HPV-bedingte Hautwarzen 

Warzen – lästig, aber meist harmlos

Mag. Pharm

Doris

Auinger

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Warze © iStock
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Die allgemeine Prävalenz für Warzen (Verrucae vulgares) beträgt 7 bis 12 %, wobei das Hauptmanifestationsalter zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr liegt und mit zunehmendem Lebensalter sinkt. Während bei Jugendlichen Jungen und Mädchen gleich häufig unter den Hautläsionen leiden, sind es im Erwachsenenalter tendenziell mehr Frauen als Männer. Kinder mit atopischer Dermatitis scheinen aufgrund des sebostatischen Hauttyps und der verringerten zellulären Immunität empfänglicher für eine Virusinokulation zu sein. Zu weiteren prädisponierenden Faktoren für eine Infektion zählen beispielsweise Akrozyanose, Hyperhidrose, angeborene oder erworbene Immundefizienz. 


Großfamilie Humane Papillomaviren

Warzen werden durch humane Papillomaviren (HPV) ausgelöst, die als epitheliotrope, hüllenlose, doppel­strängige DNA-Viren Haut sowie Schleimhäute befallen können. Bislang sind mehr als 200 vollständig klassifizierte Genotypen bekannt. Während gewöhnliche Warzen typischerweise von den HPV-Typen 1, 2, 4, 27 und 57 ausgelöst werden und kein onkogenes Potenzial aufweisen, sind die Hochrisiko-Typen 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58 und 59 für eine Vielzahl oropharyngealer und anogenitaler Karzinome verantwortlich. Selten, aber doch können sich auf dem Boden von Verrucae vulgares auch Plattenepithelkarzinome entwickeln.


Hände, Finger, Nägel, Fußsohle als häufige Lokalisationen


Papillomaviren gelangen über Mikroverletzungen zum Stratum basale der Epidermis, wo sich nach einer Inkubationszeit von Wochen bis zu einigen Monaten stecknadel- bis erbsengroße Hautwucherungen bilden. 
Die benignen Akanthome der Haut zeigen sich bei Verrucae vulgares als flache oder derbe, hautfarbene bis graugelbliche, halbkugelige bis flache Papeln und/oder Knoten mit charakteristischer rauer, papillärer und hyperkeratotischer Oberfläche. Je nach Immunstatus können die gewöhnlichen Warzen überall am Körper – einzeln oder multipel – vorkommen, bevorzugt jedoch an den Händen, Fingern, Fußrücken und gelegentlich an der Nasenspitze. In der Umgebung entstehen durch Autoinokulation oft sogenannte Tochterwarzen.


Problematisch sind die schmerzhaften periungualen Warzen, da diese sich als äußerst therapierefraktär erweisen und eine irreversible Nagelstrukturstörung (Onychodystrophie) zur Folge haben können.
Verrucae plantares (Plantarwarzen) treten an den Fußsohlen auf, können einzeln oder multipel vorkommen, wobei die einzelnstehende Dornwarze sehr schmerzhaft sein kann. Die beständige Druckbelastung verhindert ein exophytisches Wachstum und bewirkt, dass die Plantarwarzen als Hornkegel beim Gehen durch das Körpergewicht in die Dermis der Fußsohle gedrückt werden. Hauptinfektionsquellen stellen Schwimmbäder, Gemeinschaftsduschen oder Turnsäle dar, da durch Feuchtigkeit und Wärme infizierte Keratinozyten von Fußsohlen freigesetzt werden und so Viruspartikel in die mazerierte Haut Dritter gelangen können. 


