ÖAZ Aktuell (Ausgabe 25/2001)

Serien 25/2001

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Erster Pneumokokken-Impfstoff für Kleinkinder: Prevenar®

Obwohl schon 1911 erste Studien zur Entwicklung eines Pneumokokken-Impfstoffes liefen, war bislang kein Impfstoff für Kinder unter 2 Jahren existent, denn der verfügbare 23-valente Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff vermittelt in diesem Lebensalter noch keinen Schutz. Leider, denn gerade in diesem Alter, in dem 80% der erwiesenen Pneumokokkeninfekte auftreten, wäre er nötig.

Pneumokokkeninfekte
Zu den wichtigsten Erregertypen zählen Streptococcus pneumoniae und die Menningokokken. Passieren diese Bakterien die Mukosa und gelangen in die Blutbahn, drohen neben Pneumonie auch Hirnhautentzündung, Sepsis und Bakteriämie als Zeichen einer invasiven Infektion. Zu den besonderen Risikogruppen zählen Kinder unter zwei und Senioren über 65 Jahre. Folge eines nicht invasiven Befalles der Nebenhöhlen und des Mittelohrs ist die akute Otitis media.
WHO-Schätzungen aus 1996 gehen weltweit von 1,2 Mio. Todesfällen durch Pneumokokken aus, davon 40% bei Kindern unter 2 Jahren!

Bedrohliche Tendenzen zur Resistenzbildung!
Routinemäßig verabreichte Antibiotika wie »Penicillin« oder »Erythromycin« beginnen wegen Multiresistenzerscheinungen der Pneumokokken, unwirksam zu werden.
In Deutschland verdoppelte sich die Penicillin-Restistenz von 2,7% (1997) auf 5,4% (1999), die Erythromycin-Resistenz stieg von 3,6% (1992) auf 17,4% (1999). Spanienurlauber sollten sich dessen bewusst sein, dass dort 80% der Pneumokokken-Stämme nicht mehr auf Penicillin ansprechen! Auch wenn in Österreich die Antibiotikaresistenz gegen Pneumokokken mit 3% für »Penicillin« und 15% für »Erythromycin« noch günstig scheint, sind resistente Stämme auch bei uns im Vormarsch.

(Eskola J. et al., »Präsentation at 1st Internat. Paed. Infect. Disease Conf.«, Monterey, Can.: 19–24; 21–22 Sept. 1995)

Pneumokokken-Anteil an kindlichen Erkrankungen in %


Schwierige Impfstoffherstellung
Das zu lösende Hindernis lag in der Vielfalt der Pneumokokken-Serotypen, von denen mehr als 90 bekannt sind. Weil nun nicht alle 90 gleichmäßig an Infektionen beteiligt sind, gelang es in den USA, mit nur 7 Serotypen 83% der dort für invasive Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter 4 Jahren verantwortlichen Erreger zu erfassen. Den wichtigsten Virulenzfaktor bildet die Polysaccharidkapsel, welche das Bakterium vor Phagozytose durch Granulozyten und Phagozyten bewahrt und für die Serotypenvielfalt sorgt.
Mit dem neuen Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff Prevenar® wird erstmals die bisherige Impflücke gegen Pneumokokken bei Kindern unter 2 Jahren geschlossen.



Kurzprofil Prevenar®

7-valenter Konjugatimpfstoff, bei dem jeder der sieben Kapselpolysaccharid-Typen zur Verstärkung der Immunantwort an einen Proteincarrier gebunden ist
erstmals Schutz vor den bei Kindern <2 Jahre so häufigen, invasiven Pneumokokken pneumoniae-Infektionen
Prevenar® baut zusätzlich eine mukosavermittelte Immunität im Nasen- und Rachenbereich auf und reduziert die Otitis media–Inzidenz.
Prevenar® ist mit allen im Österreichischen Impfplan enthaltenen Kinderimpfungen kompatibel

Pneumokokkensaccharid-
Konjugatimpfstoff »adsorbiert«
(Prevenar® – Injektionssuspension in Durchstichflaschen)

Dieser 7-fach-Impfstoff steht nach Durchlaufen des zentralen Zulassungsverfahrens seit Mai 2001 zur Verfügung. Eine Durchstichflasche kostet ATS 1.621,50/117,84 Euro (AVP). Je nach Alter sind 2–4 Teilimpfungen notwendig.

