Rechnungshof warnt

EU-Programm gegen Krebs unter Druck

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Krebszellen © Shutterstock
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Laut einem aktuellen Bericht des Europäischen Rechnungshofs gefährden massive Budgetkürzungen beim Programm EU4Health die Zukunft des gesamten Plans: Seit 2024 wurden die Mittel um mehr als 35 % gekürzt – das entspricht einer Milliarde Euro weniger.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Gut konzipierte Projekte werden von den EU-Ländern kaum umgesetzt, und die Beteiligung der Mitgliedstaaten ist insgesamt sehr ungleich verteilt.


Dabei ist die Dimension der Herausforderung enorm, wie die Prüfenden in ihrem Bericht betonen. Alle zwölf Sekunden erhält in der EU ein Mensch eine Krebsdiagnose, jede Minute sterben mehr als zwei Menschen an der Krankheit. Krebs ist damit die zweithäufigste Todesursache in den 27 Mitgliedstaaten. Die wirtschaftlichen Folgen beziffern die Prüfenden auf über 100 Milliarden Euro jährlich. Seit 2021 soll der Anti-Krebs-Plan die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten im Kampf gegen die Krankheit stärken; für die laufende Budgetperiode 2021–2027 waren ursprünglich vier Milliarden Euro vorgesehen.


Der Bericht zeichnet ein gemischtes Bild. Auf der Habenseite stehen zahlreiche EU-weit unterstützte Maßnahmen mit potenziell großem Nutzen. Auf der Sollseite zeigen sich jedoch Schwächen: Manche geförderten Projekte verfolgten zu ähnliche Ziele und sprachen dieselben Zielgruppen an, was den Mitteleinsatz ineffizient machte. Andere Vorhaben waren zwar gut konzipiert, erzielten aber mangels nationaler Übernahme keine nachhaltigen Wirkungen.

Der Rechnungshof fordert daher stärkere nationale Akzeptanz sowie langfristige Finanzierungsstrukturen, die Wirkung über einzelne Projektlaufzeiten hinaus sichern.Besonders augenfällig sind die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bei der Krebsvorsorge. Im EU-Schnitt sind rund zwei Drittel der Mädchen unter 15 Jahren gegen das humane Papillomavirus (HPV) geimpft. Doch dahinter verbergen sich erhebliche Diskrepanzen: Die Impfquoten reichen von lediglich 7 % in Bulgarien bis zu 91 % in Portugal. Österreich liegt mit etwas über 50 % deutlich unter dem EU-Ziel von 90 % bis 2030.

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