Im Zentrum der Dornwarze finden sich zahlreiche bräunliche bis schwarze Punkte oder kleine Streifen, die durch schlotförmige Blutungen aus den Kapillaren in das Warzenepithel und anschließend transkorneale Ausschleusung der Erythrozyten zustande kommen. Nicht selten breiten sich Verrucae plantares auch „beetartig“ aus und werden dann als Mosaikwarzen bezeichnet. 

tipps
Unterstützende Maßnahmen

• Verwendung von Druckschutzpflastern bei schmerzhaften Dornwarzen
• Keine gemeinsame Nutzung von Schuhen oder Handtüchern 
• Benutzung von Badeschuhen in Schwimmbad, Sauna etc. (kein Barfußlaufen)
• Bei Personen mit schwachem bzw. noch nicht ausgereiftem Immunsystem (z. B. Diabe-
tiker:innen, Raucher:innen, Kinder)
• Generelle Stärkung des Immunsystems z. B. mit Echinacea-Präparaten, Vitamin C, D3, Zink etc. 
• Vermeidung von immunschwächenden Substanzen wie Alkohol und Nikotin 
• Keine Manipulation mit scharfen Gegenständen (Nagelschere etc.) – Verletzungsgefahr und Streuung möglich
• Tragen von luftdurchlässigem Schuhwerk, um übermäßige Schweißbildung an den Füßen zu verhindern

Verrucae planae juveniles sind flache Warzen, die bevorzugt im Gesicht und am Handrücken als hautfarbene bis graugelbe Papeln auftreten und sich durch Kratz-Autoinokulation (z. B. Rasieren) großflächig ausbreiten können. 
Eine Sonderform stellt die „Metzgerwarze“ dar, die durch den HPV-Typ 7 ausgelöst wird und insbesondere bei Beschäftigten in fleischverarbeitenden Betrieben auftritt. Typische Lokalisationen der Läsionen sind Finger und Hände. HPV-7 wird bei rezidivierenden Hautverletzungen und Kontakt zu Frischfleisch über Schmierinfektionen übertragen. 


Verrucae filiformes (Pinselwarzen) sind sehr kleine, fadenförmige, weiß bis rosa verfärbte Gebilde, die gelegentlich an der Spitze eine braune Verfärbung zeigen.  Sie können überall am Körper vorkommen, wachsen jedoch bevorzugt an Hals oder Gesicht, vor allem in Augennähe. 


Die als rötlich bis grau-weißliche Knötchen erscheinenden, durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragbaren Condylomata acuminata (Feigwarzen) entwickeln sich im Genital- und Analbereich und bedürfen ärztlicher Therapie. 


Hautveränderungen wie Dellwarzen, Stielwarzen und Alterswarzen tragen zwar den Namen „Warze“, sind allerdings nicht HPV-bedingt.  


Abwarten oder Therapieren? 


Die Behandlung gewöhnlicher Warzen erfolgt je nach Lokalisation und Anzahl der betroffenen Areale. Da es sich um virusbedingte Erkrankungen handelt, die in einem hohen Prozentsatz zu spontaner Regression neigen, gilt „watchful waiting“ als mögliche Option. 


Topische Keratolytika

Bei der Therapie mit topischen Keratolytika wie Salicylsäure, Milchsäure, Essigsäure und Harnstoff sollte die (am besten durch ein Bad aufgeweichte) Hornhaut um das gesunde Areal der Warze mit einer geeigneten Salbe (Vaseline, Zinkpaste etc.) geschützt werden, bevor die meist flüssigen Präparate zur Anwendung kommen, welche innerhalb weniger Minuten zu einem Film trocknen. Der keratolytische Effekt kann durch Okklusion (Abkleben mit einem Pflaster) verstärkt werden. Generell gilt es aufgrund der Brennbarkeit der Warzentinkturen, diese gut verschlossen zu lagern sowie von Zündquellen fernzuhalten. Als lokale Nebenwirkungen können Brennen, Rötungen sowie Kontaktallergien auftreten. Salicylsäure-haltige Präparate sind für Säuglinge kontraindiziert, da eine Bioverfügbarkeit von bis zu 25 % nach dermaler Applikation eine systemische Wirkung zur Folge haben kann. 