Wirkstoff und Immunantwort
0,5 ml des aus pflanzlichen Kulturmedien stammenden Impfstoffes enthalten 7 verschiedene Pneumokokken-Polysaccharide der für die häufigsten invasiven Infektionen verantwortlichen Serotypen. Jedes der sieben ist an ein nicht toxisches Diphtherietoxoid-Trägerprotein (CRM 197; siehe Schema) gebunden, und die Abfüllung erfolgt ohne Konservantien.

Im Gegensatz zum konventionellen, gereinigten Kapselpolysaccharid-Impfstoff wird auf diese Weise auch bei Kindern unter zwei Jahren eine ausreichende Immunantwort erzielt, die nach drei Impfungen bis zu 97,4% beträgt.
Der Impfstoff verleiht zudem eine schleimhautvermittelte Immunität, welche die nasopharyngiale Pneumokokken-Besiedelung reduziert, ein gewichtiger Vorteil, weil jeder zweite Gesunde Pneumokokken-Träger ist und über eine Tröpfcheninfektion Pneumokokken auf Abwehrgeschwächte übertragen kann.

Impfschema
Kinder, die älter als 2 Jahre sind und an Immundefiziten, Nieren-, oder Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, etc. leiden, sollten nach Abschluss der Prevenar®-Immunisierung noch eine Impfung mit dem breit immunisierenden 23valenten Pneumokokken-Impfstoff erhalten.
Prevenar® deckt in Europa in der Gruppe der »jungen« Kinder etwa 75% der bekannten invasiven Pneumokokken-Serotypen ab.

Alter bei Erstimpfung

Anzahl der Teilimpfungen

Hinweise zum
Dosisintervall

Säuglinge von 3–6 Monaten

4

mind. 1 Monat zw. Dosis 1, 2, 3;
Dosis 4 im 2. Lebensjahr

Säuglinge 7–11 Monate

3

mind. 1 Monat zw. Dosis 1, 2;
Dosis 3 im 2. Lebensjahr

Kleinkinder 12–23 Monate

2

2. Dosis im Abstand von mindestens 2 Monaten

gesunde Kinder ab dem 2. Lebensjahr

1

1 Dosis

Laut Fachinformation bzw. dem Consensus-Papier des Österreichischen Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin


Sicherheit
Hinsichtlich der Immunität und der Verträglichkeit gab es mit den in Österreich empfohlenen Impfungen keine Interaktionen. Die Pneumokokken-Impfung kann daher simultan mit jeder Mehrfachimpfung erfolgen. Als häufigste Nebenwirkung (>10%) sind lokale Reaktionen, Fieber über 38°C, verminderter Appetit, Durchfall und Erbrechen zu erwarten.

Verwendete Grundlagen:
Consensus-Meeting Prevenar® des Österr. Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin
Austria Codex-Fachinformation Prevenar®
»Schach den invasiven Pneumokokken«; Produktfolder von Wyeth-Lederle Pharma, Wien
»Wirksamkeit, Sicherheit und Immunogenität von heptavalentem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff bei Kindern« St. Black et al. und die Northern Californian Permanente Vaccine Study Center Group; Ped. Infect. Dis. J. 2000; 19: 187–195

Vorgestellte Präparate 2001:

Actos®

ÖAZ

9, S.

412

Aerodiol®

ÖAZ

Agenerase®

ÖAZ

10, S.

460

Aranesp®

ÖAZ

892

Botox®

ÖAZ

2, S.

52

Cabaseril®

ÖAZ

7, S.

316

Estalis®

ÖAZ

5, S.

204

Fasturtec®

ÖAZ

FemSevenCombi®

ÖAZ

Hexavac®/Infanrix® hexa

ÖAZ

6, S.

268

Ixense® & Uprima®

ÖAZ

700

Kaletra®

ÖAZ

796

Keppra®

ÖAZ

8, S.

364

Metalyse®

ÖAZ

748

Nexium®

ÖAZ

556

OxyContin®

ÖAZ

604

Rapamune®

ÖAZ

21, S.

988

Reductil®

ÖAZ

11, S.

508

Reminyl®

ÖAZ

1, S.

4

Seroquel®

ÖAZ

3, S.

100

Somnal®

ÖAZ

4, S.

156

Uft®

ÖAZ

844

Xeloda®

ÖAZ

652

Zometa®

ÖAZ

940

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