HER2 und das nichtkleinzellige Lungenkarzinom
Die Prognose hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab. In frühen Stadien ist das Ziel, eine vollständige Remission zu erzielen, durchaus erreichbar. Dabei wird eine chirurgische Entfernung mit begleitender medikamentöser Therapie vorgenommen. Genetische Mutationen des HER2-Rezeptors können aber nicht nur die Ursache für einen besonders aggressiven Krankheitsverlauf sein, fatalerweise steigern sie auch das Risiko für das Auftreten von Hirntumoren. In den meisten Fällen betreffen Mutationen die Tyrosinkinase-Domäne des HER-2-Rezeptors. Als zielgerichtete medikamentöse Therapie bietet sich vor allem das Antikörper-Toxin-Konjugat Trastuzumab-Deruxtecan an. Künftig könnte das Behandlungsspektrum um spezifische Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) erweitert werden. Der Hoffnungsträger Zongertinib besticht durch den Vorteil, als irreversibler Tyrosinkinase-Inhibitor zu wirken. Außerdem erkennt Zongertinib nicht den Wildtyp des Rezeptors für den epidermalen Wachstumsfaktor (EGFR), was die Off-target-Toxizität reduziert.
Zongertinib
Anwendung
HER-2-positives nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom
Hersteller
Boehringer Ingelheim
Nomenklatur
N-(1-{4-[3-Methyl-4-(1-methylbenzimidazol-5-yl)oxyanilino]pyrimido[5,4-d]pyrimidin-6-yl}piperidin-4-yl)prop-2-enamid
HER-2-positives nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom zeichnet sich durch hohe Aggressivität aus. Der neue Tyrosinkinase-Inhibitor Zongertinib zeigt eine hohe Ansprechrate und könnte sich zur Erstlinien-Therapie eignen.
Beamion-LUNG-1b-Studie
In dieser einarmigen, offenen, multizentrischen Studie wurde die Wirkung von Zongertinib an 72 therapienaiven Patient:innen mit fortgeschrittenem, nicht resezierbarem oder metastasiertem HER-2-positivem NSCLC untersucht. Zongertinib wurde je nach Körpergewicht in einer Dosierung von 120 mg (< 90 kg) oder 180 mg (> 90 kg) einmal täglich oral verabreicht. Bei 11 % der Patient:innen zeigte sich ein vollständiges und bei 65 % ein teilweises Ansprechen. Eine Ansprechdauer von ≥ 6 Monaten wurde bei 64 % der Patient:innen festgestellt. Zongertinib zeigte ein überschaubares Sicherheitsprofil, lediglich bei 6 % kam es zu einem Therapieabbruch. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Durchfall (54 %), Hautausschlag (28 %), Hepatotoxizität (27 %), Müdigkeit (25 %), Übelkeit (23 %), Muskel-Skelett-Schmerzen (21 %) und Infektion der oberen Atemwege (20 %).
Aufgrund der hohen Ansprechrate gewährte die FDA Zongertinib die Breakthrough Therapy Designation. Aktuell läuft die globale Phase-3-Studie Beamion-LUNG-2, in der an 162 Standorten 428 Patient:innen mit Zongertinib oder mit einer gängigen Vergleichstherapie behandelt werden. Bei positivem Verlauf könnte Zongertinib zur Erstlinientherapie bei dieser schwierigen Erkrankung zugelassen werden.
Quellen
• www.boehringer-ingelheim.com/human-health/cancer/lung-cancer/fda-approves-hernexeos-first-line-lung-cancer
• https://clinicaltrials.gov/study/NCT06151574.