Kryotherapie
Bei der konventionellen Methode wird flüssiger Stickstoff auf die betroffene Läsion appliziert, welcher das betroffene Gewebe durch sehr niedrige Temperaturen von bis zu -196° C zerstört. Dies kann mit erheblichen Schmerzen einhergehen, weshalb eine vorherige lokale Anästhesie insbesondere bei jungen Patient:innen ratsam ist. Die im Handel verfügbaren Kryostifte erreichen eine schwächere Wirkung bei Temperaturen bis zu -70° C. Der flüssige Stickstoff kann entweder mit einer Kryopistole oder einem Wattestäbchen aufgetragen werden.
 In der Regel sind nur drei bis vier Anwendungen in einem zeitlichen Abstand von 14 Tagen notwendig. Eine aggressive Kryotherapie (mit 10 bis 30 Sekunden) erzielt eine um ca. 20 % höhere Abheilungsrate als eine schwache Kryotherapie. 

Ätzmittel
Ätzmittel wie Ameisensäure oder Trichloressigsäure bewirken eine oberflächliche Nekrose des behandelten Warzengebietes. Aufgrund der Gefahr von Verätzungen bei unsachgemäßer Anwendung sollte diese Methode vorsichtig angewendet und das umliegende gesunde Gewebe geschützt werden.
In einer vergleichenden Studie zwischen Kryotherapie und Trichloressigsäure hat sich die Vereisungsmethode als die effektivere, aber auch die schmerzhaftere Behandlungsart bei Kindern und Jugendlichen gezeigt.

Hausmittel: Hokuspokus oder hilfreich?

Auf Warzen werden gelegentlich Hausmittel wie Apfelessig, Knoblauchzehen, Milchsaft von Schöllkraut, ätherisches Teebaumöl, Propolis-Tinktur, homöopathische Externa wie Thuja oder Chelidonium aufgetragen. Die Anwendung dieser zum Teil über antivirale bzw. zytotoxische Effekte verfügenden Mittel kann versucht werden. 



Bleomycin 
Das Chemotherapeutikum greift in den Zellzyklus ein und führt so zum Zelltod der HPV-infizierten Zellen. Dabei muss das Zytostatikum in die Warze injiziert werden, was bei jungen Patien:innen zu einer potenziellen Noncompliance führen kann.  

5-Fluorouracil
Auch 5-Fluorouracil gehört in die Gruppe der zytostatisch wirksamen Warzenbekämpfungsmethoden und kann sowohl intraläsional als auch topisch in Form einer Creme appliziert werden. CAVE: Die gleichzeitige Behandlung mit Brivudin und einem auch äußerlich angewandten Fluorouracil ist streng kontraindiziert. Die beiden genannten Chemotherapeutika werden bei therapierefraktären Warzen bevorzugt eingesetzt. 

Pulsed-dye-Laser
Der gepulste Farbstofflaser (PDL) arbeitet in einem Wellenlängenbereich von etwa 580–600 nm und richtet sich an das Hämoglobin der kleinen Blutgefäße der Warze. Durch die thermische Destruktion des roten Blutfarbstoffes kommt es so zur Nekrose der Warze. Dieser Therapieansatz wird jedoch bei pädiatrischen Warzen aufgrund der apparativ aufwändigen und ziemlich schmerzhaften Behandlung in den Hintergrund gestellt.  

Imiquimod
Der Immunmodulator wirkt antiviral durch die Aktivierung der angeborenen und adaptiven Immunabwehr. Das Therapeutikum wird üblicherweise als Creme in einer Konzentration von 5 % über Nacht für 6–10 Stunden aufgetragen. Imiquimod ist zwar vor allem bei aktinischen Keratosen indiziert, kann aber auch zur Behandlung von anogenitalen HPV-induzierten Läsionen sowie juvenilen Verrucae vulgares eingesetzt werden. 

Quellen
•   Ludwig, et al.: Referenz Dermatologie (2023), 1. Auflage, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
•   Sterry, et al.: Kurzlehrbuch Dermatologie (2023), 3. Auflage, Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart
•   Kopera D, et al.: Profan, aber immer aktuell: Behandlung von Warzen-Vergleich zweier nichtinvasiver Behandlungsmethoden 
bei juvenilen Verrucae vulgares: 35 % TCA vs. Kryotherapie.
•   Abeck D, et al.: Extragenitale kutane Warzen – Klinik, Diagnose und Therapie. J Dtsch Dermatol Ges 2019; 17(6): 613-636

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