Eine aktuelle Übersichtsarbeit analysiert Arzneimittelklassen systematisch und zeigt, dass nicht nur onkologische Therapien, sondern auch alltäglich eingesetzte Medikamente wie Antibiotika, NSAR oder Antidiabetika relevante kardiale Komplikationen auslösen können. Besonders gefährdet sind ältere Patient:innen und Personen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ein zentrales Problem ist die „hidden toxicity“: Viele kardiovaskuläre Effekte bleiben in frühen Studien unentdeckt, da dort meist gesunde Proband:innen eingeschlossen sind. Erst im Versorgungsalltag mit multimorbiden Patient:innen treten sie häufiger zutage:
• Antibiotika: Makrolide und Fluorchinolone können Arrhythmien begünstigen. Das Risiko steigt bei Elektrolytstörungen oder gleichzeitiger Einnahme weiterer QT‑verlängernder Substanzen.
• NSAR: Sie erhöhen das thrombotische Risiko und fördern Flüssigkeitsretention sowie Blutdruckanstieg – ein relevanter Faktor bei Herzinsuffizienz. Eine kurze, niedrig dosierte Anwendung ist entscheidend.
• Antidiabetika: Thiazolidindione steigern das Risiko für Herzinsuffizienz, und auch einige DPP‑4‑Hemmer wurden damit in Verbindung gebracht. GLP‑1‑Agonisten gelten überwiegend als günstig, einzelne Analysen zeigen jedoch mögliche Rhythmuseffekte bei HFrEF (substanzspezifisch).
Fazit: Auch vertraute Wirkstoffe bergen kardiovaskuläre Risiken. Die Therapieentscheidung sollte somit individuell, unter Einbezug der Komorbiditäten und mit einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
RS