Jod kommt in unserer Ernährung in Form von Jodid in natürlicher Form vor. Deutschland und Österreich sind aufgrund der geografischen Lage für Jodmangelzustände prädisponiert, da die Böden jodarm sind und die Versorgung der Bevölkerung laut WHO teilweise als unzureichend gilt.1 Etwa 14 % aller Länder weltweit werden derzeit als Jodmangelländer bezeichnet und zeigen ein erhöhtes Risiko für Jodmangel.2 Auch in Österreich ist das Thema Jodmangel weiterhin von Relevanz, da Studien einen Jodmangel sowohl unter schwangeren als auch nicht schwangeren österreichischen erwachsenen Frauen feststellten.3 Besonders in Anbetracht der gravierenden Auswirkungen von Mangelerscheinungen auf Wachstum und neurologische Entwicklung von Föten ist die Thematik von Wichtigkeit und Aktualität. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene 150 μg, für Schwangere 220 μg und für Stillende 230 μg Jod pro Tag.
Jodmangel nach wie vor ein Thema
Nach WHO-Kriterien herrscht in Österreich und Deutschland ein milder Jodmangel. Aktuelle Daten aus dem Jodmonitoring des Robert-Koch-Institutes (RKI) zeigen, dass 44 % der Kinder und Jugendlichen sowie 32 % der Erwachsenen in Deutschland die empfohlene Jodzufuhr nicht erreichen.4 Auch in Österreich sind laut einer aktuellen Untersuchung vergleichbare Tendenzen zu beobachten. Der letzte aktuelle Österreichische Ernährungsbericht aus 2017 beziffert den Anteil der mit Jod unterversorgten Personen gar auf ca. 85 %. Besonders betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Stillende und Menschen mit veganer oder vegetarischer Ernährung, da sie häufig auf jodhaltige tierische Produkte verzichten.
Jod und seine vorrangigen Effekte
Jod hat zahlreiche positive Effekte auf den menschlichen Körper. Seine bekannteste Funktion übt Jod innerhalb der Schilddrüse aus. So wird es für die Produktion der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) benötigt. Diese Hormone beeinflussen den gesamten Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und die Wärmeregulierung des Körpers. Ein stabiler Jodhaushalt ist also entscheidend für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.
Jod und seine Wirkung auf die Haut
Auch die Haut kann von einer ausreichenden Jodversorgung profitieren. Bei Hypothyreose durch Jodmangel können Hautveränderungen wie trockene, schuppige Haut auftreten. Eine ausreichende Jodversorgung ist daher auch für die Hautgesundheit wichtig.
Jod bei Kinderwunsch, in der Schwangerschaft & Stillzeit
Jod spielt eine wichtige Rolle bei der Fruchtbarkeit und der Entwicklung eines gesunden Fötus. Für Frauen mit Kinderwunsch ist eine ausreichende Jodversorgung entscheidend, da Jod die Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns des ungeborenen Kindes unterstützt. Ein Jodmangel in der Schwangerschaft kann das Risiko von Fehlbildungen erhöhen und die geistige Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen. Schwangere und stillende Frauen haben daher einen höheren Jodbedarf. Für diese wird die zusätzliche Einnahme von Jodtabletten in einer Dosierung von 100–150 μg pro Tag nach ärztlicher Rücksprache empfohlen.
Jodmangel und Schilddrüsenunterfunktion
Einen erhöhten Jodbedarf zeigen Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche, Vegetarier:innen und Veganer:innen, da letztere ernährungsbedingt auf wichtige Jodquellen wie Seefisch und Milch sowie Milchprodukte verzichten.5 Darüber hinaus haben Raucher:innen ein erhöhtes Risiko, einen Jodmangel zu entwickeln, da u. a. das in den Zigaretten enthaltene Thiocyanat den Jodstoffwechsel negativ beeinflusst.
Ein schwerer Jodmangel, klassifiziert als eine Jodausscheidung über den Urin (UIC) von unter 50 μg/L, kann eine Hypothyreose verursachen.6 Die gesundheitlichen Folgen eines Jodmangels können neben der eingeschränkten Schilddrüsenfunktion auch Wachstumsverzögerungen, eine verminderte kognitive Entwicklung, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Muskelschwäche, Hypercholesterinämie sowie Kognitionsstörungen und Depressionen umfassen. Ein Mangel an Jod entwickelt sich meist schleichend und die Symptome sind oft unspezifisch und werden selten als Nährstoffmangel erkannt. Dazu zählen u. a. Konzentrationsprobleme, chronische Müdigkeit oder eine erhöhte Kälteempfindlichkeit.
