe) bezogen von Richter/Wels
weisen im GC-fingerprint starke Abweichungen von authentischen Zimtölen auf.
Kennzeichen dieser Muster ist das Fehlen von Leitsubstanzen im chromatographischen Profil (z.B.: trans-2-Methoxyzimtaldehyd) sowie die Tatsache, dass lediglich ca. 40 Peaks (!) detektierbar sind, während echte Öle ca. 100 (!) Peaks liefern. Daher müssen diese Muster als künstliche Produkte eingestuft werden.
Unsere Vermutung wurde durch ein nachträglich zugesandtes Zertifikat, lautend auf

»Zimtöl Typ Ceylon« – naturidentisch

bestätigt.
Rechtlich bedenklich ist aber die Tatsache, dass das von der Firma Mayerhofer/Linz bezogene Muster die Qualitätsangabe

ÖAB/1990

am Etikett deklariert, obwohl laut Definition im Arzneibuch ein natürliches Öl vorliegen muss.

Alle anderen Muster entsprechen den Angaben des derzeit gültigen Ph.Eur.-Nachtrags 2001.

Resumée

Aus aktuellem Anlass wurden in der Nachkontrolle IV/01 Citronenöl- und Zimtöl- Muster überprüft.
Da Minderqualitäten von Citronenölen in deutschen Apotheken festgestellt wurden, sowie von Christkindlmärkten in der Regel naturidente Zimtöle feil geboten werden, war es von Interesse, die Qualität dieser Öle im österreichischen Apothekenhandel zu evaluieren.
Die Ergebnisse – ein nicht entsprechendes Muster von 18 Mustern Citronenöl sowie zwei nicht entsprechende Muster von 16 Zimtölen – zeigen eine deutliche Verbesserung des Qualitätsniveaus gegenüber jenen Jahren, in denen die GC-Prüfung noch nicht im Arzneibuch implementiert war.
Anzumerken bleibt aber die Tatsache, dass der Apotheker beurteilen muss, ob die Prüfergebnisse des Analysenzertifikats die Aussage erlauben, dass dieses Produkt »Arzneibuchqualität« aufweist, wie es am Etikett (aus Marketing-Gründen) in der Regel deklariert ist, oder mangels ausreichender analytischer Daten die Gefahr besteht, dass eine Unterscheidung von authentischen Ölen zu naturidenten Ölen unmöglich ist.

* s. ÖAZ, 55. Jahrgang, Nr. 3

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