Erster Pneumokokken-Impfstoff für Kleinkinder: Prevenar®
Obwohl schon 1911 erste Studien zur Entwicklung eines Pneumokokken-Impfstoffes liefen, war bislang kein Impfstoff für Kinder unter 2 Jahren existent, denn der verfügbare 23-valente Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff vermittelt in diesem Lebensalter noch keinen Schutz. Leider, denn gerade in diesem Alter, in dem 80% der erwiesenen Pneumokokkeninfekte auftreten, wäre er nötig.
Pneumokokkeninfekte
Zu den wichtigsten Erregertypen zählen Streptococcus pneumoniae und die Menningokokken. Passieren diese Bakterien die Mukosa und gelangen in die Blutbahn, drohen neben Pneumonie auch Hirnhautentzündung, Sepsis und Bakteriämie als Zeichen einer invasiven Infektion. Zu den besonderen Risikogruppen zählen Kinder unter zwei und Senioren über 65 Jahre. Folge eines nicht invasiven Befalles der Nebenhöhlen und des Mittelohrs ist die akute Otitis media.
WHO-Schätzungen aus 1996 gehen weltweit von 1,2 Mio. Todesfällen durch Pneumokokken aus, davon 40% bei Kindern unter 2 Jahren!
Bedrohliche Tendenzen zur Resistenzbildung!
Routinemäßig verabreichte Antibiotika wie »Penicillin« oder »Erythromycin« beginnen wegen Multiresistenzerscheinungen der Pneumokokken, unwirksam zu werden.
In Deutschland verdoppelte sich die Penicillin-Restistenz von 2,7% (1997) auf 5,4% (1999), die Erythromycin-Resistenz stieg von 3,6% (1992) auf 17,4% (1999). Spanienurlauber sollten sich dessen bewusst sein, dass dort 80% der Pneumokokken-Stämme nicht mehr auf Penicillin ansprechen! Auch wenn in Österreich die Antibiotikaresistenz gegen Pneumokokken mit 3% für »Penicillin« und 15% für »Erythromycin« noch günstig scheint, sind resistente Stämme auch bei uns im Vormarsch.
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(Eskola J. et al., »Präsentation at 1st Internat. Paed. Infect. Disease Conf.«, Monterey, Can.: 1924; 2122 Sept. 1995)
Pneumokokken-Anteil an kindlichen Erkrankungen in %
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Schwierige Impfstoffherstellung
Das zu lösende Hindernis lag in der Vielfalt der Pneumokokken-Serotypen, von denen mehr als 90 bekannt sind. Weil nun nicht alle 90 gleichmäßig an Infektionen beteiligt sind, gelang es in den USA, mit nur 7 Serotypen 83% der dort für invasive Pneumokokken-Erkrankungen bei Kindern unter 4 Jahren verantwortlichen Erreger zu erfassen. Den wichtigsten Virulenzfaktor bildet die Polysaccharidkapsel, welche das Bakterium vor Phagozytose durch Granulozyten und Phagozyten bewahrt und für die Serotypenvielfalt sorgt.
Mit dem neuen Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff Prevenar® wird erstmals die bisherige Impflücke gegen Pneumokokken bei Kindern unter 2 Jahren geschlossen.
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Kurzprofil Prevenar®
7-valenter Konjugatimpfstoff, bei dem jeder der sieben Kapselpolysaccharid-Typen zur Verstärkung der Immunantwort an einen Proteincarrier gebunden ist
erstmals Schutz vor den bei Kindern <2 Jahre so häufigen, invasiven Pneumokokken pneumoniae-Infektionen
Prevenar® baut zusätzlich eine mukosavermittelte Immunität im Nasen- und Rachenbereich auf und reduziert die Otitis mediaInzidenz.
Prevenar® ist mit allen im Österreichischen Impfplan enthaltenen Kinderimpfungen kompatibel
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Pneumokokkensaccharid-
Konjugatimpfstoff »adsorbiert«
(Prevenar® Injektionssuspension in Durchstichflaschen)
Dieser 7-fach-Impfstoff steht nach Durchlaufen des zentralen Zulassungsverfahrens seit Mai 2001 zur Verfügung. Eine Durchstichflasche kostet ATS 1.621,50/117,84 Euro (AVP). Je nach Alter sind 24 Teilimpfungen notwendig.
Wirkstoff und Immunantwort
0,5 ml des aus pflanzlichen Kulturmedien stammenden Impfstoffes enthalten 7 verschiedene Pneumokokken-Polysaccharide der für die häufigsten invasiven Infektionen verantwortlichen Serotypen. Jedes der sieben ist an ein nicht toxisches Diphtherietoxoid-Trägerprotein (CRM 197; siehe Schema) gebunden, und die Abfüllung erfolgt ohne Konservantien.

Im Gegensatz zum konventionellen, gereinigten Kapselpolysaccharid-Impfstoff wird auf diese Weise auch bei Kindern unter zwei Jahren eine ausreichende Immunantwort erzielt, die nach drei Impfungen bis zu 97,4% beträgt.
Der Impfstoff verleiht zudem eine schleimhautvermittelte Immunität, welche die nasopharyngiale Pneumokokken-Besiedelung reduziert, ein gewichtiger Vorteil, weil jeder zweite Gesunde Pneumokokken-Träger ist und über eine Tröpfcheninfektion Pneumokokken auf Abwehrgeschwächte übertragen kann.
Impfschema
Kinder, die älter als 2 Jahre sind und an Immundefiziten, Nieren-, oder Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, etc. leiden, sollten nach Abschluss der Prevenar®-Immunisierung noch eine Impfung mit dem breit immunisierenden 23valenten Pneumokokken-Impfstoff erhalten.
Prevenar® deckt in Europa in der Gruppe der »jungen« Kinder etwa 75% der bekannten invasiven Pneumokokken-Serotypen ab.
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Alter bei Erstimpfung
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Anzahl der Teilimpfungen
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Hinweise zum
Dosisintervall
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Säuglinge von 36 Monaten
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4
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mind. 1 Monat zw. Dosis 1, 2, 3;
Dosis 4 im 2. Lebensjahr
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Säuglinge 711 Monate
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3
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mind. 1 Monat zw. Dosis 1, 2;
Dosis 3 im 2. Lebensjahr
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Kleinkinder 1223 Monate
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2
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2. Dosis im Abstand von mindestens 2 Monaten
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gesunde Kinder ab dem 2. Lebensjahr
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1
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1 Dosis
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Laut Fachinformation bzw. dem Consensus-Papier des Österreichischen Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin
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Sicherheit
Hinsichtlich der Immunität und der Verträglichkeit gab es mit den in Österreich empfohlenen Impfungen keine Interaktionen. Die Pneumokokken-Impfung kann daher simultan mit jeder Mehrfachimpfung erfolgen. Als häufigste Nebenwirkung (>10%) sind lokale Reaktionen, Fieber über 38°C, verminderter Appetit, Durchfall und Erbrechen zu erwarten.
Verwendete Grundlagen:
Consensus-Meeting Prevenar® des Österr. Grünen Kreuzes für Vorsorgemedizin
Austria Codex-Fachinformation Prevenar®
»Schach den invasiven Pneumokokken«; Produktfolder von Wyeth-Lederle Pharma, Wien
»Wirksamkeit, Sicherheit und Immunogenität von heptavalentem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff bei Kindern« St. Black et al. und die Northern Californian Permanente Vaccine Study Center Group; Ped. Infect. Dis. J. 2000; 19: 187195
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