Salzanreicherung als Jodmangelprophylaxe
Das Speisesalz wird in Österreich seit 1963 mit Jod in Form von Jodid oder Jodat angereichert. Die Jodierung ist hierzulande über Jahrzehnte eine wirkungsvolle Strategie zur Sicherstellung einer ausreichenden Jodzufuhr in Europa. Doch nicht jedes Salz im Handel enthält Jod. Meersalz, Himalayasalz oder Fleur de Sel liefern in der Regel kein Jod. Auch in verarbeiteten Produkten ist jodiertes Salz durch unterschiedliche nationale rechtliche Vorgaben keine Selbstverständlichkeit. Zusätzlich hat Jod ein Imageproblem und die Angst vor Überdosierung und Allergien dämpft die Akzeptanz bei Konsumierenden.
Ist zu viel Jod schädlich?
Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gilt eine maximale Aufnahme von 500 µg Jod pro Tag als sicher. Das Risiko einer Überversorgung mit Jod allein über Lebensmittel ist gering. Der Jodgehalt in Salz ist streng geregelt und liegt bei 15 bis 25 mg Jod/kg Salz, somit enthält ein gehäufter Teelöffel Jodsalz circa 100 µg Jod. Auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen sind jodhaltige Lebensmittel wie Seefisch oder Milch und jodiertes Speisesalz meist unkritisch. Dies sollte jedoch individuell beurteilt werden. Eine übermäßige Jodzufuhr kann durch den Verzehr von Algen mit einem hohen Jodgehalt ≥ 20 mg/kg oder hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel entstehen. Algen und -präparate, bei denen der Jodgehalt nicht ausgewiesen ist, sind daher aufgrund der stark schwankenden Gehalte nicht zu empfehlen. Mögliche Folgen können eine vermehrte Speichelproduktion, Verdauungsstörungen und Hautausschlag sein. Wichtig zu wissen: Auch bei einer extremen Jodüberversorgung kann sich, genau wie beim Jodmangel, ein Kropf entwickeln.
Lebensmittel
Salzwasserfische, Algen, Seetang und Meeresfrüchte haben aufgrund des Jodgehalts des Meerwassers einen höheren Jodgehalt. Weitere wichtige Jodquellen sind Milchprodukte und Brot. Die verpflichtende Jodierung des Speisesalzes ist jedoch die kosteneffizienteste Methode zur Jodversorgung.7
Jod als Nahrungsergänzung zum Einnehmen
In bestimmten Lebenslagen oder für bestimmte Risikopersonen kann die ergänzende Zufuhr von Jod sinnvoll sein. Bei der Einnahme von Jod als Supplement sollte jedoch darauf geachtet werden, die empfohlene Tagesdosis nicht eigenmächtig und ohne medizinische Rücksprache zu überschreiten.
Vorsicht: Autoimmunthyreoiditiden (AIT)
Bei leichtem bis mäßigem Jodmangel ist die Schilddrüse durch erhöhte Aktivität in der Lage, die unzureichende Nahrungsaufnahme auszugleichen, wodurch die Produktion von Schilddrüsenhormonen aufrechterhalten wird. Diese chronische Stimulation der Schilddrüse führt jedoch zu einem höheren Risiko einer Knotenbildung oder Autonomie des Schilddrüsengewebes, was wiederum das Risiko für eine Hyperthyreose erhöht.8 Generell ist der Zusammenhang zwischen Jodzufuhr und Autoimmunität der Schilddrüse komplex. So wurde in Studien erkannt, dass sowohl Jodmangel als auch Jodüberschuss Risikofaktoren für Autoimmunthyreoiditiden bei Erwachsenen darstellen.9 Hier ist auch zu beachten, dass eine Supplementierung mit hohen Joddosierungen ohne bestehenden Jodmangel zu unerwünschten Wirkungen bei Personen mit Hashimoto-Syndrom führen kann.6 Aus dieser Überlegung sollte eine Jodzufuhr von 500 μg/Tag nicht überschritten werden und keine eigenmächtige hochdosierte Jodeinnahme vorgenommen werden. Auch in der Schwangerschaft ist ein Jodüberschuss mit einer erhöhten Prävalenz an Schilddrüsenfehlfunktionen und hyperthyreoten Neugeborenen vergesellschaftet. Auch hier ist die Obergrenze penibel zu berücksichtigen.
Quellen
1 Kalhoff H, et al.: Jod: Immer noch ein kritischer Nährstoff bei Kindern und Jugendlichen. Monatsschr Kinderheilkd 2026; 174:21-32
2 Zimmermann MB, et al.: Global perspectives in endocrinology: Coverage of iodized salt programs and iodine status in 2020. Eur J Endocrinol 2021;185:R13-R21
3 Deischinger C, et al.: Oral contraceptive intake and iodine status in young women. Ann Nutr Metab 2021;77(44):231-235
4 Thamm R, et al.: Jodversorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittsergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Pädiatrische Praxis 2023;100: 18-28
5 Deischinger C, et al.: Nahrungsergänzungsmittel und die Schilddrüse – ein Update zur Supplementierung von Mikronährstoffen. J Klein. Endokrinol Stoffw 2022; 15:74-